Deebot D56
Einem anderen beim Arbeiten zuschauen - Deebot D56 Staubsauger

Erhältlich in: 2 Shops

Produkttyp: Deebot Staubsauger

Einem anderen beim Arbeiten zuschauen
Deebot D56

iguanadon

Name des Mitglieds: iguanadon

Produkt:

Deebot D56

Datum: 18.07.12, geändert am 18.07.12 (201 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: gute Reinigungsleistung bei normaler Alltagsverschmutzung

Nachteile: relativ laut, kommt nicht über Türschwellen hinweg

Schon länger verfolgen mich Werbespots und Sonderangebote, die mir einen selbstgesteuerten Putzteufel andrehen wollen. Vergangene Woche wurde ich schwach und kaufte mir für 199 Euro den Deebot D56, den ich sofort auf den Namen Debby umgetauft habe.

***Unboxing***
Debby durfte ich in einer Kartonschachtel mit nach Hause nehmen. Darin enthalten ist die graue Ladestation mit einem kurzen Netzkabel (muss auch nicht lang sein, da die Netzstation eh in der Nähe einer Steckdose positioniert wird), dann der Roboterstaubsauger selbst und eine Bedienungsanleitung.

***Aufladen***
Als erstes musste ich die Ladestation an einem gut zugänglichen Ort auf den Boden stellen und mit dem Netzkabel an die Stromversorgung anschliessen. Sofort leuchtet eine grüne LED auf. Debby klaubte ich aus ihrer Plasitkhülle und auf ihrem Display erschien nach dem Betätigen des On-Knopfes eine falsche Uhrzeit und der Hinweis, dass sie sofort in den Schlund der Ladestation fahren möchte. Das Display zeigte ein Häuschen, was in Robotersprache bedeutet "Wenn ich jetzt nicht sofort in meine Ladestation einfahren darf, dann mache ich schlapp und bleibe mitten auf dem Fussboden liegen, was das Risiko in sich birgt, dass jeder beim Vorbeirennen über mich stolpert". Ich drückte auf den "Play"-Knopf und Debby erkannte das Signal der Ladestation und fuhr mit leisem Surren sofort in ihr Zuhause. Einen Augenblick später begann über der Öffnungsklappe ein grüner LED-Streifen an Debby (ihre Augenbrauen) grün zu blinken, damit lässt sie mich wissen, dass sie jetzt am Essen ist und erst wieder für mich arbeiten wird, wenn sie genügend Energie getankt hat.

***Reinigungstour***
Nach ein paar Stündchen schaute ich mal wieder nach Debby und die LED-Augenbraue blinkte nicht mehr, sondern strahlte mich still in sattem Quietschgrün an. Ich bewegte meine Hand unter den langen Querbalken der Ladestation um (leicht fummelnd) die Play-Taste zu drücken und Debby auf ihre erste Reinigungstour zu schicken.

Hier EIN ERSTER MINUSPUNKT. Ich verstehe nicht, warum der Hersteller das Display und die Knöpfe so am Gerät angeordnet hat, dass das Display während des Ladevorgangs ganz vom Arm der Ladestation verdeckt ist und die Knöpfe teilweise auch. Gut, der einzig in diesem Zustand zu bedienende Knopf ist ja die Play-Taste, aber auch die ist etwas doof positioniert. An der Front angebracht hätte ich sie ganz einfach, ohne mich bücken zu müssen, mit der grossen Zehe antippen können. So muss man schon fast selbst in die Ladestation kriechen, um sie zu betätigen.

Debby begann dann nach einem zufalls-Algorythmus, den Laminat-Fussboden in meinem Wohnzimmer zu reinigen. Mit ziemlich lautstarkem Surren rotierten auf ihrer Unterseite und links und rechts von ihrer Front Bürsten, die den Staub zur Saugvorrichtung an Debbys Unterseite bugsieren. Einige Kartonfäserchen, die vom Auspacken rumlagen, hat sie gleich erwischt. Den Staub, den ich aus dem Staubbeutel meines alten Staubsaugers etwas auf dem Laminatboden verteilte, hat sie auch aufgenommen, ohne Resten zu hinterlassen. Bei Hindernissen tippt Debby leicht an und macht dann eine Kehrtwende. So tippte sie einige Stuhlbeine an und wendete abrupt. Bei einem Stuhl hat sie sich zufälligerweise aber genau in dessen Mitte begeben und fuhr genau zwischen dessen rückseitigen Beinen durch, bis sie das Tischbein berührte. Sie wollte wenden und musste nun siebenmal einen Anlauf nehmen, bis sie die Lage unter dem Stuhl richtig einschätzte und einen Weg fand, sich aus dem Gefängnis von vier Stuhlbeinen zu befreien. Debby ist genau so gross, dass sie im Zentrum eines Quadrates, das vier Standard-Stuhlbeine bilden, gut Platz hat.

Leichte Hindernisse, wie z. Bsp. ein Styropor-Plättchen aus der Schachtel, das noch am Fussboden lag, hat Debby ohne zu wenden so lange vor sich hergeschoben, bis sie damit im Salontischchen landete, der Widerstand entsprechend abrupt zu gross wurde und sie das Plättchen liegen liess und sich wieder dem Zentrum des Raumes zuwandte. Das hat den Vorteil, dass rumliegende Pantoffeln oder Kinderspielzeuge am Abend alle irgendwo am Rand des Raumes liegen oder aber, was dann ein Minuspunkt wäre: alle unter dem Sofa landen und mühsam gesucht werden müssen. Darum: Fussboden aufräumen, bevor man den Roboter schuften lässt. Ich werde wahrscheinlich künftig auch die Stühle auf den Tisch stellen, bevor ich Debby auf Tour schicke, dann saugt sie auch unter dem Esstisch, denn dort liegt ja der gröbste Schmutz.

***Programme***
Debby verfügt über vier verschiedene Programme:

1) Das Standard-Reinigungsprogramm: Debby reinigt in Normalmodus und wendet beim Touchieren von Hindernissen, kriecht zwischen Stuhlbeine und unter Sofas, dort wo sie Platz hat.

2) In diesem Modus fährt Debby nciht im Zufallsmodus kreuz und quer durch den Raum, sondern tastet sich den Wänden und Hindernissen entlang, kriecht unter Möbel und reinigt so von der Aussenseite des Raumes nach innen, immer den Wänden entlang.

3) Im Fix-Modus wird mir schlecht vom Zusehen. Debby wirbelt spiralenförmig, sich ständig um die eigene Achse drehend auf gerader Luftlinie durch den Raum und reinigt in diesen sich überschneidenden Spiralen den Fussboden. Beim Touchieren von Hindernissen weicht sie aus.

4) Im Präzisionsmodus saugt Debby wie in Stufe 1) aber sie bewegt sich dabei immer vor und zurück, so dass sie jeden Streifen doppelt saugt (so wie ich das manuell i. d. R. auch tue).

Man kann zu jedem Programm noch die Saugstärke zwischen zwei Intensitätsstufen wählen.

Ein stylisierter leerer Behälter auf dem Display zeigt, dass Debbys Lunge noch sauber ist. Sobald sie zu viel Staub eingeatmet hat, zeigt das Symbol einen hohen Füllstand an und Debby muss mal kräftig geleert werden.

Wenn man die Uhrzeit korrekt einstellt, kann man Debby auch programmieren und ihr z. Bsp. sagen, dass ihre Schicht ab 19:00 Uhr abends anfängt. Man kann auch einen Endpunkt setzen oder den Roboter selbst entscheiden lassen, wann Schluss ist. Debby wird dann erst aufhören mit putzen wenn a) der Akku leer ist oder b) der Raum komplett abgetastet wurde.

***Reinigungsleistung***
Debby verfügt über eine spezielle Sonsortechnik. Normalerweise reinigt sie den Raum nach ihrem Programmuster durch. Findet sie aber an einer räumlich eingegrenzten Stelle eine stärkere Verschmutzung vor, z. Bsp. ein Häufchen von Krümeln in Tellergrösse, dann merkt sie, dass hier etwas konzentriert am Boden liegt und ändert ihr Programm automatisch, indem sie sich für einen Moment lang speziell auf diesen Bereich konzentriert und in einem Spiralenwirbel um den Bereich rumdüst, bis (fast) alles weggeputzt ist. Den Rest erwischst sie, wenn sie wieder im regulären Putzraster über den Boden surrt.

Insbesondere Staub und Haarbüschel erkennt Debby sehr gut und putzt automatisch spiralig und im Vor- und Rückwärtsmodus über den Haufen, bis alles weg ist.

Staubpartikel und Kuchen-, Brotkrümel und winzige Essensreste sind für Debby kein Problem.

Problematischer ist es, wenn Partikel am Boden kleben oder wenn Asche oder Russ vom Kaminofen rumliegt. Hier hinterlässt Debby bisweilen Spuren und der Feinstaub könnte ihr selber auf Dauer auch nicht gut tun. Hier muss ich nach wie vor mit dem Handwischer vorreinigen.

***Staubbehälter leeren***
Debbys Lunge ist ein gelber Behälter. Um ihn zu entnehmen, drückt man den Knopf an Debbys Hintern und klappt den Henkel des Staubbehälters nach oben, um ihn herauszuheben.
Der Staubbehälter ist nach oben nicht verschlossen und kann einfach in den Mülleimer gekippt und dann unter dem Wasserhahn ausgespült werden. Nach dem Trockenwischen wieder in Debbys Innenleib zurück klicken, Deckel zu und fertig. Man staunt, wie viel Dreck nach einem Putzgang schon angehäuft wurde!

***Gesamteindruck***

Postitiv ins Auge fällt, dass Debby an ihrer Schnauze eine anthrazitfarbene, gummierte Frontverstärkung aufweist, mit der sie in die Hindernisse prallt. Sie kann also weder sich selbst noch die Möbel beschädigen, obwohl ein Aufprall manchmal etwas heftig aussieht.

Negativ ist neben der Knopf- und Displayanordnung, dass Debby aufgrund ihres runden Designs nicht ganz in die Ecken kommt, auch mit dem Seitenwischerchen nicht. Es bleibt also mit der Zeit ein Staubhäufchen in den Ecken des Raumes. Aber mit dem Handstaubsauger hat man die ja rasch beseitigt.

Mir gefällt das Design des Staubsaugers. Farblich passt er zu meinen rosa Orchideen und dem Glastisch mit grauen Beinen. Der leicht metallige Schimmer verleiht dem Gerät etwas Edles. Irgendwie hat sie was, die Debby.

Debby ist relativ laut. Über Nacht will ich sie nicht laufen lassen. Ich lasse sie ihre Arbeit verrichten, wenn ich auch ausser Haus bin. Dazu habe ich sie programmiert. Nachbarn haben sich bisweilen noch nicht beschwert.
Da ich in der ganzen Wohnung Laminatböden habe, kann ich die Putzleistung auf Teppich nicht beurteilen.
Den kleinen Vorleger unter dem Salontischchen, putzt Debby gut und fährt auch mühelos über die dünne Teppichkante hinweg. Ob das bei dickeren Perserteppichen auch geht?

Da meine Wohnung hohe Türschwellen hat, muss ich Debby jeweils in einen anderen Raum tragen und auch die Ladestation verschieben. Das ist mir auf Dauer zu dumm. Darum habe ich mich entschieden, Debby nur im Wohnbereich putzen zu lassen. Dort reinigt sie das sehr grosse Wohnzimmer und den dazugehörigen Flur bis zur offenen Wohnküche automatisch.

Da der Akku leider nur etwa 50min anhält (vielleicht verbessert sich die Leistung nach mehreren Wochen noch etwas), muss sie manchmal zwischenladen.

Erst einmal ist Debby hängen geblieben. Da lag ein Stück Schnur am Boden, in dem sie sich verheddert hat. Sie hat dann einfach an Ort und Stelle inne gehalten und eine Fehlermeldung am Display angezeigt. Das Malheur war rasch behoben.

Und dennoch. Ganz hinfällig wird das Putzen damit nicht. Ich muss, wenn ich sicher sein will, immer noch selber an die Arbeit. Sicher, eine gewisse Erleichterung und alltagstaugliche Grundreinigung erreicht der Roboter und das ist schon mal super. Es ist gut, nach Hause zu kommmen und zu wissen, dass mich nicht gleich der Schlag trifft. Den Wohnbereich, den Debby putzt, reinige ich nur noch feucht selbst nach, den Reststaub swiffere ich so einfach weg (in den Ecken). Von da her ist Debby wirklich eine Hilfe.
Ich habe auch nicht erwartet, dass ich jetzt nur noch mit dem Longdrink in der Hand auf dem Sofa liege und zusehe, wie der Roboter alles erledigt, sonst wäre ich jetzt enttäuscht.

Einen Kauf für satte 200 Euronen muss man sich dennoch überlegen. Ich empfehle ihn v. a. Leuten, die eine grosse Wohnfläche (idealerweise Parkett, Fliesen oder Laminat / Novillon) haben oder eine Wohnung ohne Türschwellen. Dass Debby nicht selber Treppen hochkommt und Stockwerke unabhängig von der Ladestation reinigt, sollte jedem klar sein.

Fazit: hilfreiche Putze für den Alltag, aber kein Wundergerät

Verarbeitung:    
Zuverlässigkeit:    
Bedienkomfort:    
Laufgeräusche: