Das glühende Grab - Yrsa Sigurdardottir
Die Mystik fehlt - Das glühende Grab - Yrsa Sigurdardottir Krimis & Thriller Bücher

Neuester Testbericht: ... geboren 1963, studierte Bauingenieurwesen in Reykjavík und Montreal. Seit 1998 schreibt sie Kinderbücher, im Jahre 2005 erschien ihr ers... mehr

Die Mystik fehlt
Das glühende Grab - Yrsa Sigurdardottir

dik1609

Name des Mitglieds: dik1609

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Das glühende Grab - Yrsa Sigurdardottir

Datum: 17.09.17

Bewertung:

Vorteile: Solider Kriminalroman mit gutem Spannungsbogen

Nachteile: Das typisch Isländische fehlt mir

Island ist ein Land, in dem schon mal Baugenehmigungen nicht erteilt werden, weil das geplante Vorhaben die Elfen stören könnte. So etwas finde ich sympathisch - und die auf der Vulkan-Insel im Nordatlantik enorm verbreitete Mystik findet natürlich auch Einzug in die Literatur des Landes. Als Freund des gepflegten Kriminalromans durfte ich mich davon schon in der Vergangenheit überzeugen, als ich erste Werke der isländischen Autorin Yrsa Sigurdadottir las. Und diese ersten von mir gelesenen Werke sorgten dafür, dass mich nach mehr dürstete - mehr Island, mehr Kriminalroman, mehr Mystik, mehr Sigurdardottir. Natürlich stillte ich dieses mein Verlangen selbst - indem ich den Roman "Das glühende Grab" käuflich erwarb. Inzwischen wurde er gelesen. Nun kann darüber berichtet werden.

Der Kauf
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Das 2008 im Fischer-Taschenbuchverlag (Internet: www.fischerverlage.de) erschienene Buch mit 368 Seiten kostete mich genau 8,95 Euro. Wer in Österreich lebt, muss 9,20 Euro dafür bezahlen.

Das Aussehen
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Das Werk im klassischen Taschenbuch-Format von 19 mal 12 Zentimetern besticht auf seinem Titel durch loderndes Feuer - ganz offensichtlich handelt es sich bei den vielen Gelb-, Orange- und Rot-Tönen um die aus einem Vulkan ausgetretene Lava. Insofern harmoniert das Bild mit dem Titel des Werkes, der in gleichen Farben über der Lava nachzulesen ist. Auf der Rückseite des Buches gibt es eine kurze Inhalts-Angabe und eine - natürlich positiv ausfallene - Kurz-Rezension.

Die Autorin
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Yrsa Sigurðardóttir, geboren 1963, studierte Bauingenieurwesen in Reykjavík und Montreal. Seit 1998 schreibt sie Kinderbücher, im Jahre 2005 erschien ihr erster Kriminalroman "Das letzte Ritual". Ihre Bücher sind mittlerweile in 30 Sprachen übersetzt. Neben dem Schreiben arbeitet sie als Ingenieurin in Reykjavík. Sie wurde bereits mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet.

Der Inhalt
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Auf den isländischen Westmännerinseln werden bei Ausgrabungen im Sommer 2007 drei Leichen und ein abgetrennter Kopf gefunden. Sie liegen im Keller des Elternhauses von Markús Magnússon, das bei einem Vulkanausbruch vor mehr als dreißig Jahren verschüttet wurde. Da Markús die Ausgrabung unbedingt verhindern wollte, steht er plötzlich unter Mordverdacht: Hat er als Jugendlicher drei Menschen getötet und verstümmelt? Rechtsanwältin Dóra glaubt an Markús' Unschuld. Doch dann wird noch eine Leiche entdeckt ...

Meine Meinung
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Die Isländer sind schon ein ganz besonderes Volk. Das wissen wir alle nicht erst seit der jüngsten Fußball-Weltmeisterschaft. Aber Isländer ist nicht gleich Isländer - genau das will uns die Autorin offenbar vermitteln. Es gibt auch Außenseiter in diesem Land - und zu denen zählen nach allgemeiner Meinung ganz gewiss die Menschen, die auf den Westmännerinseln leben, die von anderen Isländern als rückständig angesehen und entsprechend nicht so richtig ernst genommen werden. Das zumindest habe ich schon mal gelernt. Aber vorher wusste ich schon, dass es - gleich in welchem Kulturkreis - Verbrechen gibt. Auch auf den Westmännerinseln. Und so ein Verbrechen, ein ungeheuerliches gar, wird erst Jahre später entdeckt. Dennoch gilt es natürlich, einen Mehrfach-Mord aufzuklären. Die Polizei macht es sich einfach, Anwältin Dora nicht: Sie verteidigt den Haupt-Verdächtigen nicht nur, sondern ermittelt auch selbst. Genau so, wie sie das auch schon in den zuvor von mir gelesenen Romanen getan hat.

Das alles klingt nach einem einfachen Strickmuster, dessen sich Kriminalroman-Autoren schon seit jeher bedienten. Und es ist auch ein einfaches Strickmuster, das nicht von Sigurdardottir erfunden wurde, das sie aber geschickt nutzt. Der Leser kann nur den Kopf schütteln ob der einst begangenen Verbrechen und einen Hintergrund dafür ganz und gar nicht erkennen. Die Ermittlungen der Rechtsanwältin führen den Konsumenten des Romans - natürlich in die falsche Richtung. Genau dann, wenn der Leser alles zu wissen glaubt, macht ihm die Autorin deutlich, dass das alles doch ganz anders gewesen sein muss. Das ist schon gut gemacht und sorgt dafür, dass der recht schnell ansteigende Spannungsbogen nicht so schnell wieder abfällt. Und natürlich ist die Lösung des Rätsels am Ende ebenso glaubhaft-pausibel wie logisch. Da wird nichts an den Haaren herbei gezogen, das alles könnte durchaus Realität sein, wobei der Leser ja auch einen Teil der jüngeren isländischen Geschichte vermittelt bekommt, denn Vulkanausbrücke und daraus resultierende Evakuierungen sind hier auch jetzt noch im Grunde genommen täglich möglich.

Ein durchaus interessanter Plot ist das also, der im Buch behandelt wird. Und es lässt sich dank eines flüssigen Schreibstils mit nicht übertriebenen Schilderungen auch gut lesen, wenn sich der Konsument erst einmal an die für Mittel-Europäer ungewöhnlichen isländischen Namen gewöhnt hat (hilfreich ist hier eine Auflistung der handelnden Personen auf den hinteren Seiten des Buches). Und dennoch: Dieses Werk ist meiner Meinung nach nicht das beste, das ich von Sigurdardottir gelesen habe, denn irgendwie wirkt der Kriminalfall einfach zu nüchtern. Abgesehen davon, dass Vulkan-Ausbrüche in Europa ansonsten eher selten sind, könnte die Geschichte eigentlich auch überall anders als in Island spielen. Warum nur verzichtete die Autorin beim Schreiben dieses Buches auf sämtliche Elfen, Trolle und sonstigen mystischen Wesen wie Geschehnisse? Genau das war es doch, was mir das Lesen ihrer Bücher vorab schmackhaft gemacht hatte, denn irgendwie hatte sich der Leser immer wieder fragen müssen, ob diese Mystik nur Einbildung ist - oder ob da doch etwas Konkretes dahinter steckt. Immerhin werden ja auch in Island (siehe oben!) der Elfen wegen Baugenehmigungen verweigert. Und so ist "Das glühende Grab" für mich nur ein Kriminalroman unter vielen - nicht wirklich schlecht, aber auch nicht überragend. Und irgendwie auch kaum typisch isländisch.

Ich habe die Lektüre dieses in Prolog und 38 Kapitel eingeteilten Romans trotz der negativen Kritik oben nicht bereut, weil es eben schlicht und einfach ein solider Krimi ist. Und ich werde auch weitere Werke dieser Autorin lesen, deren Namen ich zwar halbwegs schreiben, aber kaum aussprechen kann. Ich hoffe nur, dass es dann wieder etwas typischer isländisch zugeht. Und ein wenig Mystik darf ruhig sein . . .

Fazit: Das geht besser