Capitalism 2 (PC)
Sandkastenkapitalismus oder eine nette Grafik ist nicht alles - Capitalism 2 (PC) PC Spiele

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Produkttyp: Global Games PC-Spiele

Neuester Testbericht: ... dran. ~~~~~~~ Steuerung: ~~~~~~~ Die Steuerung erfolgt ausschließlich mit der Maus, damit baut man Wege, Attraktionen und stel... mehr

Sandkastenkapitalismus oder eine nette Grafik ist nicht alles
Capitalism 2 (PC)

MatthiasHuehr

Name des Mitglieds: MatthiasHuehr

Produkt:

Capitalism 2 (PC)

Datum: 08.01.03, geändert am 07.12.06 (835 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: nette Grafik

Nachteile: leider zu viele Schwächen

Capitalism ist unbestritten meine Lieblingswirtschaftssimulation. Der Nachteil an diesem Spiel ist aber, daß es ein reines DOS-Spiel ist und irgendwann ist das genutzte Betriebssystem zu neu, so daß das Programm nicht mehr lauffähig ist. Ein Grund für mich sich den Nachfolger zuzulegen. Die Verpackung sah vielversprechend aus und für 15 Euro konnte man auch nicht viel Geld falsch ausgeben. Da das Spiel ein paar Jahre alt ist, läuft es problemlos auf jedem Rechner ab WIN95 und circa 250 MBytes Festplattenspeicher sind im Verhältnis zu den allerneusten Spielen nicht wirklich viel. Die Installation des Programms ging problemlos und schnell. Erhalten geblieben ist das Grundprinzip des Vorgängers. Man ist Geschäftsführer eines Konzerns und muß Firmen gründen und leiten. Da ich es recht ausführlich in meiner Meinung zu „Capitalism“ beschrieben habe, belasse ich es bei einem Hinweis darauf und beschränke mich auf die unzähligen Veränderungen, die das Spiel aufzuweisen hat.


Positive Neuerungen

Die Firmenzentrale ist ein neues Feature, welche früher unnötig war, jetzt aber noch ein paar weitere Möglichkeiten bietet. Endlich kann ich mir als Geschäftsführer ein Gehalt genehmigen! Während man in der Vorgängerversion ganz philanthropisch umsonst seine Aktionäre zu Reichtum und Wohlstand gebracht hat, bekommt man jetzt ein Gehalt, wenn man eine Firmenzentrale gebaut und darin ein Chefbüro eingerichtet hat. Früher konnte man seinen Anteil an der Firma leider nur aufstocken, indem man als Firma Aktienrückkäufe getätigt hat oder selber mit Hilfe von erhaltenen Dividenden weitere Aktien kaufen konnte. Positiv ist es auch, daß man jetzt nicht nur einen Geschäftsführer einstellen kann, sondern auch einen Marketingchef und einen für Forschung und Entwicklung. Da die persönlichen Stärken der möglichen Kandidaten nicht alle Bedürfnisse abdecken, bleibt so die Möglichkeit sich jeweils die fähigsten freien Leute anzuheuern. Weiterhin ist der nun mögliche
Technologietransfer positiv zu bewerten. Man kann eigene Technologien an andere Firmen verkaufen oder fremde Lizenzen kaufen, wenn der Konkurrent es zuläßt. So kann man beispielsweise einer Tochterfirma einen Vorsprung verschaffen, indem man, falls man einen großen Technologievorsprung hat, der Firma die Technologie verkaufen, damit sie dadurch wettbewerbsfähiger ist. Die zusätzliche Möglichkeit einer firmenweiten Ausbildung durch die Personalabteilung erleichtert die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der gesamten Produktion ungemein, da man jetzt nicht unbedingt jeden Firma einzeln regeln muß, was aber weiterhin möglich geblieben ist.

Medienunternehmen gab es auch schon früher, nur ist es jetzt aber möglich diese auch aufzukaufen. Dieses ist aber nicht nur positiv, denn der Umstand, daß man sie nur kaufen aber nicht selber errichten kann, ist ziemlich unprofitabel. Von Zeit zu Zeit werden diese Firmen zum Kauf angeboten und man kann sie für einen recht hohen Preis erwerben. Einen Fernsehsender in jeder Stadt zu besitzen ist langfristig sehr wichtig, da man so mit extrem viel Werbung auf seinen eigenen Sender seine Markenmacht ausbauen kann und das meiste Geld als Gewinn dieser Firma wieder in die Konzernkasse fließt und so die Werbung eigentlich fast nichts mehr kostet. Das Problem ist aber, daß man fast nur defizitäre Unternehmen kaufen kann, die man erst einmal wieder flott machen kann, indem man das Budget für das Programm erhöht, damit durch die Qualitätssteigerung der Marktanteil steigt. Das dauert aber recht lange, so daß man erst eine solche Firma kaufen sollte, wenn man einen hohen Cash Flow hat.

Endlich ist es auch möglich, seine Vorlagen für die Firmen mit einem Filter zu versehen, so daß das lästige Suchen entfällt. Nachteilig ist aber, daß sämtliche Filter, so auch dieser, nur einmal aktiv sind und nach dem Schließen des Fensters zurückgesetzt werden. Desweiteren ist die automatische Verknüpfung mit Lieferanten eingeführt worden. Das h
eißt, fall einer davon wegfällt, falls sie geschlossen wird, der Einkauf automatisch einen Ersatz sucht, so daß die Produktion weitergeht. Wenn man noch keinen Geschäftsführer für den täglichen Kleinkram hat, wird man dieses zu schätzen wissen.

Einen Punkt muß ich aber noch loben, der mir früher mißfallen hat. Man kann Firmen zum Verkauf stellen oder Firmen, die zum Verkauf stehen, von anderen Konzernen, die sie nicht mehr benötigen oder das Geld brauchen, kaufen. Da früher nur Abriß möglich war, um Firmen loszuwerden, die man nicht mehr haben wollte oder warten bis ein Konkurrent pleite gemacht hat, damit die Baugrundstücke frei wurden, ist das eine wirklich brauchbare Verbesserung. Daß man einen Wirtschaftszyklus von Rezession und Boom eingebracht hat, ist zwar ein netter Versuch mehr Realität zu schaffen, letztendlich wirkt es sich für mich nur spürbar auf dem Immoblienmarkt aus.


Negative Neuerungen

Bin ich der Einzige, der die Grafik zu bemängeln hat? Die Oberfläche sieht zwar recht nett aus, ist aber teilweise recht unpraktisch. Da die Computergegner ein krankhaftes Verlangen haben, Hochhäuser zu bauen und diese verkaufen zu wollen, ist irgendwann die ganze Innenstadt voller „Zu verkaufen“ - Schilder und man sieht nicht mehr viel von der Stadt außer diesen Anzeigen, die nicht ausblendbar sind. Die Anlage der Straßen und somit der Baugrundstücke ist auch nicht optimal. Man hat öfters an ein bis zwei Seiten noch Platz übrig, den man nicht wirklich kommerziell nutzen kann, so daß das Bauland in der Stadt oft nur recht ineffektiv genutzt werden kann. Jedenfalls sehe ich das so. Es gibt verschieden große Fabriken und verschiedene Arten Einzelhändlern. Inwieweit sich die Größe einer Fabrik auf die Kapazität auswirkt, habe ich nicht getestet, ich nehme immer die Größte. Die Möglichkeit der verschiedenen Einzelhändler, in den Spieloptionen wählbar, ist positiv, da ein spezialisierter Laden weniger Geld kostet und weniger Baul
and braucht, aber auch negativ, denn in einem einzigen Geschäft ist man viel flexibler.

Charakterlich haben die Computergegner ein paar extreme Schwächen. Es gibt das bei den Eigenschaften der Computergegner das Bestreben, sich mehr oder weniger am eigenen Unternehmen zu beteiligen. Das gab es schon immer, nur ist die Umsetzung dieser Eigenschaft jetzt eine Zumutung. Mir ist es unangenehm aufgefallen, als ich Firmen aufkaufen wollte. Für Gewöhnlich bedeutet diese Charaktereigenschaft das Bestreben Aktien zu kaufen beziehungsweise als Geschäftsführer Aktienrückkäufe zu unternehmen. Nur ist es in dieser Version absolut unglücklich umgesetzt worden. Ich hatte fast die nötigen Aktienanzahl um die Konkurrenzfirma zu übernehmen, als ich dem Konkurrenten ein Aktienpaket zu völlig überhöhten Preisen abgenommen hatte, und gerade das nächste Gebot abgegeben habe, als die Firma neue Aktien ausgegeben hat, so daß sich der Chef diese aneignen konnte, so daß er einen größeren Anteil wie vorher hatte. Das passierte aber ständig, ist aber völlig unrealistisch. Die Geschäftsführung einer Firma kann nicht so einfach solche Spielchen machen. Bei der ersten Version gab es diesen krassen Zustand nicht, weshalb ich diese Umsetzung als äußerst unzumutbar empfinde.

Die Strategie der Computergegner ist im Verhältnis äußerst armselig. Während ich beim Vorgänger recht harte Gegner hatte, bei denen es auch eine Herausforderung darstellte, jedenfalls bis man dahinter kam, wo ihre Schwächen waren, ist es bei „Capitalism 2“ wie Sandkuchenbacken im Buddelkasten. Ich habe trotz den schwersten Einstellungen keinerlei ernstzunehmende Gegner vor mir. Die Investitionstätigkeit in neue Firmen ist recht schwach vorhanden, lieber investieren sie in Hochhäuser, was ihre Rentabilität absinken läßt. In einem Spiel habe ich den Stärksten Computergegner aufgekauft und diesen mit anderen Firmen fusionieren lassen. Das Ergebnis war, daß ich aus ihm einen Monopolisten basteln konnte
. Und was macht der werte Computergegner? Nach einer anfänglichen Profitsteigerung fangen die Gewinne an zu sinken, so daß der Konzern plötzlich sogar Verluste schreibt. Statt wirtschaftlich zu expandieren, baut er Hochhäuser und macht mit dem Überangebot die Mietpreise kaputt, so daß durch die Unterbelegung nur Verluste auflaufen.

Wie man an diesem Problem sieht, sind die hinzugekommenen Möglichkeiten nicht wirklich eine Verbesserung. Das Problem ist, daß durch die krasse Bauwut der Gegner der Baugrund knapp wird. Will man im späteren Spielverlauf ein Geschäft in der Innenstadt, da man dort mehr Umsatz macht, errichten, so bleibt nur die Möglichkeit, in einem Areal alle Hochhäuser aufzukaufen und wenn man genug Bauland zusammen hat, muß man sie halt abreißen ... ein ziemlich teuerer Spaß. Desweiteren muß ich bemängeln, daß ich die Preisgestaltung der Mieten nicht delegieren kann. Da die optimalen Mietpreise sich nach der Konjunktur richten, muß man ständig die Preise kontrollieren. Zu viel Aufwand für ein Geschäft, bei dem ich unter dem Strich bisher immer nur Verluste gemacht habe.

Ein Problemfall ist auch die Landwirtschaft. Während man früher das Klima und die Fruchtbarkeit beachten müßte, kann man nun auch in einer Stadt mitten im kalten Europa Südfrüchte anbauen. Wenn man ein Spiel komplexer macht, dann sollte man die grundlegendsten Dinge aber nicht unter den Tisch fallen lassen. Desweiteren kann ich mit einer großen Farm nicht einmal den Jahresbedarf einer großen Fabrik decken. In der Vorgängerversion gab es diese krassen Verhältnisse in der Produktion von Agrarprodukten nicht.


Bewertung

Wenn man eine neue Version eines Computerspiels auf den Markt bringt, dann sollte man nicht nur die Grafik moderner gestalten. Wenn man schon die Komplexität nicht wirklich verbessert, denn die meisten Neuerungen sind unbrauchbar, dann kann man nicht von Fortschritt sprechen. Ich habe mir von dieser Version mehr versprochen als eine n
ette 3D-Grafik. Das Spiel bietet anspruchsvollen Spielern keine wahre Herausforderung mehr. Als Anfänger hat man vielleicht ein paar Probleme mit der Komplexität, wenn man wie ich aber schon mit dem Vorgänger gespielt hat, dann fällt auf, daß das Programm sich inhaltlich massiv verschlechtert hat. Die vorhandenen dermaßen inkompetenten Computergegner rauben einem geübten Spieler schnell den Spielspaß. Wer wie ich „Capitalism“ kannte, der wird nicht sonderlich begeistert sein. Blutige Anfänger werden zwar eine Menge Spielspaß haben, da das Programm immer noch die komplexeste Wirtschaftssimulation ist, für mich stellt die neuere Umsetzung keinerlei wirkliche Herausforderung mehr da. Für mich kann das Programm trotz der netten Optik überhaupt nicht das Wasser reichen, da die vorhandenen Schwächen im Spiel durch neue Funktionalitäten nicht kompensiert werden können. Schade daß der Versuch, einen genialen Klassiker zu veredeln, so mißlungen ist.

Fazit: schlechter Nachfolger

Bedienkomfort:    Bedienkomfort
Grafik:    Grafik
Sound:    Sound
Schwierigkeitsgr.:    Schwierigkeitsgr.
Spaßfaktor:    Spaßfaktor