


Neuester Testbericht: ... Fazit: Auch der beste Bericht kann einen Besuch bei der Vasa nicht ersetzen. Daher gibt es nur eins: Auf nach Stockholm ins Vasa Museum.... mehr
Der Stolz Schwedens - noch heute wie vor 372 Jahren
Vasa Museum

Name des Mitglieds: sverimalin
Produkt:
Vasa Museum
Datum: 19.12.00, geändert am 12.09.04 (1106 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Geschichte hautnah
Nachteile: manchmal viel Leute
Wer zuerst von ihr hört, der denkt: Ach Gott! Ein altes Holzschiff im Trockendock! Doch nein, sie nimmt einen in ihrem halbdunklen Zuhause gefangen. Ihr Anblick kann begeistern. Immer wieder betrachtet man ihre prunkvollen Schnitzereien und entdeckt Neues. Ihr Lebenslauf ist lang:
1625
König Gustav II. Adolf erteilt den Auftrag zum Bau eines Kriegsschiffes. Die Vasa wurde zu dieser Zeit das teuerste und prunkvollste Regalschiff (eine andere Bezeichnung für Kriegsschiff). Die besten und schönsten Eichen, über 1.000 an der Zahl, wurden dafür gefällt. Wurde ein Unbefugter dabei erwischt, eine Eiche zu fällen, mußte er Strafe bezahlen. Bei der dritten "Tat" wurde er zum Tode verurteilt.
1626
In der Stockholmer Marinewerft "Skeppsgården" auf der Insel Blasieholmen mitten in Stockholm beginnen die Arbeiten. 400 Mann sind dafür abgestellt. Gleichzeitig wird mit dem Guß von Bronzekanonen begonnen.
Die Masten waren über 50 m hoch, die Bildwerke wurden bunt bemalt und vergoldet.
1627
Die Stockholmer sind Stolz auf ihr neues Schiff. Aus dem Ausland wurde der Bau mit großem Interesse, von den Feinden Schwedens mit Furcht verfolgt.
Der ursprüngliche Schiffsbaumeister Henrik Hybertsson stirbt, seine Nachfolge tritt Hein Jakobsson an. Der Stapellauf erfolgt.
1628
Am 10. August 1628 das große Ereignis. Die Vasa beginnt bei schönem Wetter und schwachem Wind ihre Jungfernfahrt. Mit Gästen aus aller Herren Länder, jubelndem Volk, einem stolzen König. Doch es endet in einer Katastrophe.
Noch im Hafen kentert und sinkt die Vasa. Ungefähr 50 Menschen, darunter auch Kinder und Frauen, kommen ums Leben. Doch schlimmer ist für die damalige Großmacht Schweden der Verlust ihres scheinbar besten und größten Kriegsschiffes.
1658
Der Engländer Ian Bulmer war der erste Wracktaucher. Doch er konnte die Vasa nicht bergen. Auch andere "Männer, die unter Wasser gehen konnten", haben versagt. Erst nach 1660 können zumindest einige Kanonen geborgen werden. Der Schwede Albreckt von Treileben und der Deutsche Andreas Peckell hatten die nötige Bergungserfahrung.
1664
Unter schwersten Bedingungen haben Taucher in pechschwarzer Tiefe die tonnenschweren Kanonen von den Befestigungen losgemacht, durch die Pforten gezwängt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind 53 der 64 Kanonen geborgen.
1683
Die tauchenden Männer unter der "Glocke" wurden zu Helden. Ein letzter Tauchgang erfolgte und eine weitere Kanone wurde an Land gebracht. Doch dann beginnt der Dornröschenschlaf der Vasa.
1953
Durch Professor Ahnlund aufmerksam gemacht, suchte der damals 38-jährige Anders Franzén in Archiven und später durch Loten im Stockholmer Hafen nach der Vasa. Er ist ein Experte der schwedischen Seekriegsgeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts. Er wußte, daß durch den niedrigen Salzgehalt der Ostsee der größte Feind von Holzschiffswracken, dem Schiffswurm "Teredo navalis", keine Chance zum Auffressen von Holz gegeben war.
1956
Nach dem er jahrelang meist verrostete Fahrräder, Eisengegenstände und tote Tiere aus dem Wasser gezogen hat, kam am 25. August der erste Erfolg. Vor der Insel Beckholmen wird man fündig. In einem selbstgebauten Speziallot mit Locheisen steckte ein Stück schwarzer Eiche. Im Herbst sind die ersten Taucher bei der Vasa, die in 32 Meter Tiefe liegt. Der Taucher Per Edvin Fälting berichtete über sein Funkgerät: "Ich kann nichts sehen, weil es stockfinster ist, aber ich spüre etwas Groß
es. Eine Schiffsseite. Da ist eine Kanonenpforte, dort noch eine. Zwei Reihen. Das muß die Vasa sein."
1957
Phantastische Ideen geisterten durch die Köpfe des Teams Franzén und Fälting, über die Bergung der Vasa: Das Schiff einfrieren, bis sie als Eisblock an die Oberfläche treibt, mit Tischtennisbällen füllen, die dann ebenfalls steigen. Die Firma Neptunbolaget überzeugte aber mit einer herkömmlichen Methode zur Bergung der Vasa. Die Vorarbeiten beginnen und die ersten Skulpturen werden an Land gebracht. Finanziert wird das ganze durch kostenlose Zurverfügungstellung von Personal der Marine und der Neptunbolaget, durch Geld- und Sachspenden einer landesweiten Aktion zur Rettung der Vasa.
1959
In 16 Etappen bringt die Bergungsfirma Neptunbolaget mit unter dem Kiel durchgezogenen Stahltrossen, die an leerzupumpenden Pontons verankert sind, die Vasa in flacheres Wasser. In totaler Finsternis schufteten die Menschen mehrere Meter unter Wasser. Man wußte nicht, ob das Schiff unter dem noch geladenem Ballast und Schlamm brechen würde.
1961
Bevor die Vasa wieder aus dem Wasser steigen konnte, dichteten Taucher Löcher mit Holzbolzen ab, das Heck mußte nahezu neu eingesetzt und die Kanonenpforten mit dichten Luken versehen werden. Alles hielt! Nach über 333 Jahren unter Wasser wird die Vasa unter Beisein von Presse, Radio und Fernsehen am 24. April endgültig aus den Tiefen gehoben. Der Rumpf wurde von Wasser und Schlamm befreit, bis das Schiff selbständig schwamm und in ein Dock auf Beckholmen gebracht werden konnte. Archäologen stürzten sich dann mit Begeisterung auf die Vasa und ihre Funde.
1962
Wie ein riesiges dreidimensionales Puzzle wird die Vasa in mühseliger Kleinarbeit von den Archäologen mit den gefundenen Wrackteilen wieder mit 95 % der Originalteile zu einem Ganzen zusammengesetzt. Die "Wasavarvet" wird als behelfsmäßiges Museum gebaut. Hier beginnt man mit der Konservierung des Schiffes durch Hi
lfe einer wässrigen Lösung von Polyäthylenglykol. Die ersten Besucher sahen die Vasa nur durch einen Nebeldunst: 25 Minuten Besprühen, 20 Minuten Pause, dann wieder besprühen. Und dies rund um die Uhr.
1963
Am Meeresboden suchen Taucher am Fundort der Vasa noch nach weiteren Stücken. Innerhalb von fünf Jahren finden sie über hunderte von Skulpturen, die ebenfalls konserviert und zur Vasa gebracht werden.
1979
Nach 17 Jahren endet die Dauerbesprühung der Vasa mit Konservierungsmittel. Doch auch heute noch ist sie sehr empfindlich. Die Luftfeuchtigkeit darf nie unter 60 % fallen, die Temperatur muß bei 20 ° C liegen und das Licht darf nie stärker als 50 Lux sein. So erstaunt es aber heute, daß man trotzdem mit Blitz fotografieren darf!?!
1986
Bereits 10 Mio. Menschen haben die Vasa in ihrem Museum besucht. Doch der Platz ist eng. Ein neues Museum, der richtige und gerechte Rahmen für das Prunkstück und ihr Zubehör muß her.
1987
Ein neues Museum wird gebaut. Aus über 380 abgegebenen Vorschlägen bekommt das Architekturbüro Hidemark & Månsson den Zuschlag. Über dem alten Dock einer Marinewerft, wird das extravagante Museum mit einem Kupferdach errichtet.
1988
Von der "Wasavarvet" macht das Schiff seine letzte Reise in das neue Museum. Durch die Fenster des Museums sieht man auf den Platz, wo sie gebaut wurde. Ihr Unglücksort ist nur ein paar hundert Meter entfernt.
1990
König Carl XVI. Gustaf weiht das neue Vasa-Museum am 15. Juni ein. Danach können durch Luftschleusen die Menschen in das im Halbdunkeln liegende Schiff vordringen. In den einzelnen Stockwerken und Etagen um die Vasa wird das Leben an Bord, über die Menschen, deren Leben mit der Vasa verknüpft sind, die Kunstschätze, das damalige Essen und Trinken, frühere Krankheiten, Seeschlachten im Allgemeinen und die möglichen Ursachen ihres Untergangs erzählt.
2000
Das 10-jährige Jubiläum des neuen Vasa-Museums wird g
efeiert. Heute wissen wir, warum sie sank. Durch ihre mächtige Überbauung war sie unstabil, ein "leichter Windhauch" hatte ausgereicht, um sie zum Kentern zu bringen.
Doch wer war Schuld?
Der Admiral? Nach einer negativen Krängungsprobe (wie weit neigt sich ein Schiff in die Seitenlage) ließ er damals trotzdem die Vasa auslaufen.
Der König? Die Maße hatte er genehmigt, er trieb zur Eile an beim Bau, er wollte ein Schiff mit vielen Kanonen.
Der Schiffsbaumeister? Trotz langjähriger Erfahrungen hatte er die Vasa zwar nach den althergebrauchten und "stabilen" Regeln entworfen. Doch wurde dieses Schiff als eine Art Experiment etwas größer und etwas schwerer gebaut, aber ihre Seetauglichkeit konnte damals noch nicht berechnet werden.
Alles Neue und Kühne gelingt nicht immer, wie die Menschen damals schmerzlich erfahren mußten.
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Das Vasamuseet liegt auf der Insel Djurgården. Mit den Bussen 47 und 69 ab der U-Bahnstation "T-centralen" oder den Fähren von Slussen kommt man hin.
Öffnungszeiten:
Sommer (Mitte Juni bis Mitte August) täglich von 9.30 bis 19 Uhr
Winter (Mitte August bis Mitte Juni) täglich von 10 - 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr
Eintrittspreise:
Erwachsene SEK 60,- (ca. DM 13,50)
Studenten SEK 40,- (ca. DM 9,00)
Kinder von 7 - 15 Jahre SEK 10,- (ca. DM 2,30)
Es werden Filme, Diavorführungen und Führungen in mehreren Sprachen angeboten. Im Keller des Museums kann man an Multimedia-PCs das Innere des Schiffes erforschen und selbst eine Vasa bauen.
Dazu gibt es um die Vasa neben den permanenten Basisausstellungen über den Schiffsbau, die Bergung, das Seeleben und Kriegsführung kleine Zusatzausstellungen. Diesen Sommer wurde die Ausstellung zum 10-jährigen Jubiläum mit dem Hauptaugenmerk auf die Architektur des neuen Museums eröffnet und dauert noch bis Ende des Jahres 2001 an.
Im Museum befin
det sich ein Restaurant. Die Öffnungszeiten sind ein bißchen kürzer als die des Museums. Und wer will, kann die Schiffshalle und das Restaurant komplett für Veranstaltungen, Empfänge und Festessen mieten.
Im Museumsshop können Kopien von Gegenständen an Bord der Vasa und Bücher zur Geschichte des legendären Regalschiffes gekauft werden.
Vasamuseet, Box 27131, S-102 52 Stockholm
Telefon +46 8 519 548 68
Telefon +46 8 519 548 70 (Gruppenbuchungen)
Telefax +46 8 519 548 88 (Gruppenbuchungen)
E-mail bokningen.vasa@sshm.se
www.vasamuseet.se
Dann gibt es noch die Möglichkeit, in einen "Freundesverein" der Vasa einzutreten. Die Leistungen: Freier Eintritt ins Vasa-Museum, Seehistorisches Museum und Museumsschiffe, ein begleitender Gast erhält reduzierten Eintritt, 10 % Rabatt in der Museumsboutique, 4 x im Jahr eine "Vasa-Zeitung", Einladungen zu Veranstaltungen (u. a. Vernissagen) und das Recht an Bord der Vasa zu gehen (im Zusammenhang mit dem Jahrestreffen der Vasa-Freunde).
Jahresbeitrag z. B. für einen Erwachsenen: SEK 200,- (ca. DM 45,-)
Fazit:
Weitere Angebote
| Täglich über 4 Mio. Last-Minute-Angebote, Pauschalreisen, Wellnessreisen, Sportreisen. | Testberichte | ||
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