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Neuester Testbericht: ... Inhalte dieser Bewegungen in sich vereint und festschreibt? * Wie dem auch sei, THX 1138 erinnert auf seltsame Weise an vi... mehr
Ein Artefakt aus der Zukunft
THX 1138

Name des Mitglieds: Totto
Produkt:
THX 1138
Datum: 23.09.04, geändert am 22.12.04 (164 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Trotz des Alters immer noch modern, eindrucksvoll, mit starken Bildern, oft zitiertes Urgestein des Sci-Fi
Nachteile: Kein Popcornkino (falls dies ein Nachteil ist!)
Ein Artefakt aus der Zukunft... ist jüngst zum zweiten Mal bei uns gelandet. Ein Werk, welches sicherlich in Vergessenheit geraten wäre, wenn dessen Meister nicht später einmal einen der größten Meilensteine des Filmes geschaffen hätte. Ein Werk welches zu einer Zeit entstand, wo das klassische Hollywood-Kino seine Identität suchte und fast in den letzten Atemzügen lag. Eine Zeit, in der die Traumfabrik von einem Road-Movie erschüttert wurde und die jungen Wilden der Filmakademien sich anschickten, etwas ganz Eigenes, etwas Neues zu schaffen.
THX 1138 ist nun als die vom Regisseur George Lucas immer erträumte Vision als Directors Cut dem Publikum neu vorgestellt worden.
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Ein totalitärer Staat irgendwo in der Zukunft: Die Bürger werden mit Drogen zu effizienten Arbeitern und unkritischen Konsumenten gemacht. Die Beziehungen sind platonisch und dem Produktivitätsgedanken untergeordnet, eine ernstere Kommunikation findet so gut wie nicht statt. Der Arbeiter 1138, Präfix THX wird von seiner Mitbewohnerin LUH 3417 von den Drogen entwöhnt, dies alleine ist schon ein strafbares Drogenvergehen. Doch die Gefühle die plötzlich in THX 1138 für seine neu entdeckte Partnerin erwachen, sind dem Hochverrat gleichzusetzen und die in Konsequenz entstehende erotische Beziehung ist pervers, ja entartet und wird vom Staat keinesfalls toleriert und muß bestraft werden. LUH 3417 wird von THX 1138 getrennt und dieser zur Umkonditionierung ins „Weisse Gefängnis“ gebracht, eine Verwahrung ohne jede Mauer und doch trotzdem scheinbar ohne jegliche Chance zur Flucht...
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Lucas selbst erklärt, bei THX 1138 handele es sich eigentlich weniger um Science Fiction im eigentlichen Sinn, auch wenn die Optik und die Handlung diesen Gedanken zunächst nähren. Vielmehr stellt sein Erstlingswerk eine in der Zukunft spielende Parabel auf die seinerzeitige Gesellschaft dar und sollte ein Gedankenmodell werden über die mögliche Entwicklung der damals vorherrschenden Strukturen. George Lucas faszinierte der Gedanke einer konsumorientierten Gesellschaft, die abgeschottet und autark ausschließlich auf Effizienz und Produktivität ausgerichtet ist, und der nahezu alle herkömmlichen Werte verloren gegangen sind. Dieses Modell verpackte er in sensationell visionären Bildern, die eigentlich nur auf herkömmliche Orte und alltäglichen Dingen basierten. Prägnant ist hier bereits der "Used Look" zu erkennen, den Lucas später forcierte und propagierte. Jedoch gelang es ihm auch schon hier, dabei nicht den schmalen Grat zur Lächerlichkeit zu überschreiten, wie es viele kleinere und vor allem ebenfalls billige Produktionen vorher bereits geschafft haben. Dank der visuellen Brillanz von Lucas entsteht mit einfachsten Mitteln eine völlig neue Welt, die den Zuschauer in jeder Minute fesselt.
>>SEI EFFIZIENT!
Lucas wagte einen beängstigenden Blick in unsere Zukunft: Gefühle werden durch staatlich verordnete Drogen nahezu ausgeschaltet, die Bürger gleichen gezüchteten Drohnen, die nur den Zweck der Produktion und des Konsums dienen; einem Kreislauf, dem es scheinbar kein entrinnen gibt, und der sinnlos für alle Zeit voranschreitet. Alle störenden Faktoren sind ausgeschaltet, sämtliche Emotionen einschließlich der Liebe und Sexualität werden unterdrückt. Eine düstere Vision, entstanden in einer Zeit, wo die Hippie-Kultur auf ihrem Höhepunkt die freie Liebe zelebrierte. Daß auch der Kommunismus mit einem Augenzwinkern sein Fett abbekommt, mag an den seinerzeit aktuellen Strömungen der ausgehenden 60er liegen.
Versuchte Lucas hier eine gewagte Prognose des Verschmelzens der Konsumlust, des technischen Fortschritts und der verkrusteten Strukturen des Establishments, die nach einem kulturellen „Big Bang“ in einem totalitären System münden, welches auf perfide Weise die hauptsächlichen Inhalte dieser Bewegungen in sich vereint und festschreibt?
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Wie dem auch sei, THX 1138 erinnert auf seltsame Weise an viele Werke, die nach diesem bemerkenswerten Streifen entstanden sind. Equilibrium beispielsweise steht plötzlich nur noch als moderne Kopie von etwas dar, was bereits ein viertel Jahrhundert vorher erdacht wurde. „Cube“, „Dark City“, „Clockwork Orange“ und die „Matrix“ wären womöglich ohne THX 1138 nie erschaffen worden. Aber auch in Lucas späterem Welterfolg „Star Wars“ und im „Blade Runner“ tauchen die Motive von Lucas erstem Film auf. Viele Kreative nannten somit nicht zu unrecht THX einen einflussreichen Meilenstein in der Sci-Fi-Filmgeschichte.
Auch in anderer Hinsicht kann THX 1138 als bahnbrechend gelten. Der nahende Untergang des klassischen Hollywood-Films fand schon Erwähnung. „Easy Rider“ hatte gerade zuvor die überalterte und überkommenden Strukturen in Hollywood aufgebrochen. Die jungen Wilden befanden sich im Aufbruch, dem Film einen zeitgemäßen Anstrich zu verpassen. Der nur unter äußerst glücklichen Umständen und mit Hilfe seines später gleichgestellten Mentors Francis Ford Coppola realisierte Film THX 1138 prallte allerdings zunächst an den eingefahrenen Studiostrukturen ab und fand ob seiner ungewöhnlichen Art auch kaum Publikum. Dennoch sensibilisierte er einige folgende Generationen an Filmschaffenden für zwei wesentliche Dinge, die den Film der heutigen Zeit begründeten: Zum einen erschien Lucas als ein Autorenfilmer, etwas was es in den Nadelstreifen tragenden Reihen Hollywoods nicht gab, sondern eher dem alten Kontinent vorbehalten war. Jemand der mit visionären Ideen beinahe ein revolutionäres Filmerlebnis erschuf. Zum anderen weil er die Produktionsmethodik auf einer sensationellen Weise installierte. Sicherlich bekannt dürfte sein, daß später einmal das führende Imperium im filmtechnischen Bereich diesem Erfindungsgeist zuzuschreiben ist. Neu war aber auch die Tatsache, on location zu drehen. Eine Art „studentischer Guerilla-Dreh“: Keine teuren Studiokulissen, sondern schlagkräftige mobile Einheiten, die in windeseile einen Take schossen – buchstäblich bevor die Polizei aufkreuzte und das Unternehmen stoppen konnte.
>>SEI PRODUKTIV!
Als Anekdoten zum Film dürften einige Beobachtungen aufhorchen lassen: In THX 1138 werden die ersten Wookies gesichtet, welche hier die Grenzen der autarken Welt markieren. Auch eine markante Harmonie in dem Score sollte später einmal in Variation unsterblich werden. Der Audioproducer Murch erwähnt zudem in einem der reichhaltigen Kommentare der DVD-Veröffentlichung, daß nicht ganz zufällig die Elektroschockstäbe der Exekutivorgane sich verdächtig nach einer frühen Form des Lichtschwertes anhören.
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Einflussreich war THX 1138 also, obwohl die Studiobosse den Film nicht verstanden und wahrscheinlich zurecht zu damaliger Zeit auch kein Zielpublikum sahen. Mit Radiologie, Kybernetik, Hologrammen und Gendesign auf eine Generation, die von Sex, Drogen und Rock´n´Roll bestimmt war, zu zielen, mag auch heute noch zum Kopfschütteln verleiten. Dennoch ist die stilisierte, mit einfachen Mitteln erschaffene Vision auch - oder gerade - heute noch packend. Aufgeklärt durch Jahrzehnte des Filmes, die nach dem Dreh von THX 1138 kamen, ist es gut möglich, daß George Lucas Erstlingswerk endlich das Publikum findet, welches ihm bisher vorenthalten blieb. Die erschreckende Vision von totalitären technokratischen Machtstrukturen selbst ist jedenfalls absolut zeitlos und erreicht zumindest in seiner Intensität das Vorbild eines George Orwell.
THX 1138 ist wohl weiterhin kein Film für die Massen und beileibe kein Popcornkino. Eher ein eindringlicher und visuell beeindruckender Appell, den Glauben an innere Werte nicht zu verlieren, in einem Dickicht aus Wünschen und kapitalistischem Zwängen. Ein Film über das Auflehnen gegen respektive die Flucht vor einer omnipräsenten gesellschaftlichen Bedrohung.
>>KONSUMIERE UND SEI GLUECKLICH!
© 2004 Totto für dvd-live.de
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Video Film


13.05.08
kronenwürdig!!!