Father Ted
Feck! Arse! Drink! - Father Ted TV Sendung

Neuester Testbericht: ... Fehlern und Sünden gefeit sind. Die Hauptperson der Serie ist zweifelsohne Father Ted Crilly (Dermot Morgan), welcher ständig am verzwe... mehr

Feck! Arse! Drink!
Father Ted

MatthiasHuehr

Name des Mitglieds: MatthiasHuehr

Produkt:

Father Ted

Datum: 07.12.06

Bewertung:

Vorteile: Humor mit dem Motto "Spaß mit/in der Kirche"

Nachteile: manchmal doch etwas derb für zarte Gemüter ;-)

„Father Ted“ ist eine Comedyserie, welche in Großbritannien bei der Wahl der 100 beliebtesten Comedyserien nur knapp die Top 10 verfehlt hat, also nur die Nummer 11 wurde. In Deutschland ist die Serie so gut wie unbekannt, da sie hier bisher noch nie im Fernsehen gezeigt wurde. Ich bin eher durch Zufall auf die Serie gestoßen, nämlich durch eine Umfrage der BBC über die 100 besten Comedyserie, bei der die dazugehörigen Beschreibungen der Serien recht aussagekräftig waren, so daß man sich ein gutes Bild davon machen konnte. Eine der Serien, die mein Interesse wecken konnte, war diese Serie.

Ein eisiger Wind weht über die schroffe felsige Küste, kalter Regen fällt auf die steinigen Wiesen. Wir befinden uns auf Craggy Island, einer fiktiven Insel vor der Küste Irlands, dem Ort der Handlung. So schroff und unwirtlich wie die Insel sind auch die Menschen, die auf ihr wohnen oder wohnen müssen. Zu den letztgenannten muß man die drei katholischen Pfarrer zählen, die für das Seelenheil der Inselbevölkerung sorgen sollen. Wer jetzt glaubt, daß wie üblich die ganzen Witze auf Kosten der provinziellen Landbevölkerung gehen, der irrt jetzt aber gewaltig. Anders wie beispielsweise in der Serie „The Vicar Of Dibley“, bei der Dawn French als Pfarrerin in ein abgelegenes Provinzkaff kommt und sie die einige Person ohne nennenswerten Dachschaden ist, können in „Father Ted“ die geistlichen Würdenträger ihren Schäfchen in dieser Sache sogar noch toppen. Die Charaktere der Hauptpersonen werden völlig überzogen dargestellt, was zwar etwas realitätsfremd wirkt, zum anderen aber sehr lustig wirkt. Außerdem zeigt diese Darstellungsweise, daß sie auch nichts weiter als normale Menschen sind, die nur unter Talaren stecken, und daher auch nicht vor Fehlern und Sünden gefeit sind.

Die Hauptperson der Serie ist zweifelsohne Father Ted Crilly (Dermot Morgan), welcher ständig am verzweifeln ist, da es sehr schwierig ist seine beiden Kollegen unter Kontrolle zu halten. Das ist wohl einer der Gründe, weshalb er von den Zigaretten nicht loskommt. Äußerlich wirkt er bescheiden, innerlich treibt ihn ein gewisser Drang berühmt zu werden. Eine starke Wettleidenschaft ist sein zweites Laster, was ihn zwar in peinliche Situationen, die Zuschauer aber zum Lachen bringt. Er wettet dabei immer mit einem Pfarrer einer Nachbargemeinde. So bekommt man unter anderem ein Fußballturnier von Priestern über 75 zu sehen, einem Sänger-Imitationswettbewerb und sogar einen peinlichen Auftritt beim Grand Prix. Diese Figur ist am komplexesten ausgebaut, weshalb sie auch die Führung der Handlung übernimmt. Ted ist auch diejenige Person in der Serie, welche noch am realistischsten wirkt.

Mindestens ein graues Haar pro Tag wird ihm sein junger Mitstreiter Dougal McGuire (Ardal O'Hanlon) verpassen, welcher mit seinem Verhalten wie ein zu groß gewordenes Kind wirkt. Er legt ein völlig naives Verhalten an den Tag, nervt Ted ständig mit dummen Fragen und läßt sein Gehirn meistens im Standby -Betrieb laufen. Er schläft mit Ted zusammen in einem Zimmer, was in einigen Folgen zu daraus resultierenden uneindeutigen Aussagen führt, welche einen gewissen homophilen Charakter haben. Daß bei solchen Mitstreitern die ganze Arbeit bei Ted hängen bleibt, ist klar, wenn man sich das altgediente Mitglied der Pfarrei anschaut.

In einer Ecke, in einem versifften Sessel, des Zimmers findet man Father Jack Hackett (Frank Kelly), meistens schlafend und sabbernd obszöne Träume träumend. Sollte er doch mal wach sein, dann konsumiert er alle flüssigen Nahrungsmittel, vorzüglich die mit den Prozenten drin, die verfügbar sind und schreit seine Lieblingswörter, welche meist Beleidigungen oder Verlangen nach Alkohol vermitteln, durch die Gegend. Er hat eine panische Angst vor Nonnen und ein Faible für Frauen. Da er meist geistig umnachtet ist und nur gewalttätig reagiert, ist seine Körperhygiene so ziemlich das, was man als äußerst wassersparend bezeichnen könnte.

Die vierte im Bunde ist die treusorgende Haushälterin Mrs Doyle (Pauline McLynn), welche nur durch innere Werte glänzt, meistens indem sie versucht jedem Anwesenden ihren Tee zu verabreichen. Sie hat ein Faible für Arbeitsunfälle und fällt daher öfters beim Fensterputzen aus selbigem. Die übrigen vorkommenden Personen bestehen meist aus Einheimischen oder Mitgliedern der Kirche. So etwa das vor Haßliebe glühende Ehepaar, welches den örtlichen Laden betreibt und sich jederzeit gegenseitig körperliche Leiden zufügt, oder die Nonnen welche Ted in einer Folge fast manisch wie einen Popstar behandeln.

Da die handelnden Figuren an sich schon sehr kraß sind, können die Handlungen alles andere als in dieselbe Richtung laufen. Zum Großteil haben die Folgen einen gewissen satirischen Hintergrund. Meistens wird ein bestimmtes Klischee humorvoll verbraten. Beispielsweise in der Folge mit dem haarigen Milchmann, der die ganze Gegend nicht nur mit Milch, sondern auch vielen mit haarigen Babys versorgt, ist es am offensichtlichen. Meistens wird aber der Spaß mit den Hirten der katholischen Kirche getrieben. Der Humor ist zwar intelligent, diese wirkt aber eher sehr hintergründig. Vordergründig zeigt sich ein äußerst derber Humor, der mit einer meistens völlig bizarren Handlung versehen wurde, die an sich auch sehr kritisch mit der Kirche an sich umgeht, dieses aber mit den Mitteln einer starken Überzeichnung von Handlung und Charakteren. Durch die Wahl der Darstellung ist diese Serie keine Realsatire mehr, sondern eher eine Groteske.

Wer von euch diese Serie sehen möchte, dem bleibt derzeitig leider nur die Möglichkeit, sich, so wie ich mir, diese Serie auf DVD zu besorgen. Entweder kauft man sich alle Folgen in einer Sammlung oder die vier einzelnen DVD´s. Es gibt insgesamt 25 Folgen, die jeweils 30 Minuten lang sind, und ein Weihnachtsfolge, welche sich übrigens mit auf der zweiten DVD der zweiten Staffel befindet. Bei Amazon bekommt man diese zwar auch, aber bei britischen Importen sind die Preise unverschämt hoch. Wer wie ich nicht direkt dort einkauft, kann beispielsweise bei Amazon Marketplace 30 bis 40 Prozent des Preises sparen, wenn man einen ausländischen Anbieter nimmt, der dort ein Angebot macht. Allzuviel Bonusmaterial gibt es nicht, wenn überhaupt, dafür haben alle DVD´s wenigstens auch englische Untertitel.

Wer den schwarzen britischen Humor mag und auch dem derben Humor aus dieser Richtung nicht abgeneigt ist, für denjenigen wäre diese Serie etwas. Vergleichbar wäre der Humor in etwa mit dem Humor aus der Serie „Blackadder“ mit Rowan Atkinson, übrigens der erste Platz auf der Liste, der darin aber sehr viel intelligenter und kritischer konzipiert und umgesetzt wurde. Trotz alledem ist mir diese Serie nicht nur vier Sterne wert.

Amen

Fazit: lustige Pfarrer, die es auch sind ... lustig