Imhoff Schokoladenmuseum Köln
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Probieren und staunen
Imhoff Schokoladenmuseum Köln

dik1609

Name des Mitglieds: dik1609

Produkt:

Imhoff Schokoladenmuseum Köln

Datum: 09.07.17

Bewertung:

Vorteile: Viel zu sehen, Genuss für Augen und Gaumen

Nachteile: Nichts entdeckt

Es war ein verregneter Tag, den wir uns für unseren Besuch in Köln ausgesucht hatten. Irgendwie machte es nicht besonders viel Spaß, draußen herumzulaufen. Aber dann kam die Idee: Wir könnten das Schokoladen-Museum besuchen. Gedacht, gesagt, getan. Wir trotzten kurz dem Wetter und begaben uns gen Rhein, um dann dieses ganz besondere Museum aufzusuchen. Davon soll im Folgenden die Rede sein.

Der Ort des Geschehens
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Das Schokoladenmuseum Köln ist leicht zu finden, es liegt verkehrsgünstig am Rheinufer der Kölner Altstadt bzw. eigentlich im Rhein. Denn als Molenkopf der Rheinauhafen Halbinsel umströmt uns der Fluss von beiden Seiten.
Am einfachsten geht's zu Fuß. Von Altstadt und Dom kommend wird das Rheinufer stromaufwärts in südliche Richtung begangen. Es geht an den Schiffsanlegern vorbei - und dann steht der Besucher direkt vor dem Museum. Vom Kölner Pegel - unterhalb der Deutzer Brücke - sind es noch etwa 500 Meter. Als markanter Orientierungspunkt dient dabei der Malakoff Turm, der unmittelbar vor dem Museum steht. Die Postanschrift: Schokoladenmuseum Köln, Am Schokoladenmuseum 1a, 50678 Köln.

Geöffnet ist das Museum Montags bis Freitags von 10 bis 18 Uhr sowie Samstags, Sonntags und an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr. Der Eintrittspreis für Erwachsene liegt bei 11,50 Euro, Schüler und Kinder ab sechs Jahren zahlen 7,50 Euro. Ermäßigungen gibt es auch für Auszubildende, Studenten, Senioren ab 65 Jahre und Menschen mit Behinderung. Eine Familienkarte für zwei Erwachsene und Kinder bis 16 Jahre kostet 30 Euro. Zudem gibt es Sonder-Veranstaltungen wie einen Schokoladen- oder Pralinen-Kurs oder besondere Verkostungen, die natürlich auch zusätzlich bezahlt werden müssen.

Die Geschichte
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Das Museum selbst informiert im Internet (www.schokoladenmuseum.de) über sein Entstehen so:

Hans Imhoff (1922-2007), Schokoladenfabrikant aus Leidenschaft, hatte lange Zeit einen Traum: Er träumte von einem Schokoladenmuseum mit einem Brunnen, in dem unaufhörlich Schokolade sprudelt.
1972 übernahm Hans Imhoff die Stollwerck-Fabrik in der Kölner Südstadt. Dort entdeckte er zufällig zum Abtransport bereitgestellte Container mit kaputten Maschinen, Verpackungsmaterialien und alten Akten - Schrott. Sofort war ihm klar, dass er einen Schatz gefunden hatte. Diesen ließ er untersuchen, aufarbeiten und restaurieren; der Grundstock für ein Museum war gelegt.
Bis zur Eröffnung des Schokoladenmuseums zogen aber noch viele Jahre ins Land. Zeit, die Hans Imhoff nutzte, um die Kultur- und Industriegeschichte der Schokolade erforschen zu lassen. In dieser Zeit baute er seine Sammlung auf und erweiterte sie stetig.
Nachdem seine Frau Gerburg Klara Imhoff im Jahr 1992 mit dem alten Hauptzollamt im Kölner Rheinauhafen den besten Standort für das Schokoladenmuseum gefunden hatte, konnte Kölns neues Wahrzeichen entstehen.
Am 31. Oktober 1993 wurde das Schokoladenmuseum nach nur 13-monatiger Bauzeit eröffnet. Es wurde zu einem nie für möglich gehaltenen Erfolg der deutschen Museumsgeschichte: Es ist mit rund 600.000 Besuchern im Jahr eine der meistbesuchten kulturellen Institutionen in Köln.
Im Einvernehmen mit der Denkmalpflege war von vornherein klar, dass man den alten und den neuen Komplex deutlich unterscheiden sollte. Die Wahl fiel auf ein durchsichtiges Gebäude mit Aluminium und Glas in Hülle und Fülle, das das alte Hauptzollamt umrahmt. Neben Ausstellungsräumen musste auch eine Produktionshalle für die gläserne Schokoladenfabrik konzipiert werden. Sie wurde an die Spitze der Rheinauhalbinsel ähnlich einem großen Schiffsdeck gebaut.
Die Halle über zwei Ebenen mit einer Gesamtfläche von mehr als 1.300 Quadratmetern hat dem Gesamtkomplex zugleich ein schönes Promenadendeck beschert, zu dem von außen zwei große Freitreppen hinaufführen. Optisch unterstreichen sie die Anmutung des Museums als "erstes Schiff" im Rheinauhafen. Der Rundgang durch neun Ausstellungsbereiche auf 4000 qm, verteilt auf drei Ebenen, gleicht einer Reise durch die Kulturgeschichte der Schokolade: beginnend bei den altamerikanischen Kulturen, wie den Maya und den Azteken, über das Barockzeitalter und die Industrialisierung hin zur individuellen Verfeinerung edler Schokoladen heute.

Unser Besuch
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Wir mussten ein wenig Schlange stehen, bevor wir Einlass ins Museum fanden - aber das waren nur wenige Minuten. Zusammen mit der Eintrittskarte gab es ein eingepacktes Stück Schokolade - das fing ja gut an! Und dann waren wir auch schon im dreistöckigen Museum, in das ich zugegebenermaßen mit ein wenig Skepsis hinein gegangen war. Aber bald schon stellte ich fest, dass hier alles andere als eine Werbeveranstaltung auf dem Programm stand, denn zunächst gab es ausführliche Informationen - vor allem durch Schautafeln, die auch interaktiv zu nutzten sind - über die Herkunft des Kakaos, über den Anbau, über die Lebensumstände in den Anbau-Ländern und über die 5000-jährige Kulturgeschichte des Kakaos einschließlich naturkundlicher Informationen zum Kakao.

Bald schon standen wir vor dem grundsätzlich begehbaren Tropenhaus, das aber am Tag unseres Besuchs geschlossen war. Nicht schlimm, wir konnten durch die Glasscheiben alles sehen und fanden auch noch Mitarbeiter vor Ort, die aufkommende Fragen gern beantworteten.

Weiter ging es - und wir beobachteten, wie die moderne Schokoladenherstellung von der Kakaobohne bis zur Praline funktioniert, wie aus flüssigem Kakao am Ende eine verpackte Süßigkeit entsteht, wie zunächst die Kakakobohne geröstet, gebrochen und gemahlen wird, ehe die fertige Schokoladenmasse gewalzt und conchiert wird. Eine Eintafelanlage sowie die Trüffelherstellung und Hohlfigurenproduktion lassen ahnen, zu welchen Köstlichkeiten Schokolade weiterverarbeitet werden kann. Rund 400 Kilogramm Schokolade sollen in dieser maßstabgetreu verkleinerten Mini-Anlage täglich verarbeitet werden.

Und dann gab es da ja noch den immer wieder gern bestaunten Schokoladen-Brunnen, ein kunstvolles Gebilde, gefüllt mit 200 Kilogramm warmer, flüssiger Schokolade. Aus vier Edelstahlfontänen sprudelt flüssig-warme Lindt-Schokolade in die Brunnenschale. an der eine Mitarbeiterin nur zu dem Zwecke verweilte, um die flüssige Schokolade auf kleine Waffeln laufen zu lassen und die den Besuchern zum Kosten zu geben. Ich gebe es zu: Ich bin mehr als einmal an diesem Brunnen vorbeigegangen - und jedes Mal gab es eine braun überzogene kleine Waffel - köstlich!

Aber es gibt ja noch viel mehr zu sehen! Ganz besondere Kunstfiguren aus Schokolade beispielsweise (selbst der aktuelle Papst wurde aus dem braunen Gold modelliert), dann mich nicht so interessierende Exponate der präkolumbischen Kulturen Mittelamerikas, eine ebenso bedeutende wie sehenswerte Porzellan- und Silbersammlung aus dem Barock sowie zahlreiche alte Maschinen aus der Zeit der Industrialisierung. Was uns auch noch ganz besonders gefiel: Alte Schokoladen-Automaten und Reklameschilder, die nostalgische Erinnerungen hervorriefen. Ach ja: Der Besucher kann - gegen einen kleinen Obulus versteht sich - auch noch seine eigene Schokoladen-Mischung zusammenstellen und bekommt die dann beim Verlassen des Museums ausgehändigt.

Und wer die Türen des Museums abschließend passiert hat, der kann noch einmal nach links um die Ecke biegen, um sich dort in einem Café verwöhnen zu lassen, oder nach rechts zu gehen, um in einem großen Geschäft allerschönste und -köstlichste Schokoladen-Produkte käuflich zu erwerben, wobei die Preise allerdings hier nicht reduziert, sondern eben ganz normal sind. Wichtig für manchen Museumsbesucher mag auch dieser Hinweis sein: Im Eingangsbereich gibt es eine ausreichende Zahl an sanitären Einrichtungen.

Meine Meinung
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Wie ich anfangs schon schrieb, besuchte ich das Museum am Rhein mit einem gewissen Maß an Skepsis. Das aber war sehr schnell verflogen, denn es gibt hier wirklich interessante und hervorragend aufgemachte Informationen, viel Abwechslung und so manchen Höhepunkt für Auge und Gaumen. Und so wunderte ich mich beim Verlassen des Museums nach einem Blick auf die Uhr, denn wir hatten hier viel mehr Zeit verbracht als ich selbst zuvor erwartet hatte: Rund drei Stunden hatte unser Besuch im Schokoladen-Museum gedauert - allerdings haben wir auch nahezu alles recht genau unter die Lupe genommen.

Als gelungen erachte ich vor allem die Abwechslung im Museum, wo einerseits Schautafeln und Filme, andererseits aber eben auch die Produktion von Schokolade zu sehen ist. Dazu kommen neben einer Historie des Siegeszugs der Schokolade in Europa antiquarische Artefakte, die immer wieder Erinnerungen an die eigene Jugend wachriefen - ebenso wie Schokoladen-Werbesports aus den vergangenen 100 Jahren in einem kleinen Kinosaal. Sehr nett war unter anderem auch eine kleine Sitzbank, die von überdimensionalen goldenen Lindt-Hasen umgeben war - ein schönes Foto-Motiv. Und dass es natürlich auch Schokolade zum Kosten gibt, rundet diesen Besuch einfach ab.

Es gibt also enorm viel zu sehen und zu erleben, so dass auch der mir anfangs recht hoch erschienene Eintrittspreis im Museum als gerechtfertigt anzusehen ist. Wer in Köln ist und dann auch noch einen regnerischen Tag erwischt, der kann ganz sicher dieses besondere Museum ansteuern - er wird seinen Besuch nicht bereuen.

Ach ja: Schräg gegenüber dem Schokoladen-Museum gibt es ein kleines Geschäft, das mit "Senf-Museum" überschrieben ist und bei freiem Eintritt eine echte Alternative zur Schokolade darstellt. Hier wird zwar nicht derart viel Historisches geboten wie bei Imhoff, aber einen Kurz-Besuch ist auch dieses Haus wert, in dem wir übrigens nach Durchsicht des Angebots auch noch zwingend einkaufen mussten . . .

Fazit: Interessanter als erwartet