
Produkttyp: Onkyo Verstärker
Neuester Testbericht: ... mehr oder weniger verschlissen. Bei normaler Benutzung, d. h. täglich ein paar Stunden Laufzeit täglich) traten bei meinem Verstärker kein... mehr
Hommage an einen Boliden
Onkyo A-9711

Name des Mitglieds: tbiegel
Produkt:
Onkyo A-9711
Datum: 11.04.12
Bewertung:
Vorteile: sehr gute Verarbeitung, sehr guter Klang, einfach zu bedienen, gute Ausstattung
Nachteile: nicht mehr erhältlich, relativ groß
Für die jüngeren unter uns:
"DM" heißt "Deutsche Mark", es handelt sich um die Währung der Bundesrepublik Deutschland vor Einführung des Euro im Jahr 2002, Umrechnungsfaktor 1: 1,95583. Der Verstärker hatte also einen Europreis von rund 511 Euro.
Dass man einen Boliden vor sich hat, zeigt der Blick von vorn. Eine 17 Zentimeter hohe und 44 Zentimeter breite silberfarbene Front, dominiert von einem großen, fast mittig angeordnetem, Lautstärkeregler. Der Verstärker bringt 15 Kilo auf die Waage, da steckt also jede Menge Material drin.
Warum ein Bericht über einen zehn Jahre alten Vollverstärker?
Die Antwort:
Er wird noch heute gesucht, bei Ebay werden durchaus Preise über 200 Euro erzielt, denn der Klang und die Verarbeitung sind exzellent.
Was bietet der Verstärker?
- Anschluss für zwei Lautsprecherpaare
- Vier Hochpegeleingänge
- Drei (!) Tape-Anschlüsse, zwei für Aufnahmegeräte, ein dritter für Equalizer
- Aufnahmewahlschalter
- Überspielen von/zu Tape A und B
- Loudness
- Balance, Höhen- und Tiefenregler
- Signalweg kann Balance, Höhen- und Tiefenregler übergehen
- Fernbedienung
- Kopfhöreranschluss
- Satte 140 Watt effektiv an vier Ohm, 160 Watt Spitzenleistung
Liebhaber der schwarzen Vinylscheiben müssen zum größeren Modell 9911 greifen, der hat zusätzlich noch einen Phono-Eingang, umschaltbar für MM- und MC-Tonabnehmer. Er sieht dem kleineren Modell 9711 zum Verwechseln ähnlich.
Auf was ist zu achten beim Gebrauchtkauf?
Der große Lautstärkeregler ist gekapselt, da kann kein Staub eindringen, der zum Kratzen des Potentiometers führen kann. Kratzt der Regler dennoch, kann er auf einfache Weise nicht gereinigt werden.
Allerdings: Mein Lautstärkeregler hatte auch nach mehr als zehn Jahren nicht gekratzt...
Anders dagegen der Balanceregler und vor allem der Eingangswahlschalter. Hier hilft aber Kontaktspray. Das Gehäuse kann einfach aufgeschraubt werden. Da man die Signalwege möglichst kurz halten wollte, findet man die Elektrik am hinteren Gehäuseende, das Umschalten wird durch eine Stangenmechanik an das hintere Bauteil übertragen. Demzufolge muss das Spray hinten in das Bauteil gesprüht werden.
Ist das Gehäuse schon offen, können der Aufnahmewahlschalter und die anderen Regler eine Kontaktspraykur vertragen.
Vorgehensweise:
Die Kontaktflächen werden mit nicht zu viel Kontaktspray eingesprüht, durch mehrmaliges hin- und herschalten wird die Flüssigkeit verteilt, dann in etwa eine Stunde verdunsten lassen, etwas falsch machen kann man nicht. Meine Empfehlung: Kontakt 60 Plus, erhältlich beispielsweise bei Conrad Elektronik für in etwa 10 Euro. Eine Flasche reicht für diverse Anwendungen.
Die Kondensatoren
Ein zweiter möglicher Schwachpunkt sind die Kondensatoren der Endstufen. Wenn das Gerät bei der Musikwiedergabe brummt, Finger weg! Wichtig: das Brummen darf nicht mit einem eventuellen Netzteilbrummen nach Einschalten verwechselt werden. Das stammt vom Trafo und wird gegebenenfalls von der Musik übertönt. Da aber hochwertige Kondensatoren verbaut worden sind, dürften diese bei regelmäßigem Gebrauch funktionieren. Nur langer spannungsloser Zustand lässt Kondensatoren verstummen. Je nach Betriebsdauer und Wärmeentwicklung (und damit Lautstärke) sind sie natürlich mehr oder weniger verschlissen. Bei normaler Benutzung, d. h. täglich ein paar Stunden Laufzeit täglich) traten bei meinem Verstärker keine Probleme auf.
Das Gerät
Das Gehäuse besteht aus Aluminium, Plastik findet sich nirgends. Links der Einschalter mit Infrarotsensor, das Gerät kann auch per Fernbedienung eingeschaltet werden, allerdings nur, wenn er am Tuner hängt, der hinten weitere Netzverbindungen zur Verfügung stellt. Auf diese Weise muss der Verstärker nicht im Standby-Modus laufen.
Der Lautstärkeregler ist fast mittig angeordnet, etwas nach rechts versetzt. Die "Anfassqualität" ist enorm hoch, er läuft sehr satt mit einem gewissen Wiederstand, es ist nicht möglich, die Laustärke mal eben schnell hochzudrehen, die Lautstärke lässt sich sehr feinfühlig einstellen. Die Skalierung reicht von "0" bis "40". Wenn man sich den Lautstärkeregler als Ziffernblatt einer Uhr vorstellt, liegt die "0" bei sieben Uhr, auf zwölf Uhr die "20", die maximale Einstellung (also 40) liegt bei 5 Uhr.
Rechts daneben befindet sich ein Kippschalter, der den Signalweg an den Balanceregler und die Klangregler wahlweise vorbei direkt an die Endstufen leitet, wieder rechts daneben der runde Eingangswahlschalter.
Am Eingangswahlschalter befindet sich auf 9, 10 und 11 Uhr die drei Tape-Anschlüsse, auf 12 Uhr CD, gefolgt von den beiden Line-Eingängen, der Tuner liegt bei 3 Uhr.
In der unteren Reihe befinden sich von links nach rechts der Kopfhöreranschluss und verschiedene Drehschalter bzw. -regler: der Lautsprecherwahlschalter, Bässe, Höhen, Balance, unter dem Lautstärkeregler die Taster Stereo/Mono und Loudness, etwas nach links versetzt dann noch der Aufnahmewahlregler.
Insgesamt wirkt die Frontplatte sehr aufgeräumt und übersichtlich, man kommt auch ohne Anleitung mit dem Verstärker zurecht. Die Regler lassen sich alle satt bedienen, nirgendwo Plastik.
Die Rückseite ist ähnlich übersichtlich layoutet, die Schraubklemmen für die Lautsprecherkabel sind groß genug, um auch dickere Kabel aufzunehmen.
Der Klang
Gerade am CD-Eingang besticht der Verstärker über einen sehr klaren und durchgezeichneten Klang für seine Preisklasse. Damals gab es am CD-Eingang nichts Besseres! Auch heute haben es Verstärker der 500-Euro-Klasse schwer, an diesem Klang heranzukommen. Vergleichbare Verstärker kosten in etwa 700 bis 800 Euro. Aufgrund der Leistung der Endstufen sind auch genug Reserven vorhanden, um den Nachbarn zu ärgern.
Die Bässe sind sehr kontrolliert, aber nie zurückhaltend, Höhen klar durchgezeichnet. Ich hatte den Verstärker an Kompaktlautsprecher der 1200-Euro-Klasse betrieben (Bower&Wilkens CD M1 NT), an solchen Lautsprechern zeigt sich, dass der Verstärker gut auflöst, die Lautsprecher zu einer der Preisklasse entsprechenden räumlichen Abbildung fähig sind. Als Quelle diente allerdings ein sehr hochwertiger CD-Player, der Marantz CD-63 Mk II in der Ken-Ishiwata-Modifikation, kostete damals 1300 DM.
Generelles Problem heute, ein ähnliches Gerät aufzutreiben ist die Tatsache, dass Stereovollverstärker rar geworden sind in dieser Preisklasse. Der Grund: viele greifen eher zu einem AV-Verstärker für Surround, gleichzeitig ist für viele diese Preisklasse die Obergrenze. Da ein Surroundverstärker aufwendiger ist, muss man am Klang Abstriche machen ... In der Tat: Möchte man im Stereobetrieb einen ähnlichen guten Klang, muss man schon deutlich in den vierstelligen Bereich gehen.
Die Fernbedienung
Die Tasten der Fernbedienung sind sehr logisch aufgebaut. Da der Verstärker überwiegend mechanisch aufgebaut ist, kann man nicht alles mit der Fernbedienung regeln. Lediglich die Lautstärke, der Eingangswahl- und der Aufnahmewahlschalter gehorchen der Fernbedienung außerdem noch die Mute-Taste, die den Verstärker stumm schaltet. An- bzw. ausschalten kann man den Verstärker nicht mit der Fernbedienung ohne Weiteres. Der Grund: Es handelt sich um eine Funktionsfernbedienung. Die Power-On-Taste schaltet den Tuner an, der über das Stromnetz den Verstärker einschaltet, sofern man den Netzstecker hinten in den Netzstecker des Tuners gesteckt hat, der hinten drei Stromanschüsse besitzt, der Tuner somit als Netzschalter fungiert. Vorteil: Der Verstärker ist nicht ständig im Stand-by-Modus, und da man die Uhrzeit des Einschaltens- und Ausschaltens am Tuner auch programmieren kann, kann man so zeitgesteuert Radioprogramme aufnehmen. Die Aufnahmegeräte beim Einschalten müssen sich aber auch sofort in den Aufnahmemodus schalten lassen.
Fazit
Via Ebay wechselt das Gerät für rund 180 Euro den Besitzer. Wer einen gut klingenden und leistungsfähigen Stereo-Vollverstärker sein Eigen nennen möchte, vor den Einsatz von Kontaktspray keine Angst hat, ist auch mit einem Gebrauchtkauf gut beraten. Die Verarbeitung ist hervorragend, das Klangniveau auch heute noch sehr hoch.
© Thomas Biegel
Fazit: warum werden solche Verstärker heute in dieser Preisklasse heute nicht mehr gebaut?
| Verarbeitung: | ||
| Zuverlässigkeit: | ||
| Bedienkomfort: | ||
| Ausstattung: | ||
| Klangqualität: |


