XGRA (Xbox)
Extrem schnell und chaotisch - XGRA (Xbox) Xbox Spiele

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Produkttyp: Acclaim Xbox-Spiele

Extrem schnell und chaotisch
XGRA (Xbox)

sinfortuna

Name des Mitglieds: sinfortuna

Produkt:

XGRA (Xbox)

Datum: 11.01.07

Bewertung:

Vorteile: Mörderisch hohes Tempo erfreut Arcade-Fans (eventuell), interessante Spielmodi + Rennvarianten

Nachteile: Mal zu leicht und mal unfair, arge Übersichtsprobleme, übertrieben hohes Tempo

Heimlich, still und leise hat sich die „Extreme-G-Rennspielserie“ eine kleine Nische im Reich der Racer geschaffen, was schließlich gar nicht einmal so leicht ist, da man aufgrund der enormen Masse und zuweilen auch Klasse an Titeln speziell in diesem Genre leicht verdrängt bzw. in Vergessenheit geraten kann. Auf den ersten Blick hatte ich „XGRA“ angesichts der abgekürzten Form des Namens noch nicht einmal als weiteren (vierten) Vertreter jener Reihe erkannt, doch schnell erkennen wir beim Blick auf das Geschehen die sehr nahe Verwandtschaft zu den Vorgängern. Der Titel steht für „Extreme G Racing Association“, dies als Info am Rande. Ich persönlich muss allerdings zugeben, dass ich mich zu keiner Zeit so recht für diesen futuristischen Hochgeschwindigkeitstitel begeistern konnte, viel zu hektisch, unübersichtlich und nicht selten chaotisch verliefen die einzelnen Rennen. Dies mag der ein oder andere von Euch sicherlich anders sehen, was natürlich völlig okay ist. Unzweifelhaft dürfte diesmal aber sein, dass im Fall von „XGRA“ für die Microsoft X-Box – Nintendo Gamecube und Sony Playstation 2 wurden im Übrigen „natürlich“ auch mit einer Fassung bedient – die ein oder andere Macke unübersehbar ist. Das ist schade, zumal mein Hauptkritikpunkt im Hinblick auf die hektischen Verläufe der vorherigen Teile in diesem Fall nicht mehr ganz so stark zur Geltung kommt. Unter dem Strich bleibt der Einruck eines (nur) leicht überdurchschnittlichen Cyber-Rennspektakels, für den sich langfristig wohl nur noch eingefleischte Fans der Serie so richtig werden erwärmen bzw. begeistern können.


Dass wir uns in einer futuristisch angehauchten Atmosphäre befinden, erkennen wir sehr schnell am neonfarbenen Cyber-Look. Ein Sender live vor Ort präsentiert uns durch seine Reporter voller Begeisterung die jeweilige Rennstrecke, die durch entsprechend dynamische Kameraschwenks vorgestellt wird. Wir befinden uns im Jahr 2080 und erneut stehen die zweirädrigen Bikes im Mittelpunkt des Renngeschehens. Wir beginnen die Saison als blutiger Anfänger oder besser gesagt als hochtalentierter Newcomer und quälen uns zunächst auf einem mäßig starken Bike durch die harte Qualifikation. Sollten wir jene erfolgreich gestalten, dürfen wir bei den echten Profis einsteigen und haben sogleich die Qual der Wahl, denn das richtige Team will erst einmal gewählt sein. Diese unterscheiden sich in erster Linie (ja eigentlich nur) durch die unterschiedlichen individuellen Stärken und Schwächen ihrer Bikes und zwar in punkto Beschleunigung, Hochgeschwindigkeit, Lenkung und Robustheit. Völlig klar, dass schnelle Maschinen etwas schwerer zu handhaben und deutlich eher zu Bruch gehen als die langsameren Typen. Für die Meisten von uns – mich mit eingeschlossen – ist daher zunächst eine Allrounder-Maschine zu empfehlen, mit der wir uns erwartungsfroh in die erste von insgesamt vier Rennklassen begeben, um uns dort unsere ersten „richtigen“ Sporen zu verdienen und natürlich auch, um die Aufmerksamkeit anderer - stärkerer - Teams auf uns zu ziehen. Selbstverständlich wird es mit zunehmender Spieldauer immer schwerer, wobei der Schwierigkeitsgrad diesmal zum Glück nicht ganz so knackig ausfüllt wie befürchtet. Auch „Normalsterbliche“ haben die Chance, tatsächlich eines Tages den Abspann sehen zu dürfen. Dies dürfte primär daran liegen, dass eine Vielzahl von Strecken in punkto Kurvengrade etwas entschärft wurde. „Etwas“, sagte ich, immer noch wirkt das Ganze derb überzogen. Was vielen von Euch aber möglicherweise ganz recht sein wird, schätze ich.


Nichts gegen ein Höllentempo, ganz im Gegenteil, doch wenn ich alle paar hundert Meter in einem Affenzahn in enge Kurven und Schikanen hineinbraten muss, um überhaupt den Hauch einer Chance gegen die CPU-Konkurrenz zu haben, dann aber zigfach Berührungen mit dem Streckenrand in Kauf nehmen muss, so ärgert dies schon. Zwar nicht ganz so oft wie bei den Vorgängern, aber immer noch oft genug, um für erhebliche Dämpfer im Hinblick auf die Spielfreude sorgen zu können. Wo ist der Sinn, wenn ich auch nach längerem Training durch die übertrieben enge Kursführung wie eine Billardkugel von einer Bande zur nächsten Bande schieße? Lustig ist das jedenfalls nicht. Und unrealistisch ohnehin. Des Öfteren haben wir das Gefühl, wie durch einen Magneten magisch an die Fahrbahnbegrenzung herangezogen werden. Was dies hinsichtlich der Steuerung bei oft weit über 400 km/h bedeutet, kann sich bestimmt jeder von Euch vorstellen. Diesen Negativpunkt fand ich schon bei den Vorgängern zum K....., Ihr wisst schon, hier ist es eben nur eine Nuance erträglicher.


Auf der Jagd nach guten Platzierungen und damit den wichtigen Meisterschaftspunkten rasen wir nicht nur mit teils knapp an die 500 km/h durch Cyber-Szenarien, sondern greifen zudem auf ein Waffensystem zurück, um uns die Konkurrenz vom Leib oder besser gesagt schön hinter uns zu halten. Anfangs bedienen wir lediglich eine Hauptwumme, die sich je nach Erfolgsquote beim Abschießen der Gegner verbessert und dürfen (erst) im weiteren Verlauf nach und nach auf weitere Waffen zurückgreifen. Außerdem gehen wir gerne auch auf Shoppingtour und kaufen uns zusätzliche Knarren hinzu. Diese lassen sich aber erst aktivieren, wenn wir während des Rennens brav grüne Energiekugeln aufsammeln, was speziell im späteren Verlauf des Spiels unerlässlich ist, um halbwegs mithalten zu können. Das ist leichter gesagt als getan, schließlich haben wir schon zur Genüge damit zu kämpfen, nicht alle paar Meter gegen die Bande zu krachen und versuchen unsere Ideallinie zu finden bzw. zu halten, nun also auch noch das Ausschau-Halten nach Energiekugeln. Doch ohne diese geht es einfach nicht, zumal weitere Boni wie verbessertes Schutzschild, kürzere Intervalle beim Feuern und Turbos auf uns warten. Immerhin kommen damit taktische Elemente mit ins Rennen, was ja durchaus zu begrüßen ist und für angenehme Abwechslung sorgt. Schließlich ist positiv zu erwähnen, dass auch der Spielumfang in diesem vierten Teil aufgebohrt wurde, so viele Strecken gab es bis dato noch nie zu beheizen. Vierzehn sich deutlich voneinander unterscheidende Kurse an interessante Schauplätzen wie auf dem Mars, einer Raumstation, durch die Zentren futuristischer High-Tech-Metropolen, Dschungelgebiet oder auch direkt am Kernreaktor vorbei, wissen zu gefallen und beugen etwaig aufkommender Monotonie wirksam vor.


Für zusätzliche frischen Wind sorgt die Tatsache, dass die Rennen an sich nicht nur aufgrund ihrer Streckenführung variieren. Zudem freuen wir uns über kurze („Burn-Off“), überlange Rennen, solche bei denen keine Turbos eingesetzt werden dürfen („Tempolimit“) oder eine waffenfreie Zone angesagt ist („Peacekeeper“). Schließlich nicht unattraktiv ist die „Warmonger“-Variante: hier ballern Geschütztürme am Streckenrand quasi auf alles, was an ihnen vorbeirast. Auch wechselnde Witterungsverhältnisse sind im Übrigen kein Fremdwort: sintflutartige Regenfälle, mächtiger Sandsturm, Schneegestöber oder zumindest sehr dichter Nebel sorgen für zusätzliche Verwirrung und machen das Ganze natürlich noch schwerer, dafür aber auch nicht gerade uninteressanter. Nicht zu vergessen die knackigen Nachtfahrten, versteht sich. Eines ist jedoch praktisch allen Strecken gemeinsam: sie weisen sehr dunkle Hintergründe auf, die durch gleißendes Neonlicht vorübergehend erhellt werden. Meine Lieblingskurse hatte ich jedenfalls sehr schnell ausgemacht: diejenigen, in denen wir uns über einen besonders weiten Horizont und sehr breit angelegte Straßen freuen dürfen. Also genau das, was bei der Vielzahl der (zu) eng gesteckten Kurse eben (leider) nicht der Fall ist. Auf jenen breit angelegten Strecken durch die Walachei heizen zu dürfen, motiviert deutlich mehr, in der Mehrheit sind jene weiträumigen Areale hier bei „XGRA“ jedoch nicht. Schade eigentlich. Sehr schade sogar. Im Übrigen freuen wir uns darüber, dass im Multiplayermodus bis zu vier Mitspieler gleichzeitig an den Start gehen dürfen, was der Langlebigkeit dieses Cyber-Rennspiels sicher nicht schadet bzw. es genau das auch dringend nötig hat, schätze ich. Ob dies allerdings angesichts des (unrealistisch) hohen Tempos mit phasenweise an die 500 Sachen in Verbindung mit den überwiegend engen Streckenführungen und der damit verbundenen chronischen Unübersichtlichkeit auf Dauer auch wirklich so wahnsinnig spaßig ist, darf zumindest zart angezweifelt werden. Meine Meinung.


Das Wechselbad der Gefühle geht bei „XGRA“ beständig weiter, ergo komme ich nun wieder einmal auf einem positiven Aspekt zu sprechen. Es existieren Nebenmissionen, die zusätzlich während eines Rennens erfüllt werden können bzw. sollten, um heißbegehrte Boni zu erhalten und zwar insbesondere in Form von Upgrades für die Waffensysteme. Alternative Modi als Argumente gegen aufkommende Langeweile gibt es auch: in den Zeitrennen stellen wir (hoffentlich) Bestzeiten auf, fahren einzig und allein gegen die Uhr. Im Arcademodus schalten wir (hoffentlich) im Laufe der Zeit neue Strecken frei und den Multiplayermodus (bis zu vier) erwähnte ich bereits. In allen Modi gibt es übrigens keinen einzustellenden Schwierigkeitsgrad, wobei auffallend ist, dass hier offensichtlich der Feinschliff fehlt: besonders intelligent gehen die CPU-Fahrer nämlich nicht zu Werke. Diese fahren zwar gut, haben den Umgang mit den Waffen aber irgendwie nicht im Blut. Generell kämpfen wir daher mehr mit engen Kurven und dem Vermeiden-Wollen, das x-te Mal gegen die Bande zu knallen als mit den Gegnern. Insofern gehen die Rennen erstaunlich glatt durch, zumindest ab dem Zeitpunkt, an dem wir mit dem hektischen Rennverläufen klar gekommen sind. Dann aber wiederum gibt es einige unfaire Passagen, die in Nullkommanichts die Zornesröte aufs Gesicht zaubern können. So ganz ausgereift ist das Gameplay somit nicht. Was übrigens keineswegs die Schuld der Steuerung ist, denn diese zeigt sich als schnell erlernt, präzise und geht völlig in Ordnung. Doch gegen das überzogene mörderische Tempo und die oftmals zu eng gestecke Kursführung ist kein Kraut gewachsen, noch nicht einmal ein sauberes Handling der Bikes.


Im Hinblick auf die Grafik, dürften sich sehr schnell die Geister scheiden. Die Einen werden das dunkle Ambiente, welches durch neonfarbene Effekte durchzogen wird, außerordentlich begrüßen, die Anderen hingegen nach kurzer Zeit sich die Augen reiben. Und zwar nicht vor Verzückung, versteht sich. Die gelungenen Spezialeffekte – Explosionen, sehr unterschiedliche Witterungsverhältnisse, Nachtfahrten – sind das hervorstechendste positive Merkmal. Dass die Bikes sehr ordentlich modelliert sind, erkennt man angesichts des Wahnsinns-Tempos kaum. Unverkennbar ist allerdings, dass die Texturen am Rand der Strecke auf Dauer eintönig werden und auch die Effekte sich mit zunehmender Spieldauer arg abnutzen. Zuweilen ist es zudem einfach zu dunkel, was einer vernünftigen Orientierung sehr hinderlich ist. Die Kamera kann mit dem Tempo einfach nicht mithalten, tut zwar anscheinend ihr Bestes, ist aber angesichts der oft zusätzlich engen Streckenführung überfordert. Die Folge ist, dass wir oft blindlings in die nächste Passage hineindüsen und mehrere Bandenberührungen – um es noch mild auszudrücken – einfach billigend in Kauf nehmen (müssen). Bedauerlich ist, dass wir im Fall von „XGRA“ für die X-Box sowohl auf 60-Hertz-Modus wie auch 16:9-Breitbildformat verzichten müssen. Beides hätte speziell im vorliegenden Fall im Hinblick auf höhere Grafikauflösung und bessere Übersichtlichkeit dem Spiel sicher gut getan. Die vorhandenen deutschen Bildschirmtexte sind da nur ein sehr schwacher Trost. Die Soundkulisse gefällt mir einen Tick besser, wobei mich weniger die Hintergrundmelodien beeindrucken konnten (auch wenn der Soundtrack wirklich angenehme abwechslungsreiche Beats auf Lager hat) – die bei einem Racer allerdings auch zugleich weniger wichtig sind – als die sehr guten Soundeffekte während des Rennens, welche tatsächlich in der Lage sind, die Spielatmosphäre zu verdichten. Die anfangs erwähnte englische Sprachausgabe ist jedenfalls gelungen.


Fest steht schließlich, dass „XGRA“ keineswegs ein Durchschnittsraser ist, der uns völlig kalt lässt oder gar Unterdurchschnittliches bietet. Fest steht allerdings auch, dass dieser Titel von der Bezeichnung als Hit ebenso meilenweit entfernt ist. Das Tempo ist überzogen, in Verbindung mit den teils sehr engen Streckenführungen lassen sich zahlreiche Bandenberührungen einfach nicht vermeiden. Und das ist doch eigentlich nicht Sinn der Sache. Nicht selten dominieren arge Übersichtsprobleme das Renngeschehen und wir nehmen Blindflüge en masse billigend in Kauf. Mehr weiträumige Areale, durch die wir brettern dürfen und dafür ein etwas geringeres Tempo hätte unter dem Strich deutlich mehr Spielspaß bedeutet. Im Hinblick auf den (nicht einstellbaren) Schwierigkeitsgrad fehlt der Feinschliff. Nicht selten wird es uns zu einfach gemacht, mitunter registrieren wir aber mächtig unfaire Passagen. Dies stört den Spielfluss erheblich und schafft eine unangenehme Distanz zum Raserspektakel an sich. Die Steuerung gibt wenig Anlass zur Beschwerde, die Kamera ist hingegen mit dem Höllentempo und der engen Kursführung überfordert: das Hineinjagen in die nächste nicht einsehbare Passage dominiert viel zu oft das Renngeschehen. Spielspaßwertung: 71%.

Fazit: Geschmackssache.

Bedienkomfort:    
Grafik:    
Sound:    
Schwierigkeitsgr.:    
Spaßfaktor: