Wilmersdorfer Straße
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Neuester Testbericht: ... bis U2 Bismarck Strasse*** In diesem Teil bin ich so gut wie täglich unterwegs. Zum einen muss ich hier vorne in die me... mehr

Ick lieb Dir immer noch, och wenn ...
Wilmersdorfer Straße

liotou

Name des Mitglieds: liotou

Produkt:

Wilmersdorfer Straße

Datum: 03.06.08

Bewertung:

Vorteile: . . . auf 1,5 Kilometer gibt es ALLES ZUM LEBEN und für den Genuss

Nachteile: . . . der Charme hat sich "verwandelt" aber es gibt ihn noch immer . . .

*** Wilmersdorferstraße in Berlin Charlottenburg ***

Heute möchte ich Euch von der Wilmersdorferstraße in Berlin Charlottenburg erzählen, welche nur ein paar Minuten zu Fuß von meinem Wohnort entfernt ist. Sie ist wohl eine der bekanntesten Adressen der Stadt Berlin und noch immer wert von ihr zu berichten.

schnipp mit Vorwort
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Dieser Bericht wurde am 28.04.2008 im Tagesspiegel in gekürzter Form veröffentlicht. Siehe auch unter: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonderthemen;ar t893,2520769

schnapp
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Wilmersdorferstraße. Ein Tourist wird sie wohl eher selten als Empfehlung bekommen, da sie mit dem Tourismus, trotz ihrer Besonderheit so gar nicht viel zu tun hat. Die Wilmersdorferstraße ist sozusagen ein In- wie Outsider Tipp. Jeder Berliner kennt sie und viele Berliner nutzen sie, obwohl ihr Ruf längst in eine eher eingestaubte und rüchige Schublade verbannt wurde.
Die Wilmersdorfer ist wie eine alte Dame, die einst zu ihrer Jugendzeit nicht ganz "OHNE" war. Früher war sie jung und schön, trug flotte und auch oftmals teure Kleider. Sie strahlte einen fröhlichen, klugen, bürgerlichen, sauberen, hoch geachteten, ehrenwürdigen und pikanten Charme aus, mit Verlaub, etwas unehrenwerten und leicht angehauchten Potential für ein wenig (Augenzwinkern) "leichte Mädchen und Dealer".
Heute ist das einst so flotte wie lebenslustige Mädchen gealtert und ihre klaren Gesichtszüge zeigen nun die Falten einer langen Lebensgeschichte. Noch immer liebenswert und sehr begehrt, aber auch vom Lebenswandel geprägt, erzählt sie nun eine ganz andere Geschichte.

schnipp
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Die Wilmersdorfer ist ein eigenes kleines Stadtzentrum, weil sie umzingelt wird von bekannten Größen ihrer Stadt Berlin. Sie beginnt am Ku-Damm (Adenauer Platz) und endet erst an der Otto-Suhr-Alle (Richard-Wagner-Patz). Somit wird sie mittendrin geschnitten von der berühmten Kantstraße und auch der Bismarckstraße, welche eine Horizontale Allee ist. (Kurzinfo: Wenn man sich mitten auf die Bismarckstraße stellt erblickt das Augen die Siegessäule, den Fernsehturm, den Kaiserdamm, den 17. Juni, den Ernst-Reuter-Platz, den Theodor-Heuss-Platz..., etc. Von Ihr aus kann man kilometerweit sehen ...)
Wie Ihr gerade lesen konntet, befinden sich in meiner Aufzählung berühmte Namen und viele weitere Namen stoßen hinzu, weil die Wilmersdorfer auch von kleineren Straßen wie Schillerstraße, Goethestraße, Pestalozzistraße, Spielhagen etc. durchkreuzt wird. Von all diesen Straßen erblickt man viel Herz Berlin. Leider kann ich nicht sagen "das Herz von Berlin", weil Berlin zu viele Herzen in sich trägt.

schnapp
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Die Wilmersdorfer ist in zwei prägnante Einheiten aufgeteilt, wobei, wenn man von der Wilmersdorfer spricht, eigentlich wirklich nur eine Hälfte von ihr gemeint ist. Diese eine Hälfte ist die "autofreie" Zone, sprich Fußgängerzone.
Fußgängerzone Wilmersdorferstraße erzählt im Laufe ihrer vielen Jahre sehr viele Geschichten. Ich berichte Euch von den letzten 20 Jahren. (So alt bin ich nämlich noch nicht *lach*)


