


Neuester Testbericht: ... - England schaltete ich gerade zum richtigen Zeitpunkt ein. Ich schaltete mich in der 20. Minute ein. Eine Minute später gab es e... mehr
Der Vereinsfußball leidet - Aktuell: 2:1-Sieg zum Auftakt
Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011

Name des Mitglieds: dik1609
Produkt:
Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011
Datum: 26.06.11, geändert am 26.12.11 (92 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Einfach ein ehrlicher Sport
Nachteile: Die Vereine werden vernachlässigt
Die Bundesliga
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Gerade einmal zwölf Mannschaften spielen in der Bundesliga. Und die mussten ihre Saison 2010/11 in halsbrecherischem Tempo beenden, weil Bundestrainerin Silvia Neid ihre Nationalspielerinnen sehr früh zu Lehrgängen zusammen ziehen wollte (und das auch tat). Deswegen war die am 15. August 2010 begonnene Saison in der Bundesliga auch schon am 13. März beendet. Damit waren viele Vereine nicht glücklich. Wegen der eng gestrickten Terminplanung fiel eine verletzte Spielerin nicht nur für zwei, drei Spiele, sondern gleich für fünf, sechs Spiele aus - das bereitete natürlich Probleme. Und Bernd Schröder, Trainer des Deutschen Meisters 1. FFC Turbine Potsdam, hatte seine Nationalspielerinnen nicht zur Verfügung, als er die Mannschaft auf das Endspiel der Champions League vorbereiten musste. Aber: Alle Proteste halfen nichts, die Vereine mussten sich dem Willen Silvia Neids und damit des DFB unterordnen - dass es über mehrere Monate überhaupt keinen hochklassigen Frauenfußball in Deutschland zu sehen gab, musste eben hingenommen werden.
Überhaupt der Bundesliga-Fußball: Der DFB ermutigt vor allem die Vereine mit Männer-Profimannschaften, auch mit Frauenteams die 1. oder 2. Bundesliga anzusteuern. Für die meisten dieser Vereine ist das in finanzieller Hinsicht kein Problem, denn der Jahres-Etat von Frauen-Erstligisten liegt bei einigen Vereinen gerade mal so bei 300.000 Euro (und geht bis zu 1,5 Millionen Euro hinauf). Da ist für die Männer-Profivereine eine Frauenmannschaft oftmals leichter zusammen zu stellen als ein A-Junioren-Team oder eine hochklassig spielende 2. Mannschaft. Dass im Gegenzug allerdings kaum Zuschauer zu den Frauenspielen kommen, wenn es denn auch Männer-Profifußball in der gleichen Stadt zu sehen gibt, ist die Kehrseite der Medaille. So verlaufen sich bei den Frauen-Bundesligaspielen des VfL Wolfsburg, des Hamburger SV oder Bayer Leverkusen oftmals nur 200, 300 Besucher im Stadion. So richtig gute Besucherzahlen hatten nur die reinen Frauenvereine wie Turbine Potsdam, 1. FFC Frankfurt und FCR Duisburg oder auch Absteiger Herforder SV zu verzeichnen. Ein Grund dafür mag auch die geringe Medienpräsenz sein, denn Frauen-Bundesligaspiele sind so gut wie nie im Fernsehen zu sehen. Und selbst die Tageszeitungen in Hamburg oder München berichten doch viel lieber über die Männerteams als sich mit den Frauen zu befassen.
Die Nachwuchsförderung
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Auf den ersten Blick scheint das Konzept für den Fußball spielenden weiblichen Nachwuchs in Deutschland perfekt zu sein. Es gibt regelmäßige Stützpunkt-Trainingseinheiten, Länder-Auswahlmannschaften und natürlich auch Jugend-Nationalteams in allen Altersklassen. Und weil einerseits die Quantität der Fußball spielenden Mädchen in den vergangenen Jahren stets angewachsen ist, andererseits auch die Übungsleiter sich verbessert haben und gute Trainings-Inhalte anbieten, sind schon die Jugend-Nationalteams in Deutschland sehr erfolgreich und die Spielerinnen werden Ziel gerichtet auf die Bundesliga beziehungsweise das Nationalteam hingeführt. Dass es allerdings bei all den vielen Terminen der Auswahl- und Nationalmannschaften Terminprobleme gibt, sollte auch nicht verschwiegen werden, denn die Vereine, die die Spielerinnen ja grundsätzlich ausgebildet haben, müssen entweder Meisterschaftsspiele wegen Kader-Lehrgängen und Länderspielen verlegen oder dann auf ihre besten Nachwuchsspielerinnen verzichten. Bei den Mädchen gibt es nach wie vor keine A-Juniorinnen, im B-Juniorinnenbereich endet der Jugendspielbetrieb. Und so muss es auch nicht verwundern, dass so manche 16-Jährige schon in der 1. oder 2. Bundesliga aktiv ist, was ihrem eigenen sportlichen Vorankommen nur nützlich sein kann. Fehlt aber diese Spielerin immer wieder, schadet das dem Verein.
Das Geld
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Frauenfußball, so sagte ein Bekannter mir einmal, ist eine der ehrlichsten Sportarten überhaupt. In der Tat wird hier das Fair Play groß geschrieben, zudem ist in den meisten Fällen das Geld nur zweitrangig. Kaum eine Bundesligaspielerin der "kleinen" Vereine ist als Profi bezeichnen, kaum eine von ihnen wird vom Fußball leben können, sondern betreibt diese Sportart nur an der reinen Freude daran. Gleichzeitig ist das auch wiederum eine Gefahr, denn in nur wenigen Sportarten werden die Besten in so wenigen Vereinen zu finden sein. Wenn also - und das ist keinesfalls als Vorwurf gedacht! - ein kleiner Verein eine besonders talentierte Spielerin in seinen Reihen hat, dann wird er sie nicht lange halten können, denn die etwas Finanz kräftigeren Klubs werden sie sehr schnell zu sich locken können. Das wiederum hat zur Folge, dass es riesige Leistungsunterscheide im deutschen Vereinsfußball gibt, dass der Bundesliga-Tabellenletzte eben im Gegensatz zu den Männerteams praktisch nicht gegen den Spitzenreiter gewinnen kann. Und dass die Aufsteiger in die 1. Liga zumeist auch mit den Absteigern identisch sind, spricht ebenfalls für diese Leistungsunterschiede, die gerade im Vergleich zwischen 1. und 2. Bundesliga aus oben genannten Gründen immens groß sind.
Die Ausbildung
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Die Ausbildung der Fußballerinnen in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren stets verbessert. Diese Behauptung betrifft sämtliche Bereiche, denn sowohl in taktischer, spieltechnischer wie konditioneller Hinsicht haben die Kickerinnen enorm viel hinzu gelernt. Allerdings sind die Trainingsinhalte nicht im Maßstab 1 zu 1 vom Männerfußball zu übernehmen. So gibt es nach wie vor wesentlich weniger Zweikämpfe bei den Frauen als bei den Männern, dafür ist mehr Beweglichkeit auf dem Platz und genaues Passspiel gefragt - die Fortschritte in diesen Bereichen sind nicht zu übersehen. Dass das alles mit weniger schweren Verletzungen einhergeht, ist eine weitere positiv zu wertende Folge.
Die deutsche Mannschaft
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Die Bundestrainerin hat es sich nicht leicht gemacht, das Team für die Weltmeisterschaft zusammen zu stellen. Auffällig dabei ist, dass gleich sechs Spielerinnen vom 1. FFC Frankfurt kommen, fünf aus Duisburg, drei aus Potsdam. Damit stammt zwei Drittel aller Spielerinnen des 21-er Aufgebots von den drei stärksten Bundesligateams der vergangenen Saison. Das kann sich durchaus positiv auswirken, denn möglicherweise ist das Miteinander und das spielerische Verständnis leichter zu erreichen. Gleichzeitig zeigt allein diese Tatsache auf, wie enorm die Leistungsunterschiede in der Bundesliga sind, wie sehr die Konzentration der besten Spielerinnen auf wenige Vereine bereits vollzogen ist. Auf jeden Fall aber darf davon ausgegangen werden, dass das deutsche Team hervorragend vorbereitet in die Weltmeisterschaft geht und im offensiven wie defensiven Bereich zu den stärksten Teams dieser WM gehört. Zudem ist hier inzwischen auch eine gesunde Mischung aus erfahrenen Spielerin wie Birgit Prinz und Kerstin Garefrekes und aufstrebenden Akteurinnen wie Kim Kulig festzustellen.
Die Zuschauer
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Für das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Kanada ist das Berliner Olympiastadion ausverkauft - und auch alle anderen WM-Spiele werden gut besucht sein. Der DFB mit seiner sympathischen WM-Botschafterin Steffi Jones an der Spitze rührt schon seit vielen Monaten die Werbetrommel für diese kontinentalen Titelkämpfe - und selbst die Medien ziehen mit, denn ARD und ZDF werden sämtliche (!) WM-Spiele live übertragen. Bleibt die Frage, wie hoch die Begeisterung der Fans ausfallen wird. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass das Sommermärchen in Deutschland eine Wiederholung findet - manch einer wird Frauenfußball nur gucken, weil es gerade "in" ist, manch einer freut sich auch über die im Vergleich zur Männer-WM geringen Ticket-Preise. Wenn aber die deutsche Mannschaft tatsächlich sehr erfolgreich sein sollte, dann kann sich natürlich eine Eigen-Dynamik entwickeln, die den Titelkämpfen nur gut tun kann, denn die Deutschen haben inzwischen erkannt, dass gemeinsames Feiern bei sportlichen Erfolgen viel Spaß macht - und so könnte es auch dieses Mal sein.
Die Erwartungen
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Es wäre eine mittlere Katastrophe, wenn die DFB-Auswahl bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land frühzeitig scheitern sollte, denn erwartet wird von der Mannschaft nichts anderes als der Titelgewinn. Erneut ein Problem könnte der auch auf internationaler Ebene festzustellende Leistungsunterschied zwischen den einzelnen Teams sein, denn hohen Siegen in der Vorbereitung (5:0 gegen die Niederlande, 5:0 gegen Italien) und möglicherweise auch in den Gruppenspielen gegen Kanada und Nigeria müssen nicht unbedingt Erfolge in der K.O.-Runde folgen. In der nämlich gilt wieder einmal, dass ein schlechter Tag ausreicht, um aus dem Turnier auszuscheiden. Silvia Neid wird entsprechend viel Arbeit haben, um Konzentration und Motivation ihrer Spielerinnen hoch zu halten.
Dennoch ist auch für mich die deutsche Mannschaft WM-Favorit. Die Zahl der weiteren Titelanwärter hält sich in Grenzen. Die USA sind da zu nennen, Brasilien, Norwegen, vielleicht Schweden. Und dann? Überraschungen sind im Frauenfußball eher selten - aber natürlich auch nicht ausgeschlossen.
Die Zukunfts-Aussichten
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Wird die Weltmeisterschaft im eigenen Land für einen Boom im Frauenfußball sorgen? "Nein", sagt Potsdams Trainer Bernd Schröder, "das Potenzial ist schon ausgereizt". Dieser Meinung, die übrigens im Widerspruch zu der von Frankfurts Manager Siggi Dietrich steht, würde ich mich anschließen. Nach der Weltmeisterschaft wird es in der Bundesliga genau so weitergehen wir bisher: Einige wenige Vereine ziehen die besten Spielerinnen zusammen ziehen (die Hamburgerin Kim Kulig beispielsweise wechselt in der kommenden Saison nach Frankfurt), einige wenige Vereine werden zufrieden stellende Zuschauerzahlen haben - der Rest aber wird sich mit dem Brosamen begnügen müssen. Und der DFB wird sich weiter mehr um die Nationalmannschaft als um die Vereine kümmern. Die Leistungsunterschiede werden sogar noch größer als jetzt schon werden - und die Ergebnisse entsprechend eindeutig ausfallen, was weder Sieger noch Verlierer Freude bereitet. Für kleinere Vereine wird es entsprechend immer schwerer bis unmöglich, irgendwann auch einmal im "Konzert der Großen" mitzuspielen, zumal sie angesichts der mangelnden Medienpräsenz auch bei der Sponsoren-Suche Probleme haben.
Meine Meinung
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Manche meiner voraus gegangenen Ausführungen mag sehr negativ klingen. Dennoch freue ich mich auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, werde so viele Spiele wie möglich vor dem Fernseher oder vielleicht vereinzelt auch im Stadion beobachten und mich an den technischen Fertigkeiten der Sportlerinnen erfreuen. Und ich drücke der deutschen Mannschaft alle zur Verfügung stehenden Daumen, dass sie am Ende einen weiteren Stern auf ihrem Trikot tragen darf. Ich würde mich ungemein freuen, wenn meine pessimistischen Erwartungen der Realität nicht entsprechen würden und Frauenfußball im Interesse der Deutschen einen enormen Aufschwung erfahren würde - und zwar nicht nur die Spiele der Nationalelf, sondern auch die aller Vereinsmannschaften. Übrigens: Ein Besuch beim Frauenfußball ist noch bezahlbar. Für das Endspiel der Champions League in London in diesem Jahr wurden gerade einmal 5 Pfund Eintritt (das sind knapp 6 Euro) verlangt. Also: Lasst uns die Nationalmannschaft unterstützen - und danach das Interesse am Frauenfußball nicht gleich wieder verlieren. Was die Spielerinnen für wenig Geld leisten, ist öffentliches Interesse einfach wert!
Ganz aktuell
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In ihrem ersten Gruppenspiel gewann die deutsche Mannschaft hoch verdient mit 2:1 (2:0) gegen Kanada. Die Tore erzielten Kerstin Garefrekes (10. Minute) und Celia Okoyino da Mbabi (42.). Für das Gegentor der Nordamerikanerinnen sorgte Christine Sinclair mit einem direkt verwandelten Freistoß in der 82. Minute.
Fazit: Ich hoffe auf ein erneutes Sommer-Märchen

