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Neuester Testbericht: ... steht ihm der Sinne nur noch nach einem: Rache. Als grüner Kobold verkleidet tötet er sie während eines Festes auf der Straße und... mehr
Der neue Spider-Man ist da!
Spider-Man

Name des Mitglieds: HilkMAN
Produkt:
Spider-Man
Datum: 09.05.02, geändert am 26.02.04 (56 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: unterhaltend, schwungvoll
Nachteile: amerikanische Heldenverehrung, am Ende etwas zuckersuess
Und so liess auch ich mich anstecken und machte mich am Premierentag auf den Weg ins Kino. Ich? Aber warum denn ich? Ich habe in meinem Leben wohl kein Dutzend Superheldencomics gelesen und weder einen der Superman- noch der Batman-Filme gesehen. Von den diversen Superhelden unserer Tage war ich eigentlich nur mit dem HilkMAN einigermassen gut vertraut. Trotzdem konnte ich hier nicht widerstehen. Ob es sich gelohnt hat, erfahrt Ihr jetzt.
Ich spule erst mal kurz die Handlung runter:
Peter Parker, ein junger Mann, dessen Leben ungefaehr so aufregend ist wie sein Name, wird bei einem Schulausflug in ein Superlabor von einer genetisch veraenderten Superspinne gebissen. Durch diesen Biss vermischt sich seine DNS mit der der Spinne und er wird zum Spider-Man, der Superkraefte hat. Mit seinen Spinnweben kann er sich von Haus zu Haus hangeln und steile Waende stellen auch kein Hindernis mehr fuer ihn dar. Aber noch weiss er nicht, was er mit diesen Kraeften anfangen soll. Erst nachdem sein Onkel bei einem Raubueberfall getoetet wird, den Spider-Man haette verhindern koennen, beschliesst er, seine Kraefte zum Kampf gegen das Verbrechen einzusetzen. Er ist immer dort, wo er gebraucht wird. Aber die Presse sieht es als eintraeglicher an, ihn als potentiellen Boesewicht darzustellen.
Im normalen Leben laeuft es fuer Peter auch nicht so optimal: Seine grosse Liebe MJ treibt sich mit allerhand Pfeifen herum und ist an ihm “nur” als gutem Freund interessiert.
Unterdessen spitzt sich die Lage zu, als Spide
r-Man einen echten Gegenspieler erhaelt, naemlich einen gewissen ”Green Goblin”. Dieser ist niemand anders als der Vater von Peters bestem Freund Harry. Er hat einen flugfaehigen Gleiter, der eigentlich fuer das amerikanische Militaer entwickelt wurde, einige schicke Waffen und sich selbst mit merkwuerdigen Experimenten Superkraefte angeeignet. Dazu kommt das obligatorische alberne Kostuem. Sein Motiv fuer Rundum-Zerstoerung ist Rache an seiner ehemaligen Firma.
Da es dem Boesewicht nicht gelingt, Spider-Man auf seine Seite zu ziehen, will er ihn ausloeschen. Und dazu greift er da an, wo es am wehesten tut…
Mehr von der fast jederzeit berechenbaren Handlung will ich hier nicht preisgeben. Einen Drehbuchoscar wird es sicherlich nicht geben, zumal ein paar klaffende Luecken drin sind (warum beisst die Spinne zum Beispiel nur eine Person und verschwindet dann spurlos?). Dennoch macht der Film phasenweise durchaus grossen Spass, weil er eben das Erwartete bietet: Einen Spider-Man, der sich von Haus zu Haus schwingt und und arme Witwen und Waisen vor boesen VerbrecherInnen schuetzt. So ist die Welt wieder in Ordnung! Zumindest zwei Stunden lang (nebenbei haette der Film fuer meine Verhaeltnisse durchaus noch etwas laenger sein koennen, um die Entdeckung seiner Faehigkeiten nicht so im Zeitraffer darstellen zu muessen.
Und die Szene, in der Spider-Man erstmals in seinem Kostuem auftritt ist urkoestlich - da kam richtig gelungener Humor durch.
Die Besetzung des Filmes ist meiner Meinung ebenfalls durchaus gelungen. In der Titelrolle tritt Tobey Maguire auf, den ich ja sowieso ziemlich klasse finde. Dies ist zwar vielleicht keine Jahrhundertrolle fuer ihn, aber er bringt die Diskrepanz zwischen dem erstaunlichen Superhelden und dem leicht schuechternen Jungen von nebenan durchaus prima rueber.
Weitere Hauptrollen werden von Kirsten Dunst (MJ) und Willem Dafoe (Boesewicht Norman Osborn) gespielt. Auch diese liefern eine so
uveraene Leistung ab (wenngleich mir Willem Dafoe seit seiner Rolle in “Shadow of the Vampire” nicht mehr recht steigerungsfaehig erscheint). Insgesamt laesst sich hier sagen, dass die SchauspielerInnen ihre Rollen einigermassen ausreizen.
Soweit klingt ja alles noch ganz gut, aber ich habe auch einiges zu meckern. Waehrend in der ersten Haelfte des Filmes noch die Spannung ueberwiegt, schleicht sich in der zweiten Haelfte eine Menge Kitsch ein. Klar, das hier ist ein Superheldenfilm, da muessen solche Elemente vielleicht sein, aber fuer mich ueberschritt es diese feine Grenze und wurde stoerend. Vieles davon ist wohl auch im Original-Comic begruendet. Diese sind ja schon recht alt und bedient sich halt noch gewisser Klischees, die mittlerweile ueberkommen wirken (warum hat Peter Parker beispielsweise keine Eltern, sondern lebt bei Onkel und Tante?). Aber noch immer haette ich mit viel Wohlwollen vier Sterne uebrig gehabt.
Dann allerdings kam die Schlussszene, und dafuer gibt es einen Stern Abzug (und dabei bin ich ziemlich gnaedig). Ich mache hier nichts von der Spannung kaputt, wenn ich sage, dass Spider-Man auf dem Dach eines Wolkenkratzers hockt – hinter sich mal wieder leindwandgross die amerikanische Fahne. Diese Gleichsetzung des Superhelden, der die Armen und Schwachen schuetzt und nur aus diesem Grunde den Boesen der Welt was auf die Fresse gibt (und noch dazu in der Presse ungerechtfertigt angegriffen wird!), mit der amerikanischen Supermacht ist fuer mich so unertraeglich, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Pfui Spinne! Es ist in letzter Zeit in Hollywood-Filmen leider offenbar zum Zwang geworden, diese Symbolik plakativ auszuschlachten, und ich erlaube mir, fuer Regisseur Sam Raimi einen deutlichen Warnvermerk in meinem Gedaechtnis anzubringen.
Den Vermerk werde ich noch brauchen - denn das Ende des Filmes schreit nach einer Fortsetzung wie nur wenige vor ihm. Aber das war ja zu erwarten gewesen.
Viel Spass im Kino wuenscht
HilkMAN
P.S.: Ab Anfang Juni schwingt sich Spider-Man auch durch deutsche Kinos.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Video Film


26.02.04
Bedenke, daß der Film während der Anschlagsserie vom 11. September in der Post-Produktion war. Die Einstellung einer gesamten Nation hat sich schlagartig verändert - vielleicht erklärt das, die Dir unerträglich erscheinende Symbolik.... BTW: Du schreibst aus Taiwan? Ich sehe so wenig asiatische Filme zwischen Deinen Reviews - wo Du doch an der Quelle sitzt?? Viele Grüße vom Totto