Crash (Xbox)
Krankenhaus oder Schrottplatz? - Crash (Xbox) Xbox Spiele

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Krankenhaus oder Schrottplatz?
Crash (Xbox)

sinfortuna

Name des Mitglieds: sinfortuna

Produkt:

Crash (Xbox)

Datum: 25.11.06

Bewertung:

Vorteile: Pausenlose Action, viele Spielmodi, anfangs brisante Mehrspielerduelle, gut modellierte Autos

Nachteile: CPU-Fahrer unintelligent, anspruchsloses Gameplay, biedere Kampfarenen, lange Ladezeiten

Schon allein angesichts der Namensgebung lässt sich bei „Crash“ für die X-Box von Microsoft rasend schnell erahnen, worum es geht: selbstverständlich um das Produzieren zahlreicher Unfälle, im Optimalfall das Zerschrotten zahlreicher CPU-Kontrahenten bzw. das der Fahrzeuge, die Euren Weg kreuzen. Abgesehen davon, dass damit im Grunde fast schon alles bezüglich des Gameplays dieses X-Box-Titels gesagt ist (einige von Euch werden sich jetzt ganz bestimmt an die Teile von „Destruction Derby“ erinnert fühlen, brauche ich auch bezüglich der Hintergrundgeschichte nicht allzu viel Worte verlieren: eine solche existiert praktisch nicht. Das muss aber speziell bei Vertretern dieses Genres ja keineswegs negativ bewertet werden, schließlich erheben solche rabiaten Zerstörungsorgien ja auch gar keinen Anspruch auf eine besonders tiefgründige Rahmenhandlung, vielmehr soll der unbeschwerte (und wenn möglich einsteigerfreundliche) Spielspaß im Vordergrund stehen, welcher Euch schon nach wenigen Minuten leicht und locker durch die Arenen brausen lässt. Es liegt in erster Linie an anderen gewichtigen Gründen, die in der Summe dafür sorgen, dass es sich bei „Crash“ schließlich nur um ein solides X-Box-Game handelt, auf die ich jetzt im Folgenden näher eingehen möchte.


Zum Glück werden bei diesem Actiongame sowohl der Einzelspieler angesprochen als auch die an Multiplayerschlachten Interessierten unter uns, wobei nicht unter den Teppich gekehrt werden kann, dass der Mehrspielerspaß wesentlich länger für einen anhaltenden Spielspaß sorgen kann als das Soloabenteuer, dem leider schon sehr schnell die Puste ausgeht. Im Mittelpunkt (für den Einzelspieler) steht hier bei „Crash“ jedenfalls eindeutig der Karrieremodus, in dem wir zunächst auf eine Weltkarte schauen und uns einen Schauplatz aussuchen, an dem die rabiate Action stattfinden soll. Natürlich sind nicht alle Schauplätze von Beginn an anwählbar, erforderlich sind hier entsprechend gute bis sehr gute Leistungen, um dies möglich zu machen, des Weiteren findet Ihr (hoffentlich) im Laufe der Zeit neue Autos in Eurer Garage vor, mit denen es sich naturgemäß nicht nur anders, sondern in der Regel auch viel besser zu Werke gehen lässt. Erforderlich für jene Boni sind erste Plätze in den Wettbewerben, nur der Sieg zählt. Was diesem X-Box-Titel positiv angerechnet werden muss ( beileibe ist nicht alles schlecht, was uns hier geboten wird, nicht, dass wir uns jetzt falsch verstehen), ist die Tatsache, dass zahlreiche unterschiedliche Spielvarianten angeboten werden: auch wenn es in erster Linie nur ums Schrottreif-Fahren der gegnerischen Fahrzeuge geht, so sind die Siegbedingungen bzw. die einzelnen Rennverläufe nicht immer gleich.


Zunächst wählen wir unser Fahrzeug aus, die Palette an verfügbaren fahrbaren Untersätzen ist allerdings (zunächst) relativ begrenzt, was sich natürlich im Laufe des Spiels hoffentlich ändert. Mehr als schätzungsweise zehn (oder waren es zwölf?) Autos stehen letztlich aber nicht zur Auswahl, dafür sehen diese allerdings sehr unterschiedlich aus und verfügen über grundlegend unterschiedliche Fahreigenschaften. Selbstverständlich unterscheiden sich der Ami-Schlitten im Stile eines Cadillacs, der Oldtimer oder auch ein Fahrzeug der amerikanischen Stock-Car-Serie teils erheblich voneinander, offizielle Automarken sind hier im Übrigen nicht vertreten. Was ich auch nicht weiter schlimm finde, denn ein (sehr) ordentliches Gameplay bzw. eine entsprechende Programmierung ist mir persönlich weitaus wichtiger als der teure Erwerb etwaiger Originallizenzen. Entscheidend sind hier übrigens die Merkmale Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit, Bodenhaftung, Gewicht und Robustheit. Letzterem kommt natürlich eine erhebliche Bedeutung dazu, auch wenn die anderen Eigenschaften natürlich auch nicht gerade unwichtig sind. Frei gewählt werden darf im Übrigen nur im Arcademodus, im Kernmodus – eben der Karriere – für den Solospieler stehen pro Veranstaltung immer nur eine (sehr) begrenzte Auswahl an fahrbaren Untersätzen zur Verfügung. Wie Ihr merkt, ist eine gewaltige große Auswahl an Autos nicht die Stärke von „Crash“, besonders schlimm finde ich das im vorliegenden Fall allerdings nicht, wenn ich ehrlich sein darf, wesentlich mehr gespannt war ich auf die Art und Weise, wie das Gameplay in den unterschiedlichen Modi rüberkommen würde. Dass an einen Vierspielermodus gedacht wurde und wir uns im Splitscreen-Modus austoben dürfen, ist sicherlich schon einmal vorab zu begrüßen, technische Probleme (Slowdowns, Ruckler) gibt es im Mehrspielerspektakel zum Glück nicht, wenn auch zu viert die Übersicht etwas flöten geht, so dass ich im Zweifelsfall dem Zweispielermodus den Vorzug geben würde.


Vereinzelt geht es in den Spielmodi von „Crash“ jedenfalls natürlich „wie gewohnt“ darum, als letzte Person über ein noch halbwegs fahrtüchtiges Auto verfügen zu können, in der Regel gehen hier sechs Fahrer an den Start, so dass wir bestrebt sind,. Dass jene fünf CPU-Fahrer sich am besten gegenseitig ausknocken und wir dem letztverbliebenen Fahrzeug „geschmeidig“ den finalen Todesstoß versetzen können. Oder so ähnlich. Wie Ihr in jenen Rennen taktisch vorgeht, bleibt selbstverständlich Euch überlassen, meiner bescheidenen Ansicht nach ist ein anfänglich eher zurückhaltendes Fahrverhalten eher zu empfehlen als ein wildes Drauflosrasen, da Ihr ansonsten allzu schnell ein Spielball der Aktivitäten der aggressiven CPU-Gegner werdet. Während in jenem Modus das „überlebende“ Fahrzeug als siegreiches hervorgeht, sieht es bei den Auseinandersetzungen unter einem Zeitlimit schon ganz anders aus: hier müsst Ihr schon wesentlich aggressiver zu Werke gehen, um innerhalb der vorgegebenen Zeit möglichst viele Crash-Punkte kassiert zu haben, ein Taktieren bringt Euch nicht viel. Besonders zu erwähnen ist hier die sogenannte „Hasenjagd“, bei dem es nicht möglich ist, sich durch das allmähliche Verschrotten eines hilflosen Gegners an Punkten dumm und dämlich zu verdienen, sondern das jeweilige Opfer stets wechselt. Des Weiteren existieren Arenen, die als eine Art Stunt-Parcours fungieren (so zum Beispiel ein Football-Stadion), in welchem Ihr nicht nur das Verschrotten der Gegner anstrebt, sondern zudem mächtig scharf darauf seid, spektakuläre Sprünge durch Tore zu fabrizieren, um dadurch Extrapunkte einsacken zu können. Doch damit noch nicht genug, zudem gibt es Kurse, in denen Ihr Euer Reaktionsvermögen dadurch unter Beweis stellen müsst, indem Ihr heranrollenden Kegeln ausweicht und ganz nebenbei auch noch Kisten zerstört, um so Euer Punktekonto aufzufüllen. Zu guter letzt seid Ihr auch selber einmal das Objekt der Begierde (der Gegner) und flüchtet mehrere Minuten lang (zum Beispiel in einem Parkhaus) vor den fiesen Attacken der CPU-Gegner, hier heißt es durchhalten, bis der Timer endlich abgelaufen ist. Dass es den Spielmodi nicht gerade an Abwechslung mangelt, ist sicher deutlich geworden, womit wir auch zugleich den herausragenden Pluspunkt gefunden haben, wie es scheint.


Die Beschreibung der Präsentation von „Crash“ ist nicht ganz so leicht, da speziell zwei Dinge klar unterschieden werden müssen: gefallen haben mir grundsätzlich die detaillierten Automodelle, welche größtenteils ansprechend aussehen und inklusive des berücksichtigten Schadensmodells angenehm realistisch rüberkommen. Speziell, wenn die fahrbaren Untersätze nach und nach auseinander zu fallen drohen, wird dies hübsch in Szene gesetzt und hebt ganze eindeutig die Grundstimmung, gar keine Frage. Dies in Verbindung mit viel Rauch und Feuer sowie generell einer leuchtenden bunten Farbgebung sorgt für eine authentisch wirkende Atmosphäre in diesem Zerstörungsspektakel. Was mir jedoch weitaus weniger gefiel, war die Spielumgebung, denn diese fällt im Vergleich zu den gut modellierten Autos deutlich ab: einfache Bodentexturen und besonders detailarme Hintergründe sorgen für ein insgesamt doch sehr unspektakuläres Leveldesign, um es noch höflich auszudrücken. Konnte ich so etwas bei einem Videospiel für die alte Sony Playstation oder einem für den Sega Dreamcast noch halbwegs verschmerzen bzw. billigend in Kauf nehmen, so erwarte ich doch von einem Game für die X-Box von Microsoft mittlerweile weitaus mehr. Wieso wir im Übrigen mit auffallend langen Ladepausen zu kämpfen haben, will mir auch nicht so recht in den Kopf, auch dies darf eigentlich nicht (mehr) sein. Von der Soundkulisse hatte ich zugegebenermaßen auch deutlich mehr erwartet, zwar passen sowohl Soundtrack als auch Soundeffekte gut zum jeweiligen Geschehen, doch sind sie zu abwechslungsarm und wirken insgesamt zu uninspiriert als dass ich von einer mitreißenden Spielatmosphäre durch eine überaus gelungene akustische Untermalung sprechen könnte. Daher haben wir es insgesamt nur mit einer durchschnittlichen „Performance“ von Grafik und Sound zu tun, gemessen an dem, was inzwischen auf der X-Box alles möglich ist, versteht sich.


Was „Crash“ für die Microsoft X-Box schließlich endgültig ins Mittelmaß befördert, ist die Tatsache, dass es mit der Gegnerintelligenz nicht sonderlich weit her ist. Viel zu schnell habt Ihr die Sache im Griff, manche Veranstaltungen gewinnt Ihr leicht und locker, da sich die CPU-Fahrer entweder gegenseitig zerfleischen und Ihr zum Schluss „absahnen“ könnt, in der Regel nicht hartnäckig genug zu Werke gehen, viel zu langsam unterwegs sind bzw. zu träge auf die jeweilige prekäre Situation reagieren und viel zu oft sich uns von ihrer „Schokoladenseite“ zeigen, so dass sich diese im Laufe der Zeit zu leicht in ihre Einzelteile zerlegen lassen. Was anfänglich durch die ersten Erfolgserlebnisse motiviert und Lust auf mehr macht, artet im weiteren Verlauf in arge Langeweile aus, Anspruch und Unterhaltungswert gehen zusehends in den Keller. Dies erschließt sich uns natürlich erst auf den zweiten oder gar dritten Blick, dann aber ist die Enttäuschung entsprechend groß, schätze ich. Meine Spielspaßwertung für diese langfristig dann leider doch nicht besonders motivierende Zerschrottungsorgie fällt somit entsprechend mäßig aus, trotz der grundsätzlich interessanten unterschiedlichen Spielvarianten pendelt sich diese letztlich doch nur bei etwas mauen 62% ein.

Fazit: Muss nicht sein. Kann aber durchaus.

Bedienkomfort:    Bedienkomfort
Grafik:    Grafik
Sound:    Sound
Schwierigkeitsgr.:    Schwierigkeitsgr.
Spaßfaktor:    Spaßfaktor