XIII (Xbox)
Abgefahrener Comic-Shooter - XIII (Xbox) Xbox Spiele

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Produkttyp: Ubisoft Xbox-Spiele

Abgefahrener Comic-Shooter
XIII (Xbox)

sinfortuna

Name des Mitglieds: sinfortuna

Produkt:

XIII (Xbox)

Datum: 19.01.07

Bewertung:

Vorteile: Cool, mutig, innovativ, unterhaltsam, interessant, spannend, abwechslungsreich, motivierend

Nachteile: Einige unfaire Stellen, oftmals muss ein Gebiet in- und auswendig gelernt werden

Ein absolut ungewöhnliches Videospiel stellt „XIII“, an dem sich die Geister scheiden werden. Es gibt einige sehr positive Dinge zu verzeichnen und nur ziemlich wenige, aber dafür auch nicht gerade unwesentliche Aspekte, die sich teils auf den ersten Blick und teils erst bei genauerer Betrachtung erschließen. Dabei kann man über einzelne Punkte sicherlich diskutieren und vieles vom persönlichen Geschmack abhängig machen, einiges hingegen nicht. Fest steht, dass es sich bei „XIII“ um einen ungewöhnlichen Ego-Shooter handelt, der eine Comicvorlage als Vorbild hat und entsprechend auch in einem Comic-Design daherkommt. Das allein ist speziell im Shooter-Bereich äußerst rar. Umso erstaunlicher, das trotz des grundsätzlich harmlosen Comic-Stils ein hoher Grad an Brutalität festzustellen ist, der manche abschrecken, andere hingegen erfreuen wird. Letzteres dürfte insbesondere bei den Genre-Fans der Fall sein, schätze ich.


Wer dem Ballerspiel-Genre auch nur im Entferntesten etwas abgewinnen kann, muss sich dieses Game unbedingt anschauen, was nicht automatisch heißt, dass es ihm auch gefällt. Doch einmal gesehen haben sollte es jeder von Euch, der sich auch nur ansatzweise für die Art von Videospiel interessiert. Da jeder stolzer Besitzer einer Sony Playstation 2 oder Microsoft X-Box, eines Nintendo Gamecubes und ansonsten eines PCs in den Genuss dieses Spiels kommen kann, haben wir es mit einer flächendeckenden Versorgung zu tun, in der Beziehung hat sich Ubisoft offensichtlich nicht lumpen lassen. Hervorzuheben ist bei der X-Box-Version – und über genau diese möchte ich Euch nun berichten – dass der Multiplayermodus eine angenehme Berücksichtigung fand, denn bis zu vier Gleichgesinnte dürfen sich gemeinsam vor dem Bildschirm austoben. Wem das noch nicht reicht, der darf auch per Link-Kabel auf zwei X-Boxen zu acht zu Werke gehen oder ebenfalls zu acht online via X-Box Live. Was sicher nicht verkehrt ist.


Unser Protagonist gehört zweifelsohne zu denen der ungewöhnlichen Sorte. Nicht nur, dass er sich die römischen Ziffern XIII auf die Schulter tätowiert hat – das allein reißt heutzutage sicher niemanden mehr vom Hocker – sondern vielmehr, dass er des Mordes an niemand Geringerem als den amerikanischen Präsidenten verdächtigt wird. Doch fast noch mehr macht ihm etwas Anderes zu schaffen: er scheint offensichtlich an Amnesie zu leiden, weiß gar nicht (mehr), wer er eigentlich ist. Ziemlich unangenehm das Ganze, versteht sich. Also sind wir primär daran interessiert, Licht ins Dunkel bezüglich unserer Vergangenheit zu bringen. Und zwar auf eine äußerst rabiate Art, denn offensichtlich scheinen sich sehr viele Individuen im wahrsten Sinne des Wortes auf uns eingeschossen zu haben. Dass wir jenen nicht völlig wehrlos gegenüberstehen, versteht sich quasi von selbst: selbstverständlich kommen Maschinenpistolen, Gewehre, Schrotflinten, Granaten usw. regelmäßig zum Einsatz, wobei es natürlich auf die jeweilige Situation ankommt und selbstverständlich den Munitionsvorrat für die entsprechende Waffe.


