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Neuester Testbericht: ... Eine gelungene Mischung aus Komik, Nostalgie, Drama. Die Mutter fällt also ins Koma und bekommt den Mauerfall nicht mit. Als sie wied... mehr
Es war einmal...
Good bye, Lenin!

Name des Mitglieds: squarerigger
Produkt:
Good bye, Lenin!
Datum: 06.04.03, geändert am 06.04.03 (168 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Ein absolut toller Film
Nachteile: ---
Bekanntlich beginnen alle guten Märchen mit ?Es war einmal...?. Insofern könnte auch der Film ?Good bye Lenin? von Regisseur Wolfgang Becker mit ?Es war einmal...? beginnen, denn auch hier wird ein Märchen erzählt.
Erzählt wird die Geschichte der Ost-Berliner Familie Kerner: Mutter Kerner, Tochter Ariane, Sohn Alex. Mutter Kerner ist glühende Anhängerin des in der damaligen DDR angeblich real existierenden Sozialismus. Auf den Weg zu den Feierlichkeiten anlässlich des 40. Jahrestages der DDR (hier sei an den berühmten Satz Erich Honeckers ?Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf!? erinnert) muß sie mit ansehen, wie eine größere Menschenmenge für Pressefreiheit und Demokratie demonstriert und dabei von Vopo und Stasi gnadenlos zusammengeknüppelt und dann verhaftet wird. Mittendrin entdeckt sie u.a. ihren Sohn Alex. Dies verkraftet Mutter Kerner nicht und erleidet einen Herzinfarkt. Monatelang liegt sie daraufhin im Koma...
... und verpasst dabei die wohl dramatischsten Stunden der deutschen Nachkriegsgeschichte, den Mauerfall am 9. November 1989.
Als sie nach Monaten endlich aus dem Koma erwacht, wächst gerade zusammen, was zusammengehört, nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen: Tochter Ariane hat ihr Studium geschmissen und jobbt bei Burger King. Nebenbei hat sie sich auch gleich noch in den Wessi Rainer verliebt. Auch Alex? Arbeitgeber, eine PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) für Rundfunk- und Fernsehreparatur wurde abgewickelt. Er vertreibt zwischenzeitlich für eine West-Firma TV-Sat-Anlagen.
Nach Aussage des behandelnden Arztes muß jede Aufregung von Mutter Kerner vermieden werden. Wie aber soll man das schaffen, wenn doch die ganze Welt der Mutter zusammengebrochen zu sein scheint? Da fasst Alex einen aberwitzigen Plan. Er will seiner Mutter den Lauf der Geschichte ganz einfach vorenthalten. Da sie ihr Krankenbett nicht verlassen darf, erscheint dies zuerst recht einfach: das Zimmer wird
wieder mit den alten, eigentlich schon längst entsorgten Ost-Möbeln bestückt; weil die alten Ost-Lebensmittel wie Spreewaldgurken oder Mokkafix nicht mehr erhältlich sind, fühlt Alex West-Lebensmittel in die alten Verpackungen um. Zum Geburtstag der Mutter besticht er zwei ihrer ehemaligen Schüler, sich noch mal als Jungpioniere zu verkleiden und ihr ein Ständchen zu bringen.
Doch mit der Zeit wird es immer schwerer, die Täuschung aufrechtzuerhalten. Immer aberwitziger werden die Ablenkungsmanöver. So muß Alex zusammen mit seinem Kumpel Denis, einem begnadeten Videoamateur, fingierte Sendungen der ?Aktuellen Kamera? (dem DDR-Gegenstück zur Tagesschau) erstellen, um z.B. zu erklären, warum plötzlich Coca Cola in der DDR erhältlich sein soll.
Ich möchte hier nicht näher auf die weiteren Täuschungsmanöver eingehen, da ich Dir nicht die Spannung nehmen will, falls Du selbst noch den Film sehen willst. Ich verspreche jedoch, daß der Film extrem amüsant ist ? auch wenn ich als Wessi scheinbar gar nicht alle Gags verstehen konnte. Ich war in Berlin (in einem der ehemaligen Ost-Bezirke) im Kino und wunderte mich manchmal, warum die Einheimischen lachten. *g* Scheinbar fehlt mir hier ab und zu doch ein bißchen der Background.
Dieser Film ist einfach nur gut. Satirisch, ironisch und humorvoll, aber nicht mit dem plumpen, primitiven Humor der meisten aktuellen deutschen Komiker, wird hier eine glücklicherweise vergangene historische Situation dargestellt. Manches wird auf die Schippe genommen, dennoch ist der Spaß nicht beleidigend oder verletzend. Heute, 13 ½ Jahre nach Mauerfall, ist es wohl auch erlaubt, mit einem lachenden Auge auf die tragische Geschichte der deutschen Teilung zurückzublicken.
Ich kann ?Good bye Lenin? jedermann weiterempfehlen. Der Film ist einfach nur gut, amüsant, unterhaltsam, dennoch nachdenklich stimmend. Man fühlt sich ein bißchen wie in eine Zeitmaschine versetzt. Und auch ich als Wessi, der ja nun die betreffe
nde Zeit am betreffenden Ort nicht miterlebt hat, kann hier noch ein bißchen was dazulernen.
Insbesondere die schauspielerische Leistung von Katrin Saß als Mutter Kerner sowie die von Chulpan Khamatova als Alex? Freundin Lara sind wirklich hervorragend; auch der Einbau historischer Zeitdokumente (erinnert sei nur an das Absingen der Nationalhymne durch Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl, etc. am Abend des 9. November in Berlin ? nicht schön, dafür aber laut - bzw. an Gorbatschows berühmten Satz ?Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!?) ist wirklich sehr gut gelungen.
Also, solltest Du diesen Film noch nicht gesehen haben, dann schau ihn Dir an. Es lohnt sich!
Fazit:
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