Northwind - Falconer
Eiskalt genießen! - Northwind - Falconer Musik Album

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Eiskalt genießen!
Northwind - Falconer

The-Wishmaster

Name des Mitglieds: The-Wishmaster

Produkt:

Northwind - Falconer

Datum: 06.04.09

Bewertung:

Vorteile: saubere Produktion, phänomenal geniale Vocallines, dichte Atmosphäre, spannende Melodiebögen

Nachteile: "Fairyland Fanfare"

Hallo liebe Leserinnen und Leser!

Heute möchte ich musikalisch zu Werke gehen und über das Album "Northwind" von Falconer schreiben. Gerade der Vorgänger "Grime VS Grandeur" war nicht gerade ein Meisterwerk. Was kann das fünfte Album "Northwind" nun besser machen?


| ° Falconer
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Dass das Musikgeschäft kein Leichtes ist, sollte den meisten klar sein. Die Studioaufnahmen, der Stress auf der Tour, das alles kann eine Band ganz schön schlauchen - und letztendlich auch zum Ende einer Combo führen. So war es im Falle der schwedischen Viking-Metaller "Mithotyn", die nach drei grandiosen Alben im Jahre 1999 im wahrsten Sinne des Wortes die Segel strichen und das Zeitliche segneten. Aber da Gitarrist Stefan Weinerhall nun mal musikalisch nicht untätig bleiben wollte, schnappte er sich kurzerhand den Ex-Mithotyn Drummer Karsten Larsson und mit Mathias Blad einen unglaublich talentierten, ausgebildeten Musicalsänger um binnen kürzester Zeit mit dem selbst betitelten Debüt eine reinrassige Powermetalscheibe auf den Markt zu bringen, der man ihre nordische Abstammung aber deutlich anhören konnte.

Sicher gehörte der Silberling zu den größten Überraschungen des letzten Jahres 2001 und so warteten viele gespannt auf das Zweitwerk der Band. "Chapters from a Vale forlorn" haben es die Jungs getauft und damit immerhin das Level gehalten. Doch wo es Licht gibt, muss auch immer wieder Schatten sein. Dieser "Schatten" war der Ausstieg von Mathias Blad, der es zeitlich einfach nicht mehr schaffte sich vollkommen der Band zu widmen. Zwar sang er für das dritte Album, das Konzeptwerk "The Sceptre of Deception", noch einige Songs ein, hauptamtlicher Sänger wurde allerdings Kristoffer Göbel. Mit ihm spielte man auch das vierte Studioalbum "Grime VS. Grandeur" ein, welches 2005 erschien und von Kritikern und Fans sehr zwiespältig aufgenommen wurde. Man hatte sich gelöst vom durch Folk inspirierten Power Metal und brachte ein uninspiriertes, reinrassiges Power Metal-Album auf den Markt, welches den Spirit der ersten Scheiben komplett vermissen ließ und einige Totalausfälle beinhaltete. Umso überraschender war es, als man die Rückkehr von Mathias Blad ans Mikro verkündete. Mit ihm zimmerte man die fünfte Langrille "Northwind" ein, die im Oktober 2006 für Aufsehen sorgte und Falconer endlich wieder zurück an der Spitze des Power Metal zeigt, als wären sie nie wirklich von dort verschwunden gewesen...


| ° Discographie
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2001 - Falconer
2002 - Chapters from a Vale forlorn
2003 - The Sceptre of Deception
2005 - Grime VS. Grandeur
2006 - Northwind


| ° Line Up
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Mathias Blad - Vocals
Stefan Weinerhall - Gitarren
Jimmy Hedlund - Gitarren
Magnus Linhardt - Bass
Karsten Larsson - Drums


| ° Northwind
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01.) ~ Northwind ~ 9,5/10 <-- Anspieltipp
02.) ~ Waltz with the Dead ~ 8/10
03.) ~ Spirit of the Hawk ~ 8,5/10
04.) ~ Legend and the Lore ~ 8,5/10
05.) ~ Cath the Shadows ~ 9,5/10 <-- Anspieltipp
06.) ~ Tower of the Queen ~ 9/10
07.) ~ Long gone by ~ 9/10
08.) ~ Perjury and Sanctitiy ~ 8,5/10
09.) ~ Fairyland Fanfare ~ 6,5/10
10.) ~ Himmel så trind ~ 9,5/10 <-- Anspieltipp
11.) ~ Blinded ~ 8/10
12.) ~ Delusion ~ 9/10
13.) ~ Home of the Knave ~ 9/10
14.) ~ Black Tarn ~


| ° Bonus-CD
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01.) ~ Kristallen de Fina ~
02.) ~ Ridom, ridom ~
03.) ~ Liten vätte ~
04.) ~ Vårvindar vriska ~


Wie maßgeblich sich der Wechsel des Sängers auf die komplette Band auswirken kann, musste die schwedische Kapelle "Falconer" am eigenen Leib erfahren. Als man im Jahre 2001 mit Mathias Blad einen ausgebildeten Musicalsänger die Vocals zum Debüt einträllern ließ und damit weltweit überragende Kritiken einheimsen konnte, hatte man szeneintern eine kleine Sensation geschafft. Dummerweise packte Blad nach dem zweiten Album aus zeittechnischen Gründen die Koffer und wurde durch einen 08/15-Frontmann ersetzt. Komischerweise wurden mit diesem Zeitpunkt auch die Kompositionen der Truppe fahl, schwach und austauschbar. "Falconer" war nicht mehr länger der Tipp aus dem Untergrund, sondern eine von vielen Bands in einem Genre, welches ohnehin in den letzten Jahren nicht gerade durch Innovation glänzte. Man war zum austauschbaren Objekt geworden, ein gesichtsloser, winziger Fisch im großen weiten Ozean des Musikbusiness.

Welche Gründe es auch immer gewesen sein mögen, aber Mathias Blad kehrte zurück. Die Sensation war perfekt, als man 2006 verkündete, man würde das fünfte Studioalbum wieder mit dem ursprünglichen Mann im Mikro aufnehmen. Fans konnten den Release der mit "Northwind" genial betitelten Werkes kaum erwarten, am 22. September 2006 war es dann endlich soweit. Die Erwartungen waren natürlich hoch, immerhin hatten es die Schweden mit ihrem Debüt geschafft sich mit nur einem Album einen komplett eigenen Stil anzueignen. Würde es nun gelingen diesen wieder aufzunehmen, eventuell sogar zu verfeinern? Es würde. Es hat. Und mit Mathias als Frontmann wird es das auch weiterhin. Zwar ist Blad kaum am eigentlichen Songwriting beteiligt, wohl aber selbst für jede gesungene Melodielinie verantwortlich. Damit sollte klar sein, dass der ausgebildete Opernsänger sich nicht mit Standardharmonien begnügt. Wo man andererorts Refrains und Strophen geboten bekommt, wie sie austauschbarer nicht klingen könnten und wie man sie vermutlich auch schon des öfteren gehört hat, ist auf "Northwind" in jeder Hinsicht Eigenständigkeit, bedingungslose Professionalität und Genialität bis zum Abwinken angesagt.

Bereits beim Opener und gleichzeitig Titelsong wird das deutlich. Der Sound eines eisig wehenden Windes stimmt auf das Album ein, bevor die ersten zart gezupften Harfentöne erklingen und Mathias dazu den Refrain trällert.


["Northwind, embrace me as I face the horizon,
carry me safe ashore, as you did, my brethren of yore!"]


Was danach beginnt, ist eine spannungsgeladene Odyssee durch alles, was im Bereich des melodischen Power Metals gefragt ist. Kraftvolle Riffs und ein satter Bass punkten in der Rhythmussektion genauso wie das tight und präzise gespielte Schlagwerk. Heroische Keyboards setzen ebenso melodische Akzente wie die eingestreuten Leads, Fills und Soli von Gitarrist Stefan Weinerhall. Alleine in diesen Opener wurden derart viele Ideen gepackt, dass andere Bands locker drei Songs daraus gemacht hätten. Während die Strophen straight nach vorne powern, fährt man im Chorus das Tempo immens zurück. Doch nur augenscheinlich, denn man wechselt zum ¾-Takt, ohne dabei in klischeehafte Schunkelrhythmen zu verfallen.

Vielmehr donnert die Double Bass konstant im Hintergrund und erzeugt so eine ungemein treibende Atmosphäre, während Mathias mit seinen Vocals dazu den krassen Gegensatz bildet. Ruhig, getragen und erhaben ertönt seine Stimme. Als wisse er genau, dass kein Instrument der Welt es wagen würde, ihm seine Position streitig zu machen. Majestätisch. Doch ein Monarch ohne Herrschaftsansprüche, der sich nicht mit Gewalt durchsetzen muss. Dem aus freien Stücken sein ihm gegebenes Recht gewährt wird. Blad nutzt dieses, um den Hörer mit ergreifenden Melodieführungen zu segnen.
Ein Break wird nicht etwas dazu genutzt um instrumental zu glänzen - das tut man ohnehin - sondern um "Northwind" von seiner ganz anderen Seite zu zeigen. In einer akustisch-verträumten Passage wechselt Blad mit offensichtlicher Leichtigkeit von seiner normalen Singstimme zur Kopfstimme und wieder zurück, ohne dabei auch nur ein einziges Mal im entferntesten in die leider oftmals so genretypischen Kastratengfilde zu kommen. Es ist schlicht und ergreifend beeindruckend, wie sehr er seine Stimme unter Kontrolle hat und wie er genau weiß, wie sehr er sie beherrscht. Ein weiteres Mal betreibt er dieses Spiel - denn Mühe scheint es für ihn wahrlich keine zu sein - im kraftvollen Melodic-Bombaster "Cath the Shadows", dessen flotter und beschwingter, zum Ende hin durch geschickt gesetzte Breaks zur Genialität getriebener, Refrain ebenfalls zu den Highlights des Silberlings zählt. Der getragene Midtempo-Rocker "Tower of the Queen" ist ein weiteres dieser Beispiele. Hier ist es wieder einmal der Chorus, der immens überzeugt und den Kernpunkt des Songs verdient auf einen Thron hebt. Zweistimmig gesungen, allerdings nicht mit Standardmelodien, sondern geschickt die Zweitstimme variierend und in Einklang mit der Hauptstimme gebracht, dass die Gänsehaut sicher ist.


["From a dark horizon a harlot once came,
searching for the right path to bring her to fame.
Ignorance and falsity:
a perfect symbiosis, for a royalty..."]


Doch auch die Instrumentalfraktion darf nicht vergessen werden, immerhin ist diese für das nicht minder überzeugende Grundgerüst der Songs verantwortlich. Auch hier zeigt sich, wie abwechslungsreich man zur Sache gehen und sich dabei dennoch stets treu bleiben kann. Ist "Waltz with the Dead" nicht nur wörtlich, sondern auch musikalisch gesehen wie ein Walzer gehalten und dementsprechend schleppend und langsam, darf es bei Nummern wie "Spirit of the Hawk", "Perjury and Sanctitiy" oder "Blinded" schon einmal flotter zur Sache gehen. Melodisch hochwertige Uptemponummern mit Hang zur Dramatik, angestachelt durch den Wechsel in der Dynamik mal rasend, mal galoppierend, um nach kurzen Verschnaufpausen noch einmal so richtig durchzustarten. Mit dem mittelalterlich angehauchten "Legend and the Lore" wird dann ein kurzer Zwischenstopp eingelegt und auch das Songschema mit Strophen und Refrains vollkommen durchbrochen. Diese kleine Auflockerung tut dem Gesamteindruck natürlich mehr als gut, vor allem wenn es dermaßen gelungen ist wie in diesem Fall, wo nach akustischer Einleitung doch noch der Dampfhammer ausgepackt wird, ohne die Atmosphäre vergangener Tage auch nur ansatzweise zu zerstören.

Mit "Long gone by" haben es dann selbstverständlich auch balladeske Töne auf den Silberling geschafft. Auch hier darf man staunen, wie perfekt man Klischees umschifft und selbst im Bereich der ruhigen Töne noch Platz für Innovation hat. Definitiv keine Standardballade und gerade deswegen so gelungen. Fans der Schweden dürfen sich mit "Himmel så trind" übrigens seit langer Zeit wieder auf einen Song in der Muttersprache der Truppe freuen. Dass dieser aber gleich derart gut und ein Mahnmal für Nachahmer sein würde, war nicht abzusehen. Selbst die ersten Klänge dieses Midtempostampfers lassen nicht erahnen, womit man es gleich zu tun haben wird. Die Überraschung über den ungewöhnlichen Chorus ist dafür dann umso größer. Ebenso überraschend der zwar mit leicht klischeehaften Strophen, aber dafür einem umso genialeren Refrain gesegnete Speedkracher "Delusion". Hier stürmen dem Hörer nämlich schwelgerisch-beschwingte Hammondorgeln ins Ohr und im finalen Kracher in "Home of the Knave" reißt nach den flotten Strophen spätestens der beschwingte Chorus den letzten Zweifler mit. Und fast als wolle man zum Schluss hin nach alller Perfektion noch ein wenig provozieren, sind die letzten 5 Akkorde des Songs dermaßen schräg und disharmonisch, dass sie schon wieder genial sind.


["What is your inner holy delusion? Will stupidity be canonized?
Would the Prophet or the Messiah then really welcome you in?"]


Neben all dem Lob dürfen natürlich auch negative Aspekte der Scheibe nicht unerwähnt bleiben. Zum Glück gibt es nur einen einzigen davon in Form von "Fairyland Fanfare". Hier hat man versucht einen zu sehr nach Happy Metal klingenden Chorus mit lyrischen Leichtigkeit zu verknüpfen, indem man eine etwas dröge Alliteration zum zentralen Punkt des Songs erhebt. Leider auch musikalisch deutlich schwächer als der Rest und der einzige Ausfall der Scheibe, die man dennoch nach den letzten Klängen des verträumten Outros "Black Tarn" jederzeit ein weiteres Mal laufen lassen möchte. Dafür verantwortlich ist unter anderem auch die extrem saubere und druckvolle Produktion. Glasklar stehen die Instrumente nebeneinander und verschmelzen doch zu einer einzigen, gewaltigen Einheit, die unglaublich fulminant aus den Boxen zu wummern vermag wenn es angebracht ist, gleichermaßen sich aber auch zurückhalten und jedem Instrument seine Freinräume zugestehen kann.

Abgerundet wird "Northwind" durch eine unglaublich gelungene Aufmachung im limitierten Digipack. Das zeitlose Artwork und das wunderschöne Booklet bieten neben den Lyrics zu allen Songs etliche Fotos. Diese wurden sehr stilvoll geschossen und fast könnte man meinen, die Jungs hätten wirklich in der damaligen Zeit gelebt, gäbe es nicht das Bild von Mathias und dem Ventilator, welches die Session offenbar auflockert. Neben der eigentlichen CD befindet sich im aufklappbaren Digipack zudem noch eine Bonus-CD mit vier neu vertonten Instrumentals in schwedischer Sprache, die in ein Falconer typisches Folk-Powermetal-Korsett gepackt wurden. Dazu versteckt sich noch eine Dokumentation zu den Studioaufnahmen, respektive ein Interview mit Mathias und Stefan auf dem Silberling. Der Fan bekommt also jede Menge interessantes Material und einen entsprechenden Gegenwert für das investierte Geld. Auch wenn die abgelieferte Musik bereits Gegenwert genug wäre, hinterlässt diese Dreingabe natürlich einen noch positiveren Eindruck.

Abschließend kann "Northwind" eigentlich nur alles ans Herz gelegt werden, die grob gesagt dem Powermetal nicht abgeneigt sind, auf folkloristische Sounds stehen und einen absoluten Ausnahmesänger in Aktion erleben wollen. "Falconer" haben mit ihrem fünften Werk endlich wieder zu alter Stärke zurückgefunden und eines der stärksten Alben des Jahres 2006 abgeliefert. Der Nordwind weht - lasst Euch von ihm mitreißen!


In diesem Sinne...

Stay Dark!

The-Master-of-the-Lore

PS: Alle Freunde des schnellen Klicks sollen im eisigen Nordwind erfrieren... ;)

Shake Heads!

Fazit: Das Fazit genießt auch immer wieder gerne.