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Neuester Testbericht: ... man wohl deutlich mehr Geld. Auch wenn ich mir (wie vermutlich die meisten) nur wenig von den dort präsentierten Luxusgütern leisten k... mehr
Weltweit, Jung, Reich
Wallpaper

Name des Mitglieds: dicorbe
Produkt:
Wallpaper
Datum: 27.01.01, geändert am 27.01.01 (133 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Viele schöne Objekte, in Teilen gut geschrieben
Nachteile: Ach was sind wir alle wohlhabend
Ach was ist das geschmackvoll. Anreize und Orientierung will dieses etwa 10 Mal pro Jahr erscheinende englische Hochpreis-Magazin geben - sollte ich mich denn der jungen, ungebundenen, internationalen, urbanen, hoch mobilen und hoch verdienenden Elite zugehörig fühlen. Na schön.
Immerhin ist Wallpaper trotz (oder wegen) des hochfliegenden Anspruchs schon seit Herbst 1996 auf dem Markt, es scheint einstweilen lebensfähig zu sein. Eine anspruchsvolle Website zu Ergänzung (wallpaper.com) gibt es obendrein. Aktiv sind sie also, die Macher aus der Time-Warner-Gruppe, allesamt Mitte Zwanzig bis Anfang Dreißig. Doch worum geht es eigentlich bei dieser Zeitschrift?
"The stuff that surrounds you" ist der Untertitel, und irgendwo geht es um die Einkleidung der angesprochenen Zielgruppe - vorrangig mit Häusern, Wohnungen, Möbeln, Reisen und allerlei Schnickschnack. Also kein Modemagazin.
Vielleicht ein Lifestyle-Titel, vielleicht ein englisch internationales "Schöner Wohnen" für Menschen die in der Tendenz nach 1967 und vor 1983 geboren wurden. Doch eigentlich geht es vorrangig um die Ästhetik des Produkts. Des käuflichen Produkts als OBJEKT. Produkte, welche die junge Elite am liebsten gleich aus dem sündteuren Möbel- oder Designladen mitnimmt und in die geschmackvoll leere Innenstadt-Bude schleppt. Die wird zwar ohnehin vorwiegend Nachts gesehen, aber es ist doch beruhigend und erhebend, so schöne Objekte darin zu wissen.
Die Ästhetik, der hier gehuldigt wird, ist immer mit Oberflächenqualität verbunden. Einfache Formen, Einfarbigkeit, "wertige" Haptik. Jedes Produkt muss sich anfassen lassen - und es muss hergestellt sein. Natur kommt in Wallpaper nicht vor, sie hat in der Umgebungswelt stattzufinden. Aber hier ist Innen, ist Stadt. Organische Formen sind höchstens mal in der Krümmung des ultrahippen Bugholzstuhls zugelassen - sonst aber bitte draußen bleiben.
Leute werden vorgestellt, Leute in Hauptstädten, die
der Zielgruppe als Identifikationsmuster dienen sollen. Ach was wäre es schön, einmal einige Stunden die Wohnungen dieser tollen Leute zu durchstreifen.
Reiseziele werden vorgestellt, bevorzugt solche, an denen sich mindestens 150 mögliche Mitglieder der Zielgruppe befinden (also vorwiegend Hauptstädte). Ach was wäre es schön, einmal in die interessantesten Wohnungen dieser Reiseziele zu gehen und sie einige Stunden zu durchstreifen.
Einkaufsquellen werden vorgestellt. Designläden in allerlei Hauptstädten. Ach was wäre es schön, einmal einige Stunden diese Einkaufsquellen zu durchstreifen und die erworbenen Objekte in die eigene Wohnung zu bringen - die Andere sicher gerne mal einige Stunden durchstreifen würden (wenn denn der Zaster für etwas "Aussagefähiges" gereicht hat).
Eigentlich will ich Wallpaper gar nicht mies machen. Für die 18 Mark erhält der konsumfreudige Käufer massenweise Anregungen und konkrete Hinweise zum Ausgeben von möglichst viel frei verfügbarem Einkommen.
Die Druckqualität ist für ein in England hergestelltes Magazin überraschend gut, das dicke und leicht matte Papier fühlt sich angenehm an. Die Layout-Qualitäten sind preisgekrönt, und sammeln lassen sich die dicken Bände (ca. 2cm) auch.
Hier gibt es nicht den üblichen Glitzer- und Society-Quatsch der Lifestyle-Magazine älterer Bauart. Es fehlt auch der hausfrauliche Aspekt anderer Wohnmagazine. Modedesigner sind nur über Anzeigen vertreten. Und bei den Hunderten vorgestellter Produkte findet sich mit Sicherheit auch jedesmal etwas wirklich Interessantes.
Andererseits ist die Selbstverständlichkeit, mit der selbst eher zweifelhafte Industrieprodukte scheinbar nur aufgrund ihres Ladenverkaufspreises zu anbetungswürdigen Objekten erhoben werden, doch manchmal etwas aufdringlich.
Immerhin ist stets ein leiser Schuß englischer Ironie dabei, und so wird Wallpaper dann doch ein amüsanter und kurzweiliger Katalog der Eitelkeiten. Natürlich nur für L
eute mit richtig hohem Einkommen, richtig hoher Bildung und richtig großer Wohnung. In einer Hauptstadt.
Fazit:


29.01.01
Hallo dicorbe, klingt ja recht interessant, aber was machen die armen, bemitleidenswer ten Provinzler? :-) Katz