Europas größte rollende Dinosaurierausstellung
völlig überteuerte Preise für Lilliputausstellung - Europas größte rollende Dinosaurierausstellung Veranstaltungen national

Neuester Testbericht: ... was schon eines der größten Mankos der Ausstellung aufdeckt: Neben den Figuren gibt es etliche Texttafeln, für die sich Kinder nicht im ger... mehr

völlig überteuerte Preise für Lilliputausstellung
Europas größte rollende Dinosaurierausstellung

Junxmutter

Name des Mitglieds: Junxmutter

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Europas größte rollende Dinosaurierausstellung

Datum: 21.12.06, geändert am 10.08.09 (8095 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: keine

Nachteile: teuer - lustlose Austellung - enttäuschend - billig gemacht - viel zu klein

Heute möchte ich Euch von unserem letzten Familienausflug berichten.

Wir sind zu der "Internationalen Dinosaurierausstellung" gefahren. (Inzwischen heißt die wohl auch schon wieder anders). Offenbar hat sie in Laufe der Jahre von "Europas größte rollende Dinosaurierausstelung" den Namen geändert. Schließlich habe ich ein absolut Dino-verrücktes Kind (Joni Maccaroni) und bei drei Kindern und Nieselwetter dachte ich, ich pack die gesamte Patchwork-Familie mal ein und mach denen einen schönen Nachmittag. Vor allem, wenn so eine internationale Ausstellung ja nur vier Tage in der Stadt ist und dann weiter zieht durch die Welt - wie uns da 'International' glauben macht.

Dass keine echten Dinos zu sehen sind, hatte ich dem zukünftigen Dino-Züchter schon klar gemacht. Die haben die Forscher bis heute nicht geklont zu seinem Leidwesen.

Zuvor hatte ich noch versucht, im Internet die Ausstellung zu googeln, um zu sehen, wie die Eintrittspreise sind, ob es irgendwo - gerade hier bei ciao! - schon Berichte darüber gibt etc. Nix, es war schlichtweg nichts zu finden. Dass die Ausstellung nun auch noch an der Trabrennbahn Mariendorf, also ziemlich de-zentral in Berlin, war, gab mir etwas zu denken. Aber nun ja, selbst wenn die nicht so berauschend sein sollte, die Kinder hätten einen schönen Nachmittag.

Bei fiesen Niesel hüpften 4 Kinder zwischen 7 und 40 und ich ins Auto und düsten los. Schon mal positiv, dass es an der Trabrennbahn jede Menge Parkplätze gibt. Ein Problem gelöst.

Die Internationale Dinosaurierausstellung, die damit wirbt, dass es eine der lehrreichsten Ausstellungen über Dinosaurier ist, befand sich nicht etwa im Festzentrum oder auf der Trabrennbahn selbst, sondern auf einem kleinen Fleckchen seitlich, dort wo in Berlin - Mariendorf auch die Zirkusse gastieren. Und es waren auch tatsächlich Zelte, die uns erwarteten.

Davor das Kassenhäuschen. 6,00 Euro Eintritt für Kinder, 7,00 Euro Eintritt für Erwachsene. Bei drei Kindern und zwei Erwachsenen macht das mal so eben 32,00 Euro Eintritt. Das ist nicht billig für einen Familien-Ausflug am Nachmittag. Dafür möchte ich dann aber auch eine 1a-Ausstellung geboten bekommen. Dinos, die sich vielleicht, wenn auch nur auf 2 mechanische Abfolgen beschränkt, bewegen und gut fundierte Begleittexte, Multimedia etc. Es handelt sich ja schließlich um die lehrreichste Dino-Ausstellung überhaupt und "International" dazu. Also mindestens zwei-sprachig denke ich mal.

Was uns erwartete war ein Zelt auf blankem Boden (vertrocknete Grasnarbe) mit einem Dino in der Ecke, und einer Multimedia-Leinwand in der anderen Ecke. Davor sechs Reihen Biergartenbänke, ein unscharfes Bild und ein so dumpfer (abgenuddelter?) Ton, dass ich Schwierigkeiten hatte, überhaupt zu verstehen, was gesprochen wurde, vor allem, da in dem Zelt (Eingang/Ausgang) reges Kommen und Gehen herrschte.
In den anderen Zeltecken waren ein paar Glaskästen aufgestellt, in denen Modelle von Dino-Skeletten (stark verkleinert auf ca. 30 cm Länge) aufgebaut waren. Oben dick eingestaubt (die Ausstellung war erst seit 4 Tagen in Berlin, der Staub war eindeutig älter! Und selbst vertrocknete Grasnarbe macht in 4 Tagen nicht soooo viel Staub!) und somit nur von der Seite zu betrachten. Leider passten auch die rundherum aufgestellten Tafeln textmäßig überhaupt nicht zu den Exponaten, ein wildes Durcheinander an Informationen. Manchmal ist man doch dankbar, dass Kinder noch nicht so versessen darauf sind, Begleittexte in einer Ausstellung zu lesen. Irgendwie habe ich auch die Internationalität der Ausstellung vermisst. Die Texte waren deutsch, die Besucher waren deutsch, der Film war auf deutsch, an der Kasse wurde deutsch gesprochen. Nur der Kartenabreißer... bei dem kann ich das nicht sagen. Der hat gar nicht gesprochen.

Der Rest - vielmehr größte Teil - des Zeltes war den üblichen agressiven Versuchen, den Eltern und Großeltern das Geld in Massen aus der Tasche zu ziehen vorbehalten. Eine Zuckerwattemaschine, die für 2,00 Euro in Gang gesetzt wurde und Süßigkeiten ohne Ende, Lutschstangen und Gummibärchen zu vorsinflutlichen Dino-Preisen, als die Inflation bei 1000% gelegen haben muss. Dazu jede Menge Plastik-Dinos, ca. 30 - 40 cm groß und 16,00 Euro teuer. Bei einem Großvater hat es geklappt. Damit das Kind Ruhe gab und aufhörte zu nörgeln, betteln und ningeln, kaufe Opa Süßigkeiten und einen Dino und war 40 Euro los. Ach liebe Großeltern, fallt uns Eltern doch nicht immer so in den Rücken, und bitte nicht ausgerechnet dann, wenn wir mit unserer eigenen Brut Grundsatzdiskussionen über Zucker, kaputte Zähne, Geldausgeben und teure Preise führen. Ich will Zuckerwatte! Nein! kommt ja gar nicht in Frage! Bei dem Preis! Dann einen Dino! Kind, leidest du an Fieber? Ersten Anzeichen von Wahnwitz?

Die Zuckerwatte, die ungegessen im Müll lag, schrie geradezu danach, recycelt zu werden, bei den Mengen! Was kann man an Zuckerwatte falsch machen, damit die Kinder die wegwerfen??? Salz statt Zucker???

Das erste Zelt wurde mehr oder weniger fluchtartig von uns verlassen (mit dem Grauen im Hinterkopf, was uns erwarten würde, wenn wir auf dem Rückweg - dem Ausgang zustrebend - dort wieder durchmüssten).

Auf der Freifläche zwischen den Zelten (ein Weg und rechts und links ein wenig weniger vertrocknete Grasnarbe) standen weitere Dinosaurier-Skulpturen. Ein T-Rex und ein Langhals (ich habe trotz 'lehrreichster Ausstellung' vergessen, wie diese Spezies heißt, sorry). Der T-Rex hatte ein bisschen beim Transport gelitten, leichte Farbabplatzer am Hals ließen leicht auf die Machart des Dinos schließen, der Blick ins (hohle) Innere war noch nicht ganz freigegeben, aber bestimmt beim nächsten Boxen-Stopp der Ausstellung (wo auch immer) dann. Warum man dann solche Schäden nicht dadurch retuschiert, indem man den Dino einfach umdreht und die Schadstellen nach außen zeigen lässt und nicht das Publikum mit der Nase drauf stößt, weiß ich nicht. Es lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass die Rückseite noch ramponierter aussah.

Das nächste Zelt konnte nur besser werden (vielleicht ohne Süßigkeiten-Familienstress-ist-vorprogrammiert-Sta nd?). Es war etwas besser. Zumindest standen hier schon mal mehr Ausstellungstücke und auch in besserem Zustand als draußen auf der Freifläche. In der Mitte stand ein Dinosaurier, der zur Gaudi der Kinder von Zeit zu Zeit ein Wölkchen in die Luft ließ, was gewisse Rückschlüsse in der Kinder-Fantasie zuließ, vor allem, weil die Wölkchen unter einer bestimmten Körperregion produziert wurden. Es war schön dunkel, die Exponate waren nett beleuchtet. Und doch konnte nichts darüber hinweg täuschen, dass es nur eine Runde in dem Zelt war. Vielleicht 15 Exponate (wenn's hochkommt, ich hab sie nicht gezählt), davon nur wenige größere, die vielleicht einen Eindruck von der wahren Größe der Dinos gegeben hätten. Und bei weitem nicht ein Riesendino dabei. Okay, wir Berliner sind verwöhnt. Wir gehen ins Naturkundemuseum, legen den Kopf in den Nacken und starren 14 m in die Höhe zum Kopf eines echten (!) Dinoskelettes hinauf. Mit so etwas im Hinterkopf konnten Erwartungen in diesen kleinsten Zeltchen nur enttäuscht werden.

Und mein Dino-Forscher war enttäuscht. Nicht nur, weil nichts wirklich lebte und sich auch nichts bewegte (wir waren mal in Süd-England im Dino-Park, da bewegten die sich wenigstens - wenn auch ruckartig - ), sondern auch, weil es nicht wirklich spannend war. Keine wie auf dem Plakat durch das Bild angedeuteten sich bekämpfenden T-Rexe, kein Blut, kein Gebrüll, alles nett und zahm und mit Vogelgezwitscher unterlegt. Ein Rundgang in einem Zelt, das knapp größer als ein Gartenzelt war, ich glaube, nicht mal ein Mini-Zirkus hätte eine Manege darin errichten können. Das wars.

Auf dem Rückweg zu Zelt Nr. 1 mit dem Folter-für-elterliche-Geduld-Stand versuchten die Kids dann, dem Film zu folgen. Es endete damit, dass sich der zukünftige Dinosaurier-Zucht-Spezialist neben dem Lautsprecher platzierte, um überhaupt etwas zu hören, aber dann auch nach gut 10 Minuten aufgab. Der Für-viel-zuviel-Geld-werden-Eltern-auch-noch-gestr esst-Stand sonderte durch kontroverse Familiendiskussionen und nicht zu knappe Erpressungsversuche durch Geschrei der unterliegenden Partei des Streits einfach zuviel Lärmemissionen ab. Nach ungefähr 35 Minuten waren wir wieder draußen. 32,00 Euro ärmer, 1 Erfahrung und 3 etwas enttäuschte Kinder reicher, auf dem Weg zu einem Trost-Eis (weils doch keine Zuckerwatte gab).

Wenn ich's schaffe, lade ich ein paar Fotos hoch. Nett gemacht waren die Figuren, aber für diesen Wahnsinns-Eintritt erwarte ich ehrlich gesagt doch einiges mehr.
Aber man zahlt den Eintritt ja. Schließlich hat man ja Kinder dabei, die sich freuen und irgendwie will man die nicht enttäuschen. Und genau damit rechnen die Aussteller offenbar. Dass man eben nicht vor dem Zelt umdreht und sagt 'nee meine Lieben, das ist mir zu teuer' und sich dann beim sich langsam steigernden Kindergenörgel und endlosen Diskussionen immer mehr wie ein Spielverderber vorkommt.

Nun reist diese Ausstellung ja schneller wieder ab, als es sich rumspricht, dass für den hohen Preis fast nichts geliefert wird und so fallen immer wieder Leute drauf rein. Weil, schlecht besucht war das Ganze erstaunlicherweise nicht. Die überall ausgehängten Plakate zeigten ihre Wirkung. Und dort waren miteinander kämpfene T-Rex abgebildet, so dass die Erwartungen an riesige Dino-Figuren geweckt wurden.

Wenn einer von Euch auch in diese Ausstellung war, würde mich doch interessieren, ob auf dem Glaskasten im Eingangszelt Staub gewischt wurde oder ob da immer noch "Für 7 Euro bekommt man Dreck" draufsteht. ;-)

Eure Junxmutter

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Fazit: meiden - weitersagen - andere vom Hingehen abhalten!