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Psychologie in Wien - Psychologie Heidelberg Uni Universitäten & Schulen

Neuester Testbericht: ... gelegt. Das heißt, man quält sich ganz ordentlich mit Statistik 1 und 2, Forschungsmethodik 1 bis 3, Evaluationsmethoden usw. Außerdem g... mehr

Psychologie in Wien
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Melatonin

Name des Mitglieds: Melatonin

Produkt:

Psychologie Heidelberg Uni

Datum: 18.05.08

Bewertung:

Vorteile: Einteilung der Prüfungen, Prinzip der Selbstinitiative

Nachteile: Qualität, Massenstudium

EINLEITUNG

Als ich in die Oberstufe kam hatte ich mir langsam Gedanken darüber gemacht, was ich überhaupt nach dem Abitur machen wollte. Und weil mir der Alltag einfach recht sinnlos erschien, da ich auf kein konkretes Ziel hingearbeitet habe, habe ich mich um eine Entscheidung bemüht. Daran, dass es ein Studium sein sollte, hatte ich keine Zweifel. Einige Studiengänge fielen dabei von vornherein raus. Beispielweise Wirtschaftswissenschaften: Da ich eine große Abneigung gegen wirtschaftliche Mechanismen habe, wünschte ich mir, dass man auch ohne Begriffe wie Nachfrage, Angebot, Humankapital, Controlling, Assessment-Center und sonstige Bemühungen um albern klingende Anglizismen im Berufsleben ersparen kann. Grundsätzlich fielen auch exotische Studiengänge wie z.B. Byzantologie oder Tibetologie raus, weil das einfach aussichtslos ist. Die entscheidenen Faktoren waren daher einmal Interesse, andererseits auch die berufliche Perspektive. Interessentechnisch war Philosophie der heißeste Anwärter. Inbetracht dessen, dass man mit Philosophie aber wohl leider eine berufliche Aussicht hat, bei der man auch gleich das Arbeitslosengeld-Antragsformular ausfüllen und unterschreiben kann, schied dieses Studium leider auch aus. Als der Philosophie am ähnlichste Studiengang erschien mir Psychologie und ich begann mir ein paar Fachbücher zu bestellen und mir einen Überblick zu verschaffen. Nach ein paar Monaten stand dann eindeutig fest, dass ich Psychologie studieren will. Der Numerus Clausus (NC) lag bei diesem Studienfach allerdings damals bei ca. 2,0. Heißt, es galt für mich erstmal ein Abi besser als 2,0 zu erreichen. Die Motivation war da...


WO STUDIEREN?

... die Noten am Ende leider doch nicht. Glücklicherweise war es weitaus schlechter als 2,0, sonst hätte man sich ärgern können. Da man in Deutschland nur in sehr speziellen Fällen (wie z.B. soziale Gründe) am NC vorbeikommt, gings darum, einen Studienplatz im Ausland zu suchen. Damals waren die Vorraussetzungen für einen Studienplatz als Ausländer in der Schweiz und Österreich die, dass man einen Nachweis vorlegen musste, der einen auch berechtigt im Heimatland das Fach studieren zu können. Das konnte ich also erstmal vergessen. Da ich also keine Chance an deutschsprachigen Universitäten hatte, informierte ich Universitäten, die Psychologie auf Englisch lehrten. Da z.B. Die USA, Australien, Kanada pervers hohe Studiengebühren forderten und Studieren in England auch alles andere als billig war, war die erstmal beste Alternative die international ausgerichteten Universitäten in den Niederlanden. Der Bachelor wäre zwar auf niederländisch gewesen, aber man hätte einen 6-wöchigen Sprachkurs für rund 600-800 Euro machen können. Und da ich nah an der holländischen Grenze wohnte, somit Plattdeutsch einigermaßen konnte, dass dem Niederländischen sehr ähnlich ist, und ich allgemein glaube, dass Niederländisch eigentlich nur eine Mischung aus Deutsch, Englisch und "CCHHHH" ist, war ich bereit dort zu studieren. Wäre in dieser Zeit nicht der Beschluss der EU gefallen, dass die Studienregelung für ausländische Studierende in Österreich als eine Diskrimination der anderen Mitgliedsstaaten gewertet wäre. Die neue Regelung in Österreich war daher: Aufnahmeprüfung. Und da die attraktivste Stadt in Österreich nun mal Wien ist, lautete der Plan: Psychologie studieren in Wien.


DER EINSTIEG INS STUDIUM

Der Prüfungsstoff für die Eingangsprüfung ist ein 240-seitiges Buch, dass die Psychologie und ihre Disziplinen überblicksartig erläutert. Im Wintersemester werden bei der Aufnahmeprüfung die besten ca. 600, im Sommersemester die besten 150 Studenten aufgenommen. Dabei treten in etwa 2-3 Mal soviel zur Prüfung an, wie aufgenommen werden. Da für mich der Weg nach Wien mehr als 1000 Km betrug und ein Besuch in Wien irgendwie aufgrund des im August endenden Zivildienst nicht möglich war, versuchte ich aus weiter Ferne eine Wohnungs übers Internet zu finden. Ein schwieriges Vorhaben, da man sich die Mietwohnungen nicht angucken konnte, sondern einfach auf Bilder und Beschreibungen vertrauen musste. Inmitten der Lernphase für die Aufnahmeprüfung fragte ich im "studivz" irgendwelche Leute, die in Wien Psychologie studieren und schrieb ihnen eine Nachricht, in der ich sie um Rat bat, wie sie eine Wohnung in Wien gefunden haben und auch allgemein Fragen zur Prüfung, über den Ablauf, usw. Dabei lernte ich jemanden kennen, der einen Freund hatte, der einen Mitbewohner für seine WG suchte. Er gab mir dessen Telefonnummer und ich rief an. Der Mietpreis hat gestimmt, die Wohnungs-Beschreibungen waren auch okay: Ich hatte schon mal eine Bleibe. Nachdem ich also das Buch rauf und runter gelernt hatte, war es im Oktober nun soweit: Es ging nach Wien. Via Zug. Warum? Da man ins Flugzeug nur so wenig Gepäck mitnehmen darf, blieb die einzige Alternative die Deutsche Bahn, um meinen ganzen Krempel irgendwie mitzubekommen. Also stand ich dann mit einem großen Schalenkoffer, einem Bergsteigerrucksack, meiner Laptoptasche und einer Umhängetasche am Bahnhof und hatte 17 Stunden Fahrt vor mir. Erschöpft angekommen, nahm ich mir ein Taxi und drückte dem Fahrer den Zettel mit der Adresse in die Hand, die ich per Telefon von meinem zukünftigen Mitbewohner bekommen hatte. Dort angekommen, sah ich die Wohnung. Ich hatte gewaltiges Glück: Die Wohnung war super! 2 Wochen später schrieb ich die Prüfung. Geschafft! Ich bin offiziell Psychologie-Student.


STUDIUM

Da in Wien das Psychologie-Studium (noch) den Abschluss Diplom hat, teilt sich das Studium in Grundstudium (=1.Abschnitt) und Hauptstudium (=2.Abschnitt). Im Grundstudium gibt es folgende Bereiche der Psychologie:
- Allgemeine Psychologie (4 Prüfungen und ein Proseminar)
- Differentielle Psychologie (3 Prüfungen und ein Proseminar)
- Entwicklungspsychologie (3 Prüfungen und ein Proseminar)
- Sozialpsychologie (3 Prüfungen und ein Proseminar)
- Biologische Psychologie (4 Prüfungen)
- Statistik und Methodenlehre (4 Prüfungen, 2 Übungen und ein Forschungspraktikum)
- Einführung in die Psychologie (2 Prüfungen - eine davon ist schon die Aufnahmeprüfung)

Die Regelstudienzeit für die insgesamt 30 Prüfungen, Übungen und Forschungspraktika beträgt 4 Semester. Die durchschnittliche Studiendauer beim Grundstudium beträgt meines Wissens aber 6 Semester. Derzeit befinde ich mich im vierten Semester und hoffe im Juli endlich mein Grundstudium in der Tasche zu haben. Daher kann ich nur über meine Erfahrungen der letzten 2 Jahre berichten. Im Hauptstudium kann man sich auf die klinische Psychologie, Wirtschaftspsychologie oder Bildungspsychologie spezialisieren. Allerdings wage ich nicht mehr darüber zu erwähnen, da ich eben noch nicht in diesem Teil des Studiums bin. Für weitere Informationen über die Rahmenbedingungen dieses Studiums informiert euch bitte über die Links am Ende des Berichts.


ARBEITSAUFWAND / PRÜFUNGEN / ALLTAG

Die meisten Prüfungen sind aufgrund der immens hohen Studentenzahl meistens im Multiple-Choice-Format, was nicht heißt, dass diese leichter als freies Antwortformat. Man unterschätzt dabei vielleicht einfach die Möglichkeiten der Hinterhältigkeit und Verwirrung, die man mit einem Fragesatz und 4 Antworten so anstellen kann. Bezüglich dem Arbeitsaufwand muss man natürlich differenzieren, auf welche Weise jemand lernt, wie intelligent jemand ist, wie motiviert jemand ist, usw. Ich kann da nur von mir sprechen und behaupte einfach mal, dass ich eher durch Arbeit, als durch Intelligenz die Prüfungen erfolgreich absolviere. Da die meisten Prüfungen hier vom Arbeitsaufwand sehr variieren habe ich z.B. für die einfachste Prüfung drei Tage, für die schwierigste einanhalb Monate gelernt. Leider kann ich den Arbeitsaufwand auch nicht wirklich mit anderen Studiengängen vergleichen, da ich sie ja nicht studiere. Mein Alltag sieht aber so aus, dass ungefähr für jeden zweiten Tag der 2 Jahre die Hauptaufgabe des Tages im Lernen bestand. Die Regelstudienzeit von 4 Semestern für die Anzahl der Prüfungen ist schon sehr optimistisch und sehr straff gezogen. Zu den Vorlesungen geht man im Allgemeinen nicht, da es im Internet zig Dokumente mit dem prüfungsrelevanten Stoff, alten Prüfungsfragen, usw. gibt und dieses zumeist völlig ausreicht. Anwesenheitspflicht gibt es nur bei Proseminaren, Übungen und beim Forschungspraktikum. Etwas, dass mir sehr am Studiensystem gefällt, ist der Punkt, dass man die Prüfungen komplett selbst einteilen kann. Man kann selbst entscheiden, wann man eine bestimmte Prüfung schreibt oder nicht. Und bis auf die Statistik-Prüfungen gibt es keine auf sich aufbauenden Prüfungen (Also dass man z.B. eine Prüfung A schreiben muss, um eine Prüfung B schreiben zu können). Daher ist das Zeitmanagement zwar ein sehr wichtiger Faktor, andererseits gewährt es einem aber sehr große Freiheit, die man zu schätzen lernt.


STUDIENQUALITÄT

Durch die hohe Studentenanzahl ist das Verhältnis von Professoren und Studenten natürlich sehr erschreckend. Meines Wissens treffen hier 150 Studenten auf einen Professor (z.B. in Jena, einer der besten Unis für Psychologie, besteht soweit ich weiß ein Verhältnis von 5:1). Daher ist man wirklich nur eine (Matrikel)Nummer. Emails von Professoren werden pauschalisierend gesagt, auch wenn es Ausnahmen gibt, erst nach Tagen, wenn überhaupt, beantwortet. Da man also von Professorenseite (verständlicherweise) nicht viel erwarten kann, setzt man hier auf Selbstinitiavative. Man bringt es sich also weitestgehend selbst bei. Was ich sehr schade finde ist, dass man im Endeffekt teilweise einfach gar nichts lernt, weil es beim Bestehen vieler Prüfung relevant ist, dass man irgendwelche Fachwörter und verrenkte Formulierungen auswendig lernt, um sie dann anzukreuzen. Das Verständnis bleibt da in der Regel auf der Strecke und nach vielen Prüfungen hat man das Gefühl, dass man genauso blöd wie vorher ist.


FAZIT

Ich bin für den Studienplatz an der Universität Wien sehr dankbar, da die Möglichkeiten ohne Erreichen des in Deutschland geltenden NCs doch sehr eingeschränkt sind und ich daher froh sein muss und es auch bin, dass ich trotzdem Psychologie studieren kann. Daher möchte ich auch gar nicht soviele Ansprüche stellen wollen. Trotzdem kann man die Uni Wien in Sachen Qualität leider schon zum schlechtesten Viertel der deutschsprachigen Unis im Bereich Psychologie zählen. Andererseits ist es sehr angenehm, dass man die Prüfungen selbst einteilen kann und somit das Studienleben wesentlich erleichtert und zähle diesen Punkt auch zu den wichtigsten positiven Faktoren. In Sachen Lernfortschritt bin ich auch etwas enttäuscht, da ich nicht glauben kann, dass man mich bald als Diplom-Psychologen auf die Menschheit loslässt, da ich doch überhaupt nichts weiß? Allerdings teile ich mein Leid auch mit Freunden aus Deutschland, die gleiches behaupten. In dieser Hinsicht ist es einfach sehr schwer, sein Studium mit anderen zu vergleichen. Schlussendlich bereue ich den Schritt nicht und hätte ich nochmal die Wahl, würde ich mich für gleiches entscheiden. Trotzdem, würde ich eine solche wichtige Entscheidung niemals intuitiv treffen, da es schon eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben ist. Eine Empfehlung spreche ich da ungern aus, einfach aus dem Grund, dass für jeden individuell das eine Studium besser als das andere ist und ich da doch lieber auf Studienberatungen hinweise.


LINKS

Offizielle Informationen zum Psychologiestudium der Uni Wien:
http://studieren.univie.ac.at/index.php?id=247

Ein von Studenten betriebenes Forum (sehr unseriös, aber bei Prüfungsvorbereitungen hilfreich):
http://www.psychoforum.at

Fazit: siehe Bericht