*** 1985 ***

1985 bis ca. 1992 war die Wilmerdorfer ein echter Hochgenuss. Jede Jahreszeit und jede Festlichkeit trug ihr eigenes Kleid. Es waren schöne farbenfrohe Kleider mit Schwung und Eleganz.
Eigentlich eine Einkaufsmeile mit Fußgängerzone, wie sie jede Stadt irgendwo hat. Jedoch Berlin mit seinem eigenen Flair, hat eben auch ne Wilmersdorfer mit eigenem Flair. So ne Straße in Berlin ist doch wat.
Zig Geschäfte und Kaufhäuser, zig Food-Stopps und Restaurants, zig Verkaufsstände auf der Straße vor den jeweiligen Geschäften wie Kaufhäusern, Verkaufsschreier an ihren Ständen, Eiswagen, fliegende Gewerbehändler mit Bauchkasten und Musikanten. Da war schon wat los! Janz im Ernst.

Und in der Mitte der Fußgängerzone ein Brunnen, um "wie auf" dem sich die Menschen mit ihrem Eis oder ihrer Bratwurst in der Hand und den zig Einkaufstüten in der anderen sammelten. Einige erholten sich von ihrem Einkauf, andere nahmen den Brunnen zum Anlass des Plauderns, Kinder spielten die dort wohnten und Hunde genossen planschend das Nass.

*** Zwischenruf ***

Ich schreibe in der Vergangenheit, weil es damals ganz anders war als heute. Vieles hat sich entweder verändert, ist gegangen oder besteht heute noch.

Die Geschäfte wie Kaufhäuser möchte ich nicht alle namentlich nennen oder gar aufzählen. Ich möchte nur eindeutig sagen, dass es viele Geschäfte waren mit Rang und Namen, egal ob teuer oder preiswert. Es gab eigentlich keinen bekannten Namen der nicht in der Wilmersdorfer vertreten war. Hier konnte, ob nun reich oder arm, JEDER ALLES kaufen.
Die Wilmersdorfer war recht laut. Wie konnte es anders sein, bei all den Menschenmassen und musizierenden Künstlern, bei Kindergeschrei und Verkaufsbrüllern. Gestört hat es niemanden und auch nicht denen, die dort wohnten. Es gehörte nun mal dazu, zumal es in der Wilmersdorfer ab 19 Uhr fast totenstill wurde. Damals hatten die Geschäfte meist nur bis 18 Uhr geöffnet und "schlagartig" wurde die Wilmersdorfer ab ca. 19-20 Uhr totenstill. Fast unheimlich, aber irgendwie auch sehr beeindruckend. Die Lösung war, denn auch Anwohner möchten irgendwann ihre Ruhe haben, dass es in der Wilmersdorfer so gut wie keine Cafés gab oder gar Restaurants, wo man draußen sitzen kann.

Wer in der Wilmersdorfer zum Bummeln ging, der kam "niemals" ohne Einkaufstüten nach Hause. Dort fand man immer etwas - und auch Schnäppchen ohne Ende. Es gab alles - alles - alles, und Spaß hatte man auch immer.
Früher konnte man kaum dort gemütlich durchbummeln, weil man sich wirklich durch die Massen drängeln mußte. Der Mittelstreifen mit seinem Brunnen und diversen Sitzmöglichkeiten, aber auch U-Bahnzugängen, erschwerte den Bummel zusätzlich, weil der Platz zum Laufen an verschiedenen Stellen recht eng wurde. Hinzu kamen noch all die vielen Stände vor den Geschäften. Aber wem störte es wirklich? Ich glaube, dass die Leute es dennoch mochten. Reine Psychologie, worauf ich nicht eingehen kann, weil ich sonst vom "Titel"thema abweichen würde. So etwas bringt schlechte Bewertungen (erneutes Augenzwinkern).

Himmel und Menschen täglich, besonders im Sommer und zu bestimmten Festlichkeiten wie Weihnachten und so. Mein Gott, was war da immer los. Unglaublich. Und Ihr wißt ja, wie hübsch es aussieht, wenn zusätzlich überall Lichter blinken in zig Farben.
Zu all dem Verkaufs- wie Einkaufsgewimmel kamen dann auch noch die Hütchenspieler, die Trauben um sich versammelten (Menschentrauben). Heute gibt es diese Spieler schon lange nicht mehr. Ein striktes Verbot nahm diesen Straßencharakter mit sich.


schnipp
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Bevor ich beginne die folgenden Jahre (ich begrenze sie wieder im 10er-Abschnitt) zu beschreiben, möchte ich den Charakter der Wilmersdorferstraße architektonisch näher bringen.


so sieht sie aus - die Wilmersdorfer
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Das die Wilmersdorfer in zwei Hälften geteilt ist vom Straßenbild her hatte ich schon gesagt. Eine Hälfte Fußgängerzone (eher ein Drittel), die andere Hälfte (eher 2 Drittel) normaler Straßencharakter mit Verkehr. Autoverkehr.

Beginne ich mal vom 1. Drittel Start Ku-Damm am Adenauer Platz. Dort befinden sich eher Altbauten mit einer geringen Anzahl etwas älterer so genannter Neubauten. Direkt am Adenauer Platz (Ku-Damm) mit der auch sehr berühmten Mommsenstraße, die von der Wilmersdorfer abgeht, gibt es größere Restaurants und Cafés. Hier kann man auch im Freien stundenlang genießen.
Dort ist die Wilmersdorfer mit Altbauen und wuchtigen Bäumen relativ dunkel. Es gibt langansässige Geschäfte und eine der bekanntesten Döner-Buden der Stadt. Dies gilt ebenfalls für eine Thai-Fast-Food-Bude, die ich persönlich sehr empfehlen kann.
Danach beginnt der Abschnitt Wilmersdorfer-Fußgängerzone. Diese habe ich von ihrem Flair und den Geschäften schon intensiv beschrieben.
Die Architektur ist es wert, dass man sein Augenmerk schon etwas konkreter darauf richten sollte. Den meisten wird gar nicht bewußt, was sie oberhalb der Geschäfte zu sehen bekommen. Ausgenommen der dazwischengefummelten Kaufhäuser, welche jedoch geschickt und relativ unauffällig platziert wurden. Die meisten Häuser sind schmal wie ein Handtuch mit niedlichen Eingängen. Nicht wirklich was Besonderes, aber dennoch lohnenswert zu erwähnen. Früher wohnten hier eher gut betuchte Leute, heute gibt es ne Menge Büroräume oder es haben sich Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte etc. angesiedelt, was natürlich einen enormen Vorteil hat, da die Wohndichte der abzweigenden Straßen hoch ist. Es gibt Schulen, Kindergärten, Spielplätze, Kirchen, Gemeindehäuser und so weiter. Keine abzweigende Straße (Nebenstraße) gleicht der anderen. Jede Straße sieht wirklich anders aus inkl. Breite wie Bepflanzung.

Das letzte Drittel, hinter der Bismarckstraße und einem Kurzteil davor, ist eine relativ ruhige aber auch enorme Geschäftsstraße mit Autoverkehr. Hier wird den lieben langen Tag in zweiter Reihe geparkt. Da freut sich der Staat mit seinen Zusatzeinnahmen. Begrünung gibt es kaum (auch nicht in der Fußgängerzone). Leider. Die Wohnhäuser sind eher schlichte Altbauten wie Neubauten im Mix. Nicht sehr hoch. Maximal 4 Etagen meist ohne Fahrstuhl. Immer wieder dazwischen ein Blickfang an Architektur, meist jedoch eher die Eckbauten. Die Wohnungen selbst sind oft richtig groß und eigentlich viel zu teuer. Manche Immobilien sind geradezu ein Traum. Ein Traum aber auch viele Häuser der Nebenstraßen. Wer mag, sollte sich auf ein Fahrrad schwingen und eine kleine Anschauungstour starten. Ich persönlich tue das sehr oft.
Um kurz ein paar Meter von der Wilmersdorfer abzuschweifen *** möchte ich Euch erklären, dass in nächster Nähe der Schloßpark Charlottenburg ist, das wunderschöne Rathaus Charlottenburg (siehe Fotos) und all die oben genannten großen Straßen zeigen wahre Prachtexemplare an antiker wie moderner Architektur. Ich selbst wohne ebenfalls in so einem Bau, der allerdings hochmodernen Architektur in einer Straße namens Eosander - und Eosander war längere Zeit Architekt vom Schloß Charloottenburg. Die verlängerte Wilmersdorfer nennt sich Eosanderstraße und führt direkt zum Schloß Charlottenburg.


schnapp * zum Teil ab 1995 bis heute
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Ja, nun kommen wir fast zum letzten Abschnitt, gefolgt von den Verkehrsverbindungen.

Die Wilmersdorfer hat ihren Charakter tooootal verändert in den letzten 10 Jahren. Ich muß leider und auch traurigerweise sagen, dass sie sich zum Nachteil verändert hat.
Aus verschiedenen Gründen wurden 2 beliebte Kaufhäuser geschlossen bzw. umbesetzt. Alles fing eigentlich in der Kantstraße an, die auch einmal zu den beliebtesten Einkaufsstraßen der Stadt gehörte. Dort sind viele Geschäfte mit Rang und Namen ausgezogen (besser umgezogen) und kleinere Einzelhändler verschiedener Nationalitäten mit meist gemischter Ware zogen ein. Wenn ich das statistisch betrachte, so gibt es in der Kantstraße wie auch in der Wilmersdorferstraße über 60% Einzelhändler mit "so genannter" Mischware aller Nationalitäten, meist aus dem asiatischen Raum. Ja, da muß man hin und wieder schlucken, weil das Verhältnis so gar nicht mehr stimmt.
Die Wilmersdorfer trägt mit ihren Banken, Ärzten, Computerläden, vielen Schuhläden, dem seit fast 2 Jahre neu ansässigen MediaMarkt, dem Quelle-Technik-Center, den Billigläden, H&M, Peek & Cloppenburg, dem Bauhaus und der Bewag, unseren berühmten Rogacki etc. dazu bei, dass hier überhaupt noch allgemeine Kaufkraft herrscht. Ganz langsam kehrt eine alte Struktur an Geschäften zurück. Aber wirklich nur ganz langsam. Es fehlen die Klamottenläden von damals, die Schmuckläden und so einiges mehr.

Eine neue Attraktion ist die Arkade in der Wilmersdorfer. Viele interessante Geschäfte, Arztpraxen und was sonst so zum Bummeln einlädt.

Aber was soll man weinen und "glauben", dass es nur die Wilmersdorfer trifft. Auch der Ku-Damm kann davon seine Geschichte erzählen, denn "ER" hat es ebenso nicht wirklich leicht.
Einige Geschäfte haben sich gehalten und ich kenne sie seit über 20 Jahren. Die meisten jedoch sind fort. Was blieb, sind all die vielen kleinen Restaurants, die jedoch kaum Neulinge betreten. Hier herrscht Stammpublikum.


schnipp * mein Fazit
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Ich persönlich gehe nur noch selten zur Wilmersdorfer. Eigentlich nur, um meine Bankgeschäfte zu erledigen. Hin und wieder suche ich einen kleinen Computerladen auf, der seinen Kunden individuelle Möglichkeiten bietet. Wichtig ist mir noch das Bauhaus, ein Buchladen und bis vor wenigen Tagen Drospa. Leider ist Drospa nun auch weggezogen und es zog ein Schuhladen ein. Reno. Mega groß.

Mit den Arkaden haben Bummler endlich ihre geliebten Geschäfte geballt an Ort und Stelle. Darauf haben die Charlottenburger gewartet und ich muss sagen, dass es ein schönes Gefühl ist.

Insgesamt, wenn ich nicht an meine eigenen Bedürfnisse denke, finde ich die Wilmersdorfer noch immer interessant und ich finde, dass sie den meisten Menschen aus der mittelständigen wie auch armen Bevölkerung, einen sehr guten Dienst leistet. Der Euro hat viel kaputt gemacht und wir rücken der Armut immer näher. Deshalb akzeptiere und befürworte ich die Wilmersdorfer mit ihren Großteil an Billigläden. Da gibt es zum Für kein Wider mehr, da ich rein sozial und realistisch denke.

schnapp * Verkehrsanbindungen
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Zur Wilmersdorfer kommt man aus allen Ecken der Stadt mit allen Verkehrsmitteln. Es gibt die U-Bahnen U7 und U2, den S-Bahnhof Charlottenburg und diverse Busse. Möchte man zur Wilmersdorfer Fußgängerzone, was die meisten wollen, so kann man entweder U-Bhf Wilmersdorfer oder U-Bhf Bismarckstraße aussteigen. Natürlich auch S-Bhf. Charlottenburg mit 3 Minuten Fußweg.

schnipp * Ein wenig Rotlicht gefällig?
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Ganz zum Schluß komme ich in kurzen Sätzen zum Rotlicht. Am S-Bhf. Charlottenburg gibt es seit Jahren (und schon lange bevor ich geboren wurde) das Rotlichtmilieu. Wer also diesbezüglich neugierig ist, der darf sich hier umsehen.

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So, nun komme ich endlich zum Schluß und hoffe, daß ich hier Interessierte anlocken konnte und danke Euch für Geduld wie Interesse.

liotou (bei Ciao 4fox)

Fazit: Ein Besuch lohnt sich wieder !!!