Hamlet (2000)
Cooles Gehabe, blanke Verzweiflung - Hamlet (2000) Video Film

Neuester Testbericht: ... auch mit "Hamlet" gehen. Gesagt getan. Im November des Jahres 2000 war sodann Kinotime angesagt. Der große Erfolg jedoch blieb au... mehr

Cooles Gehabe, blanke Verzweiflung
Hamlet (2000)

Thomas60

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Hamlet (2000)

Datum: 24.11.00, geändert am 24.11.00 (33 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: herausragende Schauspieler

Nachteile: das Thema ist hinlänglich bekannt

An Verfilmungen von Shakespeares Stück über den Prinzen von Dänemark leidet das Kino keinen Mangel. Auch keinen an hervorragenden Adaptionen, angefangen bei Laurence Oliviers Fasung von 1948, damals mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet. Und nachdem Kenneth Branagh 1996 den ganzen "Hamlet"-Text auf die Leinwand gebannt hat, braucht es gute Argumente, um einen weiteren Versuch zu rechtfertigen.

Ob Michael Almereyda die hat, hängt davon ab, ob man das Stück und dessen Vortrag jenseits der klassischen Form toleriert. Jeweils für sich genommen ist nichts neu an Almereydas Interpretation. Bereits in den 30ern ließ Orson Welles die Darsteller in seiner "Julius Caesar"-Inszenierung mit Anzug und Krawatte auftreten. Und Dänemark als Wirtschaftsunternehmen darzustellen, darauf war schon Aki Kaurismäki mit seinem "Hamlet Goes Business" gekommen; übrigens Almereydas Inspiration.

Aber wie Almeryda alles zusammenfügt - die Hinweise auf die menschlichen Dramen im Corporate America, die konsequente Farbdramaturgie, die Einbettung der Handlung in die bekannten Versatzstücke Manhattans, in den Rhythmus der Stadt und ihrer Bewohner - das ergibt am Ende eine der faszinierendsten Theater-Adaptionen im Allgemeinen und "Hamlet"-Verfilmungen im Besonderen.

Aber trotz seiner genialen Herangehensweise wäre Almeryda gescheitert, stünden ihm seine Schauspieler nicht derart grandios zur Seite. Ethan Hawke gelingt es, Hamlet selbst im steten Zweifel, Sinn und Richtung zu geben. Julia Stiles als Ophelia ist seiner ebenbürtig. Aber es sind die Nebendarsteller, von denen man die Augen nicht nehmen kann: Wenn Bill Murray (Polonius) und Diane Venora (Gertrud) keine Oscars bekommen, gibt es keine Gerechtigkeit.

Michael Almereydas "Hamlet" ist ein Drama über die Vereinsamung in den Städten und Geschäftswelten unserer Tage. Hinter der coolen Attitüde steckt blanke Verzweiflung. Ein herausragender Film.

Fazit: