Das Rachespiel - Arno Strobel
Wer ist gut? Wer ist böse? - Das Rachespiel - Arno Strobel Krimis & Thriller Bücher

Neuester Testbericht: ... Arno Strobel lebt mit seiner Familie in der Nähe von Trier. Der Inhalt ======= Frank Geissler glaubt an einen Scherz, als er die Webs... mehr

Wer ist gut? Wer ist böse?
Das Rachespiel - Arno Strobel

dik1609

Name des Mitglieds: dik1609

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Das Rachespiel - Arno Strobel

Datum: 26.07.17

Bewertung:

Vorteile: Ungemeine Spannung, logische Lösung

Nachteile: Finale wird zu sehr in die Länge gezogen

Schon seit geraumer Zeit lese ich sehr gern die Psychothriller Arno Strobels. Und so war ich auf der Suche nach einem Roman dieses Autoren, den ich bis dato noch nicht kannte. Da der Mann schreibt wie am Fließband, wurde ich fündig und durfte mich lesenswerter Weise wieder einmal in die kranke menschliche Seele vertiefen. Meine Eindrücke von und über dieses Buch sind im Folgenden zu lesen.

Der Kauf
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Das 2014 im Fischer Taschenbuchverlag erschienene Werk mit 347 Seiten wurde beim Internet-Anbieter buecher.de käuflich erworben. Zu zahlen waren dafür 9,99 Euro, wobei keine Versandkosten dazu kamen.

Das Aussehen
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Das Druckwerk im klassischen Taschenbuch-Format von 19 mal 13 Zentimetern hat einen schwarzen Einband. Auf dem Cover ist der Name des Autoren in weißer Schrift, der des Romans in relefierter lilafarbener Schrift zu sehen. Darunter ist das Bild eines hockenden Mannes mit nacktem Oberkörper gestellt. Auf der Rückseite gibt es eine kurze Inhaltsangabe.

Der Autor
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Arno Strobel, 1962 in Saarlouis geboren, gehört zu den erfolgreichsten deutschen Thrillerautoren. Alle seine Romane sind Bestseller. Bevor er sich ganz auf das Schreiben konzentrierte, arbeitete er lange bei einer großen deutschen Bank in Luxemburg. Arno Strobel lebt mit seiner Familie in der Nähe von Trier.

Der Inhalt
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Frank Geissler glaubt an einen Scherz, als er die Website aufruft: Ein Mann, nackt, am Boden festgekettet, in Todesangst. Daneben ein Käfig voller Ratten, unruhig, ausgehungert. Frank kann den Mann retten, heißt es. Aber nur wenn er Teil des "Spiels" wird und seine erste Aufgabe erfüllt. Angewidert schließt er die Website, doch kurz darauf ist der Mann tot. Und Frank schon mittendrin. Mittendrin in einem Spiel, bei dem es um Leben und Tod geht - für Frank, für seine Frau. Und für seine Tochter . . .

Meine Meinung
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Arno Strobel spielt in diesem Roman mit menschliche Ängsten. Das tut er gern und genau das zieht mich bei seinen Werken immer wieder in den Bann. Genau so ist das auch dieses Mal, wobei die Ekel erregende Auftakt-Szene allerdings nicht exemplarisch für das gesamte Werk ist, denn der Autor geht tiefer. Nicht nur der Protagonist wird in ein "Spiel" hineingezogen, das er nicht spielen will, sondern auch einige seiner Jugendfreunde. Und dabei steht zunächst nicht die Suche nach dem Urheber dieses Spiels, also dem Bösewicht als solchem, im Vordergrund, sondern vielmehr die Tatsache, wer überleben wird - denn das können nach den Regeln nicht alle Beteiligten, auch nicht ihre Familien. Und daraus entsteht ein Konflikt, der kaum besser geschildert werden könnte, denn einerseits ist unter den Freunden Loyalität gegeben, andererseits geht es um das eigene Überleben. Strobel stellt die Frage nach den Grenzen hier wie dort - und gibt sehr unterschiedliche Antworten, so unterschiedlich, wie Menschen nun einmal sind.

Ein wenig in die Länge gezogen finde ich den finalen Teil des Romans, der in einem geschlossenen Bauwerk, einem ehemaligen und offenbar labyrintisch großen immer dunkler werdenden Bunker, spielt, aus dem es kein Entrinnen gibt - zumindest nicht für alle Beteiligten. Hier muss Strobel tatsächlich Wiederholungen einbauen, um die Seiten zu füllen, wobei er aber gleichzeitig das Kunststück fertig bringt, den sehr früh steil aufragenden Spannungsbogen nicht abreißen oder auch nur unterbrechen zu lassen. Irgendwann kommt natürlich auch die Frage des Whodunnit auf, und einmal mehr versteht es der Autor, seine Leser immer wieder auf falsche Gedankengänge und -fährten zu führen. War ich mir in einem Moment noch sicher, wie die Lösung des Rätsels aussieht, so wusste ich doch wenig später, dass es genau so auf keinen Fall sein könnte - oder etwa doch? Hinter dem Spiel steckt natürlich ein kranker Geist - und ich bin mir sicher, dass mancher Psychologe die Realitätsmöglichkeit des Geschehens bejahen würde, denn Strobel schafft es einerseits, die Nähe von Genie und Wahnsinn aufzuzeigen, und dennoch der Logik zu folgen, wobei Rückblenden den Leser mehr und mehr verstehen, aber zugleich auch fragen lassen - das ist verdammt gut gemacht.

Die verwendete Sprache ist einfach, das Buch lässt sich flüssig lesen, zumal es nur einen Haupt-Handlungsstrang und ebenfalls nur eine Perspektive gibt. Die Schilderungen sind ausreichend, aber nicht überbordend. Und das ist alles gut so, denn der Leser will einfach nur weiter, immer weiter, will des Rätsels Lösung wissen und ist am Ende enttäuscht, dass das Buch schon beendet ist. Die Spannung in diesem Roman jedenfalls sorgte dafür, dass ich eher wenig Lesepausen einlegte und an manchem Morgen müder war als gewöhnlich, weil die Nacht der Lektüre wegen doch kurz geriet. Der Roman besteht aus Prolog und 41 Kapiteln. Die sind durchaus sinnhaft gesetzt, animieren aber auch nicht zwingend zu Lesepausen, weil sehr häufig einer der Roman-Abschnitte mit einem Cliffhanger endet. Und dann muss weiter gelesen werden, gleichgültig, ob nun ein neues Kapitel beginnt.

Allen Freunden des gepflegten Psychothrillers kann ich diesen Roman empfehlen. Klaustrophobiker sollten das Buch dagegen vielleicht nicht lesen, wenn sie allein zu Hause sind.

Fazit: Ein solider Thriller