
Neuester Testbericht: ... "Snob". Ständig strebt er nach Bekanntschaften mit den "oberen 10.000". Niles Crane (David Hyde Pierce): Niles ... mehr
Die Psychologie zweier Brüder
Frasier

Name des Mitglieds: phaia
Produkt:
Frasier
Datum: 09.08.01, geändert am 09.08.01 (143 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: -
Nachteile: -
Es gab mal eine Bar in Boston, mit Sam dem Pächter, Diane & Carla
den gegensätzlichsten Kellnerinnen, die man jemals bei der Arbeit betrachten durfte,
sowie diversen Stammgästen die nur ein, aber
wesentliches Merkmal verband. Sie zeichneten sich dadurch aus, dass sie in irgendeiner Form
gescheiterte Existenzen waren. So haderte der eine mit seinem Berufals Postboten, ein Anderer plagte sich mit seiner Frau, die man übrigends nie zu Gesicht bekam, und ein Dritter hatte sich so mit Leib und Seele dem Beruf des Psychologen verschrieben, dass er selbst sein bester Patient hätte sein können.
Von eben diesem Dritten handelt die Sitcom Frasier.
Nach einer unglückliche Affäre mit Diane der Kellnerin und einer gescheiterten Ehe mit der intelektuellen aber frigiden Lilith beschließt Frasier zurück in seine Heimatstadt Seattle zu ziehen um dort einen Job als Radiopsychologe anzunehmen. Dort teilt er sich ein Teures, stilvoll eingerichtetes Appartment mit seinem Vater, dessen Physiotherapeutin und einem Hund.
Sein Vater will so gar nicht in diese Wohnung, respektive in Frasiers Leben passen, so pflegt Frasier doch einen Snobismus in Reinkultur, wahrend sein Vater sich, im ewigen Holzfällerhemd, abgewetzter Jeans und oft ein wenig derben aber ehrlichen Wesen, in seinem abgewetzten Ohrensessel lümmelt. Der beste Freund dieses ehemaligen Polizisten, der aufgrund einer Schussverletzung seinen Beruf nicht mehr ausüben darf, ist sein Hund Eddie, irgendeine flinke kleine Terrierart, der aber jedesmal erstaunlich ruhig wird, sobald Frasier in seiner Nähe verweilt, dann starrt das Tier den Psychiater unverwandt an, eine Eigenart die den gestandenen Mann oft aus der Fassung zu bringen scheint.
Die Physiotherapeutin des Vaters, der nur noch auf Krücken humpelt, kommt ursrpünglich aus Manchester, England und hat in Seattle noch keine nennswerten Bekanntschaften geschlossen, was bei ihrem trockenen lockeren Mundwerk auch nicht weiter verwund
erlich ist.
Ihr ist Frasiers Bruder Niles verfallen, der im Prinzip den Charakter Frasiers teilt, ihn aber während seines Bruders Aufenthalt in Boston perfektioniert hat. So wirkt die kleine schmächtige Gestalt von Niles äusserst arrogant, doch komplexbeladen, stilvoll, doch doch sehr undiplomatisch, zurückhaltend und doch mit dem Wesen des absoluten Trampels ausgestattet. Sein Beruf? Ebenfalls Psychologe.
Er lebt im ewigen Krieg mit seiner Frau, die ich bisher auch noch nicht zu Gesicht bekam, und ist deshalb oft bei Frasier anzutreffen. Ausserdem Schafft er es einfach nicht Daphne, der Therapeutin, seine grossen Gefühle für zu gestehen.
Ansonsten noch erwähnswert ist Roz die Produzentin von Frasiers Radioshow, ewig auf der Suche nach einem Mann, ob er ihr in diesem Leben noch einmal begegnen wird....ich vermute nicht
Wie bereits eingangs erwähnt geht Frasier aus der damals sehr erfolgreichen Sitcom Cheers hervor, seit ca 8 Jahren gibt es nun die Serie um die beiden verklemmten Psychologen.
In den Staaten hagelte es Auszeichnungen, so gewann Frasier dort 21 Grammys, allein fünfmal hintereinander als beste Comedyshow Kelsy Grammer, der Hauptdarsteller gilt als bestbezahlter TV Schauspieler aller Zeiten, ich kann mich erinnern dass es vor ein paar Jahren Jerry Seinfeld, und davor Bill cosby waren.
In Deutschland sieht man Frasier jede Wochennacht, ausser Montags in SAT1. Nun auf dem Sendplatz dürfte es wahrlich schwer fallen ein Quotenhit in der werberelevanten Zielgruppe der 14-49jährigen zu landen, vor allen Dingen weil vorher Harald Schmidt, und danach die nächtliche Sat1 "News"- Sendung läuft, die eh das Gros eher zum abschalten bewegen.
Also, woran liegt es? Haben die Deutschen kein Geschmack?
Haben die Redakteure kein Gespür.
Ist Die Serie schlecht?
Letzteres möchte ich ganz klar verneinen, Die Sitcom (bedeutet Situation Comedy = Situationskomödie) lebt von einem leisen Sprachwitz &
skurilen Situationen, jenseits von Al Bundy und Ritas Welt, auch ist sie nicht "pädagogisch wertvoll" wie beispielsweise die Bill Cosby Show, deren imaginärer Zeigefinger mich das ein oder andere Mal zum Ausschalten gezwungen haben.
Sie zeichnet ganz einfach immer wieder kleine interessante Lebenssituation auf in die die seltsamen Charaktäre schlittern und aufgrund ihrer Eigenart, höchst eigenwillig versuchen herauszukrabbeln. Die beiden Brüder haben eine sehr leise, gepflegte Ausdrucksweise, die manchmal zum Schmunzeln, oft zum Lachen führen.
Ein Zitat von Niles: "Das ist sehr kompliziert....aber langweilig" ......es ging um das Tanzen! Die Show bedient Klischees auf eine sanfte humorvolle aber deutliche Weise!
Auch sonst pflegt diese Sitcom ein ruhigeres Auftreten, Szenen werden nur wenig mit Jazzmusik untermalt, es wird in verschieden Akte unterteilt, es gibt kaum Nebendarsteller und wenig Action. Die Werbung schreit einem förmlich ins Gesicht so schmerzhaft ist die Unterbrechung, gerade weil diese Show des Nächtens läuft und die Werbeblöcke in der Nacht sowieso nicht sonderlich ausgefeilt sind.
Ich kann nur jedem empfehlen es mal mit Frasier zu versuchen, vielleicht ist er ein Art Woody Allen für die breite Masse, so genau mag ich das nicht beurteilen, auf jeden Fall ist er eine humor-liebevolle Überzeichnung des komplexbeladenen, einsamen, "Fachidioten".
Zum Schluss noch ein paar Daten:
Schauspieler:
Fraiser Crane - Kelsey Grammer
Niles Crane - David Hyde Pierce
Martin Crane - John Mahony
Daphne Moon - Jane Leeves
Roz Doyle - Peri Gilpin
Regie - Andy Ackerman
Seit: 1993, mittlerweile in der achten Staffel
Format: das übliche 4:3 Fernsehformat
Ausstrahlung: in der Woche Mo- Frei,
ca 0:00-01:00 Uhr
Wo: Sat1
Nun bleibt die Frage: Haben die Deutschen kein Geschmack, oder hat das Fernsehen sein Gespür verloren??
Diese
Frage mag jeder für sich selbst beantworten.....
phaia
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich TV Sendung


25.12.01
Sehr gute Meinung. Ich nehme mal an, dass einer der Hauptgründe dafür, weshalb FRASIER hierzulande neben der versteckten Sendezeit kein Quotenhit ist, darin besteht, weil das potentielle, überwiegend depressiv veranlagte deutsche Fernsehpublikum nicht ohne Grund Angst vor Psychotherapeut en hat. Sprich: Diese Berufsgruppe stößt bei deutschen Zuschauern wenn auch nicht unbedingt auf Ablehnung, so doch zumindest auf verdrängten Widerstand. Gruß RudiRe