


Produkttyp: Atlus Playstation-2-Spiele
Neuester Testbericht: ... nicht nur zahlreich, sondern auch sehr vielfältig, was grundsätzlich für ein hohes Maß an Abwechslung sprechen dürfte. Im weiteren Ver... mehr
Sturm im Wasserglas
Tsugunai (PS2)

Name des Mitglieds: Yasmina24
Produkt:
Tsugunai (PS2)
Datum: 05.03.06
Bewertung:
Vorteile: Mystisches Fantasy-Flair, nette Rahmenhandlung, taktische Elemente, Soundtrack, Erfahrungspunktejagd
Nachteile: Zu unspektakuläres Design, leblos wirkende 3D-Grafik, kaum Spezialeffekte, nur Importversion
Reinrassige Rollenspiele (also keine Pseudo-RPGs in Form eines Action-Adventures oder Actionspiels à la Diablo, Baldur’s Gate oder Champions of Norrath) gehören in Europa zur absoluten Minderheit, ganz im Gegensatz zum fernöstlichen Japan, in dem es quasi von Monat zu Monat nur so von Rollenspielen wimmelt. Immerhin erreicht ab und zu ein solches „Role Play Game“ den amerikanischen Kontinent, so dass sich Besitzer/innen einer US-Playstation 2 oder zumindest einer entsprechend umgebauten Spielkonsole Sonys über den ein oder anderen Titel aus diesem Genre freuen können. „Tsugunai“ ist ein solches Rollenspiel, welches zwar nie als Pal-Version Europa erreichte, dafür aber immerhin als US-Fassung im Jahr 2002 erschien und dementsprechend ins Englische übersetzt wurde. Eingefleischte Fans von Rollenspielen dürften ohnehin schnell gemerkt haben, dass ihre Playstation 2 der US-Norm entsprechen musste und griffen aller Voraussicht nach dann auch relativ gierig zu, als dieses von Atlus entwickelte RPG auf dem US-Markt erschien.
Unserem Hauptcharakter geht es jedenfalls zu Beginn des Abenteuers nicht besonders gut. Als Schatzsucher und Plünderer von Grabkammern trieb dieser sich eines Tages in einem versunkenen und längst vergessenen Tempel herum und stahl kurzerhand zahlreiche wertvolle Artefakte aus jener mystischen Gegend. Lange konnten wir (selbstverständlich übernehmen wir schon nach sehr kurzer Zeit die Kontrolle jener Spielfigur) uns an der Beute jedoch nicht erfreuen, denn tragischerweise zogen wir durch den Diebstahl den Zorn der Götter auf uns, die uns nicht ungeschoren davon kommen lassen wollten. Es kam schließlich so, wie es fast schon kommen musste, wir wurden Opfer eines fürchterlichen Fluches und letztlich unserer körperlichen Hülle beraubt und müssen Buße für unser Vergehen tun. Als Geist suchen wir das nahegelegene Städtchen Walondia auf und helfen der dortigen Bevölkerung regelmäßig bei der Lösung unterschiedlicher Probleme. Wie zu erwarten war, sind die uns gestellten Aufgaben nicht nur zahlreich, sondern auch sehr vielfältig, was grundsätzlich für ein hohes Maß an Abwechslung sprechen dürfte. Im weiteren Verlauf des Spiels helfen wir sowohl kleinen Dorfjungen, unglücklichen Töchtern, hilflosen Mönchsanwärtern aber auch gestandenen Söldnern aus der Klemme, die Lösung der jeweiligen Probleme liegt dabei oft im Aufsuchen bestimmter Örtlichkeiten und unter anderem auch Aufspüren spezieller Gegenstände.
Ganz so einfach, wie sich dies möglicherweise auf Anhieb anhören mag, ist das Ganze natürlich nicht, denn nahezu unentwegt stellen sich uns bösartige Kreaturen in den Weg, diese schnellstmöglich zu eliminieren ist sozusagen Pflicht. Ob in Waldgebieten, düsteren Dungeons, Schiffen oder antiken Ruinenstätten: besonders willkommen sind wir offensichtlich nirgendwo. Natürlich braucht es im wahrsten Sinne des Wortes schlagkräftige Argumente, um die Feinde aus dem Weg zu räumen, in den rundenbasierten Kämpfen kommt sowohl der Einsatz spezieller Gegenstände, physische Attacken, Magiesprüche und sogar das Beschwören mächtiger Monster zum Einsatz, doch das ist noch nicht alles: interessant ist hier bei „Tsugunai“ die zusätzliche Möglichkeit, feindlichen Angriffen reaktionsschnell ausweichen zu können oder diese notfalls auch blitzartig zu blocken. Dies bringt deutlich mehr taktische Elemente in die Auseinandersetzungen als oft so üblich und ist dementsprechend positiv zu werten, finde ich. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase solltet Ihr zudem in der Lage sein, des Öfteren eine Konterattacke anzubringen, dies erfordert aufgrund des hohen Maßes an Geschicklichkeit und vor allem Reaktionsschnelligkeit zwar etwas Übung, die relativ einfach zu bedienende Steuerung sollte Euch dabei aber nicht im Wege stehen. Überhaupt gestaltet sich die Benutzerführung sowohl in den Menüs als auch Kämpfen als sehr benutzerfreundlich und trotz der eher simplen Ausführung der entsprechenden Manöver gestaltet sich das Kampfsystem als erfreulich anspruchsvoll und zudem interessant. Schließlich füllt sich der sogenannte „Strage“-Energiebalken mit quasi jeder erfolgreich absolvierten Abwehr, so dass Ihr (Final-Fantasy-Fans wird dies wahrscheinlich sehr bekannt vorkommen) beim Erreichen der 100%-Marke eine wuchtige Spezialattacke ausführen könnt.
Nicht nur physische, sondern natürlich auch magische Elemente findet Ihr in den zahlreichen Kämpfen vor, die benötigte magische Energie wohnt den Runnenkristallen inne, die Ihr Euch entweder aus mehreren (im Laufe des Abenteuers aufgesammelten) Kristallsegmenten zusammenbasteln könnt oder gegen eine entsprechende Geldsumme im örtlichen Laden bei einem Eurer mehreren Einkaufsbummel käuflich erwerben könnt. Das Endprodukt eines solchen Zauberkristalls fügt Ihr in ein Amulett ein, zieht es Eurer Spielfigur an und schon könnt Ihr drauflos zaubern, was das Zeug hält. Natürlich gibt es sowohl Angriffs-, Verteidigungs- als auch Heilzauber, je nach Belieben kombiniert Ihr die Edelsteine mit vorhandenen Amuletten, so dass unter anderem Magiezauber wie Cure, Flame, Venom oder auch Tundra und Plasma zur Anwendung kommen. Erfreulicherweise wurde mir jedenfalls „Tsugunai“ nicht so schnell langweilig, zumal es an mir bzw. meiner Geschicklichkeit in den Kämpfen lag, ob mein Held ziemlich schnell stärker wird oder doch eher nur schleppend vorankommt.
So nett die Hintergrundgeschichte, so interessant die einzelnen Kämpfe, so eingängig die simple Steuerung auch sein mag, so bieder kommt dieses Rollenspiel leider in grafischer Hinsicht daher. Zwar möchte ich „Tsugunai“ nicht unbedingt als hässlich bezeichnen, doch wirkt die 3D-Optik alles andere als spektakulär. Verhältnismäßig (für ein „immerhin“ Playstation-2-Spiel) undetaillierte Hintergründe bzw. einfache Texturen, eine größtenteils eher langweilige Farbgebung, zu klobig und durch starre Animationen leblos wirkende (wenn auch angenehm große) Figuren und viel zu wenig Spezialeffekte, vor allem in den Kämpfen und bei den Zaubersprüchen und erst recht Beschwörungen, so sieht es unter dem Strich im Hinblick auf die uns präsentierte Grafik aus. Zwar ist gerade bei einem Rollenspiel die Grafik nicht das Wichtigste (Geschichte, Spielverlauf und Identifikation mit den Charakteren ist hier wichtiger), doch nicht zuletzt seit den berühmten Final-Fantasy-Teilen oder auch Chrono Cross wissen wir, was eigentlich möglich ist und demzufolge bin ich dann doch etwas enttäuscht von der biederen Optik.
Apropos „Chrono Cross“, was die Musikuntermalung angeht, so ist diese besser gelungen als die mäßige Grafik. Verantwortlich für den Soundtrack war eben jener Yasunori Mitsuda, der unter anderem eben auch Chrono Cross (aus meiner Sicht eines der besten Rollenspiele auf einer Spielkonsole überhaupt, leider auch nur als US-Version für die alte Playstation erschienen) mit Musikstücken versorgte. Ganz so überragend wie bei jenem prachtvollen RPG-Abenteuer ist der Soundtrack hier bei „Tsugunai zwar nicht gelungen, doch die keltischen Melodien stets gut zum momentanen Spielgeschehen und unterstützen hier die mystische Fantasy-Atmosphäre wirklich stimmungsvoll. Schließlich bleibt alles in allem ein durchaus erwähnenswertes Import-Rollenspiel übrig, welches für Fans dieses Genres angenehme Unterhaltung für einige Tage oder auch wenige Wochen bietet, über alle Maßen faszinierend ist es aber wiederum auch nicht. Dies mag nicht nur an der tristen grafischen Präsentation liegen, sondern auch daran, dass der Funke nie 100%ig auf mich überspringen wollte, sowohl was den Hauptcharakter, die sonstigen Figuren als überhaupt den gesamten Handlungsstrang betrifft. Möglicherweise bin ich mittlerweile auch zu verwöhnt gewesen von Final Fantasy, Chrono Cross, Legend of Dragoon & Co. und erwarte dementsprechend von einem RPG aus dem Jahr 2002 für die Playstation 2 einfach mehr. Insgesamt möchte ich „Tsugunai“ als ganz nettes Fantasy-Rollenspiel bezeichnen, welches zwar keine richtig großen Mängel aufweist, aber aufgrund des fehlenden Feinschliffs ebenso nicht in der Lage ist, Begeisterungsstürme oder gar einen Suchtfaktor zu entfachen. Somit greifen eigentlich nur ausgehungerte Rollenspielfans zu, was dieses US-RPG betrifft, dass viele von Euch von diesem Import-Abenteuerspiel wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben, verwundert mich demnach auch nicht unbedingt.
Fazit: Solides RPG, leider nur als Import erhältlich.
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