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Neuester Testbericht: ... die diesen Film nie uninteressant macht meiner Meinung nach, was von der Handlung sowie vor allem von den Schauspielern vollkommen erfüllt... mehr
Drogenaufklärung
Traffic

Name des Mitglieds: Jochen
Produkt:
Traffic
Datum: 18.02.01, geändert am 27.03.01 (68 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: siehe Text
Nachteile: siehe Text
Steven Soderbergh ist seit Francis Ford Coppola der erste Regisseur, der für zwei seiner Filme in einem Jahr für den besten Film nominiert wurde. Die Chancen standen also gut. Und so hat "Traffic" in einer überraschungsarmen, "stimmungsmäßig etwas teigig über die Bühne" gehenden (tsp) Oscarnacht vier Statuen einkassiert:
Nebendarsteller: Benicio Del Toro
Regie: Steven Soderbergh
Adaptiertes Drehbuch: Stephen Gaghan
Schnitt: Stephen Mirrione
Verdient hat er es allemal. Ihn zum besten Film zu küren hat sich die Academy anscheinend nicht getraut - da hat man sich lieber für altbewährtes Hollywoodkino entschieden ("Gladiator"), anstelle einen Independent-Film oder gar einen ausländischen Film ("Tiger and Dragon") vorzuziehen. Aber das ist man ja bereits gewöhnt, man rufe sich die 94er-Vergabe in Erinnerung, bei der "Forrest Gump" über "Pulp Fiction" triumphierte.
Der Film:
Steven Soderbergh hat das Äußere eines "geeks" oder "nerds" wie die Amis es zu bezeichnen pflegen. Das sind jene Zeitgenossen, die in High-School-Filmen immer die Außenseiter spielen: Dürre Statur, krauses Haar, ein riesiges Kassengestell auf der Nase und womöglich noch einen Taschenrechner in der Hemdtasche. Im Gegenzug zu diesen physischen Mängeln sind diese Figuren meist mit etwas ausgestattet, was all die Hochglanz-Abziehbilder, die in High-School-Filmen meist im Footballteam spielen, nicht haben: Grips. Soderbergh hat davon jedenfalls jede Menge. Das beweist nicht zuletzt sein neustes Machwerk "Traffic", bei dem er die Kamera bediente und Regie führte.
Thema in "Traffic" sind Drogen. Erzählt wird das Thema auf drei Ebenen, in drei Einzelschicksalen, die doch alle zusammenhängen.
Ganz in vergilbtem Gelb gehalten sind die Bilder aus Mexiko und der Kampf des Polizisten Javier R
odriguez Rodriguez (extraklasse: Benicio Del Torro) gegen das hiesige Kartell, was für den Großteil der in die Staaten gelieferten Drogen verantwortlich zeichnet.
Ganz in kühlem Blau gehalten sind die Bilder aus Washington. Hier wird dem konservativen Richter Robert Wakefield (Michael Douglas) die Leitung des Kriegs gegen die Drogen aufgetragen. Daß dieser Krieg nicht zu gewinnen ist, begreift er spätestens als er den ungehemmten Drogenkonsum seiner Tochter entdeckt.
In Normalfarben wird hierzu noch der Kampf zweier Cops gegen den Drogenkönig, der die mexikanische Schmuggelware in den Staaten vertreibt, geschildert. Sehr schön die Frau des Drogenbosses (Catherine Zeta-Jones): Sie weiß bis zum Zeitpunkt der Festnahme nicht einmal, daß ihr Mann in diesem dreckigen Geschäft tätig ist.
Zwischen diesen drei Handlungssträngen springt Soderbergh hin und her und ermöglicht so dem Zuschauer, sich immer wieder mit einer anderen Seite zu identifizieren. Der Film macht auch den konservativsten Anti-Drogen-Kämpfern anschaulich klar, daß eine drogenfreie Gesellschaft die Illusion ahnungsloser Ignoranten ist, die vermutlich auch an die Existenz des Osterhasens glauben.
"Traffic" wirkt wie ein Dokumentarfilm. Dazu trägt die Handkamera ebenso bei wie das unheroische Spiel der Darsteller, die in den Mexiko-Szenen auch tatsächlich Spanisch und kein Akzent-Englisch sprechen.
"Traffic" (gemeint damit ist übrigens der Drogenverkehr über die USA-Mexiko-Grenze) ist der beste Film über das südamerikanische Drogenkartell und dessen Einfluß auf die USA seit Brian De Palmas "Scarface". Er ist überzeugend, weil er informativ und ehrlich ist, weil es kein aufgesetztes Pathos gibt und weil der Film handwerklich meisterlich ist. Licht, Kamera, Script, Schauspieler ... alles in diesem Film ist von unverkrampfter Frische.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Video Film


08.09.01
@Roughale Besitze die US-DVD und bin vom Bonusmaterial enttäuscht - dafür ist der Film auch noch beim zweiten Mal exzellent. @Loqi We have to agree to disagree ;-) Ich finde den Film überhaupt nicht langweilig. Die Unvorhersehbark eit mit der Soderbergh von einer Erzählebene zur nächsten springt, macht den Film spannend. Man fühlt sich bei keiner der Figuren zu Hause; immer wenn man beginnt, sich mit jemandem zu identifizieren, muß man sich wieder mit einem anderen Charakter auseinandersetz en. Das ist sicherlich ein wenig anstrengend für den Zuschauer aber - wie ich finde - niemals langweilig. Gruß Jochen