Myst 3 - Exile (PC)
Es darf gerätselt werden! - Myst 3 - Exile (PC) PC Spiele

Neuester Testbericht: ... auch: Myst 3 - Exile Systemvorraussetzung: - Pentium 233MHz - Windows 95/98/ME/XP - 64 MB RAM - 200 MB Festplattenspeicher - 4x CD... mehr

Es darf gerätselt werden!
Myst 3 - Exile (PC)

QPhalanx

Name des Mitglieds: QPhalanx

Produkt:

Myst 3 - Exile (PC)

Datum: 03.12.01, geändert am 03.12.01 (70 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Top Grafik & Sound -> Atmosphäre, Motivation

Nachteile: Einmal durchgespielt - danach nicht mehr interessant, etwas schwache Story (allerdings kaum von Bedeutung

Vollkommen abwegig von meinen sonstigen PC-Game Vorlieben kam ich neulich auf die fixe Idee, ich bräuchte auch mal etwas anderes, zur Entspannung sozusagen. Mehr durch Zufall stieß ich dabei auf "Myst III - Exile", und mit einer Kurzschlußreaktion hatte ich es innerhalb von 5 Minuten schon über eBay für 55DM ersteigert. Das der spontane Kauf mich später noch stundenlang beschäftigen konnte, ahnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht... doch erst einmal ganz von vorn:


-- Installation --
Recht zügig geht die Installation von Hand, zumindest insofern man die kleine Variante von ca. 240MB wählt. Alternativ kann man die 4 CD's (!) auch komplett auf die Festplatte kopieren, was aber auch 2,4GB in Anspruch nimmt. Im Hinblick auf künftige Games und meinen Hand, nichts deinstallieren zu wollen (wer weiß - vielleicht braucht man's ja noch mal) entschied ich mich für die kompakten 240MB.


-- Konfiguration --
Viel gibt es nicht einzustellen - Direct 3D oder Software, Mauszeigergeschwindigkeit, Bildschirmkontrast und Sounds sind nun wirklich nicht viel. Zusätzlich kann der Zip-Modus aktiviert werden, mit dem man sich von Zeit zu Zeit zügiger vorwärts bewegen kann, dabei aber auch einiges verpaßt. Das war's auch schon, und das Spiel kann gestartet werden!


-- Story --
Die Story ist zugegebenermaßen für Myst-Neulinge wie mich recht verworren und undurchsichtig, wer die beiden Vorgänger gespielt hat mag das vielleicht anders sehen. Was ich begriffen habe ist, daß man einem gewissen Atris ein Buch zurückbringen muß, daß ein übler Zeitgenosse mit einem unaussprechlichen Namen vor den Augen des Spielers und Atris selbst gestohlen hat. Ich bin dann recht zügig dahintergekommen, daß die Bücher jeweils Welten in sich darstellen und nur mit Hilfe der Bücher auch dorthin gereist werden kann.
In diesem Fall reist man dem "Bad Guy" also hinterher in die Trainingswelt Inanin, wo man zu hören bekommt, daß
man sich schon beeilen muß um das gestohlene Buch ("Releeshen" - wenn mich nicht alles täuscht) ihm wieder abzunehmen und sicher zurückzubringen. Ich meine herausgefunden zu haben, das "Releeshen" eine wunderschöne Welt samt Bewohnern darstellen soll, wodurch die Wichtigkeit des Buches gleich belegt ist.
Von Inanin aus begibt man sich also auf die Rätsel-Reise, um letztlich über 3 andere Trainingswelten (zwecks Sammeln von Symbolen) Zugang zu der letzten Welt zu bekommen, wo dann der "Showdown" stattfindet. Wie die Story endet liegt übrigens in der Hand des Spielers - insgesamt 6 verschiedene Enden gibt es zu entdecken!
Diese schon etwas seltsame und im Grunde nicht wirklich spannende Storyline zieht sich anhand von Zetteln und kleinen Videos weiter durch das Spiel, sollte aber nicht überbewertet werden - denn in "Myst III - Exile" geht es hauptsächlich um eins: Ein scheinbar unmögliches Rätsel nach dem anderen zu lösen.


-- Gameplay --
Als erste wirkliche Neuerung in der Myst Reihe hat man in Teil 3 statt fest eingestellten Screens die volle 360° Freiheit. Das bedeutet im Klartext, daß man sich wie gewohnt in der First-Person Perspektive durch Klicken in die jeweilige Richtung weiterbewegt, sich aber an jedem weiteren Punkt in alle Richtungen umsehen kann. Oben, unten, links oder rechts - überall gibt es neues zu entdecken, und das ausgiebige Umsehen kann sehr wichtig sein um die knackigeren Rätsel zu lösen.
Öffnende Türen, Fahrstühle oder sonstige in Bewegung gesetzte Objekte aber auch Tiere werden mit wirklich gelungenen Vollbild Videos angezeigt und fügen sich nahtlos in die restliche Grafik ein - ohne Ladepausen in Anspruch zu nehmen!
Aus alldem ergibt sich ein fesselndes Gameplay, das seinen Reiz vor allem aus der enormen Grafik zieht und dem Spieler nicht zuletzt wegen der 360° Sicht auch einiges an Orientierungsvermögen abverlangt.


-- Die Welten und ihre Rätsel --

Das erste Rätsel, das sich dem Spieler stellt ist für gewöhnlich die Frage "Was tue ich hier überhaupt?". Man wird in jeder neuen Welt ohne Kommentar oder erkenntliches Ziel aufgesetzt (außer dem Finden des Zeichens und eines Buches) und fühlt sich im ersten Moment jedesmal aufs neue geradezu überwältigt von der Flut an Rätseln, Hebeln, Türen und was es noch so alles gibt. Die Landschaft tut meist ihr übriges, da Gebäude wie Gelände auf den Inseln irgendwie seltsam fremdartig und doch vertraut wirken, was dem ganzen einen geradezu mystischen Touch gibt (Erklärung des Namens?..). Erst nach und nach begreift man zumeist, was alles in Bewegung zu setzen ist und was wiederum damit bewirkt wird, so kämpft man sich fortan von einem durchweg logischen Rätsel zum nächsten und sieht zu, was die grauen Zellen hergeben können.

--> Inanin:
Die wohl beeindruckendste Welt ist die Verbindungsinsel zwischen den 3 anderen Trainingsinseln und vereint diverse logische Sachgebiete in sich. Licht, Klang und Kräfte (Schwerkraft & ähnliches) spielen hier eine Rolle, um weiterzukommen. Besonders reizvoll ist der Strand mit seinen kleinen Grasbüscheln - gelegentlich habe ich mich regelrecht wie im Urlaub gefühlt. Allerdings auch nur, bis ich wieder vor einer verschlossenen Tür stand (wäre mir im Urlaub nicht passiert..). Doch richtig interessant (und schwierig) wird es erst in den darauffolgenden Welten:

--> Edanna:
Das nächste optische Schmankerl wartet mit der Insel "Edanna" auf, die praktisch nur aus einem Baum besteht - der allerdings "nach innen" gewachsen ist. So verwirrend wie sich das anhört ist es tatsächlich auch, die Fauna ist beachtlich detailliert dargestellt und sogar ein paar Tiere finden sich innerhalb des Baumes. An jedem Wegesrand steht wieder ein anders geformtes Blümchen, während Blätter im Zusammenspiel mit Nebel herrlich atmosphärische Lichteffekte hervorrufen. Doch die Fülle an Natur ist auch die größte
Schwierigkeit des Levels, so hat man oftmals doch Probleme auf dem Weg zu bleiben oder Abzweigungen zu erkennen. Die Rätsel beschränken sich zum größten Teil auf das Hauptthema Licht, gelegentlich tauchen auch anderweitige Rätsel auf, die meist mit der Natur und deren Tieren im Zusammenhang stehen. Besonders gefallen hat mir hier die enorme Grafik, besonders die Tiere wirken wirklich sehr lebendig und füllen die sonst recht starren Welten mit angenehmen Leben.

--> Voltaic:
Diese Insel ist von roten Felsen und metallischen Oberflächen und Gegenständen geprägt und wirkt demenstprechend schon sehr technik-geprägt, was sich auch bestätigt. Hier geht es viel um Elektrizität, Wasser und Wasserdampf inklusive dem daraus resultierendem Druck. Die Rätsel sind durch die gegebene Szenerie auch relativ leicht zu verstehen und durchweg logisch. Die Animationen sind wie üblich besonders sehenswert, speziell die Türen öffnen sich jedesmal mit viel Liebe zum Detail und in den originellsten Art und Weisen.

--> Amateria:
"Amateria" ist die Insel, die mich fast in den Wahnsinn getrieben, aber dabei doch so viel Spaß gemacht hat. Hauptthema ist hier Bewegung, Gewicht und viel, viel logisches Denken. Fast das ganze Level besteht aus hexagonalen (sechskantigen) Flächen, über die man zu im Vergleich wenigen Rätseln geführt wird. Doch diese haben es in sich, fast jedes dreht sich um Kugeln und deren Laufverhalten. Ein besonders hartes Stück war die Waage, bei der man eine Kugel selbst aus bestimmten Teilen zusammensetzen mußte um ein Gleichgewicht zu erhalten - die Gewichtsverhältnisse sind übrigens gar nicht erst in dieser Welt zu finden, sondern in Inanin, aber mehr möchte ich auch nicht verraten... nur so viel sei gesagt, ich habe aus Spaß mal die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten an Waage und Kugelteilen ausgerechnet: es gibt 2106 verschiedene - ausprobieren bringt einen also kaum weiter.
Die Welt ist optisch betrachtet ziemlich ansehn
lich gestaltet und vor allem übersichtlich - eine Eigenschaft, die speziell auf Edanna gefehlt hat (obwohl sie dort natürlich auch unpassend gewesen wäre). Besonders gut gelungen ist die Sequenz, die man erst zum Schluß des Levels aktivieren kann. "Achterbahn" wäre ein passender Ausdruck dafür...

--> Narayan:
Hat man also alle Symbole beisammen und herausgefunden was nun damit zu tun ist, kommt man in die letzte Welt: Narayan. Hier wartet lediglich ein einziges, finales Rätsel auf den Spieler - aber das hat es in sich. Ich habe Stunden damit verbracht, logische Zusammenhänge und Kombinationsmöglichkeiten zu suchen, bis ich endlich mehr durch Zufall auf die Lösung gestoßen bin - mehr möchte ich auch gar nicht erzählen.


-- Atmosphäre (Grafik und Ton) --
Wie schon desöfteren erwähnt ist die Grafik ein wahrer Augenschmaus, auch wenn man im ersten Moment etwas enttäuscht ist - spätestens auf Inanin ändert sich dieser Eindruck. Aber die spezielle Atmosphäre baut sich erst im Zusammenspiel mit der Geräuschkulisse auf. Im Hintergrund spielt eine dezente Musik, die jeweils sehr gut zum gebotenen Szenario paßt und in bestimmten Situationen auch mal druckvoller werden kann, die meiste Zeit aber ruhig bleibt. Dann wären da noch die Klänge der Maschinen, Tiere, Pflanzen und was es noch alles zu entdecken gibt. Sie alle wirken erst durch ihre Geräusche besonders realistisch, es scheint als wären diese Maschinen extra in Realität gebaut worden um den exakten Klang zu bekommen (übrigens sind manche Rätsel ohne sauberes achten auf die Geräusche nicht mal lösbar!).
Diese Elemente zusammen bewirken eine hervorragende Atmosphäre, die man schon durchaus mit dem "Suchtfaktor" von beispielsweise "Command & Conquer" vergleichen kann. Immer wieder bekommt man eine neue Idee, die noch ausprobiert werden will; man findet Orte an denen man noch nicht war - und so ziehen die Stunden dahin ohne daß man es wirklich bemerkt. r>

-- Fazit --
"Myst III - Exile" hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Da ich sonst leidenschaftlicher 3D-Shooter Zocker bin, hat es ein anders gerichtetes Spiel schon schwer mich zu fesseln, aber dieses hat es geschafft. Die atemberaubende Grafik, der Klang und die vielen Rätsel, die gelöst werden wollen machen das Spiel zu einer wahren Sucht. Selbst wenn ich nicht am PC war erwischte ich mich hin und wieder dabei, wie ich über ein Problem grübelte. Das schöne an den "härteren" Rätseln ist aber sicherlich, daß sie nicht nach 5-10 Minuten lösbar sind. Im ersten Moment sieht jedes gleich verwirrend und komplex aus, aber traut man sich erstmal ran entdeckt man jedesmal wieder ein neues Detail was den Spieler einen kleinen Schritt weiter bringt. Dann wiederum gibt es die kleinen Rätsel für zwischendurch, die man nach kurzer Zeit löst, da sie leicht zu überschauen sind oder weil einem ein möglicher Hinweis schon zuvor ins Auge gestochen ist. Da rüttelt auch die etwas schwache Story nichts daran, denn sie rutscht im Verlauf des Spieles immer mehr in den Hintergrund bis sie dem Spieler praktisch egal ist. Sollte ich jetzt unbedingt einen negativen Punkt suchen, dann ist es der: Wenn man das Spiel einmal durchgespielt hat kennt man die Rätsel - es ist also unsinnig, nochmal dran zu gehen. Warten auf den vierten Teil ist also angesagt!
Daher ist es ganz klar: praktisch jeder, der geduldig ist, logisches denken gerne einmal öfter beansprucht und sich nicht scheut, Dingen auf den Grund zu gehen sollte "Myst III - Exile" zumindest einmal probiert haben. Spätestens dann, wenn man einmal die Grafik oder speziell die Animationen bewundern durfte sollten auch die Grafikfetischisten unter uns (ich schließe mich da nicht aus) auch einmal auf Entdeckungsreise gehen und die (lang verloren geglaubten) grauen Zellen wieder aktivieren - es lohnt sich!


--> P.S.: Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und am 27.11.
erstmals auf Ciao.com (ebenfalls unter dem Mitgliedsnamen "QPhalanx") eingestellt - wer meinen Bericht woanders findet, hat einen Faker entdeckt!

Fazit: