Retro Test: Irgendwo auf dem Weg von Mario 64 nach Zelda 64
Mystical Ninja Starring Goemon (N64)

Name des Mitglieds: scoopexx
Produkt:
Mystical Ninja Starring Goemon (N64)
Datum: 30.12.10
Bewertung:
Vorteile: lustig, spielt sich flott, gute Steuerung, abwechslungsreich
Nachteile: mittelmäßige Kameraführung, Clippingfehler
Goemon lebt in einem kleinen, ziemlich bunten Ort, vor dem alten japanischen Schloss Oedo Castle und vertreibt sich am liebsten die Zeit mit seinem Kumpel Ebisumaru. Eines Tages beobachten die beiden ein UFO, das sich auf dem Weg zum Schloss befindet und dieses dann auch mit einer Art Laserstrahl angreift. Prompt beschließen die beiden nachzusehen, was dort vor sich geht und treffen dabei später auf ihre Freundin Yae und den Roboter-Ninja Sasuke, die die Vierer-Gruppe, die man das gesamte Spiel über steuert, bilden. Viel mehr Vorgeschichte bekommt man nicht, es hat aber den Anschein, als wäre Goemon in Japan ein etwas bekannterer Charakter - diese Vorinformationen fehlen uns Europäern leider.
Um zum Schloss zu gelangen, muss man sich zunächst einmal mit den Dorfbewohnern unterhalten, die einem allerlei nützliche Informationen geben können. Als erste größere Aufgabe muss man erst einmal Mount Fuji erklimmen (der allerdings gleich um die Ecke liegt und nicht besonders groß ist), was eine reine Jump&Run-Passage beinhaltet. Auf dem Gipfel angekommen, besucht man dort den Pfeifenmacher, der einem dann ein nützliches Item gibt (so etwas wie den Enterhaken bei Zelda), das einem im weiteren Spielverlauf beim Fortkommen hilft. Schon hier, gleich zu Beginn des Spiels wird also deutlich, in welche Richtung es bei Mystical Ninja Starring Goemon geht, nämlich eine Mischung aus einem Super Mario 64 in Bezug auf die Jump&Run Passagen und einem Zelda 64 in Bezug auf Story, Dialoge, Items und Kampfsystem. Die vier Charaktere erlernen im Laufe des Spiels immer mehr Spezialfähigkeiten bzw. erwerben Spezialgegenstände, die man über den Spielverlauf immer wieder gezielt einsetzen muss, wenn man weiterkommen möchte. Goemon hat z.B. Superkräfte, die er aktivieren kann, Ebisumaru eine Kamera, die Geister sichtbar macht, Yae eine Flöte, mit der sie einen Drachen rufen kann und Sasuke kann mit seinem Supersprung höher hüpfen, als die drei anderen. Am Ende des Spiels hat dann jeder der vier kleinen Ninjas zwei Extragegenstände und eine magische Fähigkeit - für Abwechslung ist in dieser Hinsicht also gesorgt.
Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei den Bösen in dem UFO um die Peach Mountain Gang handelt. Eine schräge, tanzende Theatergruppe mit lauter Charakteren, die alle ein bischen zu Größenwahn neigen. Sie haben aus einer unbekannten Quelle eine Waffe bekommen, mit der sie Tempel und andere große Gebäude in gefährliche Areale volle Roboter-Gegner verwandeln können. Da diese "Dungeons" nicht miteinander verknüpft sind, muss man zwischendurch natürlich in der Außenwelt hin- und herreisen und dort, für die Leute die man trifft, Aufgaben erfüllen, damit man wieder ein Stück im Spiel voranschreiten kann. Diese Aufgaben reichen von "Geld beschaffen" über "Gegner bekämpfen" bis hin zu "Lieblingsessen für eine Art Froschmensch besorgen" (das man natürlich nicht im Laden um die Ecke bekommt). Es ist hier also schonmal Abwechslung geboten und obwohl es sich meist vom Grundprinzip her nur um simple Laufe-nach-Punkt-A-um-dort-Aktion-B-auszuführen-Au fgaben handelt, werden einem diese doch durch lustige Einlagen und Dialoge schmackhaft gemacht. Auch sind die Spielabschnitte, also wie viel Zeit man z.B. in der Außenwelt oder in Dungeons verbringt, recht gut austariert - keins von beiden wird schnell langweilig. Das liegt auch daran, dass man immer kurze Aufgaben bzw. Actionpassagen vorgesetzt bekommt, die allesamt schnell lösbar sind, man als Spieler also viel Abwechslung bekommt und man im Falle eines Scheiterns sofort wieder dort ansetzen kann, wo man aufgehört hat.
Die Steuerung der Spielfiguren geht auf dem N64-Pad erstaunlich gut von der Hand. Die Spielfiguren bewegen sich flink und reagieren ohne Verzögerung. Überhaupt lässt sich das Spiel superflüssig spielen und unverständliche Wartezeiten (z.B. Dialoge, die nicht abgebrochen werden können) sucht man vergebens. Einziges größeres Manko ist die Kamera, mit der man gerade in engen Jump&Run-Passagen wirklich zu kämpfen hat. Mit ein bischen Tricksen bekommt man es dann hin, aber es ist an manchen Stellen wirklich schon ein klein wenig ärgerlich. Hier merkt man, dass dem N64-Controller ein zweiter Analogstick fehlt. Man hätte allerdings zumindest eine Taste einbauen können, die die Kamera schnell hinter dem Charakter positioniert. Sie dreht sich zwar auch von alleine immer wieder dort hin, aber etwas zu langsam. Auch bei der Feinjustierung bei der Ausrichtung der Spielfigur hätte man etwas bessere Arbeit leisten können. Das sind allerdings kleinere Makel, die nicht extrem ins Gewicht fallen, da sie nur an einigen wenigen Stellen für leichten Frust sorgen. Ansonsten spielt sich Goemon sehr unkomliziert und sehr flott.
Grafik & Sound
Die optische Seite von Goemon ist sehr, sehr bunt geraten. Das mag Geschmackssache sein, ist aber bei solchen Spielen auf dem N64 üblich. Man kann sich das ganze in etwa so vorstellen, wie bei Super Mario 64, nur mit noch schrägeren Charakteren und Gegnern. Die Polygonanzahl ist zwar nicht ganz so hoch, wie bei so manch einem Highlight auf dieser Konsole, aber die Spielumgebung ist dennoch abwechslungsreich und knuffig designed. Leider kommt es mit der bereits erwähnten, nicht optimalen Kamera immer wieder zu argen Clippingfehlern, bei der man die Welt von Goemon plötzlich aus dem Inneren einer Wand verfolgen kann. Da Objekte von innen allerdings durchsichtig sind, verliert man die Spielfigur nie aus den Augen. 100-prozentig ruckelfrei läuft das Spiel leider auch nicht immer, aber man sollte auch nicht vergessen, dass es sich um ein N64-Spiel handelt. Man kann die grafische Seite also getrost abhaken - sie erfüllt ihre Aufgabe dadurch, dass sie zweckmäßig und knuffig-bunt ist. Mehr sollte und kann man von dieser alten Konsole wohl ohnehin nicht erwarten.
Beim Sound haben sich die Entwickler von Konami viel Mühe gegeben, z.B. indem man gesungene Texte mit in die wichtigen Songs mit eingebaut hat, was auf dem N64 absolut unüblich ist. Da natürlich auf japanisch gesungen wird, bekommt man als europäischer Spieler Untertitel vorgesetzt und der Inhalt der Lieder trieft so sehr vor Schnulzen-Schlager, dass es schon wieder lustig ist. Ohnehin kann Goemon den Spieler über seinen Humor auch bei Laune halten - z.B. wenn der etwas korpulentere und wenig ansehnlich aussehende Ebisumaru den Ladenbesitzer in seiner Stadt in seiner Unterbuchse mit einem hypnotischen Tanz überzeugen will, ihm einen Rabatt zu geben und danach natürlich in hohem Bogen aus dem Laden geworfen wird. Leider sind solche Dialoge nur als Text (auch in der deutschen Verkaufsversion komplett auf Englisch!) vorhanden und nicht vertont, aber das hätte wohl auch nicht auf das Modul mit seiner begrenzten Speicherkapazität gepasst. Die normalen Ingame-Lieder sind auch, für diese Konsole zumindest, sehr gut gelungen - die Entwickler wussten hier die begrenzten Möglichkeiten auszunutzen. Dadurch, dass es sich hier allerdings immer um einfache Melodiern handelt, die ein bisschen aufgepeppt wurden, kann man sich allerdings auch schnell einen wirklich nervigen Ohrwurm einhandeln, den man so schnell nicht mehr los wird.
Fazit:
Goemon war für mich eine ziemlich positive Überraschung. Ich hatte mir das Spiel damals direkt nach dem Erscheinen gekauft, es dann allerdings schnell als lahme Gurke abgestempelt und so hat es seitdem Staub angesetzt, bis ich es jetzt wieder hervorgekramt habe. Ich weiß nicht mehr, was damals falsch gelaufen ist, aber nach einer halben Stunde Spielzeit, die man braucht, bis man sich mit allem einigermaßen zurechtfindet, hat es angefangen, wirklich Spaß zu machen, mit den vier Knuddel-Ninjas die Welt zu erkunden. Wer Zelda und Super Mario 64 mochte und nichts gegen peppig-bunt übertriebene Japan-Grafik hat, der wird auch an Mystical Ninja Starring Goemon seine Freude haben. Voraussetzung ist allerdings, dass man dem Englischen einigermaßen mächtig ist, denn deutsche Bildschrimtexte wird man vergebens suchen. Das kann aber auch ein Vorteil sein, denn die englische Übersetzung ist ziemlich gut geworden.
Übrigens ist das Spiel auch für Einsteiger gut geeignet, besonders schwer ist es nämlich nicht.
Fazit: 4 Sterne
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