Université de Nice - Sophia Antipolis (UNSA), F
Die Lage ist alles - Université de Nice - Sophia Antipolis (UNSA), F Universitäten & Schulen

Die Lage ist alles
Université de Nice - Sophia Antipolis (UNSA), F

epinion

Name des Mitglieds: epinion

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Université de Nice - Sophia Antipolis (UNSA), F

Datum: 24.05.00, geändert am 24.05.00 (1355 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Relaxt, gutes Klima, klasse Umgebung, niedriges wissenschaftliches Niveau

Nachteile: Niedriges wissenschaftliches Niveau

Bei der Uniwahl in Frankreich gibt es zuerst eine Grundentscheidung zu treffen: will man an eine Grande Ecole (dann kommt es sehr auf deren Ruf an) oder an eine Uni? Wenn man an die Uni geht, kann man getrost dahin, wo's am meisten Spass macht, der Ruf der Unis ist nämlich im Gegensatz zu den Grandes Ecoles überall schlecht. Grundsätzlich sind Unis auf Dritte-Welt-Niveau, was die Ausstattung angeht - die ganze Knete wird in die Grandes Ecoles gesteckt: kein Wunder, sind die maßgeblichen Beamten im Kultusministerium doch selber Absolventen der Grandes Ecoles. Ich bin jedenfalls damals spaßeshalber und um Auslandserfahrung zu sammeln nach Frankreich gegangen und wollte mir die Streberatmosphäre an einer Grande Ecole ersparen (ehrlich gesagt war es auch einfacher, sich an einer Uni einzuschreiben). Wenn also der Spaß im Vordergrund steht, gilt bei der Uniwahl wie beim Immobilienkauf nur eins: die Lage ist alles. Die Uni Nizza (ich hatte mich für ein sog. D.E.A, also ein Postgraduiertenstudium in Jura eingeschrieben) muß sich hier nicht verstecken und vom Hörsaal hat man einen astreinen Blick auf die Baie des Anges. Das Wetter ist sowieso immer traumhaft und nur in Nizza kann man es sich im Frühjahr gönnen, vormittags Ski zu fahren, dann wieder eine Stunde zurück an die Küste zu fahren und sich auf's Surfbrett schwingen. Die Mietpreise und das Mietangebot sind erträglich (etwa halb so teuer wie in Paris - von den knastähnlichen französischen Uniwohnheimen ist dringend abzuraten) und überhaupt ist alles äußerst relaxt. Zwei bis drei Tage die Woche (am Wochenende sowieso) sollte man sich einen Strandtag oder einen Ausflug in das pittoreske Hinterland mit langsamen Dahindämmern auf den Sonnenuntergang bei Pastis und Rotwein gönnen.
Vor einem Grundstudium an einer französischen Uni (d.h. bis hin zur Maîtrise) kann ich nur warnen: alles extrem verschult, der Prof liest sein Ding ab und erwartet wörtliche Wiedergabe in der Prüfung. Fragestellen in der Vorlesung
ist verpönt. Im D.E.A. läuft es teilweise seminarähnlicher und man hat den Riesenvorteil, dass man als Deutscher schon weiss, wie man eine wissenschaftliche Arbeit (das sog. Mémoire als Bestandteil der Gesamtprüfung) schreiben muss, während die Franzosen keinen Plan haben (sie haben es im Grundstudium nie gelernt) und in der Regel erstmal gründlich danebenlangen. Überhaupt habe ich noch nie so traumhafte Noten für so wenig Arbeit kassiert, wofür ich aber nix kann - vielmehr ist das deutlich unter deutschen Anforderungen liegende Niveau daran Schuld. Umso besser, weil man sich dann mehr dem Dolce vita an der Côte d'Azur widmen kann.
Nach der widerlichen Schinderei im deutschen juristischen Staatsexamen habe ich einen Aufenthalt in Nizza als verdienten Erholungsurlaub angesehen und habe nur die allerbesten Erinnerungen an die Stadt. Der einzige Stress während der ganzen Zeit war mal eine Reise an die gute alte deutsche Heimatuni (Passau), weil die Bibliothek in Nizza jeder Beschreibung spottet - in Deutschland ist jede Gemeindebücherei in Kleinkleckersdorf besser ausgestattet. Französische Standardwerke, die es in Nizza nicht gab (oder die geklaut waren), gab's in der Unibibliothek Passau zuhauf.
Wie an allen Provinzunis muss man in Nizza allerdings gehörige Anstrengungen machen, um mit Kommilitonen in Kontakt zu kommen - an möglichst weit von den Eltern entfernte Unis zu gehen ist in Frankreich unbekannt (es gilt das Gegenteil) und die meisten hängen noch an Muttis Rockzipfel (28-jährige finden es normal, bei den Eltern zu wohnen) und haben ihren vertrauten Freundeskreis, brauchen also an der Uni nicht neue Leute kennenzulernen.
Meine Erfahrung bei der Arbeitssuche später war, dass es den Arbeitgebern ziemlich wurscht ist, wo man war und was man gemacht hat - Hauptsache, man war im Ausland und hat die Sprache drauf. Also - warum nicht gleich dahin gehen, wo es am angenehmsten ist? Nizza ist in Frankreich hier sicher ganz oben auf der Liste.

Fazit:

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