Prince Of Poverty Line - Skyclad
Feinste Wortspiele aus der Gosse... - Prince Of Poverty Line - Skyclad Musik Album

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Feinste Wortspiele aus der Gosse...
Prince Of Poverty Line - Skyclad

The-Wishmaster

Name des Mitglieds: The-Wishmaster

Produkt:

Prince Of Poverty Line - Skyclad

Datum: 21.02.11

Bewertung:

Vorteile: ...Martin Walkyier's einzigartige Lyrics, gewohnt gute Skyclad-Qualität ohne Ausfälle, Artwork...

Nachteile: ...kein richtiger Überflieger im Vergleich zu anderen Alben der Briten...

Hallo liebe Leserinnen und Leser!


| ° Skyclad
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Die britische Band wurde im Jahre 1990 gegründet, als sich Martin Walkyier (Vocals, ehemals bei "Sabbat" aktiv), Steve Ramsey (Guitars, Ex-"Pariah") und Graeme English (Bass, Ex-"Satan") zusammentaten, um fortan gemeinsam zu musizieren. Die Stilrichtung des Thrash war schnell gefunden, da man in den Ex-Bands auch eben jene Mucke fabrizierte, doch man hatte gleichzeitig auch musikalische Visionen und brachte somit erstmalig eine Violine in den Gesamtsound mit ein, welcher auf dem Debüt "Waywards Sons of Mother Earth" zwar noch recht roh und thrashig klang, aber bereits im Ansatz verdeutlichte, was Skyclad später perfektionieren sollten: Folk-Metal. In den ersten Jahren wechselten vor allem die Mannen an den Drums und die Dame an der Geige mehrere Male, wobei eine gewisse Cathie Powell sogar einige Silberlinge mit einfiedelte. Aber es war Georgina Biddle, die ab dem "Silenth Whales of Lunar Sea"-Album das Erscheinungsbild der Band vor allem live prägte, indem sie als leicht pummeliger Energie-Ball ständig umher flippte und nicht aufhören wollte zu hopsen.

Musikalisch hatte man sich zu diesem Zeitpunkt schon extrem weiterentwickelt und wagte mit "Oui avant-garde á chance" sogar das Risiko eines (nahezu) Akustik-Albums, für welches man sich noch die Hilfe der deutschen Mittelalter-Metaller "Subway to Sally" holte, mit denen man gut Kumpel war. Überhaupt schien es in hiesigen Gefilden immer recht gut für die Kapelle zu laufen, während man sie in ihrer Heimat nach anfänglicher Euphorie irgendwann seitens der Presse nahezu völlig ignorierte. Ungeachtet dessen - sowie der Tatsache, dass man vom Label Massacre Records auch irgendwie keine Kohle sah - machte man aber hauptsächlich wegen den Fans weiter und veröffentlichte mit "Irrational Anthems", "The Answer Machine?" und "Vintage Whine" ein hervorragendes Album nach dem anderen. Das Jahr 2001 brachte den Labelwechsel zu Nuclear Blast mit sich, aber weder das noch die Qualität des Scheibchens "Folkémon" konnten den gewünschten Erfolg bringen. Demnach sah sich Sänger Martin gezwungen, der Band den Rücken zu kehren. Skyclad machten aber dennoch weiter und stellten ganz einfach den langjährigen Produzenten und Gitarristen Kevin Ridley hinter's Mikro. Mit ihm entstanden Neuaufnahmen alter Songs, die unter dem Namen "No Daylights nor Heeltaps" letztes Jahr veröffentlicht wurden. Momentan werkelt man gerade an einem neuen Silberling und man darf gespannt sein, inwieweit Skyclad auch ohne ihr Aushängeschild Walkyier bestehen können.


| ° Prince of the Poverty Line
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Das Album "Prince of the Poverty Line" erschien im Jahre 1994 und gilt für viele Fans als das Meisterwerk der Briten. Dem kann ich nicht ganz zustimmen, wobei die Qualität der Releases generell recht hoch ist, ein eindeutiger Favorit also nicht so einfach auszumachen ist. Aufgenommen wurde die Scheibe jedenfalls in den Lynx-Studios in Newcastle und - wer hätte es gedacht? - von Skyclad zusammen mit Kevin Ridley produziert. Noise Records stellte ein halbwegs ordentliches Budget zur Verfügung, was sich vor allem im verbesserten Sound im Vergleich zu den Vorgänger bemerkbar macht. Das Coverartwork ist übrigens wieder mal extrem gelungen, aber das könnt Ihr dort oben *nachobenzeig* ja selbst bewundern. Die Scheibe erschien übrigens in zwei verschiedenen Variationen. Zum einen natürlich als herkömmliches Jewel Case, dann aber noch als limitierte Doppel-CD. Diese Version konnte ich mir vor ein paar Jahren mal in Bestzustand für 6,50 DM über Ebay ersteigern und bin seitdem stolzer Besitzer der Bonus-CD mit den Tracks "Brothers beneath the Skin", "The Widdershin's Jig" und "Cradle will fall". Fans brauchen aber nicht verzweifeln, weil es dieses CD-Set inzwischen nicht mehr offiziell zu kaufen gibt: Der erste Song ist zwar brandneu, findet sich aber auch auf der Best Of "Old Rope" und die beiden anderen Tracks sind lediglich Live-Versionen - nett, aber nicht essentiell. Somit reicht also die stinknormale Jewel Case-Variante, die man teils schon für 5 Euro bekommen sollte.


