Tirana (Albanien)
Reisebericht - einst live - Tirana (Albanien) Reiseziele international

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Reisebericht - einst live
Tirana (Albanien)

MKohlhass

Name des Mitglieds: MKohlhass

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Tirana (Albanien)

Datum: 24.06.00, geändert am 04.07.00 (11181 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Authentisch und einst laufend aktualisiert

Nachteile: Man kann nicht jeden Tag ein Highlight geboten bekommen

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Hier ist er, der von Dooyoo nach 16 Hin- und Her-Mails endlich wieder aufgetauchte und für alle lesbare Reisebericht aus Tirana, Albanien. Selbst die Kommentare wurden gerettet, lediglich die Zahl der bisherigen Lesungen ist weg... Aber das kann man verkraften.

Habe inzwischen den, nun ja leider nicht mehr live - Bericht noch ein bißchen upgedated und verkürzt:

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24.06.00

Daß hier jetzt ein Reisebericht live aus Albanien folgt, belegt: es gibt sie, die Verbindung Albaniens zur Welt. Mit über 6,-- DM die Stunde zwar fünf mal teurer, als in meiner derzeitigen Heimat Türkei, aber immerhin.

Der Flug mit Türkish Airlines Istanbul - Tirana war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Es war allerdings auch nur ein kleiner Jet (Avroliner) mit rund 100 Sitzen. Chaos gab es bei der Sitzeinnahme, denn viele Passagiere wollten partou nicht den kleinen Nummern auf den Boardingpässen folgen. (Darf gar nicht dran denken, wie das bei der Bulgarischen Balkan Air abgegangen sein muß, von der mir mein Freund mal über "free seating" berichtete)

Der Flughafen von Tirana heißt Rinas und ist recht klein. Ich glaube nicht, daß er der Eröffnung einer eigenen Dooyoo-Rubrik bei den Flughäfen bedarf. (Obwohl, wenn ich mal Webmiles brauche...) Es soll der einzige Verkehrsflughafen Albaniens sein.

Neben mehreren DC 3 - Wracks standen noch eine kleine Maschine der Albanian Air und eine der Tyrolian Air auf der Platte. Per Bus ging es dann zum Terminalgebäude.

Dort war ich sehr froh, daß mein Arbeitgeber einen albanischen Mitarbeiter geschickt hatte, um mich durch Paßkontrolle, Gepäckabfertigung und Zoll zu bringen. Nicht daß es alleine nicht gegangen wäre, aber es erleichterte die Sache doch ungemein... ;-)

Der Hit war das Gepäckband! Länge im Flughafengebäude: 2 Meter, Umlauf: Fehlanzeige! Die Koffer und Kisten wurden durch ein Loch in der Wand hin
eingeschoben. Und das Chaos um dieses Loch war entsprechend.

Vor dem Fluhafengebäude traute ich dann meinen Augen kaum: ein deutscher Peterwagen mit albanischer Nummer und großen Buchstaben POLIZEI - und drinnen ein deutscher Polizist in deutscher Uniform! Ein kurzes Gespräch mit ihm ergab, daß Deutschland Albanien tatkräftig bei der Ausbildung und beim Aufbau eines geordneten Polizeiapparats unterstützt! Auf meine Frage, auf was man denn in der kommenden Woche am meisten achten müsse, meinte er: "Eigentlich nur auf den Verkehr, der ist katastrophal und chaotisch!" Naja, dachte und denke ich mir, dann kann es ja nicht so schlimm werden, denn verkehrstechnisch bin ich aus der Türkei ja einiges gewohnt (und nicht nur aus Hamburg... ;-)

Dann die 25 km vom airport ins Zentrum von Tirana: die Straße war eher recht als schlecht. Mit der Fahrweise hatte der deutsche Polizist nicht zuviel versprochen. Es wird ein heißer Reifen gefahren!

Unterwegs fielen mir hunderte (nicht übertrieben!) von kleinen Betonkuppeln auf, die überall in der Gegend auf Feldern und an Hängen verstreut waren. Es handelt sich dabei um Ein- und Zweimannbunker aus der düsteren Zeit Albaniens unter dem kommunistisch-atheistischen Staatschef Enver Hodscha, der das ganze Land mit diesen (schwachsinnigen!) Miniverteidgungsanlagen überzog. Dieser ideologische Wahn entzog dem an sich schon bitter armen Land auch noch die letzten Ressourcen. Die traurigen Reste stehen jetzt überall verlassen rum - vergammeln kann man ja bei Beton leider nicht sagen...

Unterwegs erklärte mir mein albanischer Begleiter, daß wir nicht in das gebuchte Hotel könnten, weil dieses overbookt wäre. Shit happens, das wäre ganz normal, so sind wir jetzt im 2. Haus am Platz, dem Tirana International, abgestiegen. Es war besser, als von mir erwartet, hatte allerdings auch seinen Preis: 91,-- US $ pro Nacht für einen Einwochenaufenthalt - und das schon mit einem angeblichen Arbeitgeberrabatt
- das halte ich persönlich für unangemessen und überteuert. Aber Angebot und Nachfrage bestimmen halt auch - oder gerade hier! - den Preis.

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25.06.00

Man könnte meinen, dass Albanien ein sehr, sehr reiches Land ist. Denn über die Hälfte aller Autos, die man auf den Straßen sieht, sind vom Typ Mercedes. Ungelogen! Damit wird mir auch klar, was ein Albanien-erfahrener Bekannnter meinte, als er sagte, man könne nirgendwo auf der Welt so günstig einen Mercedes kaufen, wie in Tirana - nur Ausführen wäre schlecht. Die Schlußfolgerungen aus dem zuvor Geschilderten, überlasse ich jedem selbst, Fakt ist jedenfalls, daß 50 % aller Kühlerhauben von einem Stern geziert werden.

In Wirklichkeit ist Albanien aber ein sehr, sehr armes Land. In der Hauptstadt Tirana herrscht eine seltsam Tristesse - und das jetzt im Juni bei herrlichem Wetter und blauem Himmel. An dieser eigenartigen Gedrücktheit können auch die bunten Kleider hübscher, junger Mädchen kaum etwas ändern. Ich darf gar nicht daran denken, wie es hier im trüben Herbst oder kalten Winter aussieht, wenn sich Billigkohlenruß (kenne ich noch aus den traurigen DDR Zeiten) über alles legt und Matsch und Düsterheit ihr übriges tun. Eine seltsam Lethargie ist überall zu verspüren, die nicht unbedingt nur in Armut begründet ist, denn ich habe schon wahrlich ärmere Länder mit fröhlicheren Menschen bereist.

Das Zentrum von Tirana, welches gar nicht so leicht als solches auszumachen ist, weißt ein paar schöne Kastanienalleen aus, die jetzt im Sommer schönen Schatten spenden. Was würde dieser Baumbestand vermitteln können, wenn das Umfeld stimmen würde.
Stattdessen jede Menge vergammelnder Häuser, Baustellen, bei denen man nicht erkennen kann, ob sie in Betrieb sind, seit Jahren auf Fortsetzung der Tätigkeit warten oder in Wirklichkeit Abbruchhalden sind, Tandhändler mir einem bescheidenen Angebot auf den staubigen Straßen ausgebreitet und
Müllinseln um radlose Großcontainer, die häufig von den Ärmsten durchwühlt, kaum aber von einer organisierten Abfuhr geleert werden. Fensterscheiben sind mit Klebeband repariert, bei alten Häusern ist kaum noch Putz, bei neuen (und schon älteren) noch kein Putz vorhanden.

Vielleicht ist das niedrige Niveau an sich noch nicht das Bedrückende, als vielmehr der Gegensatz, wenn wieder einmal an einer zahnlosen, alten Frau, die den ganzen Tag lang ein paar billige Plastikhaarspangen anbietet, gerade wieder einmal das neuste Mercedes-Cabrio vorbeirauscht....

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26.06.00

siehe eigener Bericht "Ansehnliches Nationalmuseum" unter Albanien > Kruja

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27.06.00

Albanien hat traditionell enge Verbindungen zu Italien, nicht nur, daß italienische Truppen im 2. Weltkrieg Albanien besetzten, was wohl eher zu den unrühmlicheren Kapiteln der Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern zählt.
Deutlich wird das nicht nur durch zahlreiche Autos mit italienischem Nummernschild, die neben deutschen Edelkarossen die einzigen ausländischen Fahrzeuge darstellen, die ich bisher hier entdecken konnte, sondern auch durch viele Restaurants und Bars in italienischem Stil.

Vor allem Pizzerien haben zu günstigen Preisen (4 - 8,-- DM) wirklich leckere Speisen und natürlich auch ?original italienische? Pizza. Unter den vorgestern bereits erwähnten Alleen im Zentrum kann man zahlreiche nette Gartenrestaurants, -lokale und -bars finden. Diese vermitteln eine recht angenehme Atmosphäre. Auch die Getränke sind für unsere Verhälntnisse recht günstig, der 1/2 l Bier rund 4,-- DM, 0,33 l Cola in Dosen 1,50 DM, wohlgemerkt in den Restaurants.

Zur Zeit, also im Sommer, scheint sich das Leben überwiegend auf den Straßen abzuspielen scheint. Allerdings ist mit Einbruch der Dunkelheit - naja, nicht schlagartig, aber doch sehr schnell -
Schluß mit dem regen Treiben. Dann sind fast nur noch Männer anzutreffen, Frauen höchstens noch in größeren Gruppen.

Geld kann man im Hotel und etwas besser in Wechselstuben tauschen. Für 100,-- DM bekommt man momentan zwischen 6.500 und 6.730,-- Lek. Auf Tiranas Zentralplatz kann man zudem bei einem der rund hundert Straßenwechsler, die mit dicken Geldbündeln rumwedelnd leicht erkennbar sind, sein Geldtauschglück probieren - ich habe es aber sein lassen, da sie mir zu vertrauenserweckend aussehen. Fliegende Straßenhändler bieten auch völlig offen dicken Goldschmuck zweifelhafter Herkunft an. In dieser Beziehung lassen sich Reisemitbringsel leicht auftreiben...

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28.06.00

Tja, und da war es mit der Liveberichterstattung aus Tirana aufgrund seltsamer technischer Schwierigkeiten bei Dooyoo leider vorbei. Na, wenn da mal nicht die Albanische Mafia dahinter stand - obwohl ich der eher "grobere" Methoden zutraue, als subtile technische Sabotage... Nun denn, das Problem ist behoben, nur mit dem Live-Eindruck ist leider Schluß gewesen.

Gruß MKohlhass
(Izmir, 04.07.00 und herzlichen Glückwunsch allen Amerikanern zu ihrem heutigen Nationalfeiertag...)


Fazit: