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Der Geist, den ich rief, ...
Ghost - Robert Harris

Name des Mitglieds: HeiderSV
Produkt:
Ghost - Robert Harris
Datum: 18.11.11, geändert am 18.11.11 (115 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: gut und flüssig geschrieben, spannend
Nachteile: das lieblose Hardcover, die monströse Verschwörungstheorie
Vorweg
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Hin und wieder versäumt man etwas, bei mir war es neben vielem anderen der Kinobesuch für den Film Ghostwriter, nicht unbedingt wegen der Story aber wegen des Regisseurs Roman Polanski und des zweiten Hauptdarstellers Pierce Brosnan, den ich als James Bond ausgesprochen gut fand und immer noch finde. Dann kam der Glücksgriff, Weltbild -oder war es Jokers?- boten die gebundene Ausgabe als Remittend für kleines Geld an. Jetzt habe ich das Buch und will ich den Film noch sehen? Lest selbst und bildet euch eine Meinung, ich würde mich freuen, entsprechende Kommentare zu erhalten. (Hier winkt der Zaunpfahl aber heftigst!)
Fakten
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Titel: Ghost (gemeint ist nicht der übersinnliche Geist sondern der Ghostwriter, das ist auch der Filmtitel)
Autor: Robert Harris (laut New York Times: "ohne Frage der beste englische Thrillerautor")
Übersetzung: Wolfgang Müller
Verlag: Heyne
Preis: gebundene Ausgabe maximal 13,95 bei amazon, als Taschenbuch preisgebunden 8,95 Euro
Seitenzahl: fast 400
Grafiken/Bilder: Fehlanzeige
Verweise auf den Film: dito
Copyright von 2007
Drei Sätze zum Autor
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Robert Harris ist 54 Jahre alt und allgemein ausgedrückt Journalist. Bereits sein erster Roman wurde ein Erfolg und er machte sich einen Namen als ein Autor, der historische Fakten mit seiner Fiktion zu einer spannenden Geschichte vermischt. Sozusagen ein zweiter Ken Follet. Harris' Markenzeichen sind die extra kurzen Romantitel, "Titan" "Angst" "Imperium" usw.
spoilerfreie Story
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Ein Ghostwriter bekommt einen brisanten Auftrag: Er soll die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Robert Lang schreiben. Was ist daran so brisant? Erstens: Er hat nur einen (!) Monat Zeit, weil sein Vorgänger einem Unfall zum Opfer fiel. Zweitens: Genau zu diesem Zeitpunkt wird der Ex-Politiker von seiner Vergangenheit eingeholt. Drittens: Es sind Millionen Dollar für das Buch schon versprochen worden bzw. geflossen, es muss also fertig und gut werden. Viertens: Top Secret, es darf nichts vorher nach außen gelangen, das Manuskript darf das Anwesen nicht verlassen.
Der Ghostwriter, der sich selbst nur kurz "Ghost" nennt, liest das vorhandene Manuskript und ist entsetzt: Langeweile pur, öde Aneinanderreihung von Fakten, keinerlei Leben in diesem Werk. Verbissen stürzt er sich in die Arbeit, interviewt Robert Lang, der sich auf einer Insel in den USA verkrochen hat und wird stutzig. Plötzlich stimmen die Fakten nicht mehr. Ist sein Vorgänger etwa gar nicht durch einen Unfall ums Leben gekommen? Hat er gar zu viel herausgefunden? Gibt es einen Hintersinn, einen Autor, der noch nie über Politiker geschrieben hat, also völlig unbedarft ist, zum neuen Ghostwriter zu machen? Weil der "harmloser" ist? Und wenn jetzt herauskommt, dass er das gar nicht -mehr- ist?
Kritik
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Der Schreibstil ist locker, sehr gut lesbar, der Autor und sein Übersetzer sind für die schnörkellose Arbeit zu loben. Beispiel gefällig? Die Freundin verlässt den Ghost im Streit: ... "Als sie ging, knallte sie die Tür nicht etwa zu, sondern schloss sie sehr behutsam. Hat Stil, dachte ich." Unmittelbar davor hat er darüber sinniert, dass sie es von allen am längsten mit ihm ausgehalten hat.
Der Plot ist durchdacht und verzweigt ohne zu vertändeln in interessante kleine Nebengeschichten, ein wenig Sex, Eifersucht, Misstrauen, wechselnde Bündnisse. Die große Verschwörung am Ende, wenn es sie denn tatsächlich gab, ist allerdings extrem dick aufgetragen und in inhaltlicher Konsequenz erschreckend unglaubwürdig. Hier wäre weniger mehr gewesen, dann hätte man zumindest zweifeln können, ob es nicht vielleicht wirklich so zugeht ...
Pluspunkte sammelt das Werk damit, dass konsequent der Name des Ghostwriters nicht genannt wird, noch nicht einmal ein Vorname. Er ist "der Ghost", sein Name ist unbedeutend. Weiterhin punktet es mit den treffend ausgesuchten Zitaten, die als Einleitung zu jedem neuen Kapitel erscheinen. Sie stammen aus einem Buch über Ghostwriter und sind sozusagen für den Ich-Erzähler -den Ghost- immer die Grundsätze, nach denen er arbeitet. Beispiel gefällig: "Ein Ghostwriter mit nur laienhaften Kenntnissen über seinen Kunden ist in der Lage, die gleichen Fragen zu stellen wie der laienhafte Leser und erweitert deshalb den potenziellen Leserkreis des Buches erheblich."
Das Buch selbst ist in seiner gebundenen Ausgabe nur hübsch, solange der Papierumschlag hält, darunter ist es nur schwarz.
Das heißt jetzt?
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Werde ich den Film in der Videothek ausleihen oder warte ich auf eine Free-TV-Ausstrahlung? Ich bitte um Vorschläge aus der Leserschaft des Berichtes. 4 Sterne für das Buch und eine Leseempfehlung, wenn man mit der Verschwörungstheorie am Schluss leben kann.
Fazit: Soll ich Geld für den Film ausgeben oder warten?


