Big Calm - Morcheeba
Vom Blinde-Kuh-Spielen - Big Calm - Morcheeba Musik Album

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Neuester Testbericht: ... und da sie bei vielen gut ankam wurde es halt dem TripHop zugeordnet. Wäre es ein paar Jahre früher erschienen wäre es wohl dem Acid-Jazz z... mehr

Vom Blinde-Kuh-Spielen
Big Calm - Morcheeba

halcion

Name des Mitglieds: halcion

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Big Calm - Morcheeba

Datum: 02.04.05, geändert am 07.04.05 (469 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Morcheeba

Nachteile: Morcheeba

Warum? Warum schreibe ich diesen Bericht? Die Antwort lautet: Ich liebe dieses Album. Ich liebe zwar die meisten meiner Alben, aber dieses hier fällt auf. Es sticht heraus. Deswegen…

Morcheeba
ist überhaupt nicht jedermanns Fall. Mit der eher düsteren Art und den zum Teil doch ausgefallenen Instrumenten lassen sie sich kaum in eine bestimmte Stilrichtung zwängen. Manche Lieder enthalten Elemente aus Jazz, andere wiederum sind eher poppig, wieder andere sind eindeutig dem Hip Hop – in Morcheebas Fall eher Trip Hop - zuzuordnen, in einigen erkennt man Instrumente aus Country oder auch asiatische Instrumente in zum Teil ausschließlich instrumentalen Songs. Vor allem auf dieser CD ist das – meiner Meinung nach – größte Repertoire von Morcheeba zu finden.

Doch Morcheeba, wer steckt eigentlich hinter diesem Namen?

Da wäre zunächst einmal die Sängerin des Trios, mit Namen Skye Edwards, die die meisten der melancholischen Lieder erst zu dem macht, was sie sind. Dazu Paul und Ross Godfrey, zwei sehr musikalische Brüder mit Songwriter-Talent. Sie trafen Skye auf einer Party und so entstand 1996 „Morcheeba“, die mit dem Song „Trigger-Hippie“ in der Clubszene sehr bekannt wurden. Daraufhin folgte das Album „Who can you trust?“, das ein großer Erfolg wurde, und Alben wie „Big Calm“, „Fragments of Freedom“ und „Charango“, sowie das Best Of Album „Parts of the Process“ folgen ließ. Heute sind Morcheeba sehr gefragt und so wurde aus einem Insider-Tipp eine geachtete und bekannte Band.

Das Innere:

01: The Sea

Beginnend mit einer Mischung aus Computer-Elementen und Streichern steigert sich dieses Lied zum Ende hin immer mehr. Die Streicher bleiben bis zum Ende erhalten und bilden dieses, fallen zwischendurch jedoch hin und wieder mal aus nur um im Refrain wieder deutlicher aufzutreten. Dazwischen ein Schlagzeug, das den langsamen Takt dieses Liedes vorgibt, auf den Musiktönen schwebend Skye’s Stimme, sehr dunkel singend und soulig klingend. Kurz vor Ende des Liedes ist eine längere Bridge eingebaut, in der hauptsächlich elektronische Elemente überwiegen, bevor die Geigen in den Vordergrund treten. „I left my soul there, down by the sea…”, ein Lied, das uns schon zu Anfang zeigt, wie dieses Album weitergeht: entspannt.

02: Shoulder Hoster

Ein lang gezogener Ton bildet den Anfang dieses Lied, dann setzt urplötzlich der Gesang ein. Anfangs nur durch Bass und leises Schlagzeug begleitet, taucht genauso plötzlich für kurze Zeit ein asiatisch klingendes Instrument auf (Sitar nehme ich an), das im Laufe des Liedes immer wieder auffällt. Dadurch und durch einen flotten Takt eher fröhlich und auffällig, bleibt dieses Lied ohne große Abwechslung bis zum Ende gleich. Skye’s Gesang hier wieder eine Tonlage höher, tritt noch mehr in den Vordergrund, als bei „The Sea“.

03. Part of the process

Eingeleitet durch ein immer wiederkehrendes Gitarrenslide, irgendwie düster wirkend. Während den Strophen wird Skye nur von dezenten Instrumenten, begleitet. Der Refrain jedoch wirkt aufhellend, zeigt Countryelemente. „It’s all part of the process, we all love looking down, all we want is some succes…”, vom Text her auch nicht wirklich fröhlich. Hier wird in meinen Augen Gesellschaftskritik verübt – und zwar nicht zu wenig. „We’re all companions, on which we saile…“ – auf jeden Fall einer der facettenreichsten Tracks dieses Albums, in meinen Augen, außerdem das absolute Highlight.