| ° Trackübersicht
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1.) ~ Civil War Dance ~ 5:03

Ein paar Hintergrundgeräusche von rebellierenden Bürgern, martialisches Drumming, verschwörerische "Schock the System"-Gesänge, ein treibender Bass, forsche Leadgitarren - so steigt man ziemlich überzeugend in das Album ein, bevor man zu schroffen Riffs und eine fiedelnde Fiedel Martin erstmals lispelnd-sympathisch Singen lässt. Ein Tempowechsel hin zum flotten Offbeat und schon nehmen sich die Sechssaiter auch mal ein paar Sekunden Zeit zum ordentlichen Nackenbrecher-Riffing. Löblich, so gefällt der Opener. Dabei leidet zwar ein wenig die Eingängigkeit, aber Skyclad-Songs glänzten schon immer mit ihrer gewissen Sperrigkeit, vor allem im Chorus. Auch hier nichts neues demnach, aber ein recht metallisch angehauchtes Solo samt Violinenanhang.

8/10


2.) ~ Cardboard City ~ 5:05

Big Ben läutet, die große Stunde von Skyclad scheint begonnen zu haben. Das lassen sich die fröhlichen Folker nicht zweimal sagen und steigen mit klimpernd-synthetischer Keyboard-Unterstützung geradlinig riffend in den zweiten Titel ein. Die Gitten bilden hier eher schmückendes Beiwerk zum rhythmisch ausgespuckten Lyricwerk eines Martin Walkyier. Und entgegen allen Erwartungen geht der Refrain diesmal verdammt schnell ins Ohr, bereits beim zweiten Durchgang kann man ihn eifrig mitshouten. Nicht vergessen werden darf auch ein nettes Synthie-Solo, ganz generell scheint mir hier das Tasteninstrument vorherrschend zu sein. Die Lyrics verdienen hier übrigens auch besonderes Augenmerk, denn wieder einmal wird Martins feines Gespür für Wortspiele deutlich und er klagt die Regierung seines Landes an.

"Exiled and rejected by powers elected,
our cries from the gutter don't reach number 10..."

9/10


3.) ~ Sins of Emission ~ 3:33

Hier muss ich sagen, dass ich "Sins of Emission" zuerst in der Akustikversion kannte und erst danach die Albumversion mit Stromgitarren gehört habe. Folglich war ich etwas verwundert, wo denn der melodische Gesang vor allem im Chorus hin ist und auch der Rest klingt hier wesentlich metallischer. Hintergründig gibt's die Fiedel zu vernehmen, davor lispelt sich Martin durch den Track - sicher keine schlechte Kombination und recht treibend, gerade im Chorus, aber nach dem Hören der Akustikversion zumindest für mich ein wenig enttäuschend.

7,5/10


4.) ~ Land of the Rising Slum ~ 4:28

Treibende Percussions geleiten von der ersten Sekunde an durch den nächsten Track und verleihen ihm konstant ein locker-flockiges Feeling. Das stört es auch nicht, dass bald die Stromklampfen ziemlich hart riffend einsetzen, diese unbeschwerte Grundatmosphäre bleibt erhalten. Der Titel ist sowieso eines der genialsten Wortspiele auf der Scheibe und auch im Text selbst setzt sich diese Tradition fort. Musikalisch gibt's noch ein Orgelsolo als Highlight zu verbuchen, Abwechslung ist also geboten.

8,5/10


5.) ~ The One Piece Puzzle ~ 5:52

Kennen wir das nicht? Klar, die Monheimer Folk-Black-Metaller von Suidakra hatten auf dem vor wenigen Wochen rezensierten "The Arcanum"-Silberling doch genau diesen Titel gecovert! Klar, jetzt lauschen wir also dem Original und schauen mal, inwieweit sich die Coverversion unterschieden hat. Den Anfang machen auch hier akustische Klampfen, hinzu kommt eine Violine und - da haben Suidakra dann die Stromgitten ausgepackt - zögert noch ein wenig, bevor es letztlich doch die verstromte Klampfenpower gibt. Nur rocken Skyclad etwas weniger druckvoll, dafür bringt ihnen die Fiedel Bonuspunkte. Starker Song, den man gehört haben sollte - egal in welcher Version.

9/10


6.) ~ A Bellyfull of Emptiness ~ 4:57

Langsam wird erst einmal gedrummt, bevor es bald flotter zur Sache geht. Hier sind es dann vor allem wieder die Sechssaiter, die bestimmt und bangkompatibel riffen, was die Bratpfanne hergibt. Dazu gesellt sich ein an künstliche Panflöten erinnerndes Keyboard-Geklimper, welches sich aber recht leise im Hintergrund aufhält. Anders dagegen Mr. Walkyier, dessen Stimme man den Song dominierend lässt. Das ist aber auch gut so, denn so versteht man immerhin die erneut genialen Lyrics und auch Cath Howell an der Violine darf ihren Einsatz nicht verpassen. Und holla - zur Halbzeit wird sogar ungewohnt melodisch geträllert, mein Respekt!

8,5/10


7.) ~ A Dog in the Manger ~ 6:10

Bei einem der längsten Stücke auf der CD darf es schon mal ein kleines Intro sein und so dauert es eine gute Minute, bis zu kraftvoll strotzenden Akkorden der Sechssaiter Madame Howell ihr Saiteninstrument bearbeiten darf. Dann darf eigentlich mit einem gelegentlichen Tempowechsel von den Strophen zum Refrain hin ordentlich losgerockt werden. Nicht besonders eingängig, aber auf die Martin Walkyier ureigene, unglaubliche charmante Art und Weise.

"He only needed a family that helped him to shine,
all he has is a ticket to ride in the Poverty Line..."

8,5/10


8.) ~ Gammadion Seed ~ 5:26

Recht klassische angehaucht - das könnte so oder schlechter von Manowar stammen - geht's gitarrenbetont und solotechnisch gesehen hervorragend in den ersten Sekunden los. Mit Beginn der Strophen setzt dann auch wieder das recht synthetisch klingende Keyboard ein und begleitet unseren lispelnden Sangesschlumpf bis in den Chorus. Dort ist er auf sich allein gestellt, darf aber wenigstens sein Echo zur Verstärkung mitnehmen.

8/10


9.) ~ Womb of the Worm ~ 6:56

Auch hier darf ein kurzes Intro nicht fehlen, diesmal schreien spielende Kinder, bevor die Stromgitarren gemählich, aber denoch schwer riffend, die Vorherrschaft in dem Titel an sich reissen. Da hat die arme kleine Violine nicht viel zu melden und ergibt sich bereits in den Strophen. Lediglich Martin kämpft gegen die schleppende Gitarrenwand an, scheint aber wie in zähem Honig kleben zu bleiben und gesangstechnisch gesehen nicht recht voranzukommen. Bei einem Zwischenspiel nach dem ersten Chorus geht's dann etwas flotter und immerhin erhält Martin auch gesangliche Unterstützung einer nette Dame, das war's dann aber auch schon und bis zum finalen "Womb of the Worm"-Mantra gibt's nicht viel neues.

8/10


10.) ~ The Truth Famine ~ 4:30

Zum Ende hin präsentiert man noch einmal einen Midtempo-Rocker, der alle Trademarks der Kapelle in sich vereint. Demnach gibt es wieder hintergründiges Gefiedel, klassische angehauchte und Karotten-schüttel-kompatible Riffs und Martins unverwechselbaren Gesang. Letztlich trotz eingängigerem Chorus kein Highlight mehr, da hätte man die Scheibe sicher besser abschliessen können.

7,5/10


| ° Fazit
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Wie bereits erwähnt kann ich es nicht so ganz nachvollziehen, warum gerade diese Scheibe hier bei so vielen als das Meisterwerk der Band gilt. Klar, die Scheibe ist gut geworden und enthält keinen einzigen Ausfall, aber dafür meiner Meinung nach auch nur zwei wirklich starke Songs - und das ist für eine Band wie Skyclad eben etwas zu wenig. Das macht das Album selbst nicht schlecht und ich werde auch sicher keinen Stern abziehen, verteile die volle Punktzahl aber nur extrem knapp. Denn die Briten können es wesentlich besser als hier, das haben sie etliche Male unter Beweis gestellt. Für den ersten Kontakt mit den Folk-Metallern sei vielleicht ein Werk wie "Irrational Anthems" oder "Folkémon" empfohlen, Fans der Truppe müssen "Prince of the Poverty Line" aber dennoch in jedem Fall haben.


In diesem Sinne...

Stay Dark!

The-Povertymaster


PS: Allen Freunden des schnellen Klicks wünsche ich viel Spaß in ihrer neuen Heimat - Track Nummer 4... ;)

Shake Heads!

Fazit: Das Fazit ist verarmt.