Neovo X 174
Überraschungs-Ei - Neovo X 174 TFT Monitor

Produkttyp: Neovo TFT-Monitoren

Neuester Testbericht: ... für Videos und die farbgetreue Darstellung für DTP und Layout, sieht das Neovo X 174 obendrein noch sehr edel aus. Vorausgesetz m... mehr

Überraschungs-Ei
Neovo X 174

thunderbird.elite

Name des Mitglieds: thunderbird.elite

Produkt:

Neovo X 174

Datum: 09.07.03, geändert am 09.07.03 (351 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Schickes Design, Geschütztes Display durch Glasscheibe, brilliante Farben, schnelle Reaktion

Nachteile: hohe Serienstreuung, Glasscheibe spiegelt, hoher Preis

Der erste Eindruck: Ein robuster, schicker, gut durchdachter Designermonitor mit gutem Bild.

Leider ist der erste Eindruck nicht immer der richtige.

Ich hatte den Monitor schon bei einem Freund und in der Ausstellungsvitrine eines Computerhändlers in Action gesehen. Bis auf eine leichte Dominanz des Backlights bei schwarzem Bild die aus dem Schwarz ein Dunkelgrau macht das beste TFT das ich je gesehen hab. Klare Farben, schnelle Reaktionszeit (durchaus spieletauglich), hohe Blinkwinkel und superscharf. Außerdem überzeugend das Design und die Verarbeitung mit Ganzmetall-Gehäuse und Glasscheibe vor dem TFT-Panel.

Auf der Suche nach einem multimediatauglichen (Video- und Bildbearbeitung sowie gelegentliches 3D-Shooter spielen) neuen Monitor hab ich also dieses Gerät bestellt. Leider!

Zum einen haben die 17"-TFTs ein bauartbedingtes Problem: Sie sind nicht exakt im Seitenverhältnis 4:3 gebaut und benutzen die Auflösung 1280x1024 die ja auch nicht exakt 4:3 ist. Das Bild ist dann wieder im richtigen Verhältnis wenn man sie in der vorgesehenen Auflösung benutzt. Im Windows Media Player wird oben und unten ein kleiner schwarzer Streifen ergänzt wenn man ein Video im Vollbildmodus laufen läßt damit keine Eierköpfe entstehen weil das Bild in die Höhe gestreckt wird. WinDVD, die Empfangssoftware der Technotrend Premium-S/Hauppauge Nexus-S und Bildbetrachter wie ACDSee und IrfanView sind nicht ganz so schlau, die nutzen die Bildfläche voll aus und die ist nunmal nicht 4:3 - das Bild wird leicht in die Höhe verzerrt.

Neben solchen Überraschungs-Eier(köpfen) bietet das Gerät aber noch weitere Ungereimtheiten.

Interessanterweise hab ich es mehrfach geschafft, den Monitor zum Absturz zu bringen: Es kam kein Bild, das Power-LED war aber grün und er reagierte nicht auf den Power-Schalter. Erst ein Ziehen des Netzsteckers konnte dem Spuk ein Ende setzen, nach erneutem Einstecken lief der Monitor dann. Ist ja auch toll, kaum s
türzt der Rechner nicht mehr ab tut es der Monitor, damit man auch ja nicht aus der Gewohnheit kommt.

Neovo verbaut scheinbar nicht immer die gleichen Panels. Zwar bleiben die hervorragenden Kontrasts-, Helligkeits- und Blickwinkel-Werte durch die Bank identisch, dafür wartete mein Monitor mit einem reinen Schwarz ohne Backlite-Hinterleuchtung auf. Dafür war das Display sehr träge, von den angegebenen <25ms Reaktionszeit war bei meinem nicht viel zu sehen. Vielmehr fühlte ich mich an die DSTN Passiv Matrix Displays an alten Notebooks aus der 486er Ära erinnert.

Pixelfehler innerhalb der Toleranzgrenzen (Pixelfehlerklasse II, 2 Dauerleuchter, 2 schwarze oder 5 Subpixel erlaubt) scheinen keine Seltenheit zu sein, meines hatte eins und wenn man im Internet sucht findet man auch einen erschreckend hohen Anteil an Nörgeleien über Pixelfehler in Diskussionen über das Gerät, besonders der untere Bereich scheint gerne betroffen zu sein. Dabei ist die Marke Neovo nicht wirklich weit verbreitet. Viele Nörgeleien bei Samsung, Iiyama oder Acer hätte ich verstanden, die verkaufen massig Geräte und haben somit eine hohe Anfälligkeit, aber bei einer nicht weiträumig vertretenen Marke wohl eher ein Zeichen von Zweite-Wahl Panels.

Benötigt man eine Auflösung abseits der Optimalauflösung 1280x1024 guckt man doch besser in die Röhre, in die klassische Bildröhre. Daß die Paradedisziplin der TFTs nicht unbedingt das Hochskalieren von kleineren Auflösungen ist, ist leider ein normales konzeptionelles Problem. Was dieser Monitor sich jedoch zusammenskaliert grenzt an eine bodenlose Frechheit. Beim Hochrechnen von 1152x864 auf 1280x1024 verwaschen sich normale Buchstaben (z.B. in Netscape Mail, Outlook, Internet Explorer oder Notepad) streckenweise zu undefinierbaren grauen Klumpen. Nicht umsonst wunderte ich mich beim Lesen meiner Website-Statistiken wo denn dieses "Fronkfurt om Moin" liegen sollte, das beim Scrollen ein paar Zeilen höher zum Frankf
urt am Main mit leicht verwaschenen a's wurde, die aber je nach Zeile wirklich nur noch zu einem grauen Klumpen wurden.

Die Farben sind zwar kräftig und brilliant aber irgendwas stimmt da nicht, und eine saubere Farbkalibrierung ist annähernd unmöglich. Stört nicht beim normalen Arbeiten oder spielen, im Gegenteil, aber wenn man auf Farbtreue angewiesen ist ist ds nicht so optimal.

Der Schuß mit der Glasscheibe die das Panel schützen, den Kontrast erhöhen und die Bildfläche entspiegeln soll ist zumindest im letzen Punkt 1a nach Hinten los gegangen. Bei "idealen" Lichtverhältnissen spiegelt sich der ganze Raum in Dunkelrot in der (Ent-)spiegelungs-Scheibe. Ob das starke Spiegeln der Grund für die Zertifizierung nur nach TCO95 und nicht nach TCO99 wie man es bei modernen Röhren- und TFT Monitoren normal findet ist? "Strahlen" wie ein CRT kann das Gerät ja normal nicht

Also wenn das Gerät nur bedingt multimedia-tauglich ist, wo dann einsetzen?

Das schicke Design, die robuste Bauweise und die ansich guten ergonomischen Eigenschaften (wenn sich nicht gerade irgendwas oder irgendwer in der Kontrastscheibe spiegelt) machen das Gerät zum schicken Designermonitor für Anwaltskanzleien oder Arztpraxen. Die vielseitigen Anschlußmöglichkeiten mit DVI, Sub-D und Videoeingängen per Composite (Cinch) und S-Video erlauben auch das Anschließen von Videoquellen.

Allerdings sollte man auch hier vorsichtig sein, der Standfuß hat relativ scharfe Kanten und mit Gummipolstern wurde sparsam umgegangen, paßt man nicht auf und kippt das Gerät könnte das unschöne Kratzer in der teuren Mahagoni-Tischplatte geben.

Ob das wohl mit "Warnung bezüglich kippen" (die Überschrift des Kapitels über den Schwenkfuß) gemeint war? Oder ob das nur eine weitere Stilblüte des Handbuches ist wie auch "Identifizierung der Teile und Steuergeräte", dem Kapitel über die Tasten und Anschlüsse am Gerät. Dies Manual zwar
schreib nicht in deutsches übersetzt komisch taiwanisch mit mystical ausdrücks wie man es oft bei Billigprodukten findet, aber die Formulierungen erwecken den Eindruck als hätte das Übersetzerteam die deutsche Sprache mittels Goethe und Schiller gelernt und die Formulierungen geben nicht eindeutig wieder was eigentlich gemeint ist, gerade in Kapitelüberschriften.

Das Bild ist zwar im Normalfall sehr gut, aber aufgrund der scheinbar recht hohen Serienstreuung (die ich mal der Note für Zuverlässigkeit zu Lasten lege weshalb ich das Display nur sehr schlecht bewerten kann in dieser Disziplin) und kleinen Fehlern im Detail halte ich dieses Gerät das der höheren Preisklasse entstammt (die UVP liegt jenseits der 800 Euro, viele Händler führen es aber für knapp unter 600) im Verhältnis zum Verkaufspreis für nicht empfehlenswert.

Wer flexibel bei den Auflösungen sein will oder Farben exakt kalibrieren will wird eh weiterhin auf Röhrenmonitore angewiesen sein.

Für den Dauerbetrieb bei mir ist das Gerät ungeeignet, also zurück mit dem tapferen alten Ersatzmonitor und weiter auf die Suche gehen, dieses mal wieder nach einem CRT. Den Neovo kann ich ja, Fernabsatzgesetz sei dank, dem Händler wieder zurückgeben.

Fazit: