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Neuester Testbericht: ... Stil, einer muss halt draufgehen und die anderen finden ihr Glück... Der Angriff auf Pearl Harbor hat technisch durchaus etwas zu b... mehr
Kriegsfilm der anderen Art
Pearl Harbor

Name des Mitglieds: Atlanter
Produkt:
Pearl Harbor
Datum: 19.06.01, geändert am 19.06.01 (27 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Sehr gute Trickaufnahmen, Glaubhafte Story
Nachteile: Relativ lang, Nicht gerade authentisch
Damit ist auch die grundlegendste Aussage über den Film schon getroffen. Es ist in erster Linie ein Unterhaltungsfilm, der eine fiktive Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines geschichtlichen Ereignisses erzählt, welches den meisten wohl bekannt ist. Wer sich jedoch mit dem Wissen der Intention des Filmes zum Besuch entschließt, der wird einen Film erleben, der fast 3 Stunden Unterhaltung und Herzschmerz, Spannung und nie gesehene Bilder in sich vereint.
Da ist zum einen die Liebesgeschichte. Ein junger Pilot der US-Air Force verliebt sich in eine Krankenschwester. Da er ein Heißsporn ist, hat er sich aber zum freiwilligen Einsatz in der britischen Royal Air Force verpflichtet. Dem Kinobesucher wird in glaubhafter und teils humoriger Weise das Erleben einer ersten wirklichen Liebe unterbreitet, die auch gleich ihre erste Prüfung erfährt, als der junge Mann zum Einsatz nach England kommt. Ebenso glaubhaft zeigt der Film auf, wie aus dem jungen Heißsporn unter den Eindrücken eines realen Krieges schnell ein Mann wird, der eigentlich nur noch eines will – überleben. Doch scheint ihm dies nicht vergönnt zu sein, denn er wird abgeschossen und gilt als über dem Kanal gefallen.
Sein bester Freund aus Kindertagen dient ebenfalls als Pilot in der US-Air Force und ist, wie er vor seinem Einsatz, in Pearl Harbor stationiert. Natürlich kennt der Freund die Liebste des anderen. Obwohl er ihr zunächst zur Seite steht, als der Tod des Freundes bekannt wird, zieht er sich danach von Ihr zurück. Doch sie laufen sich wieder über den Weg und der Film schafft es, in sehr glaubhafter Weise zu erzählen wie sich nun diese beiden jungen
Menschen ineinander verlieben können. Was zunächst nur die Verbundenheit eines gemeinsamen Verlustes ist, endlich in die Überwindung des Schmerzes übergeht, mündet schließlich in eine neue Liebe. Doch der abgeschossene Pilot lebt. Wurde von französischen Fischern aus dem Kanal geholt und aus dem besetzten Frankreich heraus geschmuggelt. Als er endlich wieder in Pearl Harbor eintrifft, bekommt die Geschichte die dramatische Nuance einer ungewollten Dreiecksbeziehung, in der die Handelnden von ihren Gefühlen hin und her gerissen sind.
Zum anderen ist da der Hintergrund der Geschichte – eben die Verknüpfung in die Geschehnisse vor und um den japanischen Überfall auf Pearl Harbor. In weitgehend authentischer Form erzählt der Film, was der Grund für den Angriff der Japaner war, wie die Vorbereitungen liefen und wer beteiligt war. Dann ist der Tag des Angriffes da. An dieser Stelle möge man den Machern verzeihen, dass sich die eine oder andere geschichtliche Ungenauigkeit eingeschlichen hat. Es macht sich halt gut, wenn japanische Piloten ein Stirntuch anlegen, auch wenn dies in Wirklichkeit erst viele Monate später die Kamikaze-Flieger getan haben. Leider weist der Film noch einige solcher Detailschwächen auf, die dem Laien aber nicht auffallen werden.
Der Dritte sehr gute Aspekt des Filmes sind die verblüffenden Filmtechniken. Ton sowie Farbe und Brillanz der Bilder, Kameraführung und Detailaufnahmen verblüffen schon zuvor. Dies gilt nicht nur für die "Aktion", sondern durchaus auch für andere filmische Variationen, wie Leinwand füllende Großaufnahmen der Gesichter handelnder Personen. Zu einem im wahrsten Sinne des Wortes „Feuerwerk“ der Eindrücke aber gerät der Angriff. Ob es nun die Flugmanöver der Maschinen oder die Kamerabegleitung einer fallenden Bombe sind – der Film zeigt nicht nur hier, sondern in seiner gesamten Länge Perspektiven, wie sie nie zuvor zu sehen waren. Zwar werden die Kampfszenen sehr ausführlich gezeig
t, doch spart der Film auch nicht mit Aufnahmen, welche das Grauen eines Krieges aufzeigen. Vor allem wie es "fokussiert" in einem Lazarett zu sehen ist.
Als der Film begonnen wurde, war einer der Kritikpunkte, dass schon „Titanic“ unglaubliche Schwierigkeiten hinsichtlich der filmischen Darstellung des Unterganges eines solchen Giganten bedeutet hat. Wie aber will man den Untergang einer ganzen Flotte glaubhaft darstellen können? – Tatsächlich wird dem kritischen Betrachter hier das eine oder andere in den Dimensionen auffallen, obwohl der Regisseur alle Register moderner Tricktechnik zieht. Insgesamt aber ist den Filmleuten eine überzeugende Darstellung gelungen. Zumindest erkennt man nicht auf den ersten Blick, dass manches nur Trick ist.
Leider fehlt dem Film auch nicht die gehörige Portion amerikanischen Heldenepos, obwohl es wohltuend auffällt, dass nicht ein einziges mal die amerikanische Nationalhymne die Handlung begleitet. So wird der Heldenepos noch in verträglich glaubhafter Weise dargestellt und als es den beiden Freunden mit viel Glück gelingt, zwei amerikanische Jäger in die Luft zu bekommen, kann man es den im Wasser paddelnden Schiffsbesatzungen von Herzen nachfühlen, wenn sie ihnen hinterher rufen: „Ja, gebt es ihnen“. Die beiden Freunde haben es wohl ihrem Glück zu verdanken, dass der japanische Angriff nahezu beendet ist, als sie endlich aufsteigen können, denn zu zweit hätten sie wohl kaum die japanische Angriffsmacht besiegen können. Na ja - amerikanischer Heldenepos halt. Sehr deutlich jedoch wird dem Kinobesucher, welch tiefsitzende Wut der japanische Angriff in der amerikanischen Seele damals tatsächlich ausgelöst haben muss.
Das Verlangen nach Vergeltung wird zum Ende des Filmes nacherzählt, indem unser beiden Freunde zusammen mit anderen Piloten einen Angriff gegen Tokio fliegen müssen. Da die Entfernung zu groß ist, um von festem Boden zu los zu fliegen, starten – laut Film ̵
; erstmals in der Geschichte Bomber vom Deck von Flugzeugträgern. Doch kommen die Träger nicht nah genug an die japanische Küste, ohne Gefahr zu laufen verlustig zu gehen. So heißt es für die Piloten nach dem Angriff – weiter nach China, welches sich ebenfalls im Krieg mit Japan befindet. Die Maschine, welche die Technik an Bord hat um die Bomber in sicheres Gebiet zu leiten, wird abgeschossen und so müssen die Piloten „irgendwo“ runter gehen. Leider in japanisch besetztem Gebiet. So kommt es das die Landung eher einem kontrollierten Absturz gleicht. Als danach bei Kampfhandlungen am Boden einer der Freunde zu Tode kommt, der andere aber glücklich chinesische Kräfte erreicht, findet auch die Liebesgeschichte ihre Lösung.
Der Film endet wie er begann – in der Idylle einer amerikanischen Farmlandschaft zu Friedenszeiten.
Ein gutes Stück Unterhaltung ist den Filmmachern mit „Pearl Harbor“ gelungen. Eine durchaus interessante Geschichte, die nicht nur die Zeit und Geschehnisse in denen sie spielt als Aufhänger nutzt, sondern sie als vollwertigen Bestandteil der Story rüber bringt. So werden auch diejenigen Gefallen an dem Film finden können, welche auf den Aspekt der Liebesgeschichte verzichten könnten. Und der beste „Nebeneffekt“:
Wer eine Partnerin hat, welche partout nicht in einen Kriegsfilm zu bekommen ist; selber aber sich mit Händen und Füssen gegen den Besuch eines Liebesfilmes wehrt, der hat hier endlich einmal Gelegenheit zu einem gemeinsamen Kinobesuch, bei dem beide auf ihre Kosten kommen können. ;-)
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Video Film


25.06.01
So eine gute Meinung und nur ein Kommentar... das geht doch nicht! Hat mir gefallen deine Meinung; obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe, kann ich ihn nun besser einschätzen. Gut geschrieben und angenehm zu lesen! cu, der Admiral!