Paul Reed Smith
Paul Reed Smith Custom 22 - Paul Reed Smith Gitarren

Erhältlich in: 3 Shops

Produkttyp: Paul Reed Smith Instrumente

Neuester Testbericht: ... bei PRS selbstverständlich ist. Der Steg ist aus Aluminium, das die Saitenschwingungen besonders gut auf den Korpus übertragen soll. Für ... mehr

Paul Reed Smith Custom 22
Paul Reed Smith

SpyingGlass

Name des Mitglieds: SpyingGlass

Produkt:

Paul Reed Smith

Datum: 27.01.02, geändert am 27.01.02 (554 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Aussehen, Klang, Bespielbarkeit, Verarbeitung

Nachteile: Preis

So, nachdem noch niemand eine Meinung über die feinen Gitarren von Paul Reed Smith losgelassen hat, mache ich hier mal den Anfang und erzähle euch etwas über meine "Custom 22". Nun mag es allerdings sein, dass einigen der Name Paul Reed Smith nichts sagt, und deshalb werde ich zunächst einmal auf den Gitarrenbauer eingehen.

Die Geschichte von Paul Reed Smith

Der Amerikaner Paul Reed Smith begann Ende der 1970er Jahre Gitarren zu bauen. Bald entstand der Wunsch, eine perfekte Symbiose aus Fender Stratocaster und Gibson Les Paul zu bauen, was dann auch in die Tat umgesetzt wurde. Bekannt wurden die Gitarren durch Carlos Santana, der schon frühe Prototypen von Mr. Smith spielte und bis heute noch spielt. Aus dieser Zusammenarbeit mit Santana entwickelte sich langsam das noch heute bestehende Design und die PRS Custom 24. Diese Gitarre hatte einen Korpus, der sowohl Elemente der Stratocaster (2 Cutaways/"Korpushörner") als auch Elemente der Les Paul (Mahagony-Korpus mit Ahorndecke) in sich vereinigte. Auch die Mensur (Abstand zwischen Steg und Sattel) lag genau zwischen der kurzen Gibson- und der langen Fender-Mensur. Allerdings waren Hals und Korpus miteinander verleimt, wie bei einer Les Paul. Für die elektromagnetische Verarbeitung sorgten 2 Humbucker (doppelspulige Tonabnehmer). Außerdem konzipierte PRS eine Vibrato-Einheit, die der einer Stratocaster sehr ähnlich war. In Verbindung mit Graphitsattel und Klemmmechaniken arbeitete das System nahezu verstimmungsfrei.

Mit den damaligen Tonabnehmern ("Vintage Treble" am Steg und "Vintage Bass" am Hals) wurde tatsächlich der Traum von einer "Strat Paul" zumindest annähernd wahr, so dass dem Instrument sowohl Stratocaster- als auch Les Paul-Klänge entlockt werden konnten. Ich sage annähernd, weil es doch nie ganz möglich wurde, auf einer Gitarre diese wirklich grundverschiedenen Klangcharakteristiken zu verwirklichen. Stattdessen entstand ein ei
genständiger, "schmatzender" Klang. Die heutigen PRS-Gitarren werden mit anderen, leistungsstärkeren Tonabnehmern bestückt, und wer eine perfekte Mischung aus Strat und Paula sucht, wird heute nicht mehr "bedient". Trotz alledem und vielleicht auch gerade deswegen sind die PRS-Gitarren heute so beliebt, vorausgesetzt, man hat ein pralles Konto.

Paul Reed Smith ist ein Perfektionist. Deswegen ist die Verarbeitung bei allen Instrumenten vorbildlich. Über die Jahre hat PRS seine Fabrikation vergrößert und gehört heute zu den drei großen Gitarrenherstellern, die Musikgeschichte geschrieben haben, neben Gibson und Fender.

Inzwischen gibt bzw. gab es eine ganze Reihe von Modellen:

- Die "Custom" mit 22 oder 24 Bünden, sowohl mit Vibrato als auch mit einer fantastischen einteiligen Fixed Bridge (Steg ohne Jammerhaken). Hals und Korpus sind verleimt. Außerdem haben die Customs eine sehr schön gemaserte Ahorndecke.

- Die "Classic Electric", wie die "Custom", aber mit geschraubtem Hals.

- Die "Standard", die auf eine Ahorndecke verzichtet.

- Das "McCarty"-Modell, das der Custom relativ ähnlich ist, sich aber von der Klangcharakteristik an einer Les Paul orientiert. (Ted Mc Carty war mal Chefdesigner bei Gibson)

- Das Swamp Ash Modell, das einen geschraubten Hals hat und sich mit seinen 3 Tonabnehmern an einer Stratocaster orientiert.

- Die "Single Cut", eine Gitarre, die der Les Paul auch von der Form her ähnelt.

- Die Signature-Modelle von Carlos Santana und Mark Tremonti.

- Die nicht mehr hergestellte "EG"-Serie, die mit ihrem Pickguard und der Elektrik einer Strat sehr ähnelte, sowie

- einige semiakustische Modelle.

Alle diese Gitarren sind schon als Basis-Modell sehr teuer, und die Aufpreisliste ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Für besonders schöne Riegelahorn- oder
Wölkchenahorndecken darf man locker noch mal mindestens einen Tausender lockermachen, und die sehr attraktiven "Birds"-Einlagen im Griffbrett (fliegende Vögel) kosten auch noch mal 400 Euren extra. Wenn man dann allerdings sein Konto geplündert hat und eine PRS in den Händen hält, hat man ein Instrument fürs Leben. Der Erstkäufer erhält eine lebenslange Garantie.

Die Custom 22
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Hardfacts!
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Die Custom 22 hat einen Korpus aus Mahagony, der von der Form her, wie schon oben beschrieben, Elemente aus Les Paul und Stratocaster in sich vereinigt. Ergänzt wird diese Mahagonykonstruktion durch eine schön gemaserte geschnitzte Ahorndecke. Der Hals ("wide-fat neck") ist direkt mit dem Korpus in einem Winkel von 4 Grad verleimt (wegen des höheren Saitendrucks auf den Steg) und ebenfalls aus Mahagony. Hier hat man schon einen richtigen Prügel in der Hand, was ja auch zu einem guten Schwingungsverhalten des Instruments beiträgt. Schließlich beeinflusst der Hals den Klang des Instruments genauso wie der Korpus.
Die Korpusrückseite und der Hals sowie die geschmackvoll geformte Kopfplatte sind in einem durchsichtigen dunkelrot hochglänzend lackiert. Die Ahorndecke ist bei meiner Gitarre in einem Orange-Ton ebenfalls hochglänzend lackiert, wobei die Decke durch ein Natural Binding noch verschönert wird. Die Lackierarbeiten sind jedenfalls tadellos (keine "Nasen" etc.).
Das Griffbrett aus Palisander (Rosewood) beherbergt 22 mittelgroße Bünde (deshalb auch Custom 22), wobei die Bundstäbchen alle perfekt abgerichtet sind. Man reißt sich also nirgends die empfindlichen Fingerchen auf. Für die Orientierung sorgen an den üblichen Stellen so genannte "Moon"-Inlays. Gegen heftigen Aufpreis wären auch "Birds" lieferbar gewesen. Diese sehen zwar ohne Zweifel toll aus, aber für den Mehrpreis bekommt man schon fast ne günstige Zweitgitarre! :-)

Die Hardware ist verchromt
. Auf der Kopfplatte sind die 6 Klemmmechaniken montiert. Hier braucht man die Saiten nur in Führungsschlitze zu legen. Durch das Stimmen werden die Saiten arretiert, so dass Verstimmungen durch zu viel aufgewickelten "Draht" vermieden werden können (Schlupf!)
Auf der anderen Seite der Saiten (*g*) ist die einteilige Stegkonstruktion, die nur in der Höhe verstellt werden kann. Die Oktavreinheit kann nur für alle Saiten gleichzeitig eingestellt werden. Diese Konstruktion erfordert eine absolut exakte Abrichtung, die aber bei PRS selbstverständlich ist. Der Steg ist aus Aluminium, das die Saitenschwingungen besonders gut auf den Korpus übertragen soll.
Für die elektromagnetische Bearbeitung sorgen zwei PRS "Dragon" Humbucker, die durch ein Volume-Poti, ein Tone-Poti und einen 5-fach.Drehschalter verwaltet werden.

Sounds!
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Wie schon oben angesprochen, wollte Paul Reed Smith die Vorzüge einer Fender Stratocaster und einer Gibson Les Paul in einem Instrument verwirklichen. Insofern sind auch der Volume-Regler und der Tone-Regler speziell auf diese Bedürfnisse abgestimmt. Der Drehschalter für die Tonabnehmeranwahl sieht zwar toll aus, aber im hektischen Live-Betrieb kann man eben nicht sofort erkennen, welche Einstellung gerade "Trumpf" ist. Hören tut man die Unterschiede aber auf jeden Fall, und man gewöhnt sich auch recht schnell an den Drehknopf.

Nun möchte ich mal die 5 möglichen Einstellungen beschreiben:

Position 1: Halspickup solo. Volumeregler voll aufgedreht = Les Paul ähnlicher Halspickup Sound. Volumeregler auf 6-7 = Halssound einer Strat.

Position 2: Die inneren Spulen beider Tonabnehmer. Volumeregler auf 9 = nasaler brillanter Strat-Zwischenpositionssound, ähnlich "Dire Straits"

Position 3: Beide Humbucker sind aktiv. Klang wie bei einer Les Paul, Volumeregler auf 6-7 = Telecaster-ähnlicher Sound mit 2 Pickups

Position 4: Beide Humbucker
"Out of phase" geschaltet. Sehr nasaler Sound, ähnlich eines fest eingestellten Wah Wahs.

Position 5: Stegpickup solo, Volumeregler voll aufgedreht = Stegsound einer Les Paul, Volumeregler auf 6-7 = brillanter Stegsound einer Strat

Alle Stellungen des Pickup-Wahlschalters sind absolut nebengeräuschfrei, da immer mindestens 2 Spulen aktiv sind (Humbucking-Effekt).
Der Tonabnehmer am Steg hat eine recht hohe Ausgangsleistung. Deswegen schwören auch viele Nu Metal Gitarristen auf diese Gitarren. Der Klang ist sehr ausgewogen und besticht durch brillante und druckvolle Höhen.
Der Kollege am Hals hat weniger Ausgangsleistung, aber er hat ein sehr transparentes Klangbild. Viele Les Pauls haben einen recht matschigen Halssound, die PRS nicht. Ich persönlich liebe ja diesen wunderbar bauchigen und singenden Halssound!! Alleine schon deswegen würde ich mir diese Gitarre jederzeit wieder kaufen.

Aufgrund des geleimten Halses und des Stegs ohne Jammerapparatur orientiert sich die Custom eher an einer Les Paul als an einer Strat. Hier ist mächtig viel Sustain vorhanden, d.h. die Saiten klingen bis zum Abwinken. Dies ist auch auf die ausgesprochen gute Holzauswahl zurückzuführen (für die man allerdings auch eine ganze Menge auf den Tisch des Hauses legen muss). Generell darf man aber nicht erwarten, dass eine PRS wie eine Les Paul oder wie eine Strat klingt. Sie klingt eben nach PRS!

Fazit

Insgesamt lässt sich die PRS Custom hervorragend bespielen, obwohl ich ja eigentlich mehr auf die naturbelassenen Hälse stehe. Aber man gewöhnt sich ja an alles.
Die Gitarre hängt auch sehr ausgewogen am Gurt. Von Kopflastigkeit keine Spur. Allerdings zählt die Custom 22 nicht gerade zu den Leichtgewichten, so dass ein entsprechend breiter Gurt von Vorteil ist. Der Hals hat zwar ordentlich Masse, lässt sich aber trotzdem gut beherrschen. Allerdings wird die Custom 22 auch mit einem schlankeren Halsprofil angeboten.
>Die Verarbeitung ist tadellos, was man in dieser Preisklasse auch erwarten darf (obwohl gleich teuere Gibson- oder Fender-Gitarren häufig weitaus schlechter verarbeitet sind).
Tja, was soll ich noch sagen??? Die PRS ist zwar teuer, aber ein absolutes Trauminstrument!

Die Preise der Custom 22 bewegen sich je nach Ausführung und Bezugsquelle zwischen 3000,-- und 5000,-- EUR, inclusive eines sehr hochwerigen Koffers!

Fazit: