"Im Krieg ist die Wahrheit so wichtig, ...
Double Cross Falsches Spiel - Daniel Silva

Name des Mitglieds: Lu Wang
Produkt:
Double Cross Falsches Spiel - Daniel Silva
Datum: 01.09.05, geändert am 14.11.09 (122 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Story, Stil, ...
Nachteile: -
... dass sie stets von Lügen als Bodyguard begleitet werden muss."
Winston Churchill
Von den in letzter zeit von mir bevorzugten Autoren MICHAEL CRICHTON und DOUGLAS PRESTON / LINCOLN CHILD habe ich nun fast alle Roman gelesen und so war es für mich an der Zeit, mich auch nach Romanen anderer Autoren umzusehen.
Mehr oder weniger zufällig stieß ich dabei auf einen Roman mit dem Titel DOUBLE CROSS - FALSCHES SPIEL von dem mir bis dahin unbekannten Autoren DANIEL SILVA und nun, da ich den Roman durchgelesen habe, mache ich ihn zum Thema meines heutigen Beitrags.
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ALLGEMEINES
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DANIEL SILVA, der mehrere Jahre als politischer Redakteur und Auslandskorrospondent für die Nachrichtenagentur UIP arbeitete, veröffentlichte im Jahre 1997 mit DOUBLE CROSS - FALSCHES SPIEL seinen ersten Roman, der im englischsprachigen Original den Titel THE UNLIKELY SPY trägt.
Die deutschsprachige Ausgabe erschien im selben Jahr bei der in München ansässigen Piper verlag GmbH und in der Zwischenzeit sollte der Roman auch in einer Taschenbuchausgabe erhältlich sein (ich besitze eine gebundene Auflage des Romans).
Der Einband meiner gebundenen Ausgabe zeigt die Fotografie (schwarzweiß) eines Mannes (Spions), der durch ein Fernrohr eine Strandbefestigung betrachtet, und passt so sehr gut zur Story des Romans. Auf der Rückseite findet sich eine (sehr) kurze, aber durchaus zutreffende Inhaltsangabe, sowie einige Auszüge aus Lobeshymnen gleichen Pressetexten zum Roman.
Titel: Double Cross - Falsches Spiel
Originaltitel: The Unlikely Spy
Jahr: 1997
Jahr (deutschspr. Ausgabe): 1997
Verlag: Piper
ISBN (geb. Ausgabe): 3-492-03868-9
Seitenzahl: 568
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STORY
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England im Jahre 1943
Dass Leben in England ist geprägt von den Folgen des Krieges. Zahlreiche Gebäude sind beschädigt, zum Schutz vor Luftangriffen der deutschen Luftwaffe ist des nachts Verdunkelung angeordnet und aufgrund von Rohstoffknappheit ist der zivile Kraftfahrzeugverkehr fast völlig zum erliegen gekommen.
Die britische Armee bereitet sich gemeinsam mit den amerikanischen Streitkräften auf die Landung auf dem europäischen Festland, präzise an der französischen Küste vor und beginnt zu diesem Zweck mit dem Bau riesiger Betongebilde, die an die französische Küste in der Normandie geschleppt werden sollen und aus denen dort ein behelfsmäßiger Hafen entstehen soll.
Um den Ort der Landung vor der Wehrmachtsführung geheim zu halten oder diese über den Ort der Landung zu täuschen, ist es zwingend erforderlich, dass alle vorbereitenden Maßnahmen geheim bleiben und so wird unter anderem eine größere Zusammenziehung von Truppen bei Dover imitiert um Aufklärungsflieger der deutschen Luftwaffe zu täuschen.
Da diese allerdings einer näheren Inaugenscheinnahme nicht standhalten ist man in England bemüht, alle Spione des Deutschen Reichs zu enttarnen, oder wie in der Vergangenheit häufig geschehen, zu einer Zusammenarbeit mit dem britischen MI5 zu zwingen.
Tatsächlich haben sich die Agenten der von Admiral Canaris geführten Abwehr, dem deutschen Auslandsnachrichtendienst, meist als ebenso mangelhaft ausgebildet, wie schlecht ausgerüstet erwiesen, doch nun deuten alle Anzeichen darauf hin, dass es dem Deutschen Reich gelungen ist, mindestens einen hervorragenden Agenten, vermutlich einen so genannten Schläfer, nach England einzuschleusen und so holt Premierminister Winston Churchill den mit ihm befreundeten Historiker Alfred Vicary zurück zum Nachrichtendienst MI5 um dort die Suche nach den deutschen Agenten zu leiten.
Tatsächlich verfügt die Abwehr mit Anna Katharina von Steiner, die seit Jahren unter dem Namen Cathrine Blake in London lebt über einen Spitzenagenten in London, der nun, nachdem sie mehrere Jahre unbehelligt in London lebte, den Auftrag erhält, den Ort der Landung der Alliierten auszukundschaften.
Mit Horst Neumann gelingt es der Abwehr, einen weiteren Agenten nach England einzuschleusen, der bei einem IRA-Sympathisanten, der aus Hass gegen England mit den Nazis kooperiert Unterschlupf findet und Cathrine Blake unterstützen soll.
Verhältnismäßig leicht gelingt es Cathrine Blake, eine Liaison mit dem amerikanischen Ingenieur Peter Jordan zu beginnen, der für den Bau der mobilen Hafenanlage verantwortlich ist.
Obwohl Alfred Vicary zunehmend den Eindruck gewinnt, auch von seinem Vorgesetzten, Sir Basil Boothby, in seiner Arbeit behindert zu werden, gelingt es dem MI5, der deutschen Agentin auf die Spur zu kommen und über den Ingenieur Peter Jordan, lässt der MI5 ihr nun gefälschte Unterlagen zukommen.
Allerdings fühlt sich auch die deutsche Agentin nicht mehr sicher und so bereitet sie sich gemeinsam mit Horst Neumann auf eine Flucht nach Deutschland vor., für die ein U-Boot in der Nähe der britischen Küste kreuzt und darauf wartet, die beiden Agenten aufzunehmen.
Alfred Vicary weiß allerdings, dass, wenn Cathrine Blake misstrauisch geworden ist, sie auch die Echtheit des beschafften Materials anzweifeln wird und so kann es der MI5 nicht zulassen, dass die beiden Agenten England verlassen oder Kontakt nach Deutschland aufnehmen und so spitzt sich die Situation für beide Parteien zu ...
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ANMERKUNGEN
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Vor dem realen Hintergrund der Landung der Alliierten in der Normandie erzählt DANIEL SILVA mit seinem Roman DOUBLE CROSS - FALSCHES SPIEL einen Spionagethriller, der von der ersten Seite an absolut spannend und dabei auch absolut glaubwürdig erzählt ist.
Diese hohe Glaubwürdigkeit erreicht DANIEL SILVA (unter anderem) dadurch, dass der Geschichte mit der Landung der Alliierten in der Normandie ein reales Szenario zugrunde liegt und dass er zahlreiche real existierende Personen (angefangen von Hitler und Churchill bis hin zu Canaris) in seine Handlung einbezieht. Auch hält er sich überall dort, wo es aufgrund der Story möglich ist, an historische Fakten und so wirkt die gesamte Story absolut real, zumindest aber denkbar.
Interessant wird die Story des Romans DOUBLE CROSS - FALSCHES SPIEL auch dadurch, dass der Autor sehr präzise auf nachrichtendienstliche Details wie beispielsweise die Beschaffung einer Legende von Anna Katharina von Steiner oder das Verhören und "Umdrehen" enttarnter Agenten, eingeht.
Innerhalb seiner Story widmet sich der Autor auch recht intensiv den agierenden Personen, wobei er ebenso detailliert auf die real existierenden Personen eingeht (in diesen Fällen übrigens auch sehr gut recherchiert), sondern auch auf die von ihm erdachten fiktiven Charaktere. So schildert DAVID SILVA nicht nur Himmlers Misstrauen gegenüber Canaris und den von Heinrich Himmler geschürten Machtkampf zwischen SD (in Gestalt des Generals Schellenberg) und Abwehr, sondern auch in besonderem Maße seinen fiktiven Hauptakteuren Alfred Vicary, dessen Werdegang und bisheriges Leben er recht ausführlich schildert und vor allem Anna Katharina von Steiner. Insbesondere bei letzterer beschreibt der Autor recht ausführlich ihr früheres Leben, die Anwerbung/Erpressung durch den Agentenführer Vogel, ihre Ausbildung zur Agentin und auch ihre Einreise/Etablierung in/nach London.
Ebenfalls interessant schien mir auch die Figur des Sean Dogherty, einem in England lebenden Iren, der nicht schon seit Jahren in eher unbedeutenden Funktionen für die deutsche Abwehr arbeitet (und letztlich Horst Neumann beherbergt), weil er ein Sympathisant der Nazis ist, sondern weil er England hasst, da sein Bruder, ein IRA-Anhänger einst von Engländern getötet wurde. Zwar ist Sean Dogherty und sein Hintergrund für die Story nicht von elementarer Wichtigkeit, aber er ist ein sehr gutes Beispiel für die unterschiedlichsten Motive der Protagonisten.
Überhaupt beschreibt DANIEL SILVA Personen, Orte, Begebenheiten und anderes sehr präzise, schafft es aber, diese detaillierten Ausführungen so zu gestalten, dass sie nicht einen einzigen Moment langweilen und die hohe Spannung auf keiner Seite schmälern.
Der Autor DAVID SILVA unterteilte seinen fast 570 Seiten umfassenden Roman in 64 Kapitel, die er häufig dazu nutzt, den Ort der Handlung (London, Berlin, englische Küste, ...) zu wechseln, doch obwohl diese Ortswechsel recht häufig sind, fiel es mir jederzeit leicht, dem Handlungsverlauf insgesamt zu folgen und auch den Stil und die Wortwahl des Autors schien mir absolut geglückt, so dass ich DOUBLE CROSS - FALSCHES SPIEL immer als absolut angenehm zu lesen empfand.
Eine kleine Anmerkung noch zum Ausgang der Story, ohne diesen hier zu verraten: Obwohl dem Autoren für den Ausgang seiner Geschichte nicht allzu viel Spielraum blieb (schließlich sind die Alliierten bekanntermaßen in der Normandie gelandet), so birgt der Ausgang dennoch eine (kleinere) Überraschung.
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LESEPROBE
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Deutsche Spione waren in der Regel keine Killer. Die meisten waren geldgierig, von Abenteuerlust getrieben oder Faschisten, schlecht ausgebildet und mit wenig Geld ausgestattet. Was aber, wenn Vogel tatsächlich ein Netz mit Topagenten geknüpft hatte? Solche Leute waren besser motiviert, disziplinierter und mit ziemlicher Sicherheit auch skrupelloser. War es möglich, dass einer dieser Eliteagenten eine Frau war? Vicary hatte es bislang nur einmal mit einer Frau zu tun gehabt, einer jungen Deutschen, die es geschafft hatte, eine Anstellung als Hausmädchen bei einem britischen Admiral zu bekommen, Sie stöberte in seinen Papieren und schickte aus ihrer Dachkammer Berichte nach Deutschland, bis der MI5 sie entlarvte und verhaftete.
"Halten Sie im nächsten Dorf", sagte Vicary zu der Marinehelferin, die den Wagen fuhr. "Ich muss mal telefonieren."
Das nächste Dorf hieß Aston Magna - ein Weiler ohne Läden, der nur aus zwei Straßen und wenigen Cottages bestand. Ein alter Mann stand mit seinem Hund am Straßenrand.
Vicary kurbelte die Scheibe herunter: "Guten Tag." Der Alte trug Gummistiefel und eine dicke Tweedjacke, die so aussah, als sei sie mindestens hundert Jahre alt. Der Hund hatte nur drei Beine.
"Gibt es im Dorf ein Telefon?" fragte Vicary.
Der Alte schüttelte den Kopf. Vicary hätte schwören können, dass auch der Hund den Kopf schüttelte.
"Bisher hat sich noch keiner darum bemüht, eines zu bekommen."
Der Alte sprach mit einem so breiten Akzent, dass Vicary Mühe hatte, ihn zu verstehen.
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FAZIT
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Ich habe die Kombination aus fiktiver Spionagestory und realem Hintergrund, wie sie DANIEL SILVA in seinem Roman DOUBLE CROSS - FALSCHES SPIEL schildert, von der ersten bis zur letzten Seite mit Begeisterung gelesen und so kann ich diesen Roman hier auch guten Gewissens empfehlen.
Mein Urteil lautet SEHR GUT !
Fazit: top Spionagethriller





