Pearl Harbor
Hollywoods gigantische Flugschau - Pearl Harbor Video Film

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Neuester Testbericht: ... Stil, einer muss halt draufgehen und die anderen finden ihr Glück... Der Angriff auf Pearl Harbor hat technisch durchaus etwas zu b... mehr

Hollywoods gigantische Flugschau
Pearl Harbor

benjaminroth

Name des Mitglieds: benjaminroth

Produkt:

Pearl Harbor

Datum: 18.06.01, geändert am 18.06.01 (604 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: klasse und beeindruckende Flugschau,...

Nachteile: ...aber nicht mehr, als man schon in der Werbung gesehen hat, Film artet aus in Liebesschnulze, viel zu lang

Hollywoods gigantische Flugschau


Selten zuvor wurde man auf einen Film in dieser Art und Weise "vorbereitet" wie man es bereits seit Monaten in Bezug auf Hollywoods neustes Vorzeigewerk "Pearl Harbor" in Zeitungen, Kinos, auf Plakatwänden und im Fernsehen sah. Bereits an Weihnachten (oder kurz danach) stand im Cinemaxx Darmstadt ein gewaltiger Pappaufsteller, der für diesen Film warb.

Ganzseitige Werbung in Zeitungen und ganze Extrabeilagen kurz vor dem Kinostart haben mich dann auch dazu veranlasst, mir diesen Film anzusehen.



Meine Erwartungen:
Überall wurde "Pearl Harbor" als Sommerhit und sogar als bester Film des Jahres angekündigt. Ich erwartete mir in erster Linie einen Kriegsfilm mit einzigartigen und aufwendig produzierten Kriegsszenen, auf die man im Trailer schon einen Vorgeschmack bekommt.
Da der Filmtrailer aber auch auf eine in den Film integrierte Lovestory zu sprechen kommt, standen meine Erwartungen von diesem Film irgendwo zwischen "Der Soldat James Ryan" und "Titanic". Ich erwartete außerdem von dem Film, dass mein nicht gerade umfassendes Wissen über die amerikanische Vorgeschichte zu Japan während des Zweiten Weltkrieges, noch erweitert, vielleicht sogar vorvollständig wird.
Alles in allem erwartete ich mir von den wirklich überzeugenden Bilden aus der Werbung voller angreifender Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe in Kombination von einem Staraufgebot von Ben Afflek bis zu Dan Akryod einen Film, der zum Staunen, Nachdenken und Herzschmerz-Gefühl Anstoß gibt.



Der Inhalt:
Wie bereits angedeutet, spielt der Film vor dem historischen Background des Angriffes hunderter japanischer Kampfflugzeuge auf den hawaiianischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor, einem Angriff, bei dem die völlig überraschten Amerikaner nicht nur einen großen Teil ihrer Kampfschiffe, sondern auch viele Navy-Soldaten verloren.
Der Film erzählt von z
wei Kindheitsfreunden, die nicht nur eine Leidenschaft, nämlich das Fliegen, sondern auch eine Liebe teilen müssen und zusammen den überraschenden Angriff der Japaner so gut wie möglich abwehren.
Mehr möchte ich aus gutem Grunde nicht erwähnen; zum einen, da dies schon der größte Teil der Story ist und zum anderen, da sich dank einiger Wendepunkte ich dem Kinogänger schon alles vorwegnehmen würde.



Meine Kritik:
Nicht schwerlich lässt sich der Film in drei große Teile einteilen: der Liebesteil (ca. 2 Stunden), der eigentliche Angriff auf Pearl Harbor (ca. 20 Minuten) und der Vergeltungsschlag der Amis (ca. 40 Minuten). Schon alleine aus diesen Zahlen lässt sich ein Eindruck gewinnen, auf was das Produzentengespann Jerry Bruckheimer/ Thomas Bay den Schwerpunkt gesetzt hat.

Wie der Film anfängt, so zieht er sich auch regelrecht über die ersten 120 Minuten: Ein typisch amerikanisches Menschenbild der beiden Hauptcharaktere, in dem natürlich bereits seit frühster Jugend die Liebe zu einem Mädchen steht, voller tränenreicher Anschiede und unglücklicher Momente wird einem teilweise ungewollt ironisch, da maßlos übertrieben und allzu vorhersehbar, dargestellt. Vom Krieg ist hier noch nicht einmal die leichteste Spur.
Dann plötzlich, und ich meine wirklich "aus heiterem Himmel" und ohne irgendwelche Gründe, warum und wieso, nähern sich plötzlich feindliche Flugzeuge. Zwar hat man in den letzten zwanzig Minuten des ersten Teiles bereits immer mal wieder ein japanischen Oberst Kommandos (mit lächerlichen japanischen Weisheiten im Unterton) in Richtung Hawaii gegeben, doch wirkt dies absolut aus dem Zusammenhang gegriffen. Noch so eine typische "Amerikanisierung", wie ich es mal nennen will, mit der das Produzentengespann die amerikanische Misere des damaligen Zeitpunktes zum Ausdruck bringen will: Alles ist friedlich, Jugendfreunde sind vergnügt, suchen sich eine Frau fürs Leben, alles scheint unter Kontrolle, pl
ötzlich ein ach so hinterfotziger Angriff direkt in das Herz des "peaceful America". Ich weiß zwar nicht, ob dies wirklich die Absicht war, die herübergebracht werden sollte, doch so scheint es wirklich. Nicht eine Minute dieses (180-minütigen) Filmes werden wir auch nur annäherungsweise über die politische Auseinandersetzung der beiden Nationen informiert. Ob dies nun im benannten Zusammenhang beabsichtigt die typisch amerikanische Politikunwissenheit zum Ausdruck bringen soll (was aber irgendwie total "unamerikanisch" wäre, seine eigenen Schwächen zuzustehen), oder einfach eine unberücksichtigte Lücke in der Handlung des Filmes darstellt, wage ich beim besten Willen nicht zu beurteilen. So oder so, dieser Mangel stört besonders den bejährteren und anspruchsvolleren Zuschauer und macht den Film für den historisch und politisch Interessierten schier uninteressant.

Dann endlich der (insgeheim) ausschlaggebende Punkt, sich diesen Film anzuschauen, der Punkt, für den man einen Weg von 20 Kilometern (einfach, und in Zeiten unbezahlbarer Benzinpreise) zu einem riesigen Cinedom auf - sound- und bildbezogen - neustem Stand auf sich genommen hat: der Angriff auf Pearl Harbor. Eben hat man zwei Stunden Langweile und Gefühls- und Beziehungskisten über sich ergehen lassen, jetzt heben sie endlich ab, die japanischen Kampfflugzeuge. Es ist schon irgendwie makaber, wie man sich darauf freut, bemannte Kriegsschiffe mit einem großen Knall untergehen zu sehen, wie feindliche Flugzeuge zentnerschwere Kanonen auf unvorbereitete Soldaten abwerfen, auf die zu Hause Frau und zwei Kinder warten. Doch das bisschen gesunder Menschenverstand schaltet sich schnell ab, wenn einem die gewaltigen Bilder aus der Werbung wieder vor den Augen sind: Scharfe Flugzeuge, nur wenige Meter über dem Boden, in hunderter Scharen, wie sie über baseballspielende Kinder hinwegfliegen, im Tiefflug über wäscheaufhängende Frauen, immer auf der Suche nach amerikanischen Schlachtsc
hiffen. Und das war nur der Ausschnitt aus einem kurzen Trailer! Gleich würden Kampfschiffe explodieren, Frauen schreiend durch die Gegend laufen und Soldaten vor übertrieben gestellten schweren Verletzungen nur so winseln. Doch dann schließt sich erst einmal der Vorhang... Pause!

Bilanz der ersten zwei Stunden Film (für die ich keine 15 Minuten der Pause brauchte): Bis jetzt unterscheidet sich der Film nicht merklich von einer billigen Sonntag Nachmittag Romanze, die wohl nie so richtig groß rauskam. Erwartete man ein großes Auftreten von Flugzeugen, muss man sich bis hier mit einer einzigen Flugzeug- Szene zufrieden geben: Wie der Hauptdarsteller mit seiner Freundin verliebt dem Sonnenuntergang entgegenfliegt. Eine Szene, maßgeblich für den kompletten ersten Teil. Na, das kann ja nur noch besser werden, vor allem, da schon mehr als die Hälfte des Filmes rum ist!

Und es wurde besser: Was im Folgende zu sehen war, war eine Glanzleistung an Computertechnik und Modellbau. Wie Schiffsbrücken mit lautem Ohrenbetäuben ins Wasser stürzen, Schiffe sich bis zu 90 Grad (Titanic-like) aufbäumen und man aus der Perspektive eines Torpedos vom Abwurf bis zum Eindringen in das Zielobjekt "hautnah" dabei ist: eine Meisterleistung und hohe Beanspruchung modernster Technik...
... meilenweit von dem, was ich "annähernd realistisch" einstufen würde. Bei nur ein bisschen genauerem Hinsehen wird sofort klar, mit was für Tricks die Modellbauer und Computertechniker gearbeitet haben, und was für ein erstaunlich kleiner Anteil von alle dem "wirklich" ist. Selbst das Herzstück des Filmes, die Jagdbomber in vollstem Einsatz, sind alles andere als perfekt gestaltet: Obwohl dem Film dank eines vermögenden Produzentenpärchens eine Menge Geld bereitstand, macht es auf mich den Eindruck, als sei es zu einem viel zu großen Teile in die Computertechnik und Miniaturen gesteckt worden, viel zu wenig in die Arbeit mit Reellem. Ein Beispiel hierfür si
nd die abgeschossenen/ abstürzenden Flugzeuge, die meist animiert wurden, was mit heutigen Mittel natürlich weit entfernt liegt von Bildern mit wirklichen Gegenständen.
Schade finde ich außerdem, dass diese Kriegsszenen in einem Kriegsfilm nur einen so untergeordneten Stellenwert einnehmen. Ich will zwar nicht sagen, dass nach wenigen Minuten bereits wieder alles vorbei ist, doch wird mir, nachdem ich die Werbung wiederholt und ein 10-minütiges Making Of gesehen habe, nicht mehr viel Neues an Explosionen und Flugzeugattacken geboten. Schade eigentlich, erwartete ich mir doch mit der Werbung nur einen Vorgeschmack auf den Film.

Der dritte Teil ist meiner Meinung nach der überflüssigste des ganzen Filmes. Nachdem der Zuschauer durch zwei Stunden anspruchslose und dumpfe Romantik hindurchgezogen wurde, dann mit lückenvollen Effekten bei Laune gehalten wurde, fällt der Film wieder dahin zurück, wo er angefangen hat: bei dem romantischen Teil, diesmal in Vermischung mit einem ebenso politisch, wie auch militärisch unbeleuchteten Hintergrund. Wer -von den Zerstörungsattacken der Japsen auf Pearl Harbor aufgegeilt- auf mehr spektakuläre Bilder wartet, wird hier ein weiteres Mal bitter enttäuscht. Lediglich ein bisschen Spannung wird in diesem Teil aufgebaut, da man den Amis natürlich die Daumen drückt und der Treibstoff doch bitte, bitte noch ein bisschen reichen soll.
Mit dem dritten Teil ist dann auch (endlich) nach 180 Minuten das Ende verbunden, dass ich jetzt natürlich noch nicht verraten möchte. Zur Beurteilung dieses nur folgendes: Zwar relativ überraschend, doch ebenso vorhersehbar für alle, die "Doktor Schiwago" oder ähnliche Liebesschnulzen gesehen haben. Auch hier kann ich nun wirklich nicht sagen, dass es mir zusagt, doch irgendwie passt es zu dem ganzen Film, der ständig zwischen Krieg, Liebe und Kinderkriegen hin- und herschwankt.



Mein Fazit:
Ach ja, wie habe ich mich um die viel zu teuren 14DM (inkl. 2DM Au
fpreis) geärgert! War das ich, der sich von der Werbung und dem historischen Hintergrund einen bildenden, eindrucksvollen Film mit echten Emotionen und schönen Bildern erwartet habe? Hätte ich doch mal auf die vielen Zureden "Nein, guck dir diesen Mist bloß nicht an!" gehört. Dann wäre ich wenigstens bei meiner Auffassung geblieben, dass Hollywood in der Lage ist, historisch be- und unterlegte Filme zu drehen, die einem nicht schon nach dem ersten Drittel mehr als zum Hals raushängen und fortwährend einem Klischee unterfallen, dem sich nur eine ganz bestimmte Ansprechungsgruppe anschließen kann.
Doch wieder einmal musste ich mich eines Besseren belehren lassen und kann nur abschließend sagen, dass keine einzige meiner (ich denke nicht zu hoch gesteckten) positiven Erwartungen auch nur annäherungsweise belegt wurden.
Zwei Sachen habe ich aber trotzdem gelernt: Zum einen, dass ich von diesem Film rein gar nichts über den historischen Hintergrund gelernt habe und zum anderen, dass nicht alles gut sein muss, nur da es von gigantischen Werbeaktionen und -veranstaltungen begleitet wird.



Internet- Tipp:
Für alle, die wie ich den historischen Zusammenhang im Film vermisst haben und zwischen Hollywood und Realität noch einmal gesondert unterscheiden wollen, empfehle ich die weiten Welten des Internets: Unter www.pearl-harbor.com erfährt man nicht nur, was politisch und weltwirtschaftlich an dem Angriff auf Pearl Harbor lag, sondern kann man sich hier auch einen kostenlosen Email- Account kreieren. Natürlich mit der Endung ...@pearl-harbor.com .

Für Fragen und Stellungsnamen zu meinem Bericht stehe ich euch unter benjamin.roth@pearl-harbor.com gerne zur Verfügung....

Fazit: