Schwarzer Sonntag - Thomas Harris
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Neuester Testbericht: ... o0o''' "Schwarzer Sonntag" ist ein Thriller aus der Feder von Thomas Harris, der vor allen Dingen durch sein Werk "... mehr

Schrecklicher Terrorismus
Schwarzer Sonntag - Thomas Harris

Goofy2

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Schwarzer Sonntag - Thomas Harris

Datum: 01.01.09, geändert am 23.01.10 (504 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: immer noch zeitaktuell, flüssig zu lesen, sehr spannend

Nachteile: nichts

Wir schreiben das Jahr 1975. Der Schriftsteller Thomas Harris gibt den Roman >> Black Sunday << heraus. Übersetzt heißt das >> Schwarzer Sonntag <<, und so lautet auch die von Ulla H. de Herrera und Jürgen Abel aus dem Englischen übersetzte Fassung, die 1999 vom Wilhelm Heyne Verlag aufgelegt wurde.

Harris, der auch den wohl Meisten bekannten Roman >> Das Schweigen der Lämmer << schrieb, machte ein seit Beginn der 70er Jahre aktuelles Thema zu seinem Romaninhalt: den Terrorismus. Grob gesagt geht es wieder einmal Gut gegen Böse. Die Bösen, hier arabische Terroristen, planen einen Vergeltungsschlag gegen die USA.

Doch nun erstmal zum

Inhalt:
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Hochrangige Mitglieder des Geheimdienstes RASD (Jihaz al Rasd) der El Fatah-Bewegung, die für die Aktionen des Schwarzen September in Italien und Frankreich verantwortlich waren und auch die Fäden für den Überfall auf das Olympische Dorf in München zogen, treffen sich mit einer jungen Araberin, die in den USA lebt, in Beirut zu einer Besprechung. Sie wollen Vergeltung nehmen für die andauernden Waffenlieferungen der Staaten an Israel. Unter anderem wurde bei Anschlägen durch die Israelis gegen die PLO immer wieder amerikanischer Plastiksprengstoff verwendet. Der Chef dieser Eliteeinheit, Hafez Nadscheer, musste nach einem dieser Terrorakte seinen Bruder in Einzelteilen aus einer zertrümmerten Wohnung holen.

Dahlia Iyad, die junge Frau, wartete mit einem genialen Vorschlag auf.

In den USA hat sie ein Verhältnis mit einem ehemaligen Hubschrauberpilot angefangen. Nach einem Einsatz 1967 in Nordvietnam geriet er in Kriegsgefangenschaft und musste dort sechs Jahre, teilweise unter Folter, verbringen. Obwohl Michael J. Lander nur Rettungseinsätze für seine Kameraden flog, musste er einerseits unter schlimmsten Drohungen durch die Vietnamesen, andererseits erpresst im Hinblick auf eine notwendige Operation seiner zerschossenen Hand, ein Statement über so genannte Kriegsverbrechen der USA vor laufender Kamera abgeben und sich selbst beschuldigen, ein Krankenhaus angegriffen zu haben. Dieser Film wurde als Propagandamaterial ausgestrahlt und wurde auch von der U.S Navy gesehen. Er galt daher als Vaterlandsverräter und wäre vor ein Kriegsgericht gestellt worden. So blieb Lander nichts anderes übrig, als nach Rückkehr aus seiner Gefangenschaft, von der Armee freiwillig Abschied zu nehmen. Als ihm auch noch seine Ehefrau davonlief, vermehrte sich sein Hass auf sein Vaterland so sehr, dass er beschloss, in dem Haus, das ihm seine Frau zurückließ, eine 600 kg schwere Bombe zu bauen und diese in einem vollbesetzten Football-Stadion explodieren zu lassen. Geschehen sollte dies bei einem Super Bowl-Spiel am 12. Januar, bei dem auch der Präsident der Vereinigten Staaten zusehen wollte. Seinen Plänen nach würden bei diesem Anschlag neben dem Präsidenten weitere 80.000 Menschen sterben.

In allen Einzelheiten berichtete Dahlia, wie Lander seine Vorbereitungen traf und wie die von ihm geplante Bombe aussehen soll. Dahlia stand fest hinter den Plänen Landers und widersetzte sich jeglichen Angriffen der Männer gegen ihre Person. Dass sie dabei Fasil etwas auf die Füße trat und er einen Rüffel seitens des Chefs, Nadscheer, einstecken musste, würzt die ganze Geschichte rund um diese beiden Personen, die sich zwangsläufig immer wieder über den Weg laufen.

Nachdem Dahlia nach ihrem Bericht mit gezielten Fragen nach der Zuverlässigkeit des Amerikaners und auch nach ihren eigenen Gefühlen zu ihm regelrecht in die Zange genommen worden war, konnte sie letztendlich die Männer des Geheimdienstes überzeugen und erhielt den Auftrag, alles vorzubereiten und die Aktion dann mit Lander, wie geplant, zu vollziehen. Trotz gewisser Restbedenken und Skepsis stimmten Abu Ali (Verantwortlicher bei den Aktionen in Italien und Frankreich) und Muhammad Fasil (Waffenexperte und "Regisseur" des Überfalls in München) zu und versicherten ihr
uneingeschränkte Unterstützung. Vor allem Fasil war gefragt, da Lander in den USA nicht an die große Menge Sprengstoff herankam, die er für sein Vorhaben benötigte. Nach Beendigung der Besprechung bzw. der Vernehmung Dahlias, ging diese mit Hafez Nadscheer in dessen Wohnung mit und verwöhnte ihn im Bett.

Allerdings beendete ein Überfall des israelischen Geheimdienstes, Mossad, das zärtliche tête à tête. Unter Führung von Major David Kabakov und Sergeant Robert Mos?hevsky wurde die Wohnung Nadscheers gestürmt und er selbst erschossen. Lediglich Dahlia, die für eine arabische Nutte gehalten wurde, konnte entkommen und floh auf direktem Weg mit dem nächsten Flieger zurück in die USA.

Leseprobe
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>> Das nackte Mädchen in der Badezimmertür stand wie gelähmt da. Der Mörder richtete seine Maschinenpistole auf ihre nasse Brust. Sein Zeigefinger krümmte sich am Abzug. Es war eine schöne Brust. Die Mündung der Maschinenpistole schwankte.
"Zieh dir was an, du arabische Nutte", sagte er und ging rückwärts aus dem Zimmer.

Die Explosion zwei Stockwerke tiefer hatte die Wand aus Abu Alis Apartment herausgerissen und hatte Ali und seine Frau sofort getötet. Als die Angreifer sich hustend und halb erstickt vom Staub auf den Weg zur Treppe machten, kam ein schmaler Mann im Pyjama aus dem Apartment am Ende des Flurs und versuchte eine Maschinenpistole zu spannen. Ehe er den ersten Feuerstoß abgeben konnte, durchbohrte ihn ein Kugelhagel und jagte Fetzen von seinem Pyjama in sein Fleisch und quer durch den Flur.
Die Israelis rannten auf die Straße hinaus, und gleich darauf rasten ihre Wagen dröhnend südwärts, in Richtung des Meeres. In diesem Augenblick ertönten die ersten Polizeisirenen.

Dahlia stand wenige Sekunden nach dem Überfall auf der Straße. Sie hatte Nadscheers Bademantel an und hielt ihre Handtasche umklammert. Während sie sich unter die Menge mischte, versuchte sie verzweifelt nachzudenken. Plötzlich packte eine kräftige Hand ihren Arm. Es war Muhammad Fasil. Eine Kugel hatte einen blutigen Streifen quer über seine Wange geschnitten. Er wickelte seinen Schlips um die linke Hand und hielt ihn an die Wunde.
"Nadscheer?" fragte er.

"Tot."
"Ali auch, glaube ich. Sein Fenster ist herausgeflogen. Gerade als ich um die Ecke bog. Ich habe vom Wagen aus auf sie geschossen, aber ... Hör mir jetzt gut zu. Nadscheer hat den Befehl gegeben. Dein Auftrag muß durchgeführt werden. Der Sprengstoff kommt trotz der Sache hier. Er wird zu dem vereinbarten Termin eintreffen. Ebenso Maschinenwaffen - deine Schmeisser und eine AK-47, beide gesondert mit Fahrradteilen verpackt."

Dahlia sah ihn an. Ihre Augen waren gerötet vom Rauch. "Das sollen sie büßen!" sagte sie. "Sie werden es teuer bezahlen müssen - zehntausend zu eins!" <<

Doch weiter mit dem Inhalt:
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Zurück in Amerika, hält sie Verbindung zu allen relevanten Personen. So organisiert sie den Schiffstransport des 600 kg schweren Plastiksprengstoffes. Hier gibt es natürlich (sonst wär's ja kein Roman) Pannen und Verwicklungen, die letztendlich die Küstenwache und in Folge das FBI auf den Plan rufen. Hervorragend gut sind die Strukturen der Organisation nachvollzogen. Im gesamten Räderwerk werden auch ganz gewöhnliche Verbrecher mit einbezogen, die allerdings meistens ihr Engagement mit dem Leben bezahlen.

Durch immer wiederkehrende Rückblicke Landers an seine Militärzeit in Vietnam mit all seinen Traumata zeichnet Harris ein klares Bild eines gebrochenen Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat. So ergibt sich ganz natürlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Dahlia und Lander äußerst intensiv wird. Auch im zwischenmenschlichen Bereich funktioniert es bei den Beiden. Lander hat zwar immer wieder Aggressionsschübe, die das gesamte Vorhaben gefährden. Doch Dahlia bleibt Herrin der Geschichte und schafft es immer wieder, ihn zu besänftigen.
Nachdem nun offizielle Stellen Ermittlungen gegen die Schiffsbesatzung aufgenommen haben, allerdings noch ohne Ahnung, mit welchem brisantem Hintergrund, schieben sich die Agenten des Mossad etwas in den Vordergrund und versuchen, das FBI zu überzeugen, dass es hier um mehr als nur gewöhnlichen Schmuggel auf See geht. Nach schwerster Überzeugungsarbeit arbeitet nun das FBI mit dem israelischen Geheimdienst zusammen und bezieht selbstverständlich auch die CIA mit ein. Immer mehr Puzzleteilchen werden entdeckt und zum Gesamtbild zugefügt. Ob das aber ausreicht, den geplanten Anschlag zu verhindern, werde ich natürlich nicht verraten. Das müsst ihr schon selber lesen.

Meine ganz persönliche Ansichten
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Thomas Harris versteht es von Anfang an, seinen Roman mit großer Spannung aufzubauen. Schon auf den ersten drei Seiten lässt sich erahnen, dass dieses Buch anders als sonstige Thriller ist. Alleine schon das für uns Europäer fremde Denken und Handeln arabischer Menschen, hier natürlich insbesonders der extrem Menschen verachtenden Terroristen, lehrt einem ein unbestimmtes Gruseln.
Geschickt suggeriert der Autor Authensität, indem er gleich zu Beginn eine Brücke zu den tatsächlichen Ereignissen Anfang der 70er Jahre schlägt. Gerade den älteren Lesern dürften die schrecklichen Ereignisse 1972 bei den Olympischen Spielen in München noch im Gedächtnis sein. Auch der Begriff Schwarzer September ist hier der Wirklichkeit entliehen.

Dennoch ist in meinen Augen der gesamte Roman eine Fiktion, denn meines Wissens nach hat es einen derart großen Terroranschlag zu der damaligen Zeit nicht gegeben. (Sollte ich mich hier irren, bitte kurze Berichtigung entweder in den Kommentaren oder im GB)

Harris hat in diesem Buch die Grausamkeiten sowohl auf der israelischen als auch auf der palästinensischen Seite gut herausgearbeitet. Und dass sich der Terrorismus derart auf Amerika fokussiert, ist nachvollziehbar, da die USA immer noch der größte Waffenlieferant für Israel sind. Und gedanklich war der Autor wohl seiner Zeit schon ein kleines (trauriges) Stückchen voraus. In einem Kapitel lässt er einem der Terroristen kurzfristig die Idee vorschweben, ein Flugzeug zum Zwecke des Attentates zu entführen. Und das erlebten wir alle ja im September 2001.

Die Figur Landers, mit all ihren Facetten, spiegelt ganz klar den Frust wieder. Denn welcher Veteran, der unter Einsatz seines Lebens seine Kameraden retten will und soll, kann es verkraften, nach schrecklichster Gefangenschaft und unter Androhung größtmöglichster Pein, dass er vor ein Kriegsgericht gestellt werden soll, weil er gezwungen wurde, Gräueltaten zuzugeben, die er nie begangen hatte. Hier, denke ich, hat Harris klar herausgestellt, wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten die Uhren tatsächlich laufen. Obwohl ich Gewalt in jeglicher Form ablehne, kommt das eine oder andere Mal etwas Verständnis für seine Lage auf. Aber um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: der Weg ist ganz klar falsch!!

Schön beschrieben ist auch die Abhängigkeit Landers von der Terroristin Dahlia, die ihn einzig und alleine für den in ihrem Glauben guten Zweck vor ihren Karren spannt. Dass sie auf Grund seiner Labilität ein leichtes Spiel hat, liegt auf der Hand. Auch dass er sich mit seiner Bombe hochgehen lassen will, fasziniert. Denn solche Selbstmordattentäter sind ja eigentlich erst aus jüngerer Zeit bekannt. Und obendrein ein Amerikaner.... ?

Der Autor lässt den Leser auch immer wieder hinter die Kulissen der einzelnen Geheimdienste blicken. Wenn dieses nicht ein fein säuberlich gesponnener Romanfaden ist, hat er gut recherchiert. Insgesamt gesehen fiebert man von Seite zu Seite mit allen Akteuren mit, wie sie wohl ihr dreckiges Spiel weiterführen. So manches Mal hatte ich beim Lesen das Gefühl, auf ein teuflisches Schachspiel zu blicken, um den nächsten Zug voraus zu berechnen.

Zusammenfassend kann ich allen Liebhabern des Genres Thriller diesen Roman nur wärmstens empfehlen, obwohl er schon älter ist. Großartiger Spannungsaufbau von der ersten Seite an, immer wieder zusätzliche Spannungsspitzen zwischendrin und ein, leider, immer wieder aktuelles Thema.

Noch ein paar Hinweise zum Autor:
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Die Kurzbiographie habe ich von >>http://www.krimi-couch.de/krimis/thomas-ha rris.html<< kopiert.
Thomas Harris wurde 1940 in Jackson, Tennessee geboren. Doch schon sehr früh zog seine Familie in die Heimatstadt seines Vaters, nach Rich, Mississippi, wo dieser Farmer werden konnte. Nach der Schulzeit besuchte Thomas Harris die Baylor University in Waco, Texas. Tagsüber studierte er Englisch, nachts arbeitete er als Journalist für die News-Tribune. Zu dieser Zeit heiratete er seine Studienfreundin Harriet, mit der er eine Tochter (Anne) hatte. In den 60ern trennten sich jedoch die Wege von Thomas und Harriet.
Danach begann Thomas Harris seine Schriftsteller-Karriere. Er fing an, makrabre Geschichten an Magazine wie "True" oder "Argosy" zu schicken. Schon diese Geschichten hatten die typischen Merkmale, die Harris´ Romane auszeichnen sollten - vor allem eine unglaubliche Liebe zum Detail.
1964 graduierte Thomas Harris, verbrachte einige Zeit mit Reisen durch Europa, bevor 1968 bei der "Associated Press" in New York als Reporter anfing. Die Einsichten in die Welt der Kriminalität, die er dort gewann, führten zu seinem ersten Roman Schwarzer Sonntag. Den begann er zwar mit zwei Reporter-Kollegen, übernahm jedoch das ganze Projekt und brachte es allein zu Ende."Schwarzer Sonntag" wurde zum Bestseller und Kino-Film - und Harris hatte fast über Nacht eine neue Karriere in den Händen.
Harris hing daraufhin seine Journalisten-Karriere an den Nagel und verschrieb sich ganz der Schriftstellerei. Sein Hang zur Perfektion und die damit verbundenen zeitraubenden Recherchen, waren der Grund dafür, dass sein nächster Thriller erst 1981 - also sechs Jahre nach "Schwarzer Sonntag" in die Läden kommen sollte: Roter Drache . Der Grundstein seiner Hannibal-Lecter-Serie, die mit Schweigen der Lämmer ihren Höhepunkt weitere sieben Jahre später erreichen sollte. Die Verfilmung von "Schweigen der Lämmer" (mit Jodie Foster als Clarice Starling und Sir Anthony Hopkins als Dr. Hannibal Lecter) wurde ein oskar-prämierter Riesenerfolg.
Erst 1999 schrieb Thomas Harris die Fortsetzung, Hannibal. Doch konnten weder das Buch noch der Film die hohen Erwartungen erfüllen.
Krimis von Thomas Harris:
Hannibal Lecter Reihe
(1981) Roter Drache
(1988) Das Schweigen der Lämmer
(1999) Hannibal
(1975) Schwarzer Sonntag
"Schlicht und einfach der größte Thriller-Autor unserer Zeit." (Washington Post)

Ende der Kopie!!

Zum Buch
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Ich habe, wie eingangs ja schon bemerkt, die Ausgabe von 1999 gelesen. Es ist ein Taschenbuch aus dem Heyneverlag und hat seinerzeit 5,-- DM gekostet.

Ich hab' mal im Internet recherchiert. Bei amazon gibt es aktuell eine Fassung zum Preis von 8,64 Euro. Auch gebraucht kann man es noch kaufen. Bei ebay wird es ab 1,-- Euro angeboten.

ISBN 3-453-15386-3
Ich vergebe fünf von 5 Sternen, eine klare Kauf- und Leseempfehlung und wünsch' euch viel Spaß beim Lesen.

© BigGoofy 2008 für Yopi, PV und Ciao und Goofy2 für dooyoo

Fazit: ist ausreichend im Bericht untergebracht