04. Blindfold

Auch hier wieder eine düstere Einleitung, schwere und irgendwie hohl klingende Keybordklänge, das Schlagzeug fehlt fast vollständig, bevor es zum Refrain ansetzt. Gesanglich genauso, eine düstere Ballade, die sich in ihrem Verlauf zu steigern weiß. Streicher setzen mitten im Stück ein…
„Stuck in the mud, kneedeep in blood, girl. Eyes, blindfold…“ sie weiß, dass sie ihn nicht lieben sollte, die Augen vor der Wirklichkeit verschließt… „I’m so mad to love you and your evil course…”. Lange bridge zwischen dem zweiten Refrain und der dritten Strophe, bevor der Refrain zum dritten mal einsetzt. Das Ende ist schon fast dramatisch mit allerlei Instrumenten und deutlicher hervortretendem Schlagzeug als am Anfang.

05. Let me see

Eindeutig wieder Zeit für etwas Fröhlicheres. Dynamischer Start, wieder soulig klingender Gesang begleitet von Rasseln und einer eingängigen Melodie, die sich durch das ganze Lied zieht. Passenderweise beginnt das Lied mit dem Vers „Who can we trust…“ – „Anspielung auf das erste Album?“ frage ich mich da. Der Refrain ist genauso fröhlich wie der Rest des Liedes „Uuuh, let me see, all of the places that I can be…”. Ein interessanter, aber nich herausragender Song und ohne merkbare Steigerung von Musik und Gesang etwas abwechslungslos.

06. Bullet Proof

Ein irgendwie „kratzender“ Star, viele elektronische Töne mit Echo. Dann das Schlagzeug, das einen eingängigen Takt spielt. Dann kommen Töne hinzu, vier um genau zu sein. Und diese wiederholen sich bis zu dem Punkt, wo wieder kratzende Elektrobeats hinzutreten. Ein rein musikalischer Song, den ich meist einfach überspringe, da meiner Meinung nach, Skyes Gesang die Musik ausmacht. Aus diesem Grund fällt es mir auch schwer, dieses Lied genauer zu beschreiben, aber so viel sei gesagt: Ich finde ihn ziemlich langweilig und sogar mit über vier Minuten zu lang, um ihn einfach mitlaufen zu lassen…

07. Over and Over

Gott sei Dank: Gesang. Kurzer Einstieg mit Geigen, dann Skyes Stimme, in den Strophen begleitet von einer leisen Gitarre, im Refrain zusätzlich von Geigen. Ein sehr ruhiger Song, bei dem eindeutig die Stimme im Vordergrund steht. Wie es aussieht (das weiß man ja heutzutage nie so genau) wurde hier auf elektronische Elemente verzichtet. Die Geigen stoßen im Verlauf des Liedes immer häufiger hinzu, sodass es gegen Ende hin deutlich melodiöser wird. „Over and over and over again now…”
Ich mag Lieder mit Steigerung…

08. Friction

Tja, wieder ein Flop für mich. Reggae – gar nicht mein Fall. Trotzdem machen Morcheeba noch etwas mehr daraus: Mit Bläsern und sehr durchdringendem Takt wird es für mich etwas erträglich. Leider setzen sie in den Srophen aus und tauchen erst im Refrain wieder auf. „Friction…ist turning to fire… friction…ist turning much higher“, mit Skyes Stimme kann ich das Lied eigentlich recht gut hören. Trotzdem bin ich insgesamt eher skeptisch, nicht mein Fall. Vor allem der Rap kurz vor Ende (nein nein, nicht die Skye rappt!) lässt mich dann doch auf das Ende hoffen! ;-)

09. Diggin’ A Watery Grave

Was für ein interessanter Titel. Als ich ihn das erste Mal gelesen habe, stiegen meine Erwartungen an dieses Lied deutlich. Leider werden sie nicht ganz erfüllt. Wieder ein rein instrumenteller Song, zwar interessanter (und vor allem kürzer) als der letzte, aber trotzdem nicht mein Geschmack. Hier tauchen sehr asiatisch klingende Instrumente auf, lange Töne (eine Zither?) auf einem brummenden, ewig währenden Unterton. Nach 90 Sekunden ist der Spuk dann vorbei und wir kommen zu

10. Fear And Love

einem weiteren Highlight dieses Albums. Ruhige Geiger leiten dieses Lied ein, das irgendwie schwer wirkt. Eine leise Gitarre begeleitet Skye wieder beim Gesang, dabei die tiefen Streicher im Hintergrund. Bei kaum einem Lied steht der Gesang so im Vordergrund, wie hier. Der Refrain bildet einen Gegensatz zu den Strophen, die Töne werden höher und kürzer. Kritisch wird hier das Leben betrachtet: „We always have a choice, or at least I thinks we do. We can always use our voice, I thought this to be true…”. Im Verlauf des Liedes wird der Streicherchor immer größer, drängt sich immer weiter nach Vorne, bis später sogar noch Bläser hinzukommen und das Lied bluesig anhauchen. Sagte ich schon, dass ich Lieder mit Steigerung mag? [Mehrstimmige Lieder übrigens auch, aber das tut gerade nichts zur Sache… ;-) ]

11. Big Calm

Das Titellied, an das ich deswegen auch wieder Erwartungen gesetzt hatte, ist leider wieder ein fast rein instrumenteller Song, der mit sechs Minuten Länge meiner Meinung nach zu viel Platz einnimmt. Seltsame Töne dienen als Einleitung, ebenso seltsame Echoeffekte kommen hinzu. Dann spielen leise Töne eine recht nette Melodie, Bongo-Trommeln tauchen auf. Leider stoßen dann auch wieder die seltsamen Töne vom Anfang und das Schlagzeug hinzu – ich merke, dass ich dieses Lied leider doch nicht „recht nett“ finde. Plötzlich werden einige Zeilen gerappt (Vielleicht weiß es der Leser noch nicht: Ich mag Hip Hop nicht sonderlich, nicht auf englisch und schon gar nicht auf deutsch!). Dann erst mal wieder Musik, anschließend wieder ein bisschen Rap. Kein herausragendes Stück! Gott sei Dank endet das Album nicht damit, sondern mit dem Bonustrack

12. The Music That We Hear,

das mit einer interessanten Melodie und Rasseln beginnt. In den Strophen dann nur ein Bass im Hintergrund, Skyes Stimme verleiht dem Ganzen wieder etwas jazziges. „The music that we make will heal our mistakes and lead us. The music that we hear is always standing near to feet us…“. Ein interessanter Song, zwar in meinen Augen nicht einer der besten, aber angenehm nach der Musik-und-Rap-Strapaze von eben. Somit ein mehr oder weniger gelungener Abschluss.

Diese CD…
hat ein Cover, das fast ausschließlich in Rot-Tönen gehalten ist. Es zeigt eine Frau, die träge auf einem Sessel in ihrer Wohnung hängt. Außerdem sieht man eine Buddhastatue und einen Plattenspieler – ob sie wohl Morcheeba hört? Auf der Rückseite – wie meist üblich – die Platten aufgelistet, über einem stylischen aber leider kaputten Telefon und einem Bild der Band in der U-Bahn. Nett aber nicht auffallend originell.

Meine Meinung dazu
ist: Ein tolles Album mit (verzeihlichen) Ausfällen.
Die einzelnen Lieder haben eine ungewöhnlich große Bandbreite, reichen durch verschiedene Musikrichtungen, die sogar in einem einzigen Lied vereint werden können. Skye Edwards’ Stimme macht aus den Liedern richtige Kunstwerke, das Mitsingen kann sich niemand mehr verkneifen, sobald er den Text einigermaßen beherrscht.
Mit diesem Album kann man sicherlich (fast) jede Party ruinieren, denn dazu eignet sich die „chillige“ [nur eine Person, die diesen Bericht liest, wird diese Anspielung verstehen! ;-) ] Musik Morcheebas wirklich nicht. Für gemütliche Stunden zu Hause dafür aber umso mehr. Was könnte die optimale Zeit sein? Hm, ich empfehle Herbst oder Frühwinter – da kommt die Atmosphäre des Albums wirklich passend. Sonst natürlich auch immer!
Die meisten Lieder liegen deutlich über der allgemeinen Durchschnittslänge – wieder ein Pluspunkt.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich einen Stern für die Ausrutscher abziehen soll. Denn: Die hat Morcheeba auf jedem Album. Obwohl ich sie nicht mag, gehören sie sogar für mich einfach dazu und machen die ganze Sache einfach interessanter. Außerdem sind es nur drei Hänger – ich ziehe einen halben Stern ab, der aber aufgerundet wird. Deswegen eine sehr positive fünf-Sterne-Bewertung.

Anspieltipps:
01. The Sea
03. Part Of The Process
04. Blindfold
10. Fear And Love

Auf einen Blick:

01. The Sea 5.50 min
02. Shoulder Hoster 4.07 min
03. Part Of The Process 4.26 min
04. Blindfold 4.41 min
05. Let Me See 4.21 min
06. Bullet Proof 4.15 min
07. Over And Over 2.25 min
08. Friction 4.16 min
09. Diggin’ A Watery Grave 1.36 min
10. Fear And Love 5.07 min
11. Big Calm 6.02 min
+ 12. The Music That We Hear 3.49 min

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Erscheingsdatum: 1998

Links:
www.morcheeba.net/ - Offizielle englische Homepage
Die deutsche Seite (die übrigens sehr nett war) ist inzwischen wohl leider geschlossen

Fazit: