Yager (Xbox)
Sattes Ballerspektakel - Yager (Xbox) Xbox Spiele

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Produkttyp: THQ Xbox-Spiele

Sattes Ballerspektakel
Yager (Xbox)

sinfortuna

Name des Mitglieds: sinfortuna

Produkt:

Yager (Xbox)

Datum: 07.12.06

Bewertung:

Vorteile: Grafisch einfach überwältigend, abwechslungsreicher Spielverlauf, Waffenvielfalt, saubere Steuerung

Nachteile: Laue Soundkulisse, schlappe Story, kein Multiplayer, insgesamt verdammt schwer

Das Genre der Ballerspiele war vor „Urzeiten“ das erste, welches ich in mein Herz schloss. Generationen sind seitdem - na ja, nicht ganz: sagen wir besser Jahrzehnte – vergangen und noch immer lodert ein diesbezügliches Feuer in mir. Okay, im Klartext soll das heißen: erlange ich Kenntnis von einem zünftigen Shoot’em Up, bin ich überaus neugierig, möchte unbedingt mehr erfahren. So geschehen unter anderem auch bei „Yager“ für die X-Box von Microsoft, welche ein (mindestens) sehr ordentliches Ballerspektakel darstellt. Dass ein Multiplayermodus vernachlässigt wurde, ist zwar schade, jedoch bei der Mehrheit von Shootern so der Fall. Die Zielgruppe wird in erster Linie dadurch relativ gering sein, da wir es im vorliegenden Fall mit einem schweren Ballerspiel zu tun haben, bei dem nur besonders ausdauernde oder hochtalentierte (am Besten Beides) Videospieler eine realistische Chance haben, den Abspann erblicken zu können. Wer sich das zutraut, darf gerne weiterlesen. Bitteschön.


Dieses Baller-Epos siedelt sich im Reich der Science-Fiction-Abenteuer an, was bedeutet, dass sich das Szenario in ferner Zukunft abspielt. Allerdings sind wir nicht in einem Lichtjahre entfernten Sternensystem unterwegs, sondern sind brav „Zuhause“ geblieben, wir toben uns somit am Firmament der guten alten Erde aus. Wie so oft in düsteren Endzeitszenarien – mit einem solchen haben wir es hier bei „Yager“ zweifellos zu tun – bestimmen mächtige Konglomerate das Geschehen. Große Wirtschaftskonzerne teilen sich den Kuchen naturgemäß nicht brav auf, sondern veranstalten erbitterte Kriege bezüglich heißbegehrter Territorien. Wir selber interessieren uns nicht besonders um jene Machenschaften, einzig allein „Bares ist Wahres“ ist unser Leitspruch, denn: wir sind Magnus Tide, seines Zeichens ein furchtloser Söldner.


Ein böser Obermotz mit dem mehr oder weniger klangvollen Namen Gunther van Berg strebt offensichtlich nach der Weltherrschaft. Um jenem Herrn ordentlich einen Strich durch die Rechnung machen zu können, ballern wir uns durch über zwanzig Level, die es größtenteils ordentlich in sich haben. Kurz nach dem Erhalt eines neuen Auftrags befinden wir uns jedenfalls auf dem Stützpunkt des neuen Arbeitgebers und müssen uns urplötzlich der wütenden Angriffe übler Luftpiraten erwehren, die offensichtlich auf ganz fette Beute aus sind. Nachdem wir uns (hoffentlich) rasend schnell an die Funktionsweise der Waffen und das Handling unseres Raumgleiters gewöhnt haben, starten wir los und geben den Heerscharen an Feinden ordentlich Saures. Dabei handelt es sich beileibe nicht um einen gewöhnlichen Gleiter, vielmehr lässt er sich in unterschiedliche Typen verwandeln, die je nach Spielsituation auch dringend erforderlich sind. Ob als Kampfjet hoch oben in der Luft oder per Hovercraft knapp über dem Erdboden bzw. über Wasser: wir erweisen uns als echtes Allroundtalent. Zumindest müssen wir das, wollen wir wirklich auch nur den ersten Spielabschnitt mit heiler Haut überstehen. Die Vielseitigkeit unseres Gleiters ist sehr praktisch, da wir einerseits die Flugobjekte des Feindes serienweise vom Himmel abschießen müssen, anderseits auch die feindlichen Bodentruppen und zahlreichen Gebäudekomplexe per flächendeckendem Bombardement in ihre einzelnen Bestandteile zerschießen. Für Abwechslung ist somit grundsätzlich gesorgt, gar keine Frage.


Werfen wir einen Blick auf die uns zur Verfügung stehenden Waffensysteme, so stellen wir fest, dass außer der „gewöhnlichen“ Bordkanone des Weiteren Laserwumme, Maschinengewehr, Flammenwerfer, Sniper-Knarre und Raketenwerfer zur Anwendung kommen. Alles nach und nach, versteht sich, schließlich müssen wir uns durch anfängliche Erfolge dessen erst als würdig erweisen, versteht sich. Das Zünglein an der Waage spielt dabei der Munitionsvorrat, dieser ist (selbstverständlich) nicht unbegrenzt, so dass es sich mittel- und erst recht langfristig lohnt, nicht wild um sich zu ballern, sondern das feindliche Objekt ins Visier zu nehmen, heranzuzoomen und dann erst abzuballern, wenn wir uns ernsthaft gute Chancen ausrechnen, dass wir jenes auch treffen. Die Steuerung ist erfreulicherweise gut durchdacht und geht uns erstaunlich schnell in Fleisch und Blut über, sehr schön. Ein Radargerät klärt uns zusätzlich über die Positionen der Feinde auf und die Übersichtskarte verschafft uns detaillierte Infos zu den geographischen Begebenheiten des jeweiligen Levels und dem momentanen Stand der aktuellen Mission inklusive der noch zu erfüllenden Ziele. In diesem Punkt wurde somit ganze Arbeit geleistet, bravo.


So richtig interessant wir das Gameplay durch die dichte Atmosphäre während einer Mission: alliierte Einheiten rufen uns über Funk aktuelle Infos zu oder bitten um schnellstmögliche Unterstützung, was in der Regel das Erfüllen von Sekundärzielen, sprich Nebenmissionen bedeutet. Doch auch die Feinde zeigen sich wahrlich nicht wortkarg, auch sie sind mit ihrem Kampfesgeschrei über die Lautsprecher nicht zu überhören. Mehr Bedeutung haben natürlich die Hilferufe, denen wir als engagierter Söldner natürlich nur allzu gerne nachkommen: Bergung von Uran aus russischen Minen, das Einsammeln von Verbündteten, die sich in einer äußerst prekären Situation befinden oder auch einfach nur Wettrennen für Ruhm und Ehre und natürlich auch ordentlichen Zaster sind mit von der Partie. In den über zwanzig (Haupt-)Missionen erwarten uns sehr abwechslungsreiche Landschaften und vielfältige Missionsziele, welche durch die – bereits erwähnten – zahlreichen Nebenaufgaben aufgepeppt werden und zweifellos für zusätzliche Motivation sorgen. Generell führen wir Eskortierungsaufträge aus, sehen uns in beinharten Verteidigungsaufträgen einer feindlichen Übermacht gegenüber oder ballern in reinen Offensivaktionen – „natürlich“ in Form reiner Präventivschläge, versteht sich – alles in Grund und Boden, was auch nur ansatzweise nach einem feindlichen Subjekt oder Objekt aussieht. Weitere interessante Einsätze wie Scharfschützenmissionen und das Infiltrieren feindlicher Anlagen runden das sehr abwechslungsreiche Gameplay ganz hervorragend ab.


Das Salz in der Suppe sind natürlich die mächtigen Obermotze zwischendurch, die sich ihren Namen hier auch redlich verdient haben. Knackig schwer, aber selten unfair, so oder so ungefähr möchte ich den Schwierigkeitsgrad bezeichnen. Nicht unter den Tisch fallen lassen möchte ich aber auch, dass manche Missionen extrem spannend, andere wiederum fast schon langweilig sind. Insgesamt sorgt das für eine gewisse Unausgewogenheit: fühlt Ihr Euch in einem Abschnitt (wenn auch selten) arg unterfordert oder schleicht sich so langsam aber sicher Monotonie ein, so sieht es beim nächsten Level gänzlich anders aus: mächtige Gegner, die uns keine Verschnaufpause gönnen und teils sehr üble Checkpoints lassen uns öfter den Game-Over-Bildschirm erblicken als gewünscht.


Die Grafik ist glasklar neben den abwechslungsreichen Missionsinhalten der Pluspunkt von „Yager“ schlechthin. Stellenweise ist die Optik einfach grandios: fantastische Spezialeffekte en masse in Form von Explosionen, Lichtblitze wohin man schaut, detailreich gestaltete Feinde und ebenso hochauflösende Landschaftsoptiken erfreuen das Auge ungemein. Dabei bleibt die Optik auch bei höherem Gegneraufkommen angenehm flüssig, teilweise füllen die riesigen Zerstörer nahezu komplett den gesamten Bildschirm. Der 60-Hertz-Modus ist da quasi schon Pflicht, um das imposant in Szenen gesetzte Geschehen entsprechend bewundern zu können. Die (sicherlich nett gemeinten) Sequenzen zwischendurch hätten entweder etwas besser präsentiert werden müssen oder lieber ganz weggelassen werden sollen, sie können mit der hohen Qualität der Spielgrafik nicht mithalten, speziell die in ihnen vorkommenden Figuren erinnerten mich sogar an Spiele aus „grauer Vorzeit“.


Die Soundkulisse kann da nicht mithalten, sie ist nur durchschnittlich. Und dies ist eigentlich schon negativ zu bewerten, da ich speziell bei einem solch brachialen Actionspektakel wie diesem hier eine angemessene Unterstützung nicht nur in optischer sondern auch akustischer Hinsicht erwarte. Dies ist aber nicht der Fall. Daran ändert auch die Unterstützung einer Surroundanlage nichts. Mag ich über das dezente Hintergrundgedudel zwischendurch noch gnädig hinwegsehen, so wenig tolerant bin ich doch gegenüber den Soundeffekten bzw. den Außengeräuschen. Angesichts der Masse an Explosionen und Schusswechsel muss da einfach mehr kommen, viel mehr als ein zartes Zischen oder Rauschen. So wird eine unangenehme Distanz zum eigentlichen Geschehen gefördert und das kann ja nun wirklich nicht Sinn der Sache gewesen sein. Zumindest leichte Abzüge im Hinblick auf die Gesamtbewertung dieses Baller-Epos muss dies unweigerlich nach sich ziehen.


Den negativen Aspekten wie die zu dezente Soundkulisse, die belanglose Story, der fehlende Multiplayermodus und dem für viele zu hohen Schwierigkeitsgrad stehen eine grafische Pracht, sehr abwechslungsreiche Missionsinhalte, eine große Waffenvielfalt und eine durchdachte Steuerung gegenüber. Langweilt die ein oder andere Mission, so verläuft die überwiegende Mehrheit hochspannend, allerdings mit einem unübersehbaren Frustfaktor inklusive. Nur erfahrene Veteranen oder Interessierte (und zumindest halbwegs Begabte) mit einem dicken Fell sollten sich an dieses edle Ballerspiel wagen. Diese kommen aber – bis auf wenige Abstriche – voll auf ihre Kosten. Meine Spielspaßwertung: 82%.

Fazit: Absoluter Top-Titel. Allerdings für Profis.

Bedienkomfort:    
Grafik:    
Sound:    
Schwierigkeitsgr.:    
Spaßfaktor: