
Produkttyp: Sennheiser Kopfhörer
Neuester Testbericht: ... und Geräte im 40Mhz oder 863MHz Bereich oder infraroter Übertragung zu wählen. Der Sennheiser stellt nach etwa 10 Minuten ohne ... mehr
Universum aus zwei Nußschalen
Sennheiser RS 60

Autor-Name: falk.duebbert
Produkt:
Sennheiser RS 60
Datum: 07.09.02, geändert am 07.09.02 (1392 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: keine Strippe, große Reichweite
Nachteile: Systembedingt schlechterer Klang als mit Kabel, keine Akkuanzeige
OK! Ich gebe es zu. Ich habe es getan. Aber ich war jung.
ICH HABE AUCH EINEN DRAHTLOSEN KOPFHÖRER.
Wer will, kann jetzt den ersten Stein werfen.
***
Ich habe ein fast komplettes Home Cinema.
74cm Fernseher (ein monströses Gerät für 100DM erstanden und selbst instand gesetzt), S-VHS Videorecorder der gehobenen Klasse, Surrounddecoder, Frequenzweiche, 5 Kanal Endstufe und entsprechende laute Sprecher, darunter ein aktiver Subwoofer.
Eine eigene Lötstation und ein paar elektronische Grundkenntnisse machen vieles möglich. Da sitze ich nun abends auf meinem alten Sofa und lege den Film ein.
Die Endstufe gibt in Verbindung mit dem Aktivsub den Argumenten der Bösewichte und Helden genügend Nachdruck. Doppelte Lautsprecher für Film und HiFi machen Umstecken von Kabeln überflüssig.
Für mich stellt ein auf diese Art und Weise zelebrierter Abend mit ein oder zwei Freunden, Fingerfood und ein paar irischen Bier fast den sprichwörtlichen ?perfekten Abend? dar.
Es sind die solche Augenblicke, für die es sich zu leben lohnt.
Ich kündige solche Abende meist bei meinen Nachbarn vorher an und mache auch nur selten , höchstens zweimal im Monat, Gebrauch davon. Die hohe Verfügbarkeit der Geräte birgt die Gefahr, dass der Augenblick des Filmgenusses zur Beliebigkeit verkommt. Durch zu häufige Benutzung kann man sich jeden Spaß verleiden.
Aber was macht der Cineast werktags, außer am Cheap Tuesday?
-> Er greift zum Kopfhörer - wie der Musikliebhaber.
So'ne Strippe macht 'ne dicke Lippe.
Wenn man aber nicht allein ist, dann gibt es ein lustiges Kabelgewirr mit der Strippe zum Kopfhörer des Beziehungspartners und eine wirksame Stolperfalle, wie Pioniere sie nicht besser stellen könnten. Also weg mit mindestens einer Strippe, auch wenn ich sonst eher zu den Freunden des drahtgebundenen Hörgenusses gehöre.
Räumungsverkauf sei Dank - kam ich billig (extrem billig)
an ein RS60 von meiner zweitliebsten Kopfhörermarke. Haken: Es fehlte das Audiokabel, die Bedienungsanleitung hatte einen Fleck (genau im deutschen Teil) und der Karton hatte nicht mehr die ursprüngliche Form.
Eine Email an Sennheiser reichte und ich bekam das fehlende Kabel vier Tage später zugeschickt. Eigentlich hatte ich nur nach dem nächsten Händler gefragt.
Der Betrag auf der beiliegenden Rechnung lautete: 0,00 ?.
Bislang kenne ich so einen Service nur von meinem Entsafter. Bei anderen Herstellern habe ich das so ny erlebt :-)
Farbe egal ? Hauptsache schwarz
Das RS60 besteht aus Kopfhörer HDR60 und der Basis T60. Der HDR60 ist anthrazitfarben und die T60 ist schwarz.
Wie von Omas IR-Fernsehhörer von derselben Marke her bekannt, hat die Basisstation zwei Ladeschächte. Einer ist der Kopfhörer selbst und einer befindet sich in der Rückseite des Geräts. Auf der Rückseite der Basis sind auch die Anschlüsse für ein 12V Netzteil und das Audiokabel, die leider völlig proprietär sind und damit bei Verlust der entsprechende Zubehörteile nur mit Originalteilen ersetzt werden können. Die Ladestation hat eine Runde Form und aus ihrem Zentrum ragt die Antenne hervor. Der sichtbare Teil ist Teil des Gehäuses, vermutlich ist unter dem Kunststoff eine Patchantenne. Vorne befinden sich Kanalwahltaster, Ladekontrolleuchte(rot), zwei Leuchtdioden(grün) für Kanalanzeige und ein Taster und eine Leuchtdiode für die Surroundfunktion.
Links und rechts sind die Schalen für die Hörermuscheln. Darin sind Führungen. Setzt man den Kopfhörer passend, es geht nur richtig herum, in die Schalen beginnt der Ladevorgang. An den Kontakten liegen harmlose 6V an. Trotzdem ist ein offener Kontakt eigentlich ein Makel, allein schon aus ästhetischen Gründen.
Der Kopfhörer selbst ist, wie gesagt, von einer silbrigen Applikation am Bügel mal abgesehen anthrazitfarben. Die Bedienelemente und der Akku befinden sich auf der rechten Seite. Ein sch
önes analoges Einstellrad für die Empfangsfrequenz, ein Ein/Ausschalter und ein Lautstärkeregler lassen den Rechtshänder alle Einstellungen blind vornehmen. Der Kopfhörer besteht fast ganz aus Kunststoff, was aber nicht unbedingt ein Nachteil ist. Der Kunststof jedenfalls ist sehr gut verarbeitet und die Oberfläche sehr gut. Die Polster sind nicht so schön wie bei den HD570/HD590 aber auf jeden Fall schön anzufassen. Die Staubanziehung des Samtüberzugs auf den Muscheln ist jedoch enorm.
Technisches
Der RS60 ist eine FM Sender- und Empfänger-Kombination, die im 863 MHZ Bereich arbeitet. Keine Verschlüsselung oder Verschleierung - ein einfacher Handscanner genügt um die Musik zu schnorren.
Das war mir besonders wichtig, denn alte 433Mhz Geräte kollidieren mit dem Simplexbereich der Funkamateure. Dazu müssen die Funkenthusiasten nicht mal in der Nähe der Frequenz der Kopfhörer, Heizungen, Garagentore... funken, denn die Sch...-Empfänger dieser ISM-Geräte übersteuern gerne.
Da ich auch Funkamateur bin, weiß ich wie ärgerlich so ein Dauerträger sein kann. Man sollte also beim Kauf darauf achten, nicht auf eine alte 70cm (433Mhz) Kiste reinzufallen und Geräte im 40Mhz oder 863MHz Bereich oder infraroter Übertragung zu wählen.
Der Sennheiser stellt nach etwa 10 Minuten ohne NF am Eingang den Sendebetrieb ein.
Der Audio-Übertragungsbereich ist auf 20 kHz beschränkt, da dort bereits die Austastlücke und der FM-Stereopilot zu sehen ist. Ich habe mir mal das Signalspektrum der Sendestation auf einem Empfänger mit entsprechender Funktion angeschaut. Meine -6dB Hörgrenze liegt zwar noch über 20kHz, aber ein großer Verlust sind die Töne über dieser Frequenz nicht.
Jetzt gibt was auf die Ohren
Wer neuere Sennheiser kennt, hat natürlich große Erwartungen und wird ein wenig enttäuscht. Die Ohrmuscheln sind nicht ganz so groß, wie die der HD5X0-Serie.
Das führt dazu, dass die Ohren nicht vö
llig frei in den Kopfhörern sind sondern hinten und oben anliegen. Nach außen sind sie frei.
Man kann durchaus ?Apocalypse now? ansehen ohne heiße Ohren zu bekommen ? mehr aber auch nicht.
Der Kopfhörer ist wider Erwarten um einiges schwerer als die drahtgebundenen System aus dem selben Hause. Solange man den Kopf nicht permanent bewegt, empfindet man das Gewicht kaum als störend. Der Schwerpunkt liegt nahe dem des Kopfes.
Erst, wenn man den RS60 nach einem langen Film vom Kopf nimmt macht sich das Gewicht, bzw. dessen Abwesenheit, bemerkbar. Einen Kopfhörer mit Kabel trägt man um einiges länger. Vor allem hat der Kopfhörer mit Kabel keinen Akku, der mit einem leisen Plopp den Hörgenuss beendet. Nach 6 Stunden laden hat man mit dem RS60 etwa drei Stunden Hörzeit.
Der Klang
Ich habe den ersten Funkkopfhörer in meinem Leben mit viel Argwohn aufgesetzt. Auch dass das Kind aus gutem Hause stammt, macht die Defizite nur ein wenig geringer.
Der Kopfhörer ist ohne die Surroundfunktion sehr luftig, frei. Ein typischer Sennheiser - allerdings wirkt er nicht ganz so detailliert, wie die anderen Semmelheizer. Viele Details in ?Vier Jahreszeiten? (Bondi-Einspielung / Opus 111) wirken einfach dahingeschmiert. Aber das Duo T60/HDR60 gehört ohne Zweifel zu den besseren Doppeln.
Der Klang ist unverzerrt und farbrein auch bei großen Pegeln. Aber als Musikkopfhörer genügt er in puncto Detailreichtum, Dynamikumfang und Impulstreue nicht meinen Ansprüchen.
Aber er klingt immer noch besser als alle In-Ohr-Knöpfe, die ich kenne und meine Ansprüche liegen nicht in Bodennähe.
Das Universum aus zwei Nusschalen
Anders ist der Kopfhörer als Filmkopfhörer ? SRS labs incorporated bürgen für 2D Klang(links-rechts/vorne-hinten).
Es gibt sehr aufwendige Surroundsysteme für Kopfhörer. SRS gehört sicher zu den einfachen.
Der SRS-Effekt beruht auf einem einfachem Trick.
Man macht z
unächst eine Stereobasisverbreiterung und addiert die Differenz zum Originalsignal. Dadurch wird der Klang im Kopfhörer breiter.
Dann filtert man gemäß dem Surroundverfahren die rückwärtigen Töne und schiebt diese in der Frequenz und der Phase ein wenig. Natürlich wird der Ton dabei nicht wirklich ?besser?.
Am Ende werden Artefakte durch eine Bandbreiteneinengung herausgefischt.
Tatsächlich hat man einen hervorragenden räumlichen Eindruck, soweit es den Rückkanal angeht. Leider kommt der Center von zwischen den Ohren und die Hauptkanäle sind nicht wirklich weit auseinanderund auch nicht vor dem Hörer.
Die Räumlichkeit ist aber in sich richtig und gegenüber normalen Kopfhörern phänomenal. Die germanischen Horden in Gladiator wirken richtig grausam und man hört die Katapulte und die Reiter von hinten rechts.
Fazit
Das Lustige ist: Man verpasst klanglich nichts, wenn man mal das getrunkene Bier abstellt oder die Pizza aus dem Rohr holt. Es sind zwar keine 100m aber in einer 35m² Wohnung gibt es immer Empfang. Ein Funkkopfhörer ist ein echter Problemlöser für Cineasten. Für Musikliebhaber gibt es für das gleiche Geld klanglich besseres - mit Kabel.
Fazit:

