Der Tod wartet - Agatha Christie
Die alte Dame und das Tote Meer - Der Tod wartet - Agatha Christie Krimis & Thriller Bücher

Neuester Testbericht: ... im September 1930 heiratete. In den folgenden Jahren begleitete Christie ihren Gatten mehrfach auf archäologischen Expeditionen durch de... mehr

Die alte Dame und das Tote Meer
Der Tod wartet - Agatha Christie

halcion

Name des Mitglieds: halcion

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Der Tod wartet - Agatha Christie

Datum: 11.05.04, geändert am 03.09.04 (288 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Charaktere, Schreibstil, Preis, Spannung,, Umschlagbild, von meiner Lieblingsautorin: Agatha Christie

Nachteile: "nur" 250 Seiten, ansonsten wirklich nichts, das ich bemängeln könnte

Buchhandlung. Krimis und Thriller. Agatha Christie. Bunte Taschenbücher, die meisten mir schon bekannt. Ich suche. Das Böse unter der Sonne. Tod auf dem Nil. Die Morde des Herrn ABC. Mord im Pfarrhaus. Black Coffee. Das Eulenhaus…
Ich könnte stundenlang so weitermachen, es scheint ganz so, als gebe es keine Christie-Bücher mehr, die ich noch nicht gelesen habe. Doch dann – dann fällt mein Blick auf einen hellgrauen Buchrücken. „Der Tod wartet“ ist auf ihm zu lesen, ein Titel, den ich nicht einordnen kann, der mir sogar gänzlich unbekannt ist. Ein schneller Griff, Klappentext gelesen, gekauft. Das ist die Vorgeschichte.

Das Buch
ist von außen hübsch anzusehen, von innen hübsch zu lesen. Umschläge finde ich normalerweise nicht weiter erwähnenswert, aber zu diesem möchte ich doch einige Worte verlieren, denn: Die Vorderseite hat auf eine seltsame Art und Weise meine Aufmerksamkeit geweckt. Man sieht auf den Rücken und Hinterkopf einer älteren Frau mit Hut. Diese steht an einem Strand und schaut auf das offene Meer. Die Farben sind alle ziemlich blass, das Meer wirkt irgendwie verloren – die Frau auch. Ein wirklich ansprechender Buchumschlag…
Mit 7.90 €uro liegt das 250seitige Buch durchaus in der Preisklasse, die ich als günstig betrachte. Erschienen ist es beim Scherzverlag – so wie unzählige andere Romane von Agatha Christie auch. Ganz besonders hat es mich gefreut, dass wieder einmal Hercule Poirot, die wohl bekannteste Figur Christies [Oder ist Miss Marple die Bekannteste?] in diesem Mordfall ermittelt, auch wenn er erst zu einem späteren Zeitpunkt wirklich im Geschehen auftaucht.

Die Geschichte

Sarah King, eine junge Ärztin aus England macht Urlaub am Toten Meer – genauso wie ein bekannter französischer Psychologe, die amerikanische Familie Boynton und natürlich Hercule Poirot selbst.
Dieser belauscht abends in seinem Hotelzimmer ein Gespräch zwischen zwei anderen Gästen unter seinem Fenster. Bei diesem Gespräch dreht es sich um Tod, die eine Person sagt zur anderen „Du siehst doch ein, dass sie sterben muss.“
Obwohl Poirot ein berühmter Detektiv ist, kommt ihm bei diesen Worten keineswegs ein Mord in den Sinn, eher denkt er, dass die beiden für ein Theaterstück proben oder Ähnliches.

Nun folgt die Geschichte erst einmal Sarah King, welche sich mit dem Psychologen Dr. Gérard unterhält – und zwar über den interessanten Fall der Familie Boynton. Das Oberhaupt dieser Familie ist die alte Mrs. Boynton – eine Tyrannin, die ihre Familie schon früh psychisch an sich gebunden hat. So sind die erwachsenen Menschen nicht ganz auf der geistigen Höhe, auf der sie sein sollten. Sie erheben keinen Einspruch gegen das, was ihre Mutter sagt, haben keinen Kontakt zu Außenstehenden, außer zu Mr. Jefferson Cope, einem engen Freund der Familie, und tun alles, was ihre Mutter von ihnen verlangt. Für Dr. Gérard ist dies alles aus psychischer Sicht wirklich höchst interessant.

Nun hat Sarah aber im Zug kurz mit Raymond Boynton, dem jüngsten Sohn der Familie, gesprochen und beide fühlen sich zu einander hingezogen. Etwas in Raymond scheint sich daraufhin für kurze Zeit gegen seine Mutter zu wehren, doch er ist zu abhängig von ihr. Auch sein älterer Bruder Lennox hat jeglichen Widerstand aufgegeben, erträgt einfach alles, mit einer traurigen Gelassenheit. Ihre älteste Schwester, Carol Boynton, spürt hin und wieder den Drang nach Freiheit, fürchtet sich aber auch vor ihr. Auf die jüngste Tochter, Ginevra Boynton, scheint die Mutter den größten Einfluss zu haben, sie ist ein psychisches Wrack und flüchtet sich in eine Traumwelt – der für sie einfachste und einzige Ausweg. Nur Nadine Boynton, Lennox’ Frau, scheint nicht unter dem Bann der Mutter zu stehen. Allerdings sieht sie auch keine Möglichkeit, etwas am Schicksal der Familie zu ändern.

Sarah versucht etwas gegen das tyrannische Oberhaupt zu unternehmen und verabredet sich nachts mit Caroline, welche jedoch solch große Angst vor ihrer Mutter hat, dass sie nur einmal erscheint. Auch Sarahs Annäherungsversuche an Raymond haben nicht die gewünschte Wirkung, er ist einfach schon zu abhängig von seiner Mutter und kann sich ein anderes Leben überhaupt nicht vorstellen.

Als Sarah bewusst wird, dass sie eigentlich nur Mitleid für Mrs. Boynton empfindet, weil diese nichts weiter zu tun hat, als ihre Familie zu unterdrücken, geht sie zu ihr und sagt ihr das ins Gesicht. Als Antwort bekommt sie „Ich vergesse niemals etwas!“, die darin steckende Gehässigkeit bestürzt sie. Doch da sie der Meinung ist, nichts mehr tun zu können, beschließt sie mit Dr. Gérard, Lady Westholme und Miss Pierce einen Ausflug nach Petra, einer Wüstenstadt, zu machen. Als sie jedoch dort ankommen, entdecken sie mit Erstaunen, dass auch die Familie Boynton mitgereist ist.

Nun entwickelt sich alles sehr schnell. Am Tag nach der Ankunft Sarahs und der anderen, erlaubt die alte Mrs. Boynton ihrer Familie, einen Spaziergang zu machen. Am Abend, als alle wieder zurück sind, wird Mrs. Boynton von einem Diener tot aufgefunden. Aber wer könnte es gewesen sein?
Ihre Familie war unterwegs und doch widersprechen sich die Aussagen zum Zeitpunkt, der Rückkehr der einzelnen Familienmitglieder. Auch Dr. Gérard war eigentlich mitgegangen, kehrte jedoch mit wegen einer Malariaerkrankung frühzeitig zurück. Ginevra Boynton war gar nicht mitgekommen, aber war sie aus psychischer Sicht überhaupt dazu fähig, einen Mord zu begehen? Diesen Fragen versucht Hercule Poirot auf den Grund zu gehen…

Leseprobe:

Gespräch zwischen Sarah King und Carol Boynton

[…] Sarah sagte rasch: „Wissen Sie, ich bin Ärztin. Ich habe gerade mein Examen gemacht. Ihre Mutter, vielmehr Ihre Stiefmutter, interessiert mich – als Fall, meine ich. Für mich ist sie nämlich eindeutig ein pathologischer Fall.“
Carol starrte sie an. Offensichtlich war das ein völlig neuer Gedanke für sie. Sarah hatte nicht von ungefähr gesprochen. Ihr war klar, dass Mrs. Boynton für ihre Familie eine Art mächtiger, abstoßender Götze war, der alles überschattete. Sarah hatte die feste Absicht, ihr ein wenig von ihrer Angst einflößenden Wirkung zu nehmen.
„Ja“, sagte sie. „Menschen können unter – unter krankhafter Herrschsucht leiden. Sie werden tyrannisch und bestehen darauf, dass alles genauso gemacht wird, wie sie sagen, und es ist immer äußerst schwierig, mit solchen Menschen zurechtzukommen. […] Wenn Sie so unglücklich sind – haben Sie dann nie daran gedacht, von zu Hause wegzugehen?“
Carol sah sie entsetzt an. „O nein! Wie könnten wir? Ich, ich meine, Mutter würde es nie erlauben.“
„Aber sie könnte Sie nicht daran hindern“, sagte Sarah sanft. „Sie sind doch volljährig.“
„Ich bin dreiundzwanzig.“
„Eben.“
„Trotzdem kann ich es nicht - ich meine, ich wüsste gar nicht, wo ich hingehen und was ich tun sollte.“
Ihre Stimme klang bestürzt.
„Wissen Sie, wir haben kein Geld.“
„Haben sie keine Freunde, zu denen Sie gehen könnten?“
„Freunde?“ Carol schüttelte den Kopf. „O nein, wir kennen niemanden!“ […]

Zu der Autorin

Wahrscheinlich schon öfter angeführt – in anderen Testberichten – möchte ich dennoch einiges zu der Autorin erzählen, was manchem, der noch nichts von ihr oder über sie gelesen hat, wichtig erscheinen könnte.

Agatha Christie, mit Mädchennamen Agatha Mary Clarissa Miller, wurde am 15. September 1890 in Torquay, im Westen Englands geboren. Sie hatte wohlhabende Eltern, welche sie erst mit 15 auf ein Pensionat in Paris schickten.
912 lernte sie Colonel Archibald Christie kennen, den sie 1914, bei Ausbruch des ersten Weltkrieges, heiratete.
1919 bekamen sie ihre Tochter Rosalind.
Im ersten Weltkrieg war sie als Krankenschwester und Apothekergehilfin tätig. Dabei eignete sie sich einiges an Wissen über Gifte an, was beim Schreiben ihrer Bücher sehr nützlich war.
1926 wurde sie mit ihrem ersten Buch Alibi/ The murder of Roger Ackroyd berühmt, doch ihr Mann wollte in diesem Jahr die Scheidung, nachdem er sich zu einer anderen Frau hingezogen fühlte.
Daraufhin verschwand Agatha für einige Zeit, der Grund blieb jedoch ungeklärt. Angeblich sei sie mit Gedächtnisverlust in einem Hotel in Harrogate gefunden worden.
Die Scheidung wurde 1928 anerkannt.
1930 lernte sie den 15 Jahre jüngeren Max Mallowan kennen und heiratete ihn im selben Jahr. Anscheinend war ihr mit ärztlicher Hilfe gelungen, ihr Gedächtnis wieder zu finden, daher widmete sie sich ganz der Arbeit ihres Mannes. Tatkräftig hilf sie bei Ausgrabungen im Orient mit und machte in dieser Zeit viele Photos und schrieb auch eine Autobiographie.
1973 erlitt sie einen Schlaganfall und beendete damit ihre Schriftstellerkarriere.
1976 starb sie mit 86 Jahren an den Folgen einer Erkältung.
Agatha Christie ist die erfolgreichste Schriftstellerin aller Zeiten. Sie schrieb nicht nur Krimis, sondern auch Theaterstücke und unter dem Pseudonym Mary Westmacott Liebesromane.

Diese Daten stammen hauptsächlich vom Text im Umschlag des Buches, doch nach den Daten der Zeit von 1890 bis 1912 und von 1926 bis 1937 habe ich für einen früheren Bericht bereits im Internet recherchiert. Wer es noch genauer wissen will, der sollte sich auf http://www.agathachristie.de/
umschauen.

Mein Fazit

Dieser Roman ist meiner Meinung nach, eine der besten Christies. Er ist zwar genauso gut durchdacht, wie sämtliche andere, geht aber sehr intensiv auf die psychologischen Aspekte ein.
In einigen Kundenrezensionen [siehe Amazon.de] wird kritisiert, dass diese sogar etwas zu detailliert sind, was aber nicht meiner Meinung entspricht. Für mich war es interessant zu lesen, wie Psychologen über Fälle, wie der Mrs. Boynton – und ich bin mir sicher, dass es solche Fälle durchaus gibt – denken. Ich zweifle nicht daran, dass diese Details relativ wahrheitsgetreu sind!
Außerdem denke ich, dass der Aufbau der Geschichte im Allgemeinen sehr spannungsfördernd ist. Ganz abgesehen davon, dass sie in zwei Teile geteilt ist, steigert die Spannung sich bis zu den allerletzten Seiten – was für Krimis nicht weiter ungewöhnlich ist – aber die Spannung setzt meiner Meinung nach, sofort am Anfang sehr hoch an.
Obwohl sich das Hauptgeschehen hauptsächlich im zweiten Teil abspielt, wird im ersten Teil ein Netz aus Informationen zu den Psychen der Familienmitglieder und der Meinung Außenstehender dazu geflochten.
Außerdem erwähnenswert finde ich, dass man, obwohl Sarah King sicherlich die Hauptperson ist und man sie anfangs zu kennen scheint, hinterher erstaunt ist, da man sich dennoch nicht sicher sein kann, ob sie mit dem Mord in Zusammenhang steht. Unüblich ist auch, dass sie im Laufe der Geschichte immer weiter in den Hintergrund rückt, im zweiten Teil schon gar nicht mehr als Hauptperson zu bezeichnen ist.

Wie schon gesagt, finde ich auch den Umschlag schön gestaltet und mit 7.90 €uro ist das 250 seitige Buch in meinen Augen als günstig zu bezeichnen. Obwohl eher unbekannt, ist es für mich eines der besten Bücher Christies!

Für weitere Informationen zu den Büchern empfehle ich die Seite:
http://www.krimi-couch.de/krimis/agatha-christie.h tml
Durch diesen Link kommt man sofort in den „Agatha-Christie-Bereich“ der Seite. Dort sind meines Erachtens die wichtigsten Bücher aufgeführt, ob es alle sind, kann ich nicht genau sagen. Auf jeden Fall fallen mir keine fehlenden Bücher auf!

Die wichtigsten Daten noch mal im Überblick:

Agatha Christie,
Der Tod wartet
Scherz Verlag
Originalausgabe: Appointment with death
250 Seiten
Preis: 7.90 €uro
ISBN: 3-502-51787-8
Links:
http://www.krimi-couch.de/krimis/agatha-christie. html
http://www.agathachristie.de/

Fazit: