Berliner Unterwelten
Underground - Unterwelten - Berliner Unterwelten Museen national

Neuester Testbericht: ... Weiteren legt er verschüttete Bauwerke frei. °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Na chdem er uns dieses alles erzählt hatte gingen wir l... mehr

Underground - Unterwelten
Berliner Unterwelten

juliaa2000

Name des Mitglieds: juliaa2000

Produkt:

Berliner Unterwelten

Datum: 13.07.07

Bewertung:

Vorteile: Sehr interessant | sehr guter Tourguide | unterhaltsam, fesselnd, spannend

Nachteile: 90 Minuten sind viel zu kurz | Fotografieren verboten | Nichts für Menschen mit Raumangst

Ich war schon viele Male in Berlin und als wir im Juni 2007 wieder einmal dort hin fuhren, wollte ich etwas Neues sehen – etwas, was ich noch nicht kannte. Ich surfte ein wenig durchs Internet und stieß auf die Seite www.berliner-unterwelten.de. „Berlin von unten“ stand dort zu lesen und „Vom Flakturm zum Trümmerberg“ sowie „U-Bahn, Bunker und Kalter Krieg“. Das machte mich neugierig!


Kontakt
Berliner Unterwelten e.V.
Brunnenstraße 108a
13355 Berlin
Telefon (030) 499105-17
Fax 499105-19
info@berliner-unterwelten.de
www.berliner-unterwelten.de

Infos zu den Führungen (030) 499105-18 (Infotelefon)



Anfahrt
Die Geschäftsstelle der Berliner Unterwelten e.V. befindet sich in der Brunnenstraße 108a in 13355 Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man sie am besten mit der U8, Bahnhof „Gesundbrunnen“. Von dort aus lässt man das Gesundbrunnen-Center hinter sich liegen und läuft noch ca. 100 m die Straße hinunter. Der Eingang ist ziemlich unscheinbar und wir wären beinahe daran vorbei gelaufen.


Eintrittspreise
Die Eintrittskarten bekommt man in der Geschäftsstelle. Da man zwischen Geschäftsstelle und Eingang „Dokumentartheater“ einige Meter zurücklegen muss, sollte man die Karten rechtzeitig besorgen. Wir sind bereits am Vormittag dort hin gefahren und haben uns die Karten für den Nachmittag gekauft. So konnten wir in aller Ruhe zum Treffpunkt gehen, ohne uns dem Stress des Anstehens und Kartenkaufens aussetzen zu müssen. Erwachsene zahlen 9.- EUR. Die ermäßigte Eintrittskarte kostet 7.- EUR. Gruppenführungen müssen rechtzeitig vorher angemeldet werden.


Touren und Termine
Es gibt vier verschiedene Touren, an denen Einzelpersonen teilnehmen können.
Tour 1 heißt „Dunkle Welten“ und führt durch den U-Bahnhof „Gesundbrunnen“ und die Räume der Bunkeranlage. Themenschwerpunkt ist hier vor allem das Thema „Bombenkrieg und Luftschutz“. So bekommt man bei dieser Führung u.a. Bodenfunde aus dem 2. Weltkrieg zu sehen. Auch das Thema „Kriegsbauwerk und Denkmalschutz“ wird dem Besucher im Unterwelten-Museum näher gebracht. Tour 1 findet ganzjährig Samstag, Sonntag und Montag jeweils um 12, 14 und 16 Uhr statt. In den Sommermonaten von April bis Oktober gibt es zwei zusätzliche Termine am Donnerstag und Freitag um 12 Uhr. Treffpunkt ist an der Geschäftsstelle.

Tour 2 – „Vom Flakturm zum Trümmerberg“ führt in die unterirdische Ruinenlandschaft Berlins. So wird u.a. der Flakturm im Humboldthain besichtigt, der in den Nachkriegsjahren nicht von den Alliierten gesprengt werden konnte, weil die nahe gelegenen Eisenbahngleise nicht beschädigt werden durften. Man sieht außerdem „zwei der sieben Geschosse der größten noch existenten Bunkeranlage Berlins“, heißt es im Prospekt des Vereins, der im Internet als PDF zum Download zur Verfügung gestellt wird.
Diese Tour wird nur von April bis einschließlich Oktober angeboten (Do. und Fr. um 14 Uhr, Sa. und So. um 11, 13 und 15 Uhr), da die Räume im Winter den Fledermäusen als Winterquartier dienen. Außerdem benötigt man für diese Führung festes Schuhwerk und warme Kleidung. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und aus Sicherheitsgründen dürfen ausschließlich Personen über 18 Jahren daran teilnehmen.

Tour 3 heißt „U-Bahn, Bunker und Kalter Krieg“. In dieser Führung wird vor allem die Teilung der Stadt näher erklärt. So wird einem anhand anschaulicher Bilder gezeigt, wie die Trennung auch unterirdisch umgesetzt wurde. Abwasserkanäle wurden abgesperrt, U-Bahnhöfe – die späteren „Geisterbahnhöfe“ – geschlossen u.v.m. Außerdem wird dem Besucher bei der Führung ein „moderner Atomschutzbunker“ gezeigt, der sich im U-Bahnhof „Pankstraße“ befindet. Im „Ernstfall“ sollten hier über 3300 Menschen Schutz finden.
Die Führung wird ganzjährig jeden Samstag und Sonntag um 12, 14 und 16 Uhr abgehalten. Zusätzlich gibt es von April bis Oktober zwei Termine am Donnerstag und Freitag um 16 Uhr.

Tour 4 nennt sich „Faszination Rohrpost – Die kleinste U-Bahn Berlins“ und zeigt – wie der Name schon vermuten lässt – das noch erhaltene Rohrpostsystem, dass sich unter der Stadt befindet. Die erste Rohrpost gab es bereits 1865. Sie verkehrte zwischen dem damaligen Haupttelegrafenamt und der Börse. 1876 wurde die erste öffentliche Stadtrohrpostanlage in Betrieb genommen, die sich dann zum weltweit zweitgrößten Rohpost-System entwickelte und ganze 400 Kilometer lang war. Die Überreste diese Rohrpostanlage, wie Maschinenapparate, Leitungen und Steuerungssysteme werden bei dieser Tour besichtigt und erklärt.
An dieser Tour kann man das ganze Jahr teilnehmen, nämlich am Sonntag um 11 und 13 Uhr.


Meine Meinung
Da mich das Thema rund um die Teilung der Stadt schon immer interessiert hatte und mich die angekündigte „ungewöhnliche Perspektive“ der U-Bahn neugierig machte, wählten wir Tour 3 aus. Die Eintrittskarten hatte wir – wie bereits erwähnt – schon am Vormittag in der Geschäftsstelle abgeholt. Dort wurde uns auch kurz der Weg zum Dokumentartheater erklärt, wo wir uns nachmittags pünktlich einfanden. Mit uns gingen ca. 20 bis 25 Personen „in den Untergrund“. Da ich unter Raumangst leide, machte mich das etwas nervös.

Leider bestätigte sich meine Vorahnung einige Zeit später. Es gab mehrere Situationen, in denen ich tief durchatmen musste, damit ich nicht der Panik verfiel. So gab es z.B. den Moment als in einem länglichen Raum das Licht ausgeschaltet wurde, um die Leuchtfarbe zu demonstrieren, die an den Wänden den Weg markierte. Oder der Moment, in dem wir einen flachen Raum betraten, in dem sich einige der größeren Männer bücken mussten. In diesem eigentlich sehr großflächigen, aber niedrigen Raum war es stockdunkel und nur die Taschenlampe des Führers zeigte uns den Weg. Als dann auch noch alle Anwesenden laut zu Diskutieren und Lachen anfingen, machte sich in mir langsam Panik breit. Ich musste mich sehr konzentrieren, um der Angst nicht nachzugeben. Menschen mit Raumangst rate ich deshalb dringend von dieser Führung ab!

Die Führung an sich war sehr interessant! Nicht nur das Thema an sich faszinierte, sondern auch der Führer verstand es, dass Thema anschaulich und spannend rüberzubringen. So erklärte er z.B. sehr enthusiastisch, dass man in EINEM dieser Bunker über 3300 Personen unterbringen würde und in allen Bunkern Berlins ca. 30000 Menschen. Nach einer kurzen Pause fragte er dann: „Wie viel Prozent der Bevölkerung Berlins sind das? Schätzen Sie mal?“ – Dass dies ja nicht einmal 1% (!!!) der Berliner Bevölkerung ausmacht, dämmerte uns erst in diesem Moment.
In einem weiteren Beispiel erklärte er, dass einem im Bunker immer ausreichend Wasser zur Verfügung stehen würde, solange die Zufuhr von oben gesichert sei. Falls die Wasserversorgung aber von oben abgeriegelt werden würde – z.B. im Falle eines Atomkrieges -, dann hätte man riesige Tanks zur Verfügung, in denen man große Mengen des lebenswichtigen Nasses lagern könnte. Nun ja, dieser Wasservorrat würde 10 Tage reichen, meinte er lapidar. Während dieser Zeit bekäme jede Person 1 Ltr. Wasser pro Tag – Toiletten benötigten aber min. 3 Ltr. pro Spülung. Aber das macht nichts, meinte er, dann spült man eben nicht jedes Mal... Und duschen müsste man auch nicht. Wenn der Nachbar meint: „Du stinkst“, dann antwortet man eben: „Du auch!“
Wenn es nach zehn Tagen kein Wasser mehr geben würde, dann würde das auch nicht das Hauptproblem sein. Denn nach zehn Tagen gäbe es ja auch kein Strom mehr und kein Sauerstoff. Also bräuchte man auch kein Wasser mehr.

Der junge Mann machte seine Sache wirklich ausgezeichnet. Er spickte seine Erzählungen mit viel Witz und Ironie und legte dabei immer wieder die „Absurdität“ dieser vermeintlich „sicheren“ Bunkeranlagen dar. Er spannte gekonnt einen Bogen zwischen Unterhaltung und sachlicher Information und wir wurden zwischen Amüsement und Bestürzung hin und her geschuppst. Man musste sich während der Vorführung sehr gut konzentrieren, weil der Führer sehr schnell und undeutlich sprach. Zwar fiel einem das Konzentrieren nicht ganz so schwer, weil das Thema unheimlich interessant war, aber trotzdem musste man schon ganz genau zuhören, um den jungen Mann zu verstehen. Außerdem ging alles sehr flott. Die 90 Minuten waren viel zu schnell vorbei und an manchen Punkten wäre ich gerne etwas länger stehen geblieben. Vor allem die zahlreichen Fotografien an den Wänden und die Erklärungen dazu hätte ich gerne näher angesehen. Schade fand ich auch, dass man während der Tour nicht fotografieren durfte. Als einziges „Beweisfoto“ blieb mir die Eintrittskarte, die im Postkartenformat vier Fotos aus den Berliner Unterwelten zeigt.

Während der Führung wird auch auf die Teilung der Stadt eingegangen. Da Berlin ein gemeinsames Abwassernetz besaß, musste die Grenze auch unterirdisch verlaufen. Das heißt, dass in den Abwasserkanälen schwere Eisenbahnschienen quer eingemauert wurden – diese waren so gut wie „unkaputtbar“. Ein Bunsenbrenner oder Ähnliches hätte hier keine Chance gehabt. Doch leider waren diese „künstlichen Barrieren“ schnell mal verstopft und in diesem Fall mussten Kanalreiniger hinunter steigen und das Loch wieder freimachen. Doch da die DDR-Regierung befürchtete, die Reinigungsmannschaft könnte versuchen zu fliehen, wurden a) nur absolut linientreue, durch eine Familie an das System gebundene und finanziell gut abgesicherte Männer hinunter geschickt und b) – doppelt hält besser – eine bewaffnete Staatsmacht zur Bewachung mitgegeben.
Sehr interessant fand ich auch die Geschichte mit dem Fotografen, der einen Tag nach Mauerfall in die Geisterbahnhöfe stieg und dort auf vermeintlich „vergessene DDR-Wachposten“ traf…. Aber nein! Das erzähle ich euch jetzt nicht. Da müsst ihr diese Tour schon selber machen ;-)


| Fazit
Die Berliner Unterwelten sollte man unbedingt einmal gesehen haben und dieser „Insidertipp“ gehört ab sofort zu jedem Berlin-Besuch dazu. Auch Berlinern rate ich, einmal an einer dieser Führungen teilzunehmen. Es ist ein tolles Erlebnis. Für uns war Tour 3 die richtige Wahl, da sie genau die Themen abgedeckt hat, die uns interessiert haben. Beim nächsten Berlin-Aufenthalt würden wir dann wahrscheinlich Tour 2 machen, da die Beschreibung dieser Führung auch sehr interessant klingt.

Doch Achtung: Wer unter Raumangst leidet, dem rate ich von diesen Führungen ab!



In diesem Sinne… alles bleibt anders… eure Dotti



[Auch bei ciao und yopi unter ähnlichem Nick tätig ;-)]

Fazit: Absolut empfehlenswert!