Obscure (Xbox)
Horror nach Schulschluss - Obscure (Xbox) Xbox Spiele

Produkttyp: Atari Xbox-Spiele

Neuester Testbericht: ... Charaktere sind nur NPCs, wie einige Lehrer oder der ein oder andere Schüler, der als Opfer für Experimente herhalten musste. Das besond... mehr

Horror nach Schulschluss
Obscure (Xbox)

sinfortuna

Name des Mitglieds: sinfortuna

Produkt:

Obscure (Xbox)

Datum: 24.07.07

Bewertung:

Vorteile: Vielversprechender Beginn der Story, düstere Grafik, gelungene Animationen, deutsche Texte + Sprache

Nachteile: Story letztlich ohne große Überraschungen und dramatische Momente, einmalige Spieldauer zu kurz

Ein überaus bemerkenswerter Titel, der dafür, dass er hohen Spielspaß verspricht, vergleichsweise wenig Beachtung fand, erschien sowohl für die Sony Playstation 2 als auch die X-Box von Microsoft: „Obscure“ ist der Name und wie der Titel möglicherweise erahnen ließ, handelt es sich um ein düsteres Abenteuer, welches dem Genre der subtilen Horrorunterhaltung zuzuordnen ist. Eines gleich vorweg: mir ist lediglich die X-Box-Fassung bekannt, habe mir allerdings sagen lassen, dass kaum nennenswerte Unterschiede zwischen den beiden Versionen existieren sollen. Ganz eindeutig haben wir es mit einem richtig guten Abenteuerspiel zu tun, bei dem erst auf den zweiten Blick – bzw. teilweise erst nach dem ersten Durchzocken – Schwächen ersichtlich werden, die in der Summe dafür sorgen, dass dieses Game nur haarscharf am Hit-Bereich vorbeischliddert. Ungewöhnlich aber umso besser: wir finden einen Zweispielermodus vor, was erstens in diesem Genre eher sehr selten der Fall ist und zweitens dieser im vorliegenden Fall auch noch eine glasklare Stärke des gesamten Spiels darstellt. Wer einem horrorlastigen Actionadventure grundsätzlich etwas abgewinnen kann, ist somit goldrichtig hier, das Atari-Entwicklerteam hat hier jedenfalls einen vortrefflichen Gruseltrip auf die Beine gestellt.


Mysteriöse Dinge sind auf dem Gelände einer amerikanischen High-School praktisch an der Tagesordnung: immer wieder verschwinden Schüler spurlos und dies nicht erst seit wenigen Monaten, sondern mittlerweile schon seit Jahren. Im aktuellen Fall zu Beginn des Spiels hat es schließlich einen prominenten Mitschüler erwischt, nämlich niemand Geringeren als den Star der Basketballmannschaft, was dem Fass nun (erst) endgültig den Boden auszuschlagen scheint. Vier mutige Teenager, enge Freunde jenes verschollenen Jungstars namens Kenny, machen sich schließlich auf, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Schule ist vorbei, die vier Teenies treffen sich am späten Nachmittage, um die Sache zu beratschlagen, als sie verwundert feststellen, dass das komplette Schulgelände abgeriegelt zu sein scheint. Nun liegt es an uns, denn wir haben quasi die Qual der Wahl und dürfen zwei aus der Gruppe bestimmen, die in der Folgezeit die Hauptrolle spielen sollen. Während wir daraufhin einen Schüler (Stanley, Shannon, Ashley oder Josh) selber steuern, folgt uns die andere auserkorene Spielfigur auf Schritt und Tritt. Interessant ist hierbei, dass wir unserem Begleiter spezielle Kommandos erteilen dürfen, die ihn dazu veranlassen sollen, entweder in sicherer Entfernung zu folgen oder ordentlich mitzumischen. Je nach Spielsituation empfiehlt es sich dann, zwischen den beiden Protagonisten hin und her zu wechseln, was mitunter auch Sinn macht. Der Eine knackt Schlösser, schlägt Fenster ein, verschiebt Kisten oder was auch immer, der Andere gibt Feuerschutz bzw. lenkt das Monster ab. Der Clou dabei: es existiert ein Koop-Modus, so dass sich zwei Gleichgesinnte vereint ins Gruselabenteuer stürzen dürfen: das ist vorbildlich, macht Laune und fördert unzweifelhaft die Langzeitmotivation. Segnet eine Figur im Übrigen das Zeitliche, kann sie am Sammelpunkt durch eine andere aus der eigentlich inaktiven Gruppe ersetzt werden. Sehr gut ist dabei, dass jede einzelne Spielfigur über individuelle Spezialfähigkeiten verfügt, die dem ernsthaft ambitionierten Gruselfan ein mehrmaliges Durchzocken somit quasi aufzwingt. Doch eines fällt schließlich auf: so grundlegend unterscheiden sich die einzelnen Charaktere dann leider doch nicht.