Letzterem Punkt kommt eine erhöhte Bedeutung zu, was im Klartext bedeutet, dass wir in „XIII“ im Allgemeinen nicht zu verschwenderisch mit der Munition umgehen sollten. Doch selbst dann gibt es einen Ausweg: zweckentfremdet herumliegende Gegenstände einfach als Schlaginstrument und bratet dem Feind derbe einen über. Dafür müssen wir uns diesem aber natürlich möglichst lautlos nähern, da ausschließlich der Nahkampf uns weiterbringt. Viele Schleichpassagen sind dann auch tatsächlich ein elementarer Bestandteil dieses Shooters, was ja auch grundsätzlich zu begrüßen ist. Interessant hierbei: habt Ihr Euch erfolgreich an das angepeilte Opfer herangeschlichen, haben wir nicht selten die Qual der Wahl. Den Feind umgehend abzumurksen, zieht oft Nachteile nach sich, denn angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit des Feindes lassen sich diese des Öfteren viel besser als lebendes Schutzschild missbrauchen. Die (angenehme) Folge: wer einfach nur drauflos ballert und reihenweise Feinde abknallt, schaut früher oder später angesichts aussichtloser Situationen mächtig in die Röhre. Voraussichtlich zumindest.


Für willkommene Abwechslung sorgen die Missionsziele, denn diese schreiben nicht selten vor, dass es hauptsächlich darauf ankommt, unbemerkt den Zielort zu erreichen, also ohne auch nur ein einziges Mal entdeckt worden zu sein. Zudem wird es uns ab und an auch auferlegt, keine unschuldigen Zivilisten zu töten: das kann im Eifer des Gefechts nämlich schon einmal vorkommen, darf aber speziell bei diesen Aufträgen nicht der Fall sein. Spätestens in der zweiten Spielstunde mehrt der Shooter-Freak, dass ein unbeschwertes oder besser gesagt unüberlegtes Herumballern nicht viel bringt. Dies spricht demzufolge für eine Prise Anspruch, schätze ich. Noch mehr frischen Wind ins Gameplay bringt die Tatsache, dass wir uns per Enterhaken über Abgründe schwingen, Gespräche abhören und verschlossene Türen knacken müssen. Zudem haben wir offensichtlich einen ausgeprägten sechsten Sinn, wie es scheint: laufen wir nämlich langsam durch die Walachei, sind wir in der Lage verräterische Geräusche der Feinde zu bemerken bzw. deren Bewegungen zu orten. Dies ermöglicht es uns nicht selten, vorausschauend zu Werke zu gehen, da wir oftmals wissen, wie es ungefähr im nächsten Raum aussehen wird. Schlaue Köpfe schlagen dann blitzschnell per Überraschungsangriff zu. Da darf ein gewisses Maß an Abwechslung, was die Aufgaben betrifft, natürlich auch nicht fehlen: Befreiungs-, Eskortierungs- und Zerstörungsmissionen geben sich hier bei „XIII“ praktisch in steter Regelmäßigkeit die Klinke in die Hand. Langweilig sollte es somit eigentlich nicht werden.


Nachteile gibt es aber auch, den Spielverlauf betreffend. Das möchte ich keinesfalls verschweigen. Zunächst einmal nervt es schon ziemlich früh gewaltig, dass wir offensichtlich die Areale in- und auswendig lernen müssen. Das ist deswegen erforderlich, da wir ansonsten oft ein Opfer eines feindlichen Überraschungsangriffs werden und dann gar nicht mehr die Chance haben, reaktionsschnell reagieren oder zumindest flüchten zu können. Dieses Trial-and-Error-Verfahren zehrt auf die Dauer am Nervenkostüm. Ich jedenfalls fand es nicht sonderlich prickelnd, zwei oder dreimal das Zeitliche segnen zu müssen, um dann beim vierten Mal aufgrund der gemachten Erfahrungen ziemlich glatt durchzukommen. Ab und an mag dies ja völlig okay sein – zu leicht soll es uns ja schließlich nicht gemacht werden – aber praktisch andauernd? Nein, danke, darauf hätte ich gerne verzichtet. Jene frustrierenden Passagen senken den Spielspaß nicht unerheblich. Ein besonders Ärgernis waren dabei die Schleichpassagen, in denen ich oft das Gefühl hatte, nichts so richtig falsch gemacht zu haben, aber trotzdem kalt erwischt wurde und den (Bildschirm-)Tod erleiden musste. Nein, das schmeckte mir ganz und gar nicht. Kommissar Zufall war dann viel öfter angesagt als mir lieb war, denn manchmal klappte es dann wie ein Wunder schließlich doch. Und das, obwohl ich mir keine größeren Veränderungen bezüglich meiner Vorgehensweise bewusst war. Ein fader Nachgeschmack bleibt somit übrig, wenn ich auch deutlich sagen muss, dass Spannungsgehalt, Abwechslungsreichtum und Motivation klare Pluspunkte darstellen. Schließlich verdienen sich sowohl Kameraführung als auch Steuerung ein Sonderlob, hier gibt es so gut wie nie Anlass zur Beschwerde, was gerade im Shooter-Bereich keine Selbstverständlichkeit ist. Die Kamera hat alles im Griff, so gut wie nie verlieren wir den Überblick und die Steuerung ist richtig stark, nämlich superpräzise und von der Tastenbelegung her gut durchdacht, bravo.


Die Präsentation insgesamt zu bewerten, fällt speziell im vorliegenden Fall etwas schwer. Dies liegt vor allem daran, dass vieles Geschmackssache sein dürfte. Dem Einen dürfte die Comic-Grafik außerordentlich gut gefallen und vor allem erfrischend anders, eben innovativ daherkommen, dem Anderen wird das design hingegen überhaupt nicht schmecken. Möglichst objektiv betrachtet haben wir es aber mit einer sehr detailreichen Spielumgebung zu tun, dis betrifft sowohl die knallbunte Spielgrafik, die zwischendurch immer wieder eingeblendeten Comicbilder als auch die interessanten Zwischensequenzen, welche gekonnt die Story weitererzählen. Auch die Zeichnung der Charaktermodelle ist (für mich überraschend) gut gelungen, nicht zu vergessen die fetten Buchstaben, welche im Comic-Stil speziell bei den krachenden Schusswechseln quer über den Bildschirm wandern. Originell ist das Ganze allemal, keine Frage. Dass weder 60-Hertz-Modus noch 16:9-Breitbildformat unterstützt werden, fällt dabei gar nicht sonderlich negativ auf. Dass deutsche Bildschirmtexte berücksichtigt wurden, macht bei diesem Ballerspiel sogar wirklich Sinn, denn zuweilen ist dieser Ego-Shooter erstaunlich textlastig, einige Dialoge und vor allem die Erinnerungsschübe werden durch diese gelungen dargestellt. Die Soundkulisse ist ebenfalls sehr ordentlich ausgefallen. Die Gespräche der Hauptfiguren gefallen durch eine richtig gute deutsche (auf Wunsch auch englische) Sprachausgabe, die Außengeräusche in den unterschiedlichen Level allgemein und insbesondere bei den wilden Schusswechseln kommen authentisch bzw. krachend rüber. Die Hintergrundmelodien haben her eine eher untergeordnete Bedeutung, sie würden auch tatsächlich eher stören als dass sie die Atmosphäre unterstützen könnten. Nur stellenweise kommen diese zur Geltung und dann zumeist nicht ohne Grund, besonders dann, wenn etwas Wichtiges eingetreten ist oder auf etwas Besonderes geachtet werden muss. Der Stil ist eher aus den 70er-Jahren, was für ein Ballerspiel auch eher ungewöhnlich sein dürfte. Wie so vieles hier bei „XIII“.


Dieses Ballerspiel ist erfrischend anders und allein deswegen hat es eine erhöhte Beachtung verdient. Dass das Comic-Design – unabhängig vom persönlichen Geschmack – so gut passen würde, hätte ich nicht gedacht. Überhaupt ist die Präsentation – sowohl Optik als auch Soundkulisse - neben der hervorragenden Steuerung und dem hohen Maß an Innovation der dickste Pluspunkt. Ärgerlich sind die vielen frustrierenden Momente, in denen wir ohne größeres eigenes Verschulden erwischt werden und nicht selten dazu gezwungen sind, den Level in- und auswendig lernen zu müssen. Und dies ziemlich oft, was auf Dauer gewaltig nervt. Spannend, unterhaltsam, motivierend und nicht ganz unbrutal ist dieses Ballerspektakel ohne Zweifel und darüber hin aus auch noch tadellos inszeniert. Wer Shootern gegenüber nicht abgeneigt ist, sich mit dem ungewöhnlichen Comic-Stil anfreunden kann und auch über den ein oder anderen nervigen Moment hinwegsehen kann, kommt hier zweifelsohne voll auf seine Kosten. Spielspaßwertung: 79%.

Fazit: Sehr innovativ. Erfrischend anders. Gut.

Bedienkomfort:    
Grafik:    
Sound:    
Schwierigkeitsgr.:    
Spaßfaktor: