Sony TA - N55ES
alte Liebe rostet nicht ! - Sony TA - N55ES Verstärker

Produkttyp: Sony Verstärker

Neuester Testbericht: ... umbauen lassen, dass ich ihn als Vorverstärker weiternutzen konnte. Es handelte sich dabei um ein Gerät desselben Herstellers (Sony T... mehr

alte Liebe rostet nicht !
Sony TA - N55ES

alexklar

Name des Mitglieds: alexklar

Produkt:

Sony TA - N55ES

Datum: 09.11.10

Bewertung:

Vorteile: s. Text

Nachteile: s. Text

Mir ist aufgefallen, daß ich noch keinen Erfahrungsbericht über eine Hifi-Komponente geschrieben habe und beschlossen, das hiermit nachzuholen. Über welches Produkt ich schreiben wollte, war schnell klar und zwar aus dem Grund, weil es um das Gerät meiner Anlage geht, das ich naturgemäß neben meinen Boxen am häufigsten benutze: meine Endstufe, von denen ich 2 im Monobetrieb betreibe: die Sony TA-N 55 ES.

Bevor ich in die Tiefe der Materie eintauche, hier ganz fix die technischen Daten:
* Leistung:
* Stereo: 2 x 150 Watt sinus an 4 Ohm (RMS) 20 Hz - 20 kHz / THD 0,01%
* Stereo: 2 x 290 Watt Dynamische Leistung an 4 Ohm
* Stereo: 2 x 400 Watt Dynamische Leistung an 2 Ohm
* Stereo: 2 x 450 Watt Dynamische Leistung an 1 Ohm
* Mono : 1 x 350 Watt sinus an 8 Ohm (RMS) 20 Hz - 20 kHz / THD 0,01%
* Mono : 1 x 680 Watt Dynamische Leistung an 4 Ohm
* Mono : 1 x 750 Watt Dynamische Leistung an 2 Ohm
* Frequenzgang von 5 Hz - 50 KHz
* Anschluß zweier LS-Paare möglich
* Wahlschalter Stereo - Mono
* Lautstärke regelbar
* Überlastschutz
* LED für Modus- und Betriebsanzeige
* Gesamtklirrfaktor: 0,004%
* Dämpfungsfaktor: 100 an 8 Ohm
* Frequenzgang: 5 - 200.000 Hz -3 dB
* Signalrauschabstand: 105 dB(A)
* vergoldete Chinchbuchsen
* große Schraubbuchsen für große Lautsprecherkabel
* Maße : 467 (ohne Holzseitenteile 430) x 150 x 365 mm
* Gewicht 12,5 kg
* Baujahre: November 1989 bis 1997

Allgemeines:

Ich besitze die beiden Geräte seit 1996. Der damalige Ladenpreis betrug 999,00 DM. Da ich aber jemanden kannte, der bei Sony(damals noch in Köln ansässig) arbeitete, habe ich beide Geräte für zusammen 1600,00 DM bekommen. Derzeit werden funktionstüchtige Geräte zwischen 200,00 und 300,00 Euro gehandelt, je nach Zustand.
Das Gehäuse ist mit Ausnahme der Regler für die Potis, den Füssen und den Lautsprecheranschlussklemmen sowie den hölzernen Seitenapplikationen komplett aus Metall gefertigt, was einer hohen Wertigkeit zugute kommt. Wer nicht auf die an beiden Seiten angebrachten Holzwangen steht, kann diese ggf. abmontieren, da sie für die Funktion nicht entscheidend sind. Im Neuzustand waren sogar kürzere Schrauben mitgeliefert, die gegen die längeren bei Demontage der Seitenteile ausgetauscht werden sollten. Die TA-N 55 ES war seinerzeit nur in der Gehäusefarbe schwarz lieferbar, zur damaligen Zeit die Standardfarbe der allermeisten Hifibausteine. Die sparsame Beschriftung ist in einem nicht aufdringlich glänzendem Goldton und dezentem Weiss gehalten. Insgesamt kann man von einer durchaus guten Verarbeitung sprechen - vor allem, wenn man sich den Preis vergegenwärtigt ! Optisch gefällt der auf den ersten Blick symmetrisch wirkende Aufbau, nur das SONY-Emblem, das links oben an der Front prangt, tanzt hier aus der Reihe..
Zur Kaufentscheidung trug damals u. a. der Umstand bei, daß die Impedanz meiner Boxen (Axton AX 70, Belastbarkeit ca. 120 Watt, 8 Ohm) im Bereich von ca. 250 Hz auf einen sehr kritischen Wert von nur ca. 2 Ohm sinkt, was einen Verstärker erfordert, der auch bei sehr niedrigen Impedanzen nicht clippt, d. h. daß die Schutzschaltung da nicht einfach vorschnell das Gerät abschaltet. Im Stereobetrieb wäre das mit diesem Endverstärker allerdings auch gar nicht möglich gewesen, so daß ich mir 2 Geräte davon zulegte, um sie gebrückt im Monobetrieb zu betreiben, wo mehr Leistungsreserven gerade im leistungshungrigen Bassbereich bei niedriger Impedanz zur Verfügung stehen. Außerdem hatte der Monobetrieb den Vorteil, die etwas schlechtere Kanaltrennung gegenüber symmetrisch kanalgetrennt aufgebauten Stereoendstufen, auszugleichen. Die interne Stromversorgung wird mithilfe eines Ringkerntrafos realisiert, ein Merkmal, das man sonst nur bei erheblich höherwertigen Geräten aus dem Highend-Bereich wiederfindet. Die Leistungstransistoren arbeiten nach dem MOSFET-Prinzip - damals sicher State of the Art ! MOSFETs auf Silizium-Basis werden vorteilhaft beim Schalten von Spannungen bis ca. 800 V und Strömen von bis zu mehreren 100 A eingesetzt und sind so für den Einsatz in leistungsstarken Verstärkern geradezu prädistiniert. Auch die sehr gross dimensionierten Lautsprecheranschlüsse in Form von 8 Schraubklemmen, die immerhin Kabelquerschnitte von bis zu 25 mm² problemlos akzeptieren wissen zu gefallen. Ich betreibe meine Boxen derzeit (bzw. eigentlich bis auf den ersten Monat schon immer) mit den Kabeln Oehlbach Silver 2 x 4,0 mm².
Im Ruhrgebiet gab es damals sogar einen Hifi-Tuner namens Swoboda, der aus diesen Geräten noch etwas mehr Klangqualität herauskitzelte, indem er die Luftspulen durch Ferritspulen ersetzte und grösser dimensionierte Transistoren einbaute. Zudem durften sich die Elkos (das sind die grossen "Töpfe", die sich in jedem Verstärker befinden und neben den Leistungstransistoren hauptverantwortlich für die Leistung eines Verstärkers sind) nach einer Swoboda-Behandlung zur besseren inneren Dämpfung auf rotem Samt räkeln. Ein solch getuntes Gerät kostete damals 1250,00 DM.

Hörtest:

Meinen ehemaligen Vollverstärker, den ich bis zur Anschaffung der beiden Endstufen auch als eben solchen nutzte, hatte ich bereits zuvor von einem Fachmann dahingehend umbauen lassen, dass ich ihn als Vorverstärker weiternutzen konnte. Es handelte sich dabei um ein Gerät desselben Herstellers (Sony TA-F 220), der allerdings leistungsmässig sehr viel schwächer war, so daß der Genuss des
Hörens von Liveplatten in Originallautstärke nicht immer möglich war, wenn z. B. laute Passagen mit Frequenzen zwischen 200 und 300 Hz abgespielt werden sollten, trat stets die Schutzschaltung auf den Plan und der Hörgenuss war abrupt beendet ! Klanglich hatte ich jedoch an dem TA-F 220 bis dato zumindest bei niedrigerer Lautstärke nichts auszusetzen gehabt. Einige sehr kritische Stücke waren u. a. die folgenden:
1. Death Walks Behind You von Atomic Rooster
2. Highlander von Queen
3. Time von Pink Floyd (gerade das Intro !)

Ich kommandierte diese 3 Platten also zum Plattenteller ab und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Sofort beim ersten Stück war ich erstaunt, daß bei der Passage, wo Bass, Flügel und verzerrte Gitarre gleichzeitig verschiedenfrequente Basstöne erzeugten, diese nicht nur absolut sauber reproduziert wurden, sondern vielmehr die Endstufen bis zur Belastungsgrenze der Boxen durchhielten. Übermütig versuchte ich, dasselbe Experiment mit nur einer TA-N 55 ES im Stereobetrieb. Es kam, wie es kommen musste: Die zuvor von den Boxen scheinbar losgelöste Musik, die plastisch im ganzen Hörraum abgebildet wurde, schien an den Boxen zu kleben, der Raumklang war nicht mehr überzeugend und natürlich sprach auch hier die Schutzschaltung des Verstärkers wieder vor der Belastungsgrenze der Lautsprecher an, wenn auch deutlich später als beim TA-F 220.
Gut, also wieder umgebaut: Endtufen gebrückt, an der Rückseite das Hebelchen auf "Mono" gestellt, Boxen entsprechend angeschlossen und weiter gings. Jetzt wollte ich wissen, ob die extrem tief hinunterreichenden Bässe von Queens Highlander, die man zwar kaum noch hören, dafür aber um so heftiger in der Magengrube spüren kann, dazu in der Lage wären, die neuen Amps ernsthaft aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Fehlanzeige ! Das schon recht lange Stück liess sich bis zum Ende hören, wobei der Lautstärkepegel erneut bis an die Belastungsgrenze der Boxen reichte. Zwar werden einige jetzt sagen, daß man so laut in einer Mietwohnung doch nicht hören kann, aber darum geht es hier ja auch gar nicht.
Mir ging es vielmehr darum, Reserven zu haben. Mit einem Auto, das 250 km/h Spitze schafft kann man ja auch 50 km/h fahren, umgekehrt wirds schwierig !
Beim 3. Stück, das ich testete, dachte ich, ich steh um High Noon im Uhrenmuseum. So unerträglich scheppernd und klirrend habe ich das Intro von Time zuvor nie gehört - und das meine ich jetzt nicht negativ !
Das machte mich neugierig und ich kramte noch einige Schätze aus meiner Plattensammlung, meist Liveaufnahmen aus den späten 70er und frühen 80er Jahren; ich war begeistert ! Als wenn ich völlig neue Platten hätte; da waren auf einmal Zwischenrufe aus dem Publikum zu hören, die vorher einfach nicht dagewesen sind. Ich war echt von den Socken. Diese Amps überzeugten mich total - und das zu einem Stückpreis von gerade mal 800 DM ! So einen dynamischen Klang, diese souveräne Leichtfüßigkeit auch beim Umgang mit akustisch schwierigem Material bei trotzdem hervorragender Transparenz und Tiefenstaffelung hätte ich zu diesem Preis keinesfalls erwartet.
Fazit:

Wer von diesen Geräten ein gebrauchtes in gutem Zustand für ca. 250 Euro erwirbt, wird damit mehr Freude haben als mit einem Neugerät des gleichen Preises. Also kann ich das Gerät ruhigen Gewissens empfehlen.
Wer wie ich 2 solche Geräte an einem Paar Boxen betreiben möchte, sollte tunlichst darauf achten, (Stichwort Hifi-Tuning) daß beide Geräte absolut baugleich sind, sonst wird der Hörgenuss getrübt.
Ach ja, noch als Empfehlung: die Signaleingangsregler beide auf volle Lautstärke drehen und am Vorverstärker die Lautstärke einstellen ! Aufgrund des Alters der Geräte und der Schnellebigkeit der Elektronikbranche hier 4 von 5 möglichen Sternen für ein allerdings aufgrund seines langen produktionszyklusses sehr ausgereiftes Produkt

Fazit: aufgrund seines langen produktionszyklusses sehr ausgereiftes Produkt

Verarbeitung:    
Zuverlässigkeit:    
Bedienkomfort:    
Ausstattung:    
Klangqualität: