Pro Tennis WTA Tour (Xbox)
Chaos auf dem Court - Pro Tennis WTA Tour (Xbox) Xbox Spiele

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Produkttyp: Konami Xbox-Spiele

Neuester Testbericht: ... Belägen um die Ohren, so dass wir unser Unwesen folgerichtig auf Asche beziehungsweise Sand, Rasen und Hartplatz treiben dürfen. Je ... mehr

Chaos auf dem Court
Pro Tennis WTA Tour (Xbox)

Yasmina24

Name des Mitglieds: Yasmina24

Produkt:

Pro Tennis WTA Tour (Xbox)

Datum: 30.09.06

Bewertung:

Vorteile: Zwanzig Originalspielerinnen, umfangreicher Karrieremodus, zu mehreren kurzzeitig unterhaltsam

Nachteile: Steuerung, chaotische Ballwechsel, unrealistisch, anspruchslos, biedere Präsentation

Tennisspiele auf Videospielkonsolen gibt es nicht erst seit gestern (mehr oder weniger) zu bestaunen, ich persönlich mochte dieses Genre schon immer ganz gerne. Egal ob motivierender Karrieremodus für Solospieler/innen oder spaßige Mehrspielerduelle: bot eine Tennissimulation (oder auch ein unbeschwertes Arcade-Tennis) für zumindest ein paar Wochen Spielspaß, war ich zufrieden. Im Optimalfall kramte ich das entsprechende Tennisspiel auch nach vielen Monaten oder gar Jahren hervor, doch dies war eher die absolute Ausnahme. Leider dominiert auf diesem Gebiet ganz eindeutig die Quantität, um die Qualität der Titel war es oft nicht besonders gut bestellt, demnach die ernüchternde Bilanz eindeutig lauten muss: Masse statt Klasse. Ob dies im Fall von „Pro Tennis WTA Tour“ von Konami für die Microsoft X-Box (es erschienen auch Versionen für die Playstation 2 und den Gamecube von Nintendo) aus dem Jahre 2002 ganz anders ist und wir es hier mit dem eher seltenen Fall eines mitreißenden Tennisspiels zu tun haben? Leider nein. So deutlich muss ich dies leider sagen. Gute bis sogar sehr gute Ansätze werden nämlich durch eine miese Spielbarkeit und ein ansonsten wenig forderndes Gameplay kaputt gemacht, doch dazu gleich mehr.

Schon auf den ersten Blick fällt bei „Pro Tennis WTA Tour“ auf, dass ausschließlich weibliche Athleten zur Geltung kommen. Was die Männerwelt zunächst womöglich außerordentlich freuen wird, entpuppt sich für diese schon nach relativ kurzer Zeit als Enttäuschung: zwar ist die Optik nicht gerade hässlich, aber eine besondere Augenweide ist sie wiederum auch nicht, besonders attraktiv kommen die weiblichen Hauptfiguren jedenfalls nicht rüber, denke ich. Dafür erkennen wir schon sehr schnell einen dicken Pluspunkt dieses Spiels: die Originallizenz. Tatsächlich geben sich (damalige) Stars wie Monica Seles, Jennifer Capriati, Lindsay Davenport, Serena Williams, Kim Clijsters und noch einige weitere bekannte Namen der Tennisszene die Ehre. Insgesamt sind es immerhin zwanzig Originalstars, die hier mit von der Partie sind. Natürlich dreschen wir uns den grellen Filzball auf unterschiedlichen Belägen um die Ohren, so dass wir unser Unwesen folgerichtig auf Asche beziehungsweise Sand, Rasen und Hartplatz treiben dürfen. Je nach Untergrund variiert natürlich auch das Sprungverhalten des Balles und somit auch das jeweilige Tempo der Ballwechsel. Was die Spielmodi betrifft, so gibt es die Möglichkeit, alleine gegen eine CPU-Spielerin oder zu zweit gegeneinander im „Exhibition Match“ anzutreten, wobei Ihr so Kleinigkeiten wie Anzahl der Gewinnsätze, Tie-Break ja oder nein und auch die Position des Aufschlages vorher bestimmen dürft. Der Turnier-Modus geht da schon etwas weiter, wer dort ein Match gewinnt, ist eine Runde weiter, jedoch dürfen die einzelnen Paarungen und auch der Bodenbelag im Vorfeld von uns frei bestimmt werden. Selbstverständlich ist es möglich, sowohl im Exhibition-Mode als auch im Turnier im Einzel oder im Doppelwettbewerb an den Start zu gehen. Der Schwerpunkt von „Pro Tennis WTA Tour“ dürfte aber eindeutig im „Tour-Modus“ (nicht verwechseln mit Turnier-Modus!) liegen, welcher eine Art Karrieremodus darstellt. Dieser ist zum Glück sehr umfangreich ausgefallen, wobei es Euer Ziel ist, die von Euch anfangs ausgewählte Spielfigur möglichst schnell und möglichst weit in der Weltrangliste nach vorne zu bringen. In den (nur) vier unterschiedlichen Turnieren wird daher eisern um Weltranglistenpunkte gekämpft, das Endziel wäre dann der Titel als WTA-Meisterin.

Soweit so schön, soweit so gut. Leider ist es nun an der Zeit, zu den schwerwiegenden Negativpunkten zu kommen. Gefiel mir die Originallizenz und der Karrieremodus an sich, so merkte ich doch schnell, dass irgendetwas mit der Steuerung nicht so ganz zu stimmen scheint. Dachte beziehungsweise hoffte ich am Anfang, dass mir nur die Übung fehle, so stellte sich mit zunehmender Spieldauer heraus, dass diese sehr haklig und somit auf Dauer extrem nervig ausgefallen ist. Grundsätzlich ist es ja sehr schön, wenn uns zahlreiche unterschiedliche Schlagarten auf den vier Tasten des Joypads zur Verfügung stehen, doch um den Tennisball auch wirklich per Topspin, Slice, Lob, Schmetterschlag, Stop oder Volley in die gewünschte Ecke dreschen zu können, braucht es fast schon mehr Glück als Verstand. Wichtig ist eine gute Beinarbeit beziehungsweise ein ausgezeichnetes Stellungsspiel. Nur wenn beides stimmt und Ihr im Grunde schon im Voraus rechtzeitig erahnt, wo der Ball in Eurem Feld genau aufkommen wird, steht Ihr in einem ausreichend guten Winkel zum Ball, um diesen auch halbwegs sauber treffen zu können. Nervig ist hierbei ganz besonders, dass für das (hoffentlich frühzeitige!) Ausholen und dann noch einmal für das Zuschlagen extra auf die entsprechende Taste gedrückt werden muss. Das ist absoluter Blödsinn und raubt Euch schnell den Nerv, da die Bälle dann praktisch serienweise im Aus oder im Netz landen. Selbst mit etwas Übung (und auch Talent) macht es irgendwie keinen Sinn und die Freude hält sich in Grenzen, sollte das Timing über einen längeren Zeitraum ganz gut laufen. Kommt Ihr aus dem Rhythmus, bieten sich Euren Gegnerinnen direkt riesig große Chancen, den Ballwechsel für sich zu entscheiden, störend kommt dabei hinzu, dass wir mehr mit der Steuerung zu tun haben als mit den CPU-Spielerinnen. Diese sind nämlich nicht besonders auf Zack, wie es schnell den Eindruck macht und dies drückt in Verbindung mit den Tücken der Steuerung merklich auf die Spiellaune, schließlich ist das Tempo ohnehin schon derart hoch, dass wir eigentlich kaum Zeit zum reagieren haben und da können wir die (unfaire und zugleich unnötige) Erschwernis durch die chaotische Steuerung überhaupt nicht gebrauchen. Letztlich kommt noch hinzu, dass der Spielverlauf während eines Matches generell stark unrealistisch rüberkommt, superleichte Fehler wechseln sich mit „Wunderschlägen“ ab, die teilweise auch gegen die physikalischen Grundgesetze verstoßen müssten. Spätestens jetzt (aber allerspätestens!) suchen Simulationsfans das Weite.

Macht die Steuerung und die daraus resultierenden chaotischen Ballwechsel schon einiges kaputt, so trägt auch die insgesamt eher nur biedere Präsentation ebenso ihren Teil dazu bei, dass „Pro Tennis WTA Tour“ für die X-Box im absoluten Mittelmaß (wenn überhaupt!) versinkt. Speziell von einem X-Box-Titel muss da einfach mehr kommen. Viel mehr. Daran ändern auch weder 60-Hertz-Modus bei der Optik als auch Dolby Digital beim Sound etwas. Zwar sehen die Spielerinnen nicht extrem kantig aus und auch die Animationen sind noch halbwegs geschmeidig, doch will der Funke angesichts des tristen Ambientes einfach nicht überspringen. Langweilige Hintergründe und detailarme Bodentexturen machen nicht wirklich Lust auf mehr, rasante Kamerafahrten gibt es ebenso wenig wie überaus gelungene Einstellungen, was die Mimik der Spielfiguren angeht. Dass die Musikstücke bei Tennisspielen (zumindest während der Ballwechsel!) nichts zu suchen haben, ist ja auch völlig in Ordnung, doch so langsam aber sicher sollte man im Jahr 2002 doch etwas mehr von den Soundeffekten erwarten dürfen. Doch Fehlanzeige, auch in dieser Hinsicht herrscht Tristesse pur. Überaus abwechslungsarme und wenig mitreißende Klänge dominieren das Geschehen, das „brave“ Publikum variiert in seinen Aktionen genauso wenig wie dies die Athletinnen vor, während und nach den Ballwechseln tun. Schade, aber auch in diesem Punkt erwarte ich von einem Tennisspiel für die X-Box von Microsoft inzwischen einfach mehr. So aber wirkt die Präsentation für mich eher lieblos dahingeschludert, wenn auch die ganz großen Mängel nicht auftreten, denn hässliche Texturfehler oder starke Ruckler bleiben uns zum Beispiel glücklicherweise erspart.

Dieses Tennisspiel überrascht zunächst positiv durch eine angenehm große Anzahl an Originalspielerinnen aus der Weltspitze des Tenniszirkus sowie einem sehr umfangreichen Karrieremodus. Schnell schleicht sich aber große Ernüchterung ein, als sich immer mehr herauskristallisiert, dass die haklige und unnötig verkomplizierte Steuerung erheblichen Ärger macht. Und dies ist noch milde ausgedrückt. Taktik und Anspruch fallen nahezu gänzlich weg, zudem wirken die Aktionen auf dem Platz völlig überzogen beziehungsweise unrealistisch. Da uns das Geschehen auf dem Platz auch nicht sonderlich spektakulär präsentiert wird, ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit (wahrscheinlich schon nach wenigen Tagen!), wann „Pro Tennis WTA Tour“ auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche verschwinden beziehungsweise verdientermaßen sein Schattendasein führen wird. Trotz der guten Ansätze stufe ich es als unterdurchschnittliches Tennisspiel ein. Und wieder einmal gilt: Vorsicht vor Sportspielen mit Originallizenz!

Fazit: Macht lieber einen Bogen um dieses mißratene Tennisspiel.

Bedienkomfort:    
Grafik:    
Sound:    
Schwierigkeitsgr.:    
Spaßfaktor: