Sega Mega CD II
Die Welt ist eine Scheibe - Sega Mega CD II Konsole

Produkttyp: Sega Spielkonsolen

Neuester Testbericht: ... stand kurz vor dem Bankrott. Es gab somit scheinbar keinen Grund etw. zu verändern. Mit dem Sega Mega CD wollte Sega vorallem signalisiere... mehr

Die Welt ist eine Scheibe
Sega Mega CD II

Elektro-Man

Name des Mitglieds: Elektro-Man

Produkt:

Sega Mega CD II

Datum: 16.05.09

Bewertung:

Vorteile: über 200 Spiele

Nachteile: sperrig, benötigt Sega Mega Drive aber eigenen Stromanschluss

Nach etlichen Spieleberichten kommt nun wieder ein Hardwarebericht von mir.

Das Sega Mega CD erschien 1991 und war die ersten Spielkonsole mit einem CD Laufwerk weltweit. Zwar erschien bereits einige Monate zuvor 1990 das CD-i von Philips, dieses wurde jedoch hauptsächlich als ein Multimedia System anstatt einer Spielkonsole vermarktet und war ein totaler Reinfall.
Sega Mega CD war ein Versuch die erfolgreichste Spielkonsole von SEGA, den Sega Mega Drive (siehe meinen anderen Testbericht), der erst 1988 auf den Markt kam, durch ein Upgrade zu modernisieren. Ähnlich wie bei PC Komponenten, sollte der Kunde keine völlig neue Konsole kaufen, sondern die alte durch Upgraden auf den aktuellsten Stand der Technik bringen. Als weiterer Vorteil war gedacht, dass die Spielemacher weiterhin auf ein ähnliches System zugreifen konnten ohne mit viel Aufwand und Kosten verbunden sich wieder auf eine ganz andere Spielkonsole umstellen zu müssen. Der ursprünglich auf ca. 4 Jahre angesetzte Lebenszyklus des Sega Mega Drive sollte damit auch deutlich verlängert werden.

Das klang in der Theorie logisch und nachvollziehbar, die Praxis sah jedoch etw. anders aus. Seinerzeit war SEGAs Mega CD zwar die weltweit leistungsstärkste und modernste Spielkonsole, dieser technische Vorsprung hatte aber auch seinen Preis.
Satte 580 DM wollte Sega für das Gerät in Deutschland anfangs haben ! Es war damit mehr als doppelt so teuer als die Sega Mega Drive Spielkonsole und dabei war Sega Mega CD nur ein Upgrade. Man konnte mit Sega Mega CD alleine nichts anfangen, man benötigte beide Spielkonsolen ! Wer also noch keinen Mega Drive hatte, musste sich erst diesen kaufen, der damals noch ca. 250 DM kostete.
250 + 580 = 830 DM , das war den meisten viel zu teuer.

Es lag aber nicht nur am Preis, der mehr einer überteuerten Spielkonsole als einem Upgrade entsprach, sondern auch die Größe. Sega Mega CD war alles andere als "Compact Disc". Es war selber sogar ein wenig größer als die Sega Mega Drive Spielkonsole. Und man musste beide Geräte und den Fernseher teils etwas kompliziert miteinander verbinden. Sega Mega Drive mit dem Sega Mega CD, dann noch Kabel für Sound und BEIDE Geräte benötigten jeweils einen eigenen Stromanschluss.
Wenn dann beides miteinander verbunden war, musste man noch Platz finden, um diese irgendwo hinzustellen. Eventuell passte der Haufen sogar nicht mehr in den Schrank.

Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen. Sega nahm es anfangs jedoch gelassen. Immerhin gab es keine Konkurrenz. Nintendo war noch lange nicht soweit mit ihrer neuen Konsole und hatte immernoch nur den Super Nintendo ohne CD Laufwerk zu bieten. Philips CD-i richtete sich an eine andere Zielgruppe und war von Anfang an dem Untergang geweiht, Erzkonkurrent Atari stand kurz vor dem Bankrott. Es gab somit scheinbar keinen Grund etw. zu verändern.
Mit dem Sega Mega CD wollte Sega vorallem signalisieren, dass der Sega Mega Drive die bessere Wahl sei. Weil, selbst wem das Sega Mega CD derzeit zu teuer war, sollte den Eindruck kriegen, dass der Sega Mega Drive keine alte Auslaufspielkonsole war, sondern zukunftsicher und durch solche modernen Upgrades noch lange Zeit am Markt bleiben wird. In der Tat stiegen die Verkaufszahlen des Sega Mega Drives nach der Einführung von Sega Mega CD ein wenig und Sega hoffte, dass viele Besitzer dieser Spielkonsole in naher Zukunft sich doch noch für ein Upgrade entscheiden würden.

Auch wenn Sega keinen Druck hatte auf die Kritik zu reagieren, tat man es doch und entwickelte schon bald einen Sega Mega CD 2. Ähnlich wie bei Sega Mega Drive 2 war es im Grunde genommen genau die gleiche Spielkonsole, die lediglich vorallem bezogen auf die Produktionskosten optimiert wurde.
So hatte Sega Mega CD 2 im Gegensatz zu Sega Mega CD 1 kein CD Fach mehr, sondern einfach eine CD Klappe, was auch für spätere Spielkonsolen (Sony Playstation, Sega Saturn, Nintendo Game Cube) typisch war. Beim Sega Mega CD 2 wurde auch die Anzahl der LEDs reduziert und der Anschluss an das Sega Mega Drive war etw. einfacher, wenn auch immer noch kompliziert.
Gleichzeitig schaffte Sega damit aber etwas Verwirrung. Einige Kunden waren verunsichert durch die ganzen Modelle: Sega Mega Drive, Sega Mega Drive 2, Sega Mega CD, Sega Mega CD 2. Dabei waren alle Konsolen mit und unter einander kompatibel! Man konnte also einen Sega Mega Drive 1 an einen Sega Mega CD 2 anschließen oder Sega Mega CD 2, also alle Kombinationen funktionierten !

Auch der Preis wurde beim Sega Mega CD 2 ein wenig reduziert. Da gleichzeitig auch der Preis vom Sega Mage Drive weiter ein wenig fiel, war die Spielkonsole jedoch immer noch mehr als doppelt so teuer wie Sega Mega Drive.

Was konnte nun aber eigentlich das Sega Mega CD alles, was Sega Mega Drive nicht konnte, was den Kauf rechtfertigen könnte ?
Es konnte Musik CDs abspielen. Klingt heute selbstverständlich langweilig. Damalige CD Player waren aber noch sehr teuer. Es konnte KEINE(!) Video CDs abspielen, A B E R es wurden neben Videospielen auch Filmen auf speziellen CDs für das Sega Mega CD angeboten, die dann auch nur auf dieser Spielkonsole betrachtet werden konnten. Und es bot einige technische Neuerungen.

Hier folgt ein direkter Vergleich zwischen Sega Mega Drive und Sega Mega CD:

Hauptprozessor
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Mega Drive: 7,61 MHz
Mega CD: 12,5 MHz
Es standen beide CPUs gleichzeitg zur Verfügung, theoretisch beträgt die Rechenleistung also ca. 20 MHz (Vergleich Super Nintendo 3,58 MHz)

Sound
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Mega Drive: 6 Kanal
Mega CD: 8 Kanal
Auch hier konnten somit bis zu 14 Kanäle benutzt werden.

Datenträger
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Mage Drive: Cartridges (typischerweise 8 bis 16 MB, Ausnahmen bis 32 MB)
Mega CD: CDs 1x speed (650 MB, Ausnahmen mit über 700 MB)
Mega CD hatte keinen Kopierschutz, gebrannte CDs lassen sich auch ohne MOD Chips spielen, weil es damals eh kaum CD Brenner gab.

Speicher
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Mega Drive: 64 KB Ram
Mega CD: 4 MB Ram
Mega CD hatte auch 64 KB Rom Speicher, quasi um Spielstände ohne Memory Card speichern zu können, was jedoch von den meisten Spielen nicht benutzt wurde.

Grafik
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Es stand zusätzlich durch den Mega CD ein verbesserter Grafik Chip zur Verfügung.


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Neben Sega Mega CD folgte später ein weiteres Upgrade für den Sega Mega Drive, Sega 32x. Wenn man alle 3 Konsolen besaß und zusammengebaut hatte, hatte man wirklich ein kleines Monstrum daheim, weil alle Geräte nicht gerade klein waren und jeweils einen eigenen Stromanschluss erforderten.

