GQ
"GQ" - Magazin oder Luxus-Katalog? - GQ Zeitschrift

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"GQ" - Magazin oder Luxus-Katalog?
GQ

cochas

Name des Mitglieds: cochas

Produkt:

GQ

Datum: 28.09.08, geändert am 10.11.09 (780 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Ein Edel-Katalog, es fehlen nur noch die Bestellmöglichkeiten.

Nachteile: Wird dem hohen Einzelheft Preis überhaupt nicht gerechtfertigt.

Heute komme ich in den Genuss, Euch ein weiteres angeblich hochwertiges Herrenmagazin einmal näher vorzustellen. Wir auch schon bei anderen Berichten über Zeitschriften und Magazine aus der Print-Medienwelt von mir, kann ich aus einem gut sortierten Medienfundus bei mir in der Firma aus dem Vollen schöpfen. Als männlicher Zeitgenosse, bezieht sich meine Auswahl daher eher auf Zeitschriften und Magazine die eher dem "Mann" zugeschnitten sein dürften.

Hin und wieder komme ich nun in den Genuss die "GQ" in der Hand zu halten und durch zu blättern.

"GQ" steht für Gentlemen´s Quarterly und sticht aus der Vielzahl von Männermagazins durch ihre farbige Hochglanztitelseite, meistens ergänzt mittig mit einem Foto eines angeblichen "VIP". "VIP" steht für "Very Important People". Dazu gesellen sich die Titelthemen und Reportagen, die in der jeweiligen Ausgabe der "GQ" zu lesen sind.

Anbei ein kleiner Auszug der Titelseite der jetzigen Ausgabe Oktober 2008:

-George Clooney zeigt endlich sein wahres Gesicht

-Söhne an die Macht. Die Jungen Chefs im Luxus-Business.

-Die neuen Gentlemen. Worauf Sie abfahren?
Warum Sie so erfolgreich sind? Wie Sie sich stylen?
Plus Test: Gehören Sie dazu?

-Unsere Trenchcoat-Auswahl der Saison.

-Wie trage ich einen Dreiteiler?

-Oldtimer Forever, Was Sie beim Kauf alles wissen sollten.

Also, wie gesagt habe ich hier nur einen kleinen Auszug Euch vorgestellt, wie ich finde mit absolut informativen Themen.

Ich merke also sehr schnell, dass ich überhaupt nicht zu dem Leserklientel dieser wichtigen Themen gehöre, den die "GQ" ansprechen will oder möchte. Dabei kann es am Preis in Höhe von 4,50 Eurouro pro Heft nicht liegen, auch wenn ich ein primitiver Arbeiter bin.

Denn "Gentlemens" gehören nicht der Gruppe von Arbeiter an sondern der, der Angestellten und Selbstständigen.
Aber vielleicht werde ich ja nach dem Durchblättern der "GQ" erfolgreicher, vielleicht werde ich auch mein eigener Boss, habe dann genügend Grundwissen zum Kauf eines Oldtimers oder weiß nun endlich einmal dank, das es dieses Magazin gibt, welcher Trenchcoat mir steht, um George Clooney das Wasser reichen zu können.

Jetzt möchte ich einmal näher eingehen auf diese hochwertige monatliche Lektüre, die Wartezimmer von Ärzten und Rechtsanwälte und Friseursalons dekorativ schmücken dürfte.

322 Seiten fasst die jetzige Oktober Ausgabe wobei allein 132 Seiten mit Werbung vollgestopft sind von der Luxusindustrie die versuchen ihre hochpreisigen Artikel dem "Mann" näher zu bringen. Sämtlich Luxus-Designer präsentieren hier ihre Waren wie: "Kenzo, Joop, Armani, Prada, Dolce & Gabbana, Gucci, Hugo,Tag Heuer, Tommy Hilfiger, Lacoste" etc. Auf diese genannten Marken wird auch gerne einmal in Berichten oder Reportagen hingewiesen. Dieses Magazin ähnelt eher einem Katalog der Bekleidungs- und Schmuckindustrie, aber dieses Magazin ist aufgrund seiner hohen Seitenanzahl und dem entsprechenden Gewicht auch nicht für Menschen wie für mich geeignet, die die "GQ" unterwegs Lesen z.B. auf dem Weg vom Job nach Hause. Nimmt man nun die gesamte Werbung einmal heraus, bleiben einem noch 190 Seiten für Information und Reportagen für die Welt des Mannes.