Das Schulgelände ist riesig groß, demzufolge gibt es jede Menge zu erkunden: Speiseraum, Bibliothek, Krankenstation, Verwaltungstrakt, Wohnanlage, Sporthalle u.v.m. gilt es im Laufe der Zeit aufzusuchen, welche sich uns aber erst nach und nach erschließen. Von elementarer Bedeutung ist die Schlüsselsuche, ohne die entsprechenden Schüssel geht es an bestimmten Stellen einfach nicht weiter. Gut jedenfalls: viele Gebiete müssen später noch einmal von uns aufgesucht werden, so dass wir zum Glück nicht das Gefühl haben, dass alles brav nacheinander abgeklappert und dann ad acta gelegt wird. Die Story wird dabei gut erzählt und ist anfänglich wirklich spannend: erst nach und nach kommt Licht ins Dunkel bzw. bringen wir Näheres über die genauen Umstände bezüglich des Verschwindens unseres Freundes Kenny in Erfahrung. Hinweise auf verworrene, düstere bzw. eben obskure Forschungsexperimente jagen uns mitunter eine Gänsehaut über den Rücken, seltsame Mechanismen, Käfige und zarte Hinweise auf den Zwillingsbruder des Schuldirektors lassen so langsam aber sicher Böses erahnen. Schließlich machen wir die unliebsame Bekanntschaft wahrer Monstrositäten, eklige Krabbelviecher und Zombies inklusive. Anfangs sind wir starr vor Entsetzen und zunächst auch ziemlich hilflos, doch registrieren wir letztlich, dass der auftauchende schwarze Nebel in enger Verbindung mit den Monster-Aktivitäten steht und dass jene Kreaturen sind eindeutig wohler in der Dunkelheit fühlen: selbstverständlich bringen wir fortan im wahrsten Sinne des Wortes „Licht ins Dunkel“, denn genau das schmeckt dem monströsen Gesocks überhaupt nicht.


Ergo schlagen wir per Eisenrohr oder Baseballschläger alles ein, was zerbröseln kann, vornehmlich Fenster, damit das Licht hereinfluten kann. Ab dem Einbruch der abendlichen Dämmerung bringt uns jene Vorgehensweise verständlicherweise auch nicht mehr viel, so dass wir sehr oft zur Taschenlampe greifen, um uns der Monster erwehren zu können. Dies spüren wir (hoffentlich) nach und nach auf, sie sind weit über das gesamte Schulgelände verstreut und existieren in unterschiedlichen Stärkegraden, spielen somit eine dominante Rolle. Ansonsten wehren wir uns selbstverständlich mit weiteren Waffen, die wir in Kombination mit den Taschenlampen oder auch Strahlern zur Anwendung kommen lassen: unterschiedliche Arten an Pistolen, Revolvern, Gewehren und Schrotflinten geben sich somit im weiteren Verlauf ein munteres Stelldichein, frei nach dem Motto: erst das Monster angestrahlt, dann durchlöchert..... bitte genau in der Reihenfolge. Umgekehrt würden wir ziemlich chancenlos dastehen, um ehrlich zu sein.


Das hört sich doch im Grunde sehr interessant an, schätze ich, ist es auch, aber – jetzt kommt es - leider gestaltet sich der Handlungsstrang viel zu vorhersehbar, die ganz dicken Überraschungen bleiben aus. Dass vieles aus bekannten Grusel-Hits arg geklaut daherkommt (Resident Evil, Silent Hill), mag man noch halbwegs verzeihen – lieber gut geklaut, als schlecht improvisiert – doch die zu kurze Spieldauer von cirka fünf bis sieben Stunden drückt den Gesamtspielspaß nicht unerheblich. Die Schwierigkeitsgrade weisen die ganze Palette auf so dass praktisch für jeden von uns (blutiger Anfänger, Gelegenheitszocker, Erfahrener und Profi) die entsprechende Herausforderung besteht, doch generell gilt: „Obscure“ ist definitiv mehr als nur einen Tick zu kurz ausgefallen. Trotz der Möglichkeiten, mit anderen Hauptpersonen das Abenteuer erneut anzugehen (was auch durchaus reizvoll sein kann), ist mir ein Durchgang locker vier bis fünf Stunden zu kurz geraten. Immerhin trösten nette Extras wie Bonus-Outfits beim erneuten Durchspielen für die Überlebenden des Vorgängers und nette Extrawummen und zudem – wer es mag – Artworks, Making Of und Musikfilmchen. Mühe wurde sich somit schon gegen, von einer lieblosen Umsetzung oder einem faulen Entwicklerteam möchte ich daher nicht reden, doch trotzdem: an dem Spannungsbogen in der Story sowie dem Umfang hätte noch gefeilt werden sollen, dann – ja dann – hätten wir zweifellos von einem Hit sprechen können.


Zudem nagen leider nicht nur die Vorhersehbarkeit der Geschichte und der deutlich zu kurze Spielumfang, sondern es kommen erschwerend kleinere Mängel auf spieltechnischer Seite hinzu. Mag die Steuerung zum Glück auch gut von der Hand gehen, so ärgert uns insbesondere die starre Kameraperspektive, durch die wir oft den Überblick verlieren und hektische Situationen somit vermehrt auftreten. Die grundsätzlich sehr dichte schön-schaurige Atmosphäre wird auf diese Art und Weise unangenehm unterbrochen. Des Weiteren verhält sich der Freund an unserer Seite auch nicht immer besonders intelligent, sie schauen offensichtlich ganz gerne tatenlos zu, auch – oder gerade wenn – wir ihre Hilfe dringend benötigen. Die Folge ist, dass wir eigentlich wesentlich mehr mit der oftmals unglücklichen Perspektive zu kämpfen haben, als mit dem jeweiligen Monster selbst. Der Kampf mit der Kamera zieht sich zwar nicht fortwährend wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel, aber dennoch tauchen besagte Probleme mit der Unübersichtlichkeit viel zu oft auf. Im Zweispielermodus wirkt sich dieser Negativpunkt nicht ganz so stark aus, generell verspricht der Koop-Modus noch eine ganze Ecke mehr Spielspaß. Was nicht heißen soll, dass das Soloabenteuer (mit einer CPU-Figur an der Seite) schlapp ausfällt, keineswegs, doch der fehlende Feinschliff ist manchmal einfach nicht zu übersehen. Wichtig ist schließlich die sehr hilfreiche Übersichtskarte, die in mehreren Ausführungen daherkommt (Gesamtübersicht, Gebäudekarte, einzelne Stockwerke) und ohne die wir aller Voraussicht nach hoffnungslos verloren gewesen wären, schätze ich. Das Automapping sorgt zum Glück dafür, dass wir genau erkennen können, welche Region wir schon betreten haben, durch welche Tür wir bereits hindurch gegangen sind, wo noch etwas zu bewerkstelligen ist und welche Tipps sich ungefähr auf welches Gebiet beziehen. In dieser Hinsicht wurde ganze Arbeit geleistet, sehr gut.


Sehr ordentlich sieht es allerdings im Hinblick auf die Präsentation und überhaupt mit der Spielatmosphäre aus. Letztere ist von Anfang an sehr dicht und hält genau das, was ich mir zu Beginn versprochen hatte: ein düsteres Ambiente, vorhandener subtiler Horror und ganz viel Gänsehaut. Wir müssen zwar auf das 16:9-Breitbildformat verzichten, doch eine Blöße gibt sich die Optik deswegen sicher nicht, was unter anderem auch ein Verdienst des integrierten 60-Hz-Modus sein dürfte. Natürlich kommt der genretypische düstere, verschwommene, neblige Touch dem zugute, so dass wir die gar nicht einmal so übermäßig texturierten Hintergründe kaum wahrnehmen, vielmehr fallen die positiven Dinge wie die Größe der Figuren und die sehr gelungenen Animationen, die größtenteils flüssige Grafik und insbesondere die gelungenen Licht- und Schattenspiele auf. Vom Monsterdesign hatte ich mir etwas mehr erhofft, wenn ich ehrlich sein darf, doch ab und an sieht die ein oder andere Kreatur dann doch „schön eklig“ aus. Deutsche Bildschirmtexte runden den guten Gesamteindruck aber entsprechend positiv ab. Ich bin in diesem Punkt vollauf zufrieden. Angesichts der Soundkulisse kann man sich sicherlich nicht darüber streiten, ob diese zum Geschehen passen: sie tun es durchweg. Passend zum Highschool-Horror-Ambiente wurden abwechslungsreiche Melodie eingespielt, wobei es wieder einmal eher die Außengeräusche sind, die eine dominante Rolle spielen und welche durch kaum hörbare Geräusche die Gänsehaut verursachen können, um dann letztlich mit urplötzlichem Paukenschlag für einen Adrenalinkick zu sorgen. Zu guter letzt freuen wir uns nicht nur über deutsche Texte, sondern auch eine deutsche Sprachausgabe, die gar nicht einmal so schlecht daherkommt. Ähnlich wie schon bei der Grafik gibt es auch hier bei den verwendeten akustischen Mitteln schwerlich etwas zu meckern.


Die Zielgruppe von „Obscure“ lässt sich ziemlich schnell bestimmen. Wir haben es mit einem Actionadventure zu tun, welches in düsterer Horroratmosphäre angesiedelt ist und in dem unterschiedliche Spielelemente zum Tragen kommen: Dialoge, Rätsel, Suchaufgaben und Action sind am Start. Die deutsche Synchro weiß ebenso zu gefallen wie die generell sehr dichte Atmosphäre, das Grusel-Flair kommt jedenfalls richtig gut rüber. Nicht ganz geglückt ist das Weitererzählen der anfangs vielversprechenden Story: Überraschungen oder dramatische Wendepunkte sind hier leider Fremdworte. Freuen wir uns ganz besonders über die sehr nützliche Übersichtskarte, die uns sehr viel Arbeit abnimmt, so ärgern wir uns hingegen über die oft ungünstig positionierte Kamera, die ganz und gar nicht dynamisch daherkommt und somit zwangsläufig für unangenehm hektische Situationen führt. Dass uns einige Elemente aus Genre-Hits vergangener Tage sehr bekannt vorkommen dürften, war mir persönlich egal. Positiv hingegen ist die schaurige und größtenteils angenehm flüssige Grafik, wobei speziell die Lichtspiele und Animationen der Charaktere hervorzuheben sind. Dass die Soundkulisse passend gewählt wurde, ist sicherlich kein Nachteil, zudem wir eine Unterstützung von Dolby Digital vorfinden dürfen. Ganz wichtig schließlich: der äußerst gelungene und wirklich spannend inszenierte Koop-Modus für zwei Spieler, der in Verbindung mit den unterschiedlichen anwählbaren Charakteren zu Beginn sowie der teils netten Extras nach erstmaligem Durchspielen den Makel des etwas zu geringen Umfangs ein bisschen vergessen machen kann. Unter dem Strich jedenfalls ein eindeutig gelungenes Horrorvergnügen, welches sich (zumindest) Genre-Fans nicht entgehen lassen sollten. Spielspaßwertung: 77%



PLUS --> Vielversprechender Beginn der Story, düstere Grafik, gelungene Animationen, deutsche Texte und Sprachausgabe, sehr hilfreiche Übersichtskarte(n), Bonus-Outfits und Extra-Wummen erspielbar, motivierender Zweispielerspaß (Koop-Modus)


MINUS --> Story letztlich ohne große Überraschungen und dramatische Momente, einmalige Spieldauer zu kurz, Kamera zuweilen ungünstig positioniert: Unübersichtlichkeit und ausbrechende Hektik oft die Folge

Fazit: Fast ein Hit.

Bedienkomfort:    Bedienkomfort
Grafik:    Grafik
Sound:    Sound
Schwierigkeitsgr.:    Schwierigkeitsgr.
Spaßfaktor:    Spaßfaktor