Sega brachte recht spät, erst 1994 den Sega Multi Mega auf den Markt. Das war eine Spielkonsole, die Sega Mega Drive und Sega Mega CD endlich in einem einzigen kompakten Gerät miteinander vereinte. Das besondere am Multi Mega war, dass es auch mit Batterien betrieben werden konnte. Beispielsweise als Walkman/CD-Spieler. Wobei es natürlich dafür alles andere als handlich war.
Allerdings kostete Segas Multi Mega anfangs unglaubliche 999 DM und war somit teuerer, als wenn man sich den Mega Drive und Mega CD einzeln gekauft hätte. Außerdem war es nicht nachvollziehbar, warum Sega Multi Mega keinen eingebauten 32x hatte, so dass man dieses Upgrade immer noch separat dazukaufen musste/konnte.

Die Ankündigungen von Sony mit der neuen Spielkonsole, der Sony Playstation, nahm Sega nicht sehr ernst. Immerhin hatte Sony bis dahin noch keinerlei Erfahrung in diesem Bereich, während Sega schon seit einem Jahrzehnt sich erfolgreich durchgesetzt hatte. Man hatte auch das Scheitern von Philips gesehen und Atari völlig vom Markt gedrängt. Man glaubte Nintendo technologisch Lichtjahre voraus zu sein, kurzum, obwohl die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen blieben, war man erfolgsverwöhnt und siegessicher bei Sega.
Nicht zuletzt, weil man ebenfalls noch eine weitere Spielkonsole im Ärmel hatte, Sega Saturn, der die Verwirrung bei dem Kunden perfekt machte.

1994 gab es 7 (!) Spielkonsolen auf dem Markt allein von SEGA und dabei ist der Sega Game Gear als Handkonsole noch nicht mal mitgerechnet !
Sega Mega Drive, Sega Mega Drive 2, Sega Mega CD, Sega Mega CD 2, Sega Multi Mega, Sega 32x, Sega Saturn. Wie sollte da noch einer durchblicken ? Vorallem, weil die meisten Konsolen sehr, sehr teuer waren, zu teuer für Experimente. Eigentlich hat SEGA genau das Gegenteil von dem Erreicht, was es erreichen wollte. Sega CD sollte als Erweiterung dem Käufer Sicherheit geben, dass dieses System für die Zukunft gemacht sei. Stattdessen schaffte es Verwirrung. Es gab soviele verschiedene sehr teuere Spielkonsolen. Bei der Konkurrenz gab es nur eine einzige, das Super Nintedo oder später die Sony Playstation, dort hatte man nicht die Qual der Wahl und da Sega zwar sehr viel in Enwicklung investierte, aber kaum in Werbung, Schnitt man sich ins eigene Fleisch.
Man konnte vom Kunden nicht erwarten, dass er all die technischen Details vorm Auge hatte, selber ein Experte war. Das nutzten Nintendo und Sony voll aus, indem sie teils durch Werbung mit verdrehten Fakten, man kann schon von legaler Manipulation sprechen, die Kunden für sich gewinnen konnten.

Kurzum Sega Mega CD gilt als Segas erster Flop und der Anfang einer nicht mehr endenden Flopserie. Es ist irgendwie ironisch, dass dieser erste erfolglose Konsole von Sega genauso "erfolgreich" war, wie Segas letzte, der Sega Saturn. Die Verkaufszahlen und Spieleanzahl ähneln sehr einander.
Sega Mega CD verkaufte sich weltweit etwa 6 Millionen mal und es erschienen über 200 Spiele für das System.

Ich hab die Konsole immer noch im Keller und das Teil ist schon etw. besonderes. Seinerzeit wäre mir das Gerät auch viel zu teuer gewesen, ich hatte es später ganz günstig gebraucht gekauft.
SEGA hat zwar zu viele Fehler bei der Vermarktung seiner Produkte damals gemacht, trotzdem bedaure ich den geringen Erfolg dieser Serie, weil dadurch insgesamt die weitere Entwicklung und Innovation in diesem Bereich bis heute ins Stocken geraten ist. Das wird einem am deutlichsten, wenn man zurückblickt, wie sich die Videospielindustrie in den Jahren von 1990 bis 1994 verändert hat, verglichen mit der Situation nachdem sich SEGA vollständig aus dem Hardwarebereich zurückzog, also 2002 bis heute. Natürlich wurde der Fortschritt nicht gänzlich auf Eis gelegt. Gerade das Thema Onlinegames und Wii sind einige nennenswerte Enwicklungen. Es geht aber nur noch mit Schneckentempo voran.

Fazit: Bei Mega CD kamen Bastelfans auch bei Spielkonsolen auf ihre Kosten

Verarbeitung:    
Bedienkomfort:    
Grafik:    
Sound:    
Ausstattung:    
Spieleauswahl: