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VERUNHOLDET
Der Unhold

Name des Mitglieds: Jochen
Produkt:
Der Unhold
Datum: 29.12.99, geändert am 17.03.01 (46 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Volker Spengler als Hermann Göring
Nachteile: Buch eigentlich unverfilmbar
Es ist der Abel und sucht das Kind.
Das sind wahrscheinlich die beeindruckensten Szenen in Volker Schlöndorffs "Der Unhold": John Malkovich, der, hoch zu Roß, für die Nazi Eliteschule Kaltenborn kleine Arier von den Bäumen pflückt. Allerdings strahlt der Rest der Verfilmung von Michel Tourniers Roman "Der Erlkönig" keinen rechten Charme aus. Die Geschichte eines Franzosen der Nazi-Deutschland von seiner pracht- und mythosliebenden Seite kennenlernt und dem in diesem Deutschland plötzlich alle Türen offen stehen, die für ihn in Frankreich verschlossen blieben, mag nicht recht überzeugen.
Nachdem Abel einige Zeit in einem Gefangenenlager verbracht hat, landet er im Jagdrevier der Rominter Heide, in der Göring und dessen Gefolge Treibjagden und Freßgelage veranstalten. Als sich dann aber in Rußland die Situation zuzuspitzen beginnt, hat man für Abel keine Verwendung mehr, und er darf als Hausmeister in der Napola Kaltenborn arbeiten. Hier wird sein Traum wahr, denn Abel hat eine beinahe krankhafte Passion für Kinder.
"Der Unhold" strotzt von symbolträchtigen und einprägsamen Bildern; Schlöndorff scheint sich stark an den Propagandafilmen Leni Riefenstahls orientiert zu haben. Jedoch schaffen es diese Bilder nicht, den Zuschauer die innere Entwicklung Abel Tiffauges nachvollziehen zu lassen, was gerade Tournier so unnachahmlich in seinem Roman gelingt. Nicht einmal John Malkovich vermag es, den komplexen Charakter Abels auf die Leinwand zu bringen. Die meiste Zeit guckt er nur verdutzt. Und so hangelt sich der Film von einem Ereignis zum Nächsten, bombardiert einen dabei mit seiner protzigen Bildsymbolik und wirkt lediglich durch exzellente Nebendarsteller wie Armin Mueller-Stahl, Gottfried John und besonders Volker Spengler als Hermann Göring nicht einschläfernd. Allerdings muß man eingestehen, daß sich Schlöndorff einen Roman ausgesucht hat, der es schon aufgrund s
einer Erzählperspektive eigentlich unmöglich macht, ihn in einen Film umzuwandeln. Insofern ist das Ergebnis schon beachtlich, aber leider nicht sehr sehenswert, unabhängig davon, ob man den "Erlkönig" gelesen hat. Der Film ist verunholdet.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Video Film


18.03.01
Es kommt nicht auf die Länge an, sondern auf die Technik. *g*