Dank dem "Gentlemen Scout" bekommt man einen übersichtlichen Eindruck der jeweiligen Ausgabe welches gleich zu setzen ist, wie einem Inhaltsverzeichnis, wie man es aus anderen Zeitschriften und Magazins kennt.

Ab Seite 26 wohlgemerkt, wird dem Leser erklärt im "Editorial", was den Mann zum Gentleman macht. Hier ein kleiner Auszug: "...an seinem Style, zum Beispiel an der nonchalanten Art und Weise, wie er diesen Winter Dreiteiler nicht nur im Büro trägt. An seinen wenigen, aber sehr gezielt eingesetzten Accessoires, etwa der schlichten goldenen Uhr (Seite 153)? Vielleicht daran, dass er stets ein edles Klappfeuerzeug mit sich führt- auch wenn er selbst gar nicht raucht".

Es ist also schon interessant zu lesen wie die "GQ", den Begriff Gentlemen definiert.
Laut Wikipedia ist zu lesen, dass der Begriff des Gentlemen relativ vage und konturlos ist; eine verbindliche Charakterisierung ist kaum möglich. Zum Thema Bildung ist zu finden: Nach Auffassung des elisabethanischen Adeligen Richard Mulcaster zeichnet einen Gentleman aus, dass er lesen, schreiben, zeichnen, singen, fremde Sprachen sprechen könne. Betreffend der Beschäftigung: Zentrales Augenmerk wurde auch der Frage geschenkt, auf welche Weise der Betreffende seinen Lebensunterhalt verdient. Die strengste Auffassung verlangt, dass ein Gentleman in der Lage sein müsse, diesen gänzlich ohne eigene Arbeit zu bestreiten - was den Kreis im Wesentlichen auf adelige Großgrundbesitzer verengte."

Gut zu wissen, dass ich mich als auch als "Gentlemen" betiteln darf, wenn ich der Definition von "Wikipedia" Glauben schenken darf, zumal ich schreiben, lesen, zeichnen und zwei fremde Sprachen beherrsche. Rein finanziell hätte ich auch Schwierigkeiten bekommen zwecks Anschaffung der goldenen Uhr und dem edlen Klappfeuerzeug. Andererseits kann ich nicht singen und muss mein Leben aus selbstständiger Arbeit finanzieren, welches mich dann zu einer Betitelung des "Gentlemen" verneint.

Also zurück zum Inhalt des Hochglanzmagazin.

Liam Gallagher, Sänger der britischen Band "Oasis" stellt sein neues Album vor und schimpft über Doherty, Coldplay und rosa Lederjacken. Gut zu wissen in welcher Stadt, in welchem See ich jetzt noch schnell rein springen sollte, bevor der erste Frost die Badesaison beendet. Im "GQ" Guide mit dem Thema "How To Fly", erfahre ich in 3 Schritten das Fliegen wieder zu lieben. In der Rubrik "Reisen" erfährt der "Gentlemen" ob Billigflieger wirklich billiger sind und mit Hilfe einer Grafik wird mir gezeigt am Beispiel des Airbus A340-500, wie ich mir den besten Platz am Board schnappe. Wichtig ist auch zu wissen, welche Stewardess von welcher Airline am schönsten fliegt und wie ich zum "Meilenmillionär" werde. Wenn man echte Budapester sucht, sollte man den "GQ" Wochenendplan für den perfekten Kurztrip nach Budapest lesen. Ich möchte dabei anmerken, das der Budapester ein Schuster ist und nicht ein Einwohner der Hauptstadt. Man hätte von Budapest auch eine Citygrafik darstellen können mit Hilfe von Fixpunkten wüsste der "Gentlemen" sofort, wie er sich in dieser Stadt zu orientiren hat, zwecks Luxusshopping.

Männer großzügiger Geldbörse finden Designtips für einen sicheren Heimsieg. Eine Holzbank für 1350 Euro, ein Stoffsofa für 2070 Euro (Marke 1973), oder ein Teewagen für 1475 Euro um nur einige Beispiele zu nennen. Sehr schön der Kleiderständer in Form von übergroßen Mikadostäben für lächerliche 490 Euro.

In der Rubrik "Architektur" findet man einen, endlich mal einen interessanten Bericht eines im Bau befindlichen Wolkenkratzer in Dubai mit beweglichen Stockwerken.

In der Rubrik "Test", findet man eine Kamera mit der man auch telefonieren kann (So ist auch der Titel). Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Ich nenne es nur Fotohandy.

Oldtimer und hochpreisige Fahrzeuge werden in der Rubrik "Auto" reichhaltig mit schönen Fotos dargestellt mit einem 10 Schritte Frage- und Antwortbogen mit den Grundregeln zum Kauf eines Oldtimers. Hier waren die Fotos mit ihren technischen Details der einzelnen Nobelmarken für mich interessanter als zu wissen, wie ich ein Profi-Sammler werde.

Wer die Doppelauspuffrohre des Porsche Cayenne GTS anhören will, muss normalerweise ca.78000 Euro hinlegen. Dank dem Surfverhalten der Redaktion der "GQ", kann man auf einer US-Webseite den Porschemotor einmal aufheulen lassen.

Ich könnte hier noch mehr über unsinnige Reportagen, Design, Fashion, Shopping, Styling, Tips und Sex Euch hier berichten, den dieses Magazin vereint. Ich gehe daher nicht weiter auf den Inhalt des Magazin ein, obwohl ich gerade erst die Hälfte des, ich nenne es einmal Katalog angelangt bin. Wie schon erwähnt, hält man mit einer "GQ" Ausgabe ein Hochglanzmagazin in der Hand. Zu den meist uninformativen und flachen Beiträgen ist es verwunderlich das sich die Herstellergemeinde des oberen Preissegments hier gerne diese Medienplattform nutzt, um ihre Luxusgüter für den Leser bekannt zu machen.

Den Ausgabe Preis in Höhe von 4,50 Euro halte ich entschieden zu hoch, zumal ich mir jeden Produktkatalog einzelner Firmen meistens kostenlos zuschicken kann. Denn nichts anderes ist für mich die "GQ", ein Katalog oder eine Messe von Luxusgütern der Hersteller im Hochglanzformat, schön verpackt mit viel netter nackter Haut und wenig Info.

Eben ein netter Dekoartikel, zwecks Schmückung sämtlicher Agenturen und Wartezimmer Deutschlands. Ich bin froh, das ich auch ohne Unterstützung der "GQ" hier in Deutschland Mann sein darf, auch ohne edlem Klappfeuerzeug, ohne teurer goldfarbenden Uhr ( ich meine die von Seite 153), ohne Gesangsqualität, aber trotz alledem morgen wieder arbeiten gehe.


Erhältlich ist die "GQ" in jedem gut sortierten Zeitschriftenhandel oder direkt online unter: www.gq.magazin.de
Preis pro Ausgabe: 4,50 Eurouro
Seitenanzahl: ca. je nach Ausgabe 320 Seiten
"GQ" erscheint monatlich in der Conde`Nast Verlag GmbH
Karlstraße 23, 80333 München
www.gq-magazin.de

10.11.09

Zwischenzeitlich hat sich der Verkaufspreis um 50 cent erhöht, leider ist die Qualität immer noch genau so, wie vor einem Jahr. Das weiß ich daher, das ich mir hin und wieder von der Arbeit eine Zeitschrift für den "Nach-Hause-Weg" mit nehme um mir die Zeit im Zug zu vertreiben.

Fazit: Als kostenlose Beilage wie einem Prospekt, würde ich die "GQ" mit nehmen