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Jehan sadat
Ich bin eine Frau aus Ägypten (Sadat, Jehan)

Name des Mitglieds: thewrittenword
Produkt:
Ich bin eine Frau aus Ägypten (Sadat, Jehan)
Datum: 21.03.07
Bewertung:
Vorteile: tiefe Einblicke
Nachteile: keine
Das Warum
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Ich lebe mittlerweile schon seit fast zehn Jahren 360 Tage im Jahr in Ägypten.
Ein faszinierendes Land.
Ein Land voller Widersprüche.
Ein Land, das mich nach dieser langen Zeit immer noch überraschen kann. Im positiven und im negativen Sinne – aber jeden Tag!
Nun denn, da meine Arabischkenntnisse in Wort zwar für das tägliche Leben ausreichen, in Schrift aber absolut miserabel sind, bin ich immer wieder auf der Suche nach deutschen oder englischen Büchern über das Land Ägypten, über meine Wahlheimat.
Nun gibt es die ja in Hülle und Fülle, aber wirklich hilfreich oder auch nur ansatzweise lehrreich sind nur die wenigsten. Die Ramses Romane, zum Beispiel, sind gewiss sehr unterhaltsam, aber doch etwas leichte Leserkost, trotz der vielen historischen Hinweise.
Natürlich gibt es unzählige Bände über die Zeit der Pharaonen, über die antike Geschichte Ägyptens; doch mich interessierte dann schon eher die Gegenwart, das heutige Ägypten.
Ein Freund von meinem Mann, der seinen Urlaub bei uns verbrachte, brachte mir dann schließlich aus Deutschland dieses Buch mit:
Jehan Sadat
„Ich bin eine Frau aus Ägypten“
Untertitel:
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Die Autobiographie einer außergewöhnlichen Frau unserer Zeit.
Titel der Originalausgabe:
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A Woman of Egypt
Übersetzt aus dem Englischen von Gisela Stege
Widmung:
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Dem Andenken meines Mannes, Anwar el-Sadat, und meinen Kindern, Lubna, Gamal, Noha und Jehnan, gewidmet, die gleich mit mir geliebt und gelitten haben.
Klasse, dachte ich, eine Autobiographie! Von Jehan Sadat, der Frau des beliebtesten Präsidenten von Ägypten. Klar kannte ich Präsident Sadat, aber alles was ich wusste war, dass er der Vorgänger vom heutigen Präsidenten Mubarak war und dass er ermordet wurde. Deshalb informierte ich mich mal ganz zuerst mal über den Präsidenten selbst. Die Geschichte der Autorin würde ich ja dann im Buch erfahren.
Muhammad Anwar as-Sadat (* 25. Dezember 1918 in Mit Abul-kum, einem Dorf im Nildelta; † 6. Oktober 1981 in Kairo, ermordet) war ein ägyptischer Staatsmann. Neben Nasser und anderen war er Mitgründer des Geheimbunds der Freien Offiziere, seit dem Staatsstreich 1952 bekleidete er hohe Ämter. Als Nachfolger Nassers wurde er 1970 Staatspräsident. Sadat lockerte das diktatorische Regime, führte Ägypten in den Jom-Kippur-Krieg 1973, löste das Land aus der engen Bindung an die Sowjetunion und schloss 1979 Frieden mit Israel. Für seine Bemühungen im Friedenprozess mit Israel erhielt er zusammen mit Menachem Begin 1978 den Friedensnobelpreis. Sadat fiel einem Attentat zum Opfer, das Gegner seiner Politik der Aussöhnung mit Israel verübten.
(Quelle: Wikipedia)
Nun aber endlich zum Buch!
Das Buch
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„Jehan Sadats Geschichte ist die ehrliche und leidenschaftliche Schilderung eines Lebens als emanzipierte Mohammedanerin, Patriotin, Ehefrau und Mutter – eine Autobiografie aus der Welt des Islam, die in ihrer Art bisher einzigartig ist.
Jehan Sadat ist die erste Frau des modernen Ägypten, die in ihrem Land und weltweit eine bedeutende Rolle spielte – und das aus eigener Kraft“
Die Autobiografie ist chronologisch angeordnet. Sie beginnt zwar im ersten Kapitel mit dem Tod von Präsident Sadat, geht dann aber zurück an den Beginn der Geschichte der Autorin.
1) Der Tod meines Mannes
Am 6. Oktober 1981 wird Präsident Sadat auf dem Paradeplatz ermordet. Jehan Sadat schildert, wie sie diesen Moment miterlebt hat. Aus dem Blickwinkel einer Ehefrau. Sehr ergreifend.
Leseprobe (Seite 11):
Rufe, Schreie. Kugeln durchschlagen das Glas des Fensters, durch das ich der Parade zugeschaut habe. Ich springe auf, will zu meinem Mann, aber mein Leibwächter tritt mir in den Weg.
„Bleiben Sie auf Ihrem Platz, Madam“, sagte er. „Fassen Sie mich nicht an!“ befehle ich ihm. Er ist stärker als ich und zieht mich so energisch zu Boden, dass mein Arm noch zwei Wochen später blutunterlaufen ist. Ringsherum herrscht Chaos. Meine Enkel weinen, schreien auf, als eine weitere Granate explodiert und uns die Schüsse in den Ohren dröhnen.
„Aufhören!“ rufe ich der haltlos schreienden Frau eines unserer Minister zu, die zusammen mit den Frauen der Generale und der Regierungsbeamten im Laufgang kauerte. Neben mir auf dem Boden sitzen Frau Mubarak und meine Sekretärin. „Das sind Moslemfanatiker“, erkläre ich.
2) Jugend in Kairo
Jehan beschreibt ihre Kindheit und Jugend. Jehans Mutter kommt aus England und ist Christin, ihr Vater ist Ägypter, ein überzeugter Moslem, der in England studierte. Ihre Kindheit war sehr fröhlich und sorglos und immer schon von großer Offenheit gegenüber den Religionen und den Rest der Welt geprägt.
Leseprobe (Seite 33):
„Meine Mutter erzog uns nicht zu Engländern. Ganz und gar nicht. Zu Hause sprachen wir alle arabisch, das sie ebenfalls sehr gut sprechen gelernt hatte, und da sie keinen Bekehrungseifer kannte, beeinflusste sie uns auch nicht gegen unsere Moslemtraditionen.“
3) Der Revolutionär und das Schulmädchen
Jehan trifft Anwar Sadat und die beiden verlieben sich. Jehan gibt alles auf, um sich diesem Mann anzuschließen, auch wenn sie von nun an in Armut leben wird.
Leseprobe (Seite 63):
„In den drei Wochen, die ich in Suez war, hatten wir kaum von etwas anderem gesprochen als von Anwar el-Sadat und der schweren Zeit, die er und seine Mitangeklagten durchmachen mussten. Seit acht Monaten standen sie nun schon vor Gericht, angeklagt des zwei Jahre zurückliegenden Attentats auf den Finanzminister Amin Osman. Jetzt gingen die Verhandlungen endlich ihrem Ende zu, und alle Zeitungen brachten täglich Fotos des angeblichen Rädelsführers Hauptmann Anwar el-Sadat und Artikel über seine mehrmalige Flucht aus den Gefängnissen. Ich hatte jedes Wort verschlungen.“
4) Die Befreiung Ägyptens
Es beginnt die Zeit der Befreiung Ägyptens von der englischen Vorherrschaft. Hier beginnt nun die politische Karriere des zukünftigen Präsidenten. Jehan erzählt wie sie als Frau diese Geschehnisse miterlebt, immer in Angst um ihren Mann, den sie kaum noch sieht.
Leseprobe (Seite 106):
„Im Januar 1952 rächten die Briten sich für die Attacken der Fedajin, indem sie Ismailia zu erobern versuchten. Britische Truppen mit Maschinengewehren befahlen der ägyptischen Polizei, die Waffen niederzulegen und die Stadt zu verlassen. Diese dagegen erhielten von der Regierung den Befehl, die Stellung zu halten, obwohl sie nur mit einigen primitiven Gewehren bewaffnet waren. Die Engländer töteten fünfzig Polizisten und verwundeten zahlreiche weitere. Am nächsten Morgen, dem 26. Januar, ging Kairo in Flammen auf.“
5) Die Zeit Gamal Abdel Nassers
Das Land hat einen neuen Präsidenten. Ex-König Faruk muss das land verlassen und neue Reformen machen den Weg frei für das moderne Ägypten. Sadat festigt seine politische Stellung unter Nasser und Jehan muss ihre Schüchternheit überwinden, um neben ihrem Mann als Beraterin der Frauen in Ägypten zu fungieren.
Leseprobe (Seite 125):
„Ich kannte diese Frauen nicht, und dennoch schütteten sie mir auf dem Papier ihre Herzen aus.“
6) Leben auf dem Dorf
Jehans Mann hatte in all dem politischen Stress zwei Herzanfälle überlebt. Nun aber ziehen sich die beiden immer öfter in Sadats Heimatdorf Abul-Kum zurück, um zu entspannen. Hier beschreibt Jehan nun das tägliche Leben in einem typisch ägyptischen Dorf. In diesem Dorf lebt Jehan nun auf. Sie will sich engagieren und richtet ihr erstes Schulungszentrum für Frauen ein. Ihr erster großer Erfolg, dem viele weitere folgen werden.
7) Ägyptens Unglück
„Im Frühjahr 1966 hatte Nasser auf das Gerücht hin, dass mehrere hundert feudale Familien in den ländlichen Gebieten weiterhin illegal riesige Flächen von Land besaßen und bewirtschafteten beschlossen, diese Großgrundbesitzer zu enteignen.
Es beginnt ein weiteres Terrorregime. Willkürliche Verhaftungen und Folterungen wurden zur Tagesordnung.
Jehan unterstützt die Armen und die ehemaligen Reichen wo immer sie nur kann, oft auch Gegen den Willen des eigenen Mannes.
8) Verrat und Verräter
Nasser und Sadat stehen nun politisch auf verschiedenen Bahnen. Sadat will als neuer Präsident den Bürgern die Freiheit zurückgeben. Doch ein Großteil der Bevölkerung steht immer noch auf Nassers Seite. Jehan unterstützt ihren Mann wo immer sie kann und kümmert sich nebenher auch noch um die zahlreichen Bittstellerinnen an ihrer Tür.
Leseprobe (Seite 233):
„Jeden Abend erzählte ich Anwar von den neuen Gerüchten und Verleumdungen die ich gehört hatte. Mir wurden Telefongespräche wiederholt, die ich von unseren Privatapparaten aus geführt hatte – ein Beweis dafür, dass unser eigenes haus, die Residenz des Präsidenten, verwanzt war.“
9) Die Söhne Abrahams
Jehan erzählt über ihre Reise in die heilige Pilgerstadt Mekka. Sie beschreibt alle Rituale sehr detailliert und mit zahlreichen historischen Hintergrünen.
10) Die Aufgaben einer First Lady
Nach dem Oktoberkrieg stabilisiert sich endlich die Lage Ägyptens und Jehan kann nun ihre zahlreichen Aufgaben als First Lady wahrnehmen. Wie immer kümmert sie sich besonders um die Frauen ihres Landes und benutz ihren Einfluss, um die Position der weiblichen Bevölkerung zu stärken.
Leseprobe (Seite 271):
„Wenn Anwar als Präsident Einfluss auf das Volk auszuüben vermochte, so hoffte ich, dass mir das als seine Frau ebenfalls möglich war. Nach dem Oktoberkrieg stürzte ich mich in die Sozialarbeit und leitete schließlich dreißig Hilfsorganisationen.“
11) Frauen im Islam
All ihre Energien und Projekte richteten sich immer wieder auf das Ziel, die Lage der Frauen zu verbessern. Und auch die Sicht der westliche Welt über die Frauen im Islam zu korrigieren.
Leseprobe (Seite 298):
„Im Jahre 1975, meiner ersten Auslandsreise ohne Anwar, dem ersten Staatsbesuch den die Ehefrau eines Moslemführers allein unternahm hatten sich auf dem westdeutschen Flughafen Hunderte von Menschen versammelt, um mich zu begrüßen. Ich bin überzeugt, dass sie eine von Kopf bis Fuß verhüllte und von Leibwächtern umgebene Frau zu sehen erwarteten. Ich war verblüfft, als ich entdeckte, wie viel die Menschen noch über den Status der Frauen im Islam zu lernen hatten.“
12) Der Weg zum Frieden
„Vom ersten Moment an, da mein Mann seine Bereitschaft erklärte nach Jerusalem zu gehen und Frieden mit Israel zu schließen, war mir klar, dass man ihn dafür töten würde.“
13) Im Namen Allahs
Die Fundamentalisten „erobern“ das Land. Besonders schmerzlich für die Frauen, die von nun an auch in der Universität Schleier tragen müssen – wenn sie denn überhaupt noch an die Universität dürfen. Alles westlich gilt nun als Teufel, egal ob gut oder schlecht. Ägypten geht einen Schritt zurück.
14) Unendliches Leid
Jehan knüpft an, an das erste Kapitel und beschreibt die Zeit nach dem Tod ihres Mannes. „Jetzt erst recht“, lautet ihre Devise.
Zur Autorin
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Jehan Sadat lebt seit der Ermordung ihres Mannes zur Hälfte in Amerika und Kairo, teilt sich mit einem Professor an der University of Maryland den Anwar el Sadat-Lehrstuhl, hält in Amerika und Europa Seminare über die Lage der Frau in Entwicklungsländern. Dem Frieden in Nahost gilt aber ihr größtes Engagement. "Es ist das Erbe meines Mannes. Ich will die Menschen erinnern, dass es Männer wie Rabin und Sadat waren, die für ihr Idee vom Frieden mit dem Leben bezahlt haben".
„Jehan Sadat ist eine reich begabte Frau: Sie ist intelligent, couragiert und zutiefst menschlich. Ihr Leben lang - durch Triumphe und Tragödien - ließ sie andere Menschen an diesen Gaben teilhaben.“
Henry Kissinger
Fazit:
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Ein sehr schönes Buch. Nicht nur für Frauen. Es gibt tiefe weltpolitische, soziale und wirtschaftliche Einblicke in das moderne Ägypten.
Taschenbuch: 427 Seiten
Verlag: Heyne (April 1991)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453045998
ISBN-13: 978-3453045996
Maße: 18,1 x 12,1 x 3,3 cm
Preis: neu bei amazon.de ab 8.95 Euro
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21.03.07
*Krone*