Myanmar (Birma)
Myanmar : Arme Teufel und goldene Pagoden - Myanmar (Birma) Reiseziele international

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Neuester Testbericht: ... Touristen geschleift werden. Hier essen noch einheimische Großfamilien zusammen auf Decken am Boden. Das ist ein unglaubliches Flair. Man k... mehr

Myanmar : Arme Teufel und goldene Pagoden
Myanmar (Birma)

linus12

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Myanmar (Birma)

Datum: 28.12.10, geändert am 28.12.10 (283 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Reise in eine goldene Vergangenheit

Nachteile: Armut der Bevölkerung

2000 und 2003 war ich in Myanmar (früher Birma (engl.) oder Burma (deutsch) ). Die erste Reise, die ich allein durchführte, mußte ich wegen eines Hundebisses mit Verdacht auf Tollwut leider abbrechen. 3 Jahre später habe ich es nochmal mit meiner Frau versucht und geschafft.
Den Bericht schreibe ich, da Myanmar kein traditionelles Urlaubsland ist, meiner Meinung nach aber viel mehr zu bieten hat als andere Länder der Region.


Dieser Bericht bezieht sich auf Rucksackreisen und enthält eher praktische Informationen (so lyrisch gut wie andere Dooyoos z.B. Templerthomas kriege ich es nämlich nicht hin).

Im ersten Bericht werde ich eher etwas global auf Reisen im Land eingehen. Einzelne Orte werde ich in weiteren Berichten beschreiben.
Meine Quellen für die ganz harten Fakten sind: Homepage des Auswärtigen Amtes und da wo die Erinnerung nachläßt, habe ich nochmal in meinem Reiseführer "Reise Know How" nachgeschaut.

------ Landesinformationen ---------

Quellle : www.auswertiges-amt.de (Stand März 2010)

Größe : 676.577 qkm
Hauptstadt : Nay Py Taw
Einwohner : 59.1 Mio
Regierungsform: Militärregierung
Jährliches Pro-Kopf-Bruttoinlandprodukt: ca. 431 US$



------ Warum sollte man nicht nach Burma gehen -------


- Myanmar ist eine Militärdiktatur, die man durch seinen Besuch unterstützt (andere touristische Länder sind allerdings auch nicht unbedingt demokratisch)

- Myanmar ist arm. Ich bin ganz gut in Asien herumgekommen. In Myanmar hat man im Gegensatz zu anderen Ländern den Eindruck, daß hier wirklich die Masse der Menschen ums Überleben kämpft. Das ist nicht vergleichbar mit Indien oder Vietnam.

- Selbst an touristischen Orten (z.B. Bagan) sieht man Kinderarbeit. Damit meine ich nicht, daß ein Kind seinen Eltern auf dem Markt oder in der Landwirtschaft hilft, sondern Kinder im Straßenbau bei 40°C oder Nachts als Bedienung (vieleicht 10 Jahre alt) schlaftrunken in großen Raststätten.

- Ganz schlechte medizinische Versorgung: Ein guter Arzt impliziert nicht das Vorhandensein von Medikamenten. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist groß. Aus der Gemengelage des tropischen Klimas und Straßenschmutz kommt es schnell zu Entzündungen bei kleinsten Wunden. Deshalb würde ich nicht mit kleinen Kindern dorthin reisen. Man sieht natürlich auch Touristen mit Kindern dort, denen es offensichtlich gut geht.


------ Warum sollte man nach Burma gehen -------------

- Pagoden: Myanmar hat meiner Ansicht mit seinen Pagoden mit die interessantesten Bauwerke weltweit. Diesen Vergleich ziehe ich mit Bauwerken wie Angkor Wat (Kambodscha) oder dem Taj Mahal. Was in Myanmar golden aussieht, ist oft noch echtes Gold.


- Die Pagoden sind keine Museen oder Tempel, durch die Touristen geschleift werden. Hier essen noch einheimische Großfamilien zusammen auf Decken am Boden. Das ist ein unglaubliches Flair. Man kann da stundenlang zuschauen.

- Nachdem man in solchen Ländern und speziell in Burma war und den Überlebenkampf gesehen hat, sieht man einiges in Miteleuropa entspannter und ist ein glücklicherer Mensch.

- Von der Militätdiktatur selbst kriegt man im Land selbst nicht viel zu sehen. In anderen Ländern ist sie Militärpräsenz höher.


----- Einreise / Anreise ---------------------

Für die Einreise ist ein Visum notwendig. Das Visum kann man bei der Einreise erhalten. Kosten sind lt. Botschaft von Myanmar 25 EUR oder 30 US$. 2 Passfotos sind mitzubringen.

Die Einreise für einen längeren Aufenthalt ist nur über den Luftweg möglich. Es gibt Grenzübergänge nach Thailand. Soweit ich das weiß kann man über Mae Sai (Thailand) nach Tachileik (Myanmar) für einen Tag (Tagesvisum) einreisen. Das wird von organisierten Reiseveranstaltern benutzt, damit die Neckermänner dieser Welt auch mal da waren.

Internationale Flughäfen gibt es in Yangon (Rangoon) und Mandalay. Flüge dorthin von Europa können teuer sein. Eine günstigere Alternative ist die, nach Bangkok zu fliegen und sich dort sein Ticket zu kaufen. Bei mir hat das zwei Mal sehr gut in der Kaho San Road funktioniert. Jedesmal bin ich am Tag danach weggekommen. Einmal hatte ich sogar nur ein One Way Ticket und habe den Rückflug von Yangon nach Bangkok in Yangon gebucht.
Ich hatte allerdigs mein Visum schon und bin mir nicht sicher ob man mit einem One Way Flug und Visum on Arrival nicht Probleme bekommt.

----- Geld ----------------------------------

Währung ist der Kyat (spricht sich Tschat), den es in sonderbaren Stückelungen gibt (z.B. 45 Kyat Schein).

Einige touristische Leistungen sind in harter Währung zu bezahlen.

Das sind :
- Hotelübernachtungen
- Bahnfahrten
- Eintrittspreise (die oft nur Ausländer zahlen)
- Überlandbusse (?)

Den Kyat braucht man spätestens wenn es um das Essen geht trotzdem.
Es gibt erst einmal kaum Banken, die einem Geld wechseln. Die Kurse sind extrem schlecht. Es gibt auch offizielle Geldwechsler an touristischen Orten (Bagan) mit schlechten Kursen.
Geldautomaten: Dream on !
Die einzige sinnvolle Möglichkeit, die es gibt, ist "schwarz" zu tauschen. Dabei wird man oft schon im Taxi vom Flughafen angesprochen. Ich habe das jedesmal abgelehnt, da ich nicht einmal wußte, wie das Geld aussieht.
Bei meiner ersten Reise wurde ich dann an der Rezeption im Hotel angesprochen. Ich tausche 50 US$ und stellte fest, daß ich damit ein ähnliches Preisniveau wie in Thailand hatte.

Bei meiner zweiten Reise weigerte sich das Hotel. Hungrig zogen wir durch Yangon und fragten bei Goldschmuckhändlern nach. Einer tauschte uns dann US$ in Kyat. In Bago lehnte ein Goldschmuckhändler mit ängstlichem Blick ab, im Hotel klappte es. In Bagan fing uns ein Souvenierhändler an einer Wechselstube ab. Die Kurse waren immer sehr ähnlich.
Fazit: Mitarbeiter in Hotels / Goldschmuckhändler / Souveniershops tauschen manchmal. Irgendein höheres Risiko scheint für die Einheimischen dabei zu sein.

------ Kosten --------------------------------

Myanmar ist ein günstiges Reiseland. Als ich dort war, gab es einen Zwangsumtausch von 300 US$. Während der zweiten Reise, die ca. 3 Wochen dauerte, habe ich diese 300 US$ nicht ausgegeben können.
Ich habe immer Low Budget gewohnt. Einige Preisbeispiele aus meiner Erinnerung:
Teuerstes Hotel : Oben am Goldenen Felsen Kyaik-htiyo ca. 20 US$ (alle anderer < 10 US$)
Mahlzeit: ca 2 US$
Eintrittspreise : < 10 US$
Zugfahrt Yangon - Bago : 5 USD
Fahrrad für einen Tag im Hotel nachgefragt (kein professioneller Verleih): 2-4 US$
Trotzdem: Ich würde etwas mehr Geld mitnehmen. Es gibt keine Automaten. Im Falle einer Krankheit, vieleicht noch mit Rücktransport, zählt nur Bares.


----- Reisen im Land --------------------------

Bahn:
Die Schlangen an den Ticketcountern sind lang. Als US$ Kunde wird man nach vorne gebeten. Die Preise selbst sind günstig. Der Bahnhof von Yangon ist übersichtlich. Allerdings hatte man zumindestens damals keine Chance, eine Bahnsteignummer herauszufinden (andere Schrift). Es blieb mir nichts anderes übrig als mein Ticket den Leuten zu zeigen und zu fragnen. Als ein anderer Zug eintraf, gingen die Leute teilweise in einem wilden Chaos durch die Fenster hinein. Ich machte mich, als mein Zug kam auch nahkampffertig (alles in einen Rucksack, keine Wertsachen in den Hosentaschen) und war als einer der ersten im Waggon.
Oh Wunder: Im Waggon war ein Schaffner, der mich an meinen Platz brachte. Jeder bekam seinen Platz. Keiner mußte stehen. Ich habe nicht verstanden warum so ein Gedränge ausbrach.

Bus:
Alles Unangenehme, was für die Länder der Region gilt, trifft auch auf Myanmar zu:
- der Bus steht stundenlang bis er voll ist
- wenn er voll ist klappert er alles Mögliche ab um nicht doch noch einen Fahrgast mehr zu finden
- extrem geringe Reisegeschwindigkeiten (mehr als 300 km pro Teilstrecke sollte man anfangs nicht einplanen)

Positiv:
- teilwiese sind Busse umfunktionierte LKW's auf deren Ladeflächen Bänke stehen: So kriegt man wenigstens Luft
- wenn kein Mönch im Bus ist, kriegt man als US$ Zahler manchmal den besten Platz neben dem Fahrer.

Mir selbst paßt es eigentlich nicht bevorzugt zu werden, oft merkt man es allerdings gar nicht bzw. es ist auch kein anderer Platz frei.

Stadtverkehr im Mandalay:

Auch so eine Art LKW mit Bänken auf der Ladefläche. Man kann sich auch von außen auf die Ladeflächenbegrenzun stellen und hängt dann außen dran. Ich habe das mal gemacht und es war besser als auf der fensterlosen "Ladefläche".

Stadtverkehr mit Fahrrad:

Es hat mehrmals funktioniert in einem Hotel einfach nach einem Fahrrad zu fragen. Man organisierte dann blitzschnell eins irgendwo her für wenig Geld.

----- Menschen -------

Allein vom Aussehen unterscheiden sich die Menschen von allen anderen Ländern. Man(n) trägt einen Wickelrock. Frau hat Ihr Gesicht mit Thanaka (weißlich gelbe Paste) bestrichen.
Mit den Menschen in Erstkontakt zu kommen ist nicht schwer. Allerdings erlauben die Englischkenntnisse oft keine tiefere Konversation. Wenn man sich unterhält, ist man oft beim Thema der unmenschlichen Lebensbedingungen in Myanmar. Die meisten führen einen Überlebenskampf. Trotzdem wird man in diesen Gesprächen nicht angebettelt.

------ Gesundheit -----

Kleiste Verletzungen können in dieser Region größere Wirkungen haben. Ich bin schon drei Mal (zweimal davon in Myanmar) mit infizierten "Wunden" beim Arzt gelandet.
Meine Empfehlung: unbedingt Verbandszeug, Pflaster und ein Breitbandantibiotikum mitnehmen

------ Sehenswerte Orte ----

Die unten aufgeführten Orte werde ich in den nächsten Wochen beschreiben. Voraussetzung dafür ist: Jemand liest diesen ersten Bericht

- Yangon mit Shwedagon Pagode : Eines der schönsten religiösen Bauwerke, die ich überhaupt gesehen habe
- Bago : Stadt auf dem Weg zum Goldenen Felsen mit großem liegendem Buda und Kloster gut mit dem Fahrrad zu erkunden
- Goldener Felsen von Kyaik-htiyo : Ein goldener Felsen auf einem Berg, der durch ein Haar Buddahs im Gleichgewicht gehalten wird ist für mich das Highlight des Landes
- Bangan : historische Tempelstadt mit > 2000 Sakralbauten (Quelle Wikipedia), gut mit dem Fahrrad zu erkunden
- Mandalay : zweitgrößte Stadt, lt. Reiseführer ein Muß, na ja
- Inle Lake: Süswassersee, bekannt durch die Einbeinruderer


Mein Fazit: In Myanmar hat man noch die Möglichkeit selbst zu Reisen und in eine märchenhafte Vergangenheit einzutauchen, die bitter für die dort lebenden Menschen ist.

Meine Bewertung:
5 Sterne vom touristischen Standpunkt aus
0 Sterne wegen der Armut und innenpolitischen Situation
Aufgerundetes Mittel: 3 Sterne

Fazit: Eine Reise wert, wenn man sich der Probleme des Landes bewußt ist