Chamäleon
Tarzan unser Dschungelheld - Chamäleon Tiere

Neuester Testbericht: ... zu empfehlen, da sie im Prinzip keinen Nährwert und keine Vitamine haben. Das Futter schießt das Chamäleon mit seiner extrem langen Zu... mehr

Tarzan unser Dschungelheld
Chamäleon

Manuela2205

Name des Mitglieds: Manuela2205

Produkt:

Chamäleon

Datum: 02.11.09, geändert am 12.05.10 (333 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: absolut faszinierendes Tier

Nachteile: Kosten für Terra, Einrichtung...

Den heutigen Bericht widme ich einem Teil unseres häuslichen Zoos. Unser Jemenchamäleon ist für mich der faszinierendste Teil davon.

***Herkunft***

Wie der Name schon sagt ist es hauptsächlich im Jemen beheimatet. Dort kommt es vor allem in Bergwäldern und bewirtschaftetem Areal vor. Außerdem wurde es in stabilen, noch lokalen Populationen auf Hawaii beobachtet. In Teilen Floridas wurde es bewusst ausgewildert und hat sich dort mittlerweile etabliert. Die Lebensräume liegen zwischen 500 und 2800 m ü. NN, sowohl in feuchtwarmen Gebieten mit häufigen Regenzeiten, als auch in trockenen Gebieten mit Nachtfrost.

***Haltung im Terrarium***

Als Behältnis eignet sich Glas- oder Holzterrarium mit guter Belüftung. Die Größe ist abhängig von der Kopf-Rumpflänge des Chamäleons und sollte davon 4x3x6 (Länge x Breite x Höhe) betragen. Beim Männchen sind dies ca. 75 x 50 x 120 cm (Mindestmaße!!).
Die Tiere sollte man nur einzeln halten, da sie ansonsten großem Stress ausgesetzt sind und sonst eher früher als später sterben, vor allem die Männchen.

An Beleuchtung ist ein gutes UV-Licht von größter Wichtigkeit, sowie noch zusätzliche Spots, um die benötigte Helligkeit zu erreichen. Die Beleuchtungsdauer sollte im Sommer um die neun Stunden, im Winter bei etwa 6 Stunden liegen.
Die Temperatur ist bei 25 - 30°C ideal, die Luftfeuchtigkeit sollte bei ca. 60% liegen, vorm Sprühen möglichst nicht unter 50%, nach dem Sprühen darf sie durchaus auf 90% steigen.

Die Einrichtung
Es werden sehr viele Klettermöglichkeiten benötigt, da Jemenchamäleons Baum- und Strauchbewohner sind. Hierbei sollte man die gesamte Höhe des Terrariums ausnutzen, da sich die Tiere gern in Höhen bis zu drei Metern aufhalten. Dabei sollte man jedoch darauf achten, dass die Tiere nicht zu nah an die Beleuchtung geraten können, da manche Tiere zu große Wärme nicht bemerken und sich deshalb schwere Verbrennungen zuziehen können. Eine gute Bepflanzung ist ebenfalls wichtig, um dem Chamäleon Deckung und Verstecke zu bieten. Es sind nicht alle Pflanzen geeignet (Giftigkeit!), wir haben beispielsweise Efeutute, Ficus und Philodendron verwendet, da diese Pflanzen auch gerne angeknabbert werden. Als Bodengrund haben wir Rindenstücke aus Tannenrinde verwendet, gibt es im Zoofachhandel.



***Futter***

Gefressen wird grundsätzlich alles was sich bewegt und ins Maul passt. Im Terrarium werden meist Insekten gefüttert (Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Schaben). Erwachsene Tiere würden auch aufgetaute Babymäuse fressen, hierzu konnten wir uns bisher aber nicht durchringen. Jedoch konnten wir feststellen, dass er ganz wild auf Schmetterlinge ist, auch Babyfrösche werden nicht verschmäht. Im Sommer kann man sich sein Futter auf ungespritzten Wiesen selbst fangen, so genanntes Wiesenplankton. Gezüchtete Fliegen sind jedoch nicht zu empfehlen, da sie im Prinzip keinen Nährwert und keine Vitamine haben.

Das Futter schießt das Chamäleon mit seiner extrem langen Zunge. Diese ist so lang wie die Kopf-Rumpf-Länge, bei manchen Chamäleonarten kann sie sogar das Doppelte betragen. Die Zunge ist übrigens bläulich. Viele Leute glauben, die Insekten würden an der Zunge kleben bleiben, jedoch ist es mehr so, dass die Insekten mit der Zungenspitze regelrecht gegriffen werden.

In der Gefangenschaft ist es wichtig, die Futtertiere mit Vitaminpulver einzustäuben. Wir verwenden eine Mischung aus Korvimin ZVT (speziell für Reptilien) und Sepiaschale (zur Kalkzufuhr) im Mischungsverhältnis 2:1. Das ist wichtig, weil die gezüchteten Futtertiere wenig Vitamine enthalten und so Krankheiten durch Vitaminunterversorgung entstehen können.

Empfohlen wird eine Fütterung alle 2-3 Tage, Jungtiere können täglich gefüttert werden. Wieviel das Chamäleon benötigt, findet man schnell selbst heraus, unser Tarzan ist jetzt ein knappes Jahr und bekommt alle 2 Tage 2-3 Grillen.

Pflanzliche Nahrung kann ebenfalls angeboten werden, sie knabbern wie schon erwähnt die Terrarienpflanzen an, deshalb muss man auf die Ungiftigkeit achten. Sie fressen auch weiches Gemüse und Obst, was täglich angeboten werden kann.

Zum Wasserbedarf: Es wird nur Bewegung wahrgenommen, eine wasserschale ist also überflüssig, meist reicht das Sprühwasser aus. Angeblich lassen sie sich leicht an Wasser aus der Pipette gewöhnen, unser Chamäleon hat jedoch Angst davor.


***Geschlechtsunterschiede***

Die Geschlechter lassen sich schon sehr früh unterscheiden, da die Männchen einen Fersensporn an den Hinterbeinen haben. Nach 4 Monaten wächst der Helm beim Männchen proportional schneller und wird bis zu 8 cm groß, beim Weibchen um die 3 cm. Das Männchen wird farbenprächtiger, die Weibchen bleiben graßgrün mit eventuellen braunen Streifen. Beim Männchen kommen schwarze und gelbe Flecken hinzu, sowie unterschiedliche Grüntöne. Das Männchen wird in Gefangenschaft bis zu 50 cm, das Weibchen bleibt mit bis zu 30 cm deutlich kleiner.

***Aussehen und Verhalten***

Neben der Zunge sind die Füße auffällig. Pro Fuß sind 5 Zehen vorhanden, bei den Vorderfüßen sind zwei außen und drei innen, bei den Hinterbeinen ist es genau andersherum. Es sind Greiffüße, zum Greifen und klettern geschaffen, die Tiere haben auch eine immense Kraft darin. Die Zehen können nicht gespreizt werden, sondern sind mehr zusammengefasst.

Die Augen sind getrennt voneinander beweglich und haben einen 340° Rundumblick. Haben sie allerdings ein Futtertier erspäht, fixieren sie es mit beiden Augen und zielen so. Manche Chamäleonarten können bis auf einen Kilometer alles scharf sehen. Deshalb sollte man auch zwei Männchen niemals in einem Raum halten, sie würden sich bemerken und als Rivalen bekämpfen wollen.

Außerdem verfügen sie über einen Greifschwanz, eine zusätzliche Lebensversicherung für Chamäleons. Mit ihm umklammern sie Äste und halten sich fest. Beim Schlafen rollen sie ihn wie eine Spirale auf.

Interessant ist ihre Fortbewegung. Dabei schwanken sie wie ein Blatt im Wind, gehen immer leicht vor und zurück. Haben sie allerdings ein Futtertier entdeckt können sie eine beachtliche Geschwindigkeit entwickeln.

Wenn sie sich am Morgen unter dem Spot aufwärmen, machen sie ihren Körper ganz flach und hoch, legen sich schräg und färben sich dunkel, um möglichst viel Wärme aufnehmen zu können. Dabei haben sie eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Frisbeescheibe.

Zum Farbwechsel: Er dient vor allem dem Ausdruck ihrer Stimmung, z.B. bei Ärger oder Angst werden sie dunkel und machen sich groß, reißen das Maul auf und fauchen. Unter der Kehle haben sie auch einen Hautlappen, den sie ebenfalls zum Drohen aufstellen können.

Die Jungtiere häuten sich alle ein bis zwei Wochen, ältere Tiere wachsen langsamer und häuten sich etwa einmal im Monat.

Die Lebenserwartung liegt bei Männchen bei 6-10 Jahren, bei Weibchen liegt sie bei etwa 3-5 Jahren, da sie auch ohne Männchen Eier produzieren, was Energie kostet und deshalb die Lebenserwartung reduziert.

***Gewöhnung an den Menschen***

Im Gegensatz zu unseren Leopardgeckos hat das Jemenchamäleon sofort nach dem Kauf gefressen und bereits nach zwei Wochen schoss er das Futter aus der Hand. Nach weiteren zwei Monaten kam er zur Fütterung zögerlich auf die Hand, mittlerweile kommt er sofort zur Scheibe, wenn man das Terrarium öffnet. Kuscheltiere sind Chamäleons jedoch nicht, ebenso wie alle Reptilien. Er wird immer nach dem Füttern wieder ins Terrarium zurückgesetzt, es ist von Vorteil, wenn das Chamäleon an die hand gewöhnt ist, um ihn bei Bedarf problemlos aus dem Terrarium nehmen zu können (Tierarzt).

Chamäleons erkennen die Menschen, die sich um sie kümmern. Mein Sohn und ich werden problemlos akzeptiert, meine Mutter dagegen wurde angefaucht, als sie heute zu nah ans Terrarium trat.

Über die Zucht möchte ich nichts schreiben, da wir hierzu noch keine eigenen Erfahrungen sammeln konnten.

***Fazit***

Ein Chamäleon ist ein faszinierendes Tier mit Fähigkeiten, die im Tierreich einzigartig sind. Es gewöhnt sich an den Menschen. Bei der Nahrungsaufnahme zuzusehen wird nie langweilig. Die etwas aufwändigere Pflege nimmt man dafür gern in Kauf, auch die relativ hohen Kosten für die Terrarienanschaffung. Für Terrarienanfänger würde ich es aber nicht empfehlen.

Fazit